Alternative
Mobilität
02.07.2014

(B)Logbuch Ampera

Unsere Erfahrungen mit dem Opel Ampera

Für drei Monate steht unserer Redaktion ein Opel Ampera zur Verfügung. Auf dieser Webseite werden wir Ihnen von unseren Alltagserfahrungen mit der E-Mobilität und dem Opel Ampera berichten.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 24:

Schmerzlicher Abschied

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Opel

So, nun sind unsere drei Monate mit dem Opel Ampera leider um, und damit ist es an der Zeit für eine Schlussbetrachtung. Das Wörtchen „leider“ zeigt bereits, dass uns der Abschied von dem bislang einzigartigen Fahrzeug mit Elektro- und Verbrennungsmotor nicht leicht gefallen ist. Das liegt zu einem großen Teil an dem eingelösten Versprechen des Herstellers Opel, hier ein Auto anzubieten, das die Vorteile von Elektro- und Benzinbetrieb in einem Fahrzeug vereinigt. Im Umkehrschluss heißt dies nämlich auch, dass die Nachteile der Elektromobilität, die vor allem in begrenzter Reichweite und – wir durften es am eigene Leib erfahren – der doch sehr leidigen Ladesäulen-Thematik liegen, fast gar nicht mehr ins Gewicht fallen. Außerdem erwies sich das Kaufargument des Herstellers, mit 80 Kilometern Elektro-Reichweite liege der Ampera weit über jener Strecke, die eine überwiegende Zahl der Autofahrer am Tag zurücklege, als voll zutreffend. Zwei Mitgliedern der Redaktion war es möglich, den Ampera ausschließlich an der Arbeitsstätte laden zu müssen, ein Dritter musste den Wagen auch daheim an die Steckdose hängen. Das bedeutet: Im Alltag fährt der Ampera komplett ohne Benzin.

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Opel

Aber zum Glück hat er den Benzinmotor, denn die in sehr vielen Testberichten beschriebene Zitterpartie von Ladestation zu Ladestation entfällt beim Ampera. Darüber waren wir wirklich froh, wie man in unseren Erlebnissen am Flughafen Frankfurt nachlesen kann. Und auch für die Strecke zu unserem Fuhrpark-FORUM am Nürburgring mussten wir uns keinen Kopf machen; dann soll halt mal der Ottomotor für Vortrieb sorgen, wofür haben wir ihn denn?

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Opel

Wirklich hervorheben muss man noch einmal den Fahrspaß, den der Ampera bietet. Wer dieses Beschleunigungsverhalten einmal erlebt hat, ist allein schon darob vom Elektroantrieb überzeugt. Dabei ist es nicht nur die Spurt-, sondern auch die Lautstärke, mit der sich der Ampera im wahrsten Sinne in unser Herz schleicht. Während nämlich beim Spurt alle Signale auf Volldampf stehen, herrscht in Sachen Geräuschentwicklung vor allem eines: Ruhe. Wie von Opel zu hören war, wirkte sich dieses besänftigende Karma sogar auf die gestandene Rallye-Legende Walter Röhrl aus, der eine Testfahrt auf einer Rennstrecke absolvierte.

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Velten

Während das Auto des Jahres 2012 uns mit seinem Antrieb voll überzeugen konnte, sorgten aber einige Punkte für Stirnrunzeln, die schlichtweg mit seiner Praktikabilität zu tun haben. Hier wirkte doch einiges mit heißer Nadel gestrickt und unausgegoren. Als Beispiel sei hier nur der Kofferraum mit seiner hohen Ladekante und dem Tarzanschurz als Abdeckung genannt. Außerdem sind die Entwickler beim Design des Innenraums deutlich über das Ziel einer futuristischen Gestaltung hinausgeschossen. Denn die gesamten Armaturen mit den Sensortasten hinter großen Hartplastikflächen wirken weniger nach Raumschiff Enterprise als nach billig. Leider war es aufgrund der Fahrzeuggeometrie nicht möglich, die Ampera-Technik in einem Insignia auf den Markt zu bringen – vielleicht wäre dem Projekt so auch der verdiente kommerzielle Erfolg beschieden gewesen.

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Opel

Fazit: Der Opel Ampera ist vom Fahrzeugkonzept her ein wirklich geniales Auto. Die Möglichkeit, eine erkleckliche Strecke ausschließlich elektrisch zu fahren und bei Langstrecken auf die Reichweite eines normalen Benzinbetriebes bauen zu können, macht den Ampera im Gegensatz zu reinen Elektroautos voll alltagstauglich.

Der verdiente Erfolg bleibt dem Ampera zum einen durch seinen recht hohen Preis verwehrt (eine detaillierte Kostenanalyse lesen Sie in der nächsten Druckausgabe von bfp fuhrpark + manqagment).  Zum zweiten hat der Wagen an sich – ganz losgelöst von seinem Antriebskonzept – noch einige Kinderkrankheiten, die sich in einer Neuauflage sicher leicht beheben ließen. Wir würden es begrüßen, wenn es zu dieser Neuauflage käme.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 23:

13 Zentimeter

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Velten

Laut ADAC-Unfallforschung ist außerorts jeder siebte Tote oder Schwerverletzte aufgrund von falschem Einbiegen oder Kreuzen zu beklagen. Ein Grund ist die schlechte Sicht aus dem Fahrzeug. Oft sind die A-Säulen bei vielen Modellen aus Design- oder Aerodynamikgründen zu breit, so auch beim Ampera. Satte 13 Zentimeter breit schränkt sie das Sichtfeld des Fahrers ein. Beim Ein- und Abbiegen ist damit die Sicht auf andere Verkehrsteilnehmer erheblich reduziert.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 22:

Nicht ganz dicht?

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Velten

Der Ampera fährt (auch) mit Strom. Aber unser Vater Rhein, der sich hier durch die wunderschönen Weinberge im Rheingau windet, ist ja auch ein Strom Ob es da eine besondere Affinität des Ampera zum nassen Element geben muss? Wie sonst wäre das zu erklären? Es hat zwar wolkenbruchartig geregnet, aber Wasser im Rücklicht findet man in neuen Autos eigentlich nie.

Unser Testwagen ist scheinbar auch in diesem Belang etwas ganz Besonderes…

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 21:

Für alles gibt es eine App

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Opel

So ein hippes Auto wie der Ampera wird seine Spuren sicher auch in Apples Appstore hinterlassen. Und siehe da: gleich zwei Apps präsentiert Opel für den Ampera. Die eine heißt „my Ampera“, die andere nennt sich „Ampera Data App“ Neugierig haben wir uns die beiden Programme heruntergeladen.

Die App my Ampera ist ein nettes Gadget, das nicht nur für Ampera Fahrer sondern für Fahrer eines Opels generell interessant ist. Die App macht das Smartphone zu einem Helfer im Notfall. Vorausgesetzt, man ist noch in der Lage, das Smartphone selbst bedienen zu können, lässt sich aus der App heraus Hilfe holen. Neben der Möglichkeit, die Notrufnummer 112 über einen Button anzurufen, kann auch alternativ bei Opel Hilfe angefragt werden. In der App sind auch Rettungskarten für viele, auch ältere, Opel-Modelle (Vectra B von 1995) in verschiedenen Sprachen abrufbar. Auch ein digitaler Unfallbericht, der falls man einmalig sein Profil in der App ausgefüllt hat, alle formalen Daten automatisch übernimmt, ist vorhanden. Per E-Mail kann der Bericht dann aus der App verschickt werden. Daneben gibt es nützliche Tools wie eine Parkerinnerung, eine Ladestationssuche und ein digitales Handbuch zum Ampera. Mit der Parkerinnerung kann man sein geparktes Auto wieder finden und, dank Timer, rechtzeitig zum Ende der Parkzeit wieder am Parkplatz sein.

Ein Mysterium sind für uns die Funktionen „Licht & Anzeigen“ und „Verbrauch und Emissionen“ geblieben. Was sich dahinter verbirgt bleibt ein Geheimnis der Programmierer dieser App. Denn weder den Mitarbeitern der Presseabteilung von Opel noch uns ist es gelungen diese Funktionen zu aktivieren, ohne dass die App abstürzte.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 20:

"Aber ich kann länger!"

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Velten

Kennen Sie Destructivus? Destructivus ist die Hauptfigur in dem Comicband „Streit um Asterix“, die es binnen kürzester Zeit fertigbringt, dass die Leute in seiner Umgebung sich heftig in die Haare kriegen. Und auch bei uns ist soweit: unser Destructivus heißt Ampera. Denn der Opel ist quasi in der Lage, seine Fahrer zu loben und zu tadeln. Irgendwann fragten wir uns, warum bei voller Ladung einmal weniger als 60 und einmal deutlich mehr als 80 Kilometer Reichweite angezeigt wurden. Und die Erklärung ist ganz einfach: Der Bordcomputer merkt sich nämlich die Fahrweise bei den zurückliegenden Ladezyklen. Ist ein Pilot mit dem Wagen besonders stromsparend unterwegs, dann errechnet HAL daraus eben eine entsprechend höhere Reichweite, bei Bleifuß eine kürzere.

Und nun dürfen wir uns hier darum zoffen, wer es schafft, unserem Destructivus den größten Aktionsradius abzuringen. Aber ich mache da nicht mehr mit, schließlich gibt es Wichtigeres im Leben. Herr Müller-Lüdenscheid: “Es kommt auf den Charakter an!” Herr Doktor Velten – aäh - Kloebner: “Aber ich kann länger als Sie!”

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 19:

Einfallstor

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Opel

Über den Höcker und die die Rücksitze haben wir uns ja bereits im Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 14: "Höcker statt Sitz" ausgelassen. Nicht ganz unerwähnt wollen wir aber die Lücke, die zwischen den Sitzen vorhanden ist, lassen. Zwar sollte man Ladegut immer nach den UV-Vorschriften im Fahrzeug befördern, aber nicht umsonst heißt es Unfall. Beispiel Ladekabel. Zwar ist für das mitgelieferte Ladegerät mit SchuKo-Stecker ein Fach im Zwischenboden des Kofferraums vorgesehen. Die normative Kraft des Faktischen sorgt aber dafür, dass das Ladekabel irgendwo im Fahrzeug verstaut wird. Denn ist der Kofferraum voll, wird man nicht extra das Ladegut herausnehmen um das Kabel inklusive Kommunikationskasten im Zwischenfach zu verstauen und danach alles wieder einräumen. Also liegt das Kabel öfter mal im Fußraum der Hinterbänkler im Fahrzeug oder einfach lose im Kofferraum.

Die handbreite Lücke ist das Einfallstor in den Passagierbereich des Ampera für lose Gegenstände, die im Kofferraum liegen. Für Sicherheit im Ampera kann der Fuhrparkmanager sorgen, wenn er entweder ein original Opel Ampera Zwischenmodul für 84,90 Euro für die Rücksitzlücke sowie ein Gepäcknetz für 30,90 Euro erwirbt.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 18:

Feindlich besetzt

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Clemens Velten

Dass uns die Ladestation am Flughafen Frankfurt derart beschäftigen würde, hätten wir auch nicht gedacht. Aber sie gibt ein schönes Beispiel für die mehr als unbefriedigende Situation öffentlicher Stromzapfsäulen im Rhein-Main-Gebiet. Und wohl nicht nur dort. Wieder einmal konnten wir nur froh und dankbar darüber sein, dass der Ampera auch mit Benzin fährt. Beim letzten Besuch in P 4, Parkreihe 222 durften wir nämlich feststellen, dass auf einem der drei für die Ladestation reservierten Parkplätze ein Porsche Cayenne abgestellt war. Dieses Auto gibt es nicht mit Elektroantrieb; sein Fahrer hat schlichtweg die Frechheit und Rücksichtslosigkeit besessen, den Parkplatz feindlich zu besetzen und damit uns sowie anderen Elektrofahrzeugen komplett die Möglichkeit zum Aufladen geraubt. „Dagegen können wir leider nichts machen“, heißt es vom Parkraummanagement der Fraport auf unseren Anruf.

Noch ernüchternder fällt ein Telefonat mit der Mainova aus, der Betreibergesellschaft, dieser und vieler anderer öffentlicher Ladestationen. „Das Problem ist uns bekannt, aber wir können nichts dagegen machen“, so Sven Birgmeier, Pressesprecher der Mainova. Denn ganz offensichtlich gibt es nicht nur in der für Abschleppwagen unzugänglichen Tiefgarage keine Handhabe dagegen, dass Wüstlinge ihre Benzinkutsche auf Ladeplätzen abstellen. Verkehrsrechtlich geschützt seien laut Birgmeier ausschließlich Behindertenparkplätze. Wer Fahrzeuge von Ladestationen abschleppen ließe, bleibe meist auf den Kosten sitzen. Und so wird eben auf eine Sanktionierung der Parkrüpel verzichtet. Manche Kommunen würden sich damit helfen, dass sie Ladestationen in Halteverboten platzieren, in denen eine Ausnahme für Elektroautos gilt, aber das sei selten der Fall. „Wir können nur dringend an die Fairness appellieren, ein Auto nur dann dort abzustellen, wenn man es laden möchte“.

Ach ja : Der Porsche hatte am nächsten Tag einen kleinen Lackschaden, offensichtlich war da nach uns auch noch ein Besitzer eines E-Autos vorbeigekommen.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 17:

Zurück in die Zukunft

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bfp

Apropos Kofferraum: Dieser ist zwar ausreichend groß und mit vier Ösen, um Zurrgurte daran zu befestigen, auch UVV-konform ausgerüstet, aber die Laderaumabdeckung ist eher ein Rückschritt. Ein Hauch von Stoff, dessen Ecken man in vier Haken an der Kofferraumwand befestigt, sorgt für einen Sichtschutz. Praktisch ist anders. Will man an das Ladegut muss man zuerst das gespannte Tuch aushaken. Kein Mechanismus sorgt dafür, dass die Abdeckung beim Öffnen des Kofferraums mit hochschwingt, so wie man es von aktuellen Fahrzeugen gewohnt ist. Nun kann man nach dem Grund dieser Besonderheit Spekulieren. Ob die Ingenieure auf der Suche nach Gewichteinsparungsmöglichkeiten des Ampera die Laderaumabdeckung dazu auserkoren haben?

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 16:

Das Runde und das Eckige

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Clemens Velten

Nun ist es da, das Ladekabel mit dem Typ2- oder Mennekes-Stecker (Opel-Zubehör: 315 Euro). Ab sofort kann der Ampera auch an Ladesäulen geladen werden, die ausschließlich den eckigen Steckertyp voraussetzen. O.K. wieder ein Objekt mehr im Kofferraum, das UVV-konform gesichert werden muss und Platz weg nimmt, aber dafür ist man für alle Eventualitäten gewappnet.

PS: Nein, einen Benzinkanister haben wir nicht zusätzlich an Bord, was zwar konsequent wäre, aber das Tankstellennetz in Europa ist doch engmaschiger als das Netz an Ladestationen.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 15:

Fahrvergnügen 007

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Opel

In dem ein oder andern Eintrag hier ist es bereits angeklungen, aber ein Aspekt beim Amperafahren sollte es wert sein, einmal gesondert thematisiert und hervorgehoben zu werden: Es macht nämlich tierischen Spaß, dieses Auto steuern zu dürfen. Allein schon das brachiale Beschleunigungsgefühl des Elektroantriebs gibt es sonst nur in monstermäßig motorisierten Sportwagen und Jagdflugzeugen.

Im Verkehr bedeutet dies, dass man selbst kleine und kleinste Lücken nutzen kann, um sich blitzartig einzufädeln oder über eine Kreuzung zu raketen. Bevor der betroffene Verkehrsteilnehmer den Mund zum Fluchen öffnen kann, bleibt ihm selbiger vor Staunen offen stehen angesichts solch einer Demonstration von Schubentfaltung. Und für diese Leistungsexplosion braucht der Ampera kein lautes Getöse, er macht es ganz Gentleman mit vornehmer Zurückhaltung und beinahe britischem Understatement.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass James Bond dieses Auto nicht schon für sich entdeckt hat. Man kann sich den Agenten der Königin gut in einer heißen Verfolgungsjagd mit quietschenden Reifen vorstellen, nach welcher er in einem völlig geschrotteten Ampera ohne Dach lautlos vor dem Casino vorfährt und sich mit einem Heben der Augenbraue die Fliege zurecht rückt: „Sagen Sie Q, dieser Wagen sorgt wirklich für - Spannung!“

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 14:

Krater statt Sitz

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bfp

Geben Sie doch einmal „Ampera Viersitzer“ in eine Suchmaschine ein. Das Ergebnis ist eine große Zahl an Artikeln, in denen der Ampera unter anderem als „vollwertiger Viersitzer“ gelobt wird. Aber warum eigentlich? Die Frage, die wir uns vielmehr stellen, ist diese: Warum ist der Ampera lediglich ein Viersitzer und kein Fünfsitzer? Schließlich ist der Kandidat mit 1,85 Metern Breite nur 6 Millimeter schlanker als der Insignia. Ob der Elektromotor vielleicht schlapp macht, wenn da drei stramme Kerle mit Holzfällerstatur auf den Rücksitzen Platz nehmen würden? Abgesehen davon ist die technische Lösung, zwischen die beiden Sitze eine massive Kunststoff-Armlehne zu platzieren, keine sonderlich glückliche: Klappt man nämlich die Sitze um, dann bleibt dieser Höcker in der Mitte stehen. Damit man trotzdem Ladung gut verstauen kann, lässt sich das Ding zwar entfernen, allerdings bleibt dann statt des Höckers ein Krater zurück.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 13:

Aus?

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Opel

Dieser Tage hat uns die Meldung erreicht, dass es für den Ampera wohl kein Nachfolgemodell geben soll und Opel in Zukunft stattdessen ein reines Elektroauto auf den Markt bringen möchte. Offensichtlich lassen es die Absatzzahlen nicht zu, das Konzept von E-Auto mit Range Extender weiterzuführen. 2016, so Berichte in der Presse, soll Schluss sein für ein Auto, das vielleicht seiner Zeit einfach voraus war. Dazu fällt uns nach unseren fast ausnahmslos positiven Erfahrungen mit dem Testwagen des „Car of the year 2012“ nur eines ein: Schade.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 12:

Bojjhanga, Brahmavihra, Upekkhā

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Opel

Wer hätte gedacht, dass es einem Auto zu verdanken sein könnte, nicht nur eines der sieben buddhistischen Erleuchtungsglieder, der Bojjhanga, sondern sogar einen der nur vier himmlischen Verweilzustände, der Brahmavihra, erlangen zu können? Zu diesen himmlischen Verweilzuständen - und damit soll es dann auch genug der buddhistischen Geistesschulung sein – zählt die Upekkhā. Mit Upekkhā wird die Gleichmut bezeichnet, die als edle und karmisch heilsame Erscheinung gilt. Und dazu soll einem ausgerechnet ein Opel verhelfen? Ja, das schafft er tatsächlich.

So recht kann man gar nicht sagen, woran das eigentlich liegt, dass man als Fahrer eines Ampera so unbeleckt bleibt von den üblichen Aufgeregtheiten des Autofahrens. Liegt es daran, dass der Wagen mit seinem fast lautlosen Gebaren selbst so unaufgeregt zu Werke geht? Selbst dann, wenn man einmal voll aufs Gas drückt und der Ampera seine beeindruckenden Spurtqualitäten zeigt, so tut er dies völlig cool und ohne aufjaulenden Motor und röhrende Auspuffanlage. Oder ob es daran liegt, dass einem als Fahrer dieses Autos plötzlich ganz andere Dinge wichtig werden? Scheiss auf die Geschwindigkeit, was macht der Ladezustand der Batterie? Auf der Landstraße gerade keiner hinter mir? Na, was spricht denn gegen Tempo 80, wenn ich dadurch einen neuen Rekord bei der Elektro-Reichweite erzielen kann? Sicher wird man mit dem Ampera zu keinem besseren Autofahrer, aber zu einem gelasseneren auf jeden Fall. Probieren Sie es doch aus, wenn Sie das nicht glauben.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 11:

Der Hinhörer

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Opel

Autos mit besonders sportlichem oder außergewöhnlichem Design werden gerne als „Hingucker“ bezeichnet, weil sie zuweilen die Blicke von Passanten auf sich ziehen können. Auch wenn der Ampera mit einem attraktiven und auch sehr speziellem Äußeren daher kommt, so vermag er doch nicht diesen Wow-Effekt beim Betrachter zu provozieren. Aber wie so oft kommt es nicht nur auf Schönheit an, es zählen auch die inneren Werte. Und die sind beim Ampera auffallend leise. „Der fährt ja fast lautlos“, staunte jüngst ein Passant auf dem Parkplatz eines Supermarktes. Er ist also mehr ein Hinhörer denn ein Hingucker. Und damit der Ampera mit der üblichen Hupe nicht für den Herzinfarkt-Tod von geschockten Fußgängern sorgt, die das Herannahen des lautlosen Elektroautos schlicht nicht wahrnehmen können, haben die Entwickler ihm eine zweite Hupe eingebaut, die mit höflicher Zurückhaltung zu Werke geht.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 10:

Klappe, die erste

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bfp

Moderne Autos verfügen über eine Vielzahl von Assistenz-, Informations- und Warnsystemen. Das ist beim Ampera nicht anders, vielmehr gilt es für ihn sogar in ganz besonderem Maße. Daher war es nichts wirklich Außergewöhnliches, als nach dem Verstauen von Fracht im Kofferraum das Display „Laderaumklappe geöffnet“ anzeigte und dazu das entsprechenden „bing-bing-bing-bing“ des Warntons erklang. Also nochmal ausgestiegen, nach achtern getapert und die Heckklappe ein zweites Mal mit etwas mehr Schmackes zugepfeffert. Wieder hinterm Lenkrad angekommen, bietet sich das gleiche Bild: Warnmeldung und Warnton. „Typisch Elektronik, immer wieder für Fehlalarme gut, man kennt das ja“, denkt sich der Fahrer mit einem Augenrollen und ignoriert auf der folgenden halbstündigen Reise die Warnmeldung ebenso wie das regelmäßig nervende „bing-bing-bing-bing“ bis zur Ankunft daheim. Wenig später kommt auch die beste Ehefrau von allen nach hause und begrüßt einen mit den Worten: „An deinem Auto steht was offen“. Wie, an dem Auto steht was offen? Und in der Tat, beim Ampera steht der Deckel für den Elektrostecker im 90-Grad-Winkel von der Karosserie ab. Und damit ist auch die Ursache für die Warnmeldung klar: Da stand nicht „Laderaumklappe geöffnet“, da stand „Ladeklappe“ geöffnet. Lesen sollte man schon können.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 9:

Das Mars-Mobil

Heute haben wir eine Punktlandung par excellence mit dem Ampera aufs Parkett gelegt: Mit sage und schreibe restlicher Elektroenergie für noch einen Kilometer Reichweite fuhren wir hier auf den Hof. Da wir ja noch einen Benzinmotor unter der Haube haben, ist das aber zum Glück überhaupt kein Problem, wie es das bei reinen Stromern wäre. Außerdem gerät diese Punktlandungsfahrt dem Ampera durchaus zu Ehre, denn das kam so: Weil wir den Wagen erst am Nachmittag an das Ladekabel gehängt hatten und daher nicht voll laden konnten, kündet das Display bei Dienstschluss eine Reichweite von 46 Kilometern an. Nach hause sind es 27 Kilometer einfache Strecke. Allerdings geht es auch ziemlich stramm bergan in den Taunus hoch. Und so wundert es kaum, dass der Ampera auf dieser Strecke deutlich mehr Kohlen drauflegen musste, als das Auto berechnet hatte. Bei der Ankunft wird die Reichweite mit nur noch 10 Kilometern angegeben.

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Opel

Da mir ein griesgrämiger Nachbar, in dessen Garage blöderweise die Stromzähler hängen, den Saft in meiner Garage abgedreht hat, kann ich den Ampera daheim nicht laden. Da wird also morgen der Benziner nachhelfen müssen. Dachte ich zumindest. Denn auf der Strecke zur Arbeit geht es ja die meiste Strecke bergab, und auf Talfahrt wird der Ampera zum Mars-Mobil: Er bringt verbrauchte Energie sofort zurück – die Batterien werden geladen. Halten wir fest: Statt 46 Kilometer packte der Ampera 55 Kilometer, obwohl es bei der Hälfte davon bergauf ging. Nicht schlecht.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 8:

 - Ladestation im Parkhaus am Flughafen Frankfurt
Ladestation im Parkhaus am Flughafen Frankfurt
Clemens Velten

Geliebter Range-Extender

Letztens ging es mit dem Ampera an den Flughafen Frankfurt. An und vor allem unter Deutschlands größtem Luftkreuz gibt es insgesamt 14.000 Parkplätze. Zwei (!) davon sind mit einer Ladestation ausgerüstet, an der man Elektroautos kostenlos auffüllen kann. Das Procedere ist kinderleicht: Mit dem Smartphone eine Nummer des Anbieters Mainova angebimmelt, schon öffnet sich wie von Geisterhand die Steckdose. Bei der Rückkehr am nächsten Tag ist der Ampera ausgestöpselt, das Kabel liegt wie eine überfahrene Blindschleiche neben dem Auto am Boden. Was zur Hölle – ah, was ist das denn, da hängt ja ein Zettel an der Steckdose: „Hallo, Ihr Ampera war voll geladen, gute Fahrt“ Wie nett, denn tatsächlich ist der Akku voll. Was aber, wenn das nicht der Fall gewesen wäre? Oder was ist mit Schuften, die nach kurzem Laden einfach dein Kabel aus der Dose ziehen?
Nur wenige Tage darauf ist wieder der Rhein-Main Flughafen das Ziel. In welcher Box der Tiefgarage die Ladestation ist, wissen wir ja schon. Also wie zuvor in P4 die Parkreihe 222 angesteuert. Aber welch Ungemach: Da steht heute schon ein BMW i3 und zutzelt Kilowätter aus der Leitung. Das heißt nichts anderes, als dass heute Essig mit Laden ist. Allerdings drängt sich auch der Gedanke auf, was denn passiert wäre, wenn wir vor dem i3 an der Ladesäule gewesen wären. Denn der elektrische Bajuware hat keinen Range-Extender, also keinen Verbrennungsmotor wie wir. Der Besitzer hätte bei seiner Rückkehr wohl sein entkräftetes Kraftfahrzeug stehen lassen und mit der Bahn heimfahren dürfen. Wir ärgern uns kurz und fahren am nächsten Tag einfach mit Benzin wieder weg.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 7:

Warm aber leer

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bfp

Nanu, was ist denn heute mit unserem Ampera los? Da freuen wir uns noch über die schnellere Ladung durch die jüngst entdeckte Umstellung auf die Zehn-Ampere-Ladung, und jetzt das. Wieso saugt er denn den Saft heute so schnell aus den Akkus? Es bleibt für einige Minuten ein Rätsel, bis es im Innenraum plötzlich merklich wärmer wird. Da wird doch nicht der Kollege – ein Klick auf die Klimaanlage bringt Gewissheit: 23,5 Grad Celsius. Na, der braucht es aber kuschelig. Da bei Stromern anders als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor nicht die Abwärme der Maschine für die Heizung genutzt werden kann, zieht die Heizung kräftig Energie aus den Akkus, was sich gleich negativ auf die Reichweite niederschlägt. In der Redaktion schwört der Kollege beim Leben seiner Schwiegermutter, er habe nicht am Klimaregler gedreht. Und siehe da; der Hightech-Ampera hat tatsächlich ein paar technische Automatismen, mit denen er sich selber ins Knie schießt. So sorgt er ohne Zutun der Insassen für Klimatisierung und sogar die Sitzheizung geht von alleine an, wenn der Allerwerteste des Fahrers auszukühlen beginnt. Das sollte er mal besser bleiben lassen.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 6:

 - Blick aus der Heckscheibe bei Regen
Blick aus der Heckscheibe bei Regen
Clemens Velten

Luxusproblem

Es regnet! Verwöhnt von den zahlreichen Assistenten die der Ampera zu bieten hat, wie Verkehrszeichenerkennung, Spurhalteassistent, automatisches Licht, sind wir überrascht, dass es keinen Regensensor gibt.
Je mehr es regnet desto sehnlicher wünscht man sich einen Heckscheibenwischer, der die Sicht nach hinten frei macht. Atmosphärisch ist natürlich das gebrochene Licht der Autoscheinwerfer, die sich in den Wassertröpfchen brechen, schöner….   

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 5:

Brems doch! 

Umparken im Kopf. Das gilt nicht nur für Opel Ampera Fahrer sondern für alle Fahrzeuglenker von Elektroautos. Denn die Bremsen reagieren gerade bei langsamer Fahrt nicht so direkt, wie bei einem konventionell angetriebenen Fahrzeug. Das heißt früher und kräftiger auf das Bremspedal treten.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 4:

 - Ladesäule mit SchukoStecker
Ladesäule mit SchukoStecker
Clemens Velten

Schneller Laden

Der Ampera kann mit maximal zehn Ampere geladen werden. Das ist relativ wenig. Standardmäßig ist sogar das reduzierte Laden mit sechs Ampere voreingestellt, was den Stromtankvorgang nochmals erheblich verlängert. Bei sechs Ampere dauert der Ladevorgang ca. 11 Stunden, bei zehn Ampere ca. sechs Stunden und an einer Ladestation ist der Akku bereits nach vier Stunden voll. Haushaltsübliche Steckdosen sind mit 16 Ampere abgesichert.

  Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 3:

 - Ladesäule mit Typ2 Stecker
Ladesäule mit Typ2 Stecker
Clemens Velten

Passt nicht immer

Das mitgelieferte Ladekabel-Set des Ampera hat einen SchuKo-Stecker. Damit lässt sich der Ampera zwar an jeder haushaltsüblichen 230 Volt Steckdose laden, nicht aber an allen Ladestationen. Deshalb haben wir bei Opel einen Typ2-Stecker oder Mennekes-Stecker (Opel-Zubehör: 315 Euro) angefragt. Dieser Steckertyp ist für das Laden von E-Fahrzeugen in Europa als Standard festgelegt worden. Opel liefert ein Reisestecker-Adapter-Set für den SchuKo-Stecker mit. Damit können zwar europaweit die haushaltsüblichen Steckdosen genutzt werden, aber nicht immer die Ladestationen.

Ampera (B)Logbucheintrag 2:

 - Keine öffentliche Ladestation in Wiesbaden und Mainz
Keine öffentliche Ladestation in Wiesbaden und Mainz
e-tankstellen-finder.com

Stromtankstellen

Knapp 4.500 Stromtankstellen soll es in Deutschland geben.
Relativ dichte Stromtankstellennetze soll es in der Region Neckar-Alb, im Raum Erlangen-Nürnberg, in Nordhessen sowie in bestimmten Gegenden des Ruhrgebietes geben. Viele davon sind kostenlos. Im Rhein-Main-Gebiet, wo unsere Redaktion angesiedelt ist, ist das Tankstellennetz eher dünn gesät. Während man auf der hessischen Seite in fast jedem Dorf eine kostenlose Ladestation des Energieanbieters Mainova findet oder zumindest eine kostenpflichtige Ladesäule von RWE, findet man in den Landeshauptstädten Mainz und Wiesbaden keine einzige öffentlich zugängliche Ladestation.

Ampera (B)Logbucheintrag Nr. 1:

 -  Anzeige im Cockpitdisplay
Anzeige im Cockpitdisplay
Clemens Velten

Sicheres Gefühl

Der Opel Ampera kann, laut Prospekt, bis zu 80 Kilometer rein elektrisch mit der Energie aus seiner Lithium-Ionen-Batterie fahren. Uns werden zwar nur maximal 71 Kilomater angezeigt, aber diese Reichweite ist für unseren Pendelverkehr zwischen zu Hause und Büro (ca. 40 Kilometer einfache Strecke) mehr als ausreichend. Zudem haben wir das Glück, dass wir auf dem Büroparkplatz E-Fahrzeuge laden können. Damit lassen sich auch ruhigen Gewissens Staus im Feierabendverkehr überstehen. Für das ruhige Gewissen sorgt auch der Range Extender. Dieser produziert über einen Benzin betriebenen Bordgenerator genügend Strom, um die Reichweite auf über 500 Kilometer zu verlängern. Die Reichweite setzt sich hierbei aus offizieller elektrischer Reichweite im Batteriemodus und zusätzlicher Reichweite mit benzinbetriebenem Bordgenerator (Range Extender) zusammen.

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