Fahrbericht 21.12.2016

Das gab´s bisher nicht

Fahrbericht Audi SQ7

Na sowas! In Zeiten des Downsizings macht sich Audi auf und konstruiert einen V8-Dieselmotor mit vier Liter Hubraum. Ein Statement. Während die Konkurrenz scheinbar Angst hat vor jedem Zylinder jenseits des Vierers, gehen die Ingolstädter in die Vollen. Erster Einsatzort für den Neuen ist der SQ7, also die getunte Version des Q7. Er dürfte sich nach und nach aber auch unter den Hauben von Modellen anderer Konzernmarken finden: Porsche, Bentley – oder auch im VW Touareg.

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Audi

Doch nicht allein die 435 PS des Kraftpakets lassen aufhorchen, sondern das Drehmoment von 900 Newtonmeter, das bei nur 1.000 Umdrehungen zustande kommt. Das gelingt mittels der 48-Volt-Teilbordnetztechnik, die sich in Zukunft in vielen Pkw finden dürfte. Doch der SQ7 hat noch mehr Innovatives zu bieten.

Antrieb

Die 48-Volt-Spannung setzt Audi ein, um einen elektrischen Verdichter innerhalb eines Wimpernschlags auf 70.000 Umdrehungen zu beschleunigen, der seinerseits den ersten der beiden Turbolader auf Touren zu bringt, damit dieser etwa eine Sekunde lang die Anlaufschwäche überbrückt. Das Resultat: kein Turboloch mehr.

Und das Ergebnis verblüfft. Aus dem Stand sprintet der SQ7 leichtfüßig los und schafft die Beschleunigung auf 100 km/h in weniger als fünf Sekunden. Dank des serienmäßig verbauten Quattro-Antriebs hat er auch keine Probleme mit der Traktion. Ebenso locker meistert der große Audi Zwischensprints und Überholvorgänge, bei denen die Verzögerung allenfalls dem Achtgang-DSG-Getriebe zuzuschreiben ist, das nach dem Druck aufs Gaspedal erst einmal kurz Luft holen muss.

Ein netter Nebeneffekt ist der Sound des großvolumigen Motors, der an große amerikanische Achtzylinder erinnert und der so manchen Passanten aufhorchen lässt.

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Fahrwerk

Wer mindestens 90.000 Euro in ein Sport-SUV investiert, sollte auch die knapp 6.000 Euro für das adaptive Fahrwerk aufbringen, das im SQ7 als „advanced“ bezeichnet wird. Dahinter verbirgt sich neben der Verstellbarkeit eine Allradlenkung und eine Wankstabilisierung, die ebenfalls auf das 48-Volt-Netz zurückgreift. In Millisekunden verhindern Stellmotoren an den Stabilisatoren, dass sich in zügig gefahrenen Kurven die Karosserie zur Seite neigt. Das klappt so gut, dass man meint, in einem Sportwagen zu sitzen, nur höher, so horizontal fegt der Audi ums Eck. Den Ingenieuren gelang auch eine recht geniale Abstimmung der Lenkung, die den SQ7 so handlich wie einen Q5 macht und man das hohe Gewicht des Autos komplett vergisst.

Sicherheit/UVV

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In Sachen Sicherheit ist fast alles serienmäßig an Bord, was man so erwartet. Seitenairbags hinten kosten allerdings 360 Euro, und wer ein Schienensystem mit Fixierset für den Laderaum wünscht, der muss noch einmal 280 Euro hinblättern. Fortschritte gemacht hat die Spracherkennung, die sehr viel von dem versteht, was man ihr so hinwirft, und die somit die Ablenkung vom Verkehr vermindert. Am Navigationssystem MMI (2.910 Euro) gibt es ansonsten wenig zu kritteln, man kennt es aus anderen Modellen. Dessen Bedienung war schon immer logisch; es hat im SQ7 aber auch keinen Sprung gemacht hin zu noch mehr Bedienkomfort.

Ergonomie/Qualität

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Jenseits aller Kritik ist die souveräne Sitzposition in den Sportsitzen (900 Euro), die auch auf langen Strecken passen wie der Maßanzug. Gleiches gilt für die Material- und Verarbeitungsqualität, was man bei dem Preis auch erwarten sollte. Einzig die hohe Ladekante stört ein wenig. Das Platzangebot vorne wie hinten ist üppig; hier kommen dem SQ7 seine großzügigen Maße zugute.

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Kosten

Tja, hier darf man erst einmal schlucken: Denn beim Basispreis von rund 90.000 Euro dürfte es in den seltensten Fällen bleiben. Verschiedene Pakete, das moderne Fahrwerk, das Navigationssystem und verschiedene andere Goodies schlagen schnell mit 20.000 Euro zu Buche; unser komplett ausgestatteter Testwagen kostete brutto 136.640 Euro. Uff.

Für unsere Betriebskostenberechnung gingen wir von 95.000 Euro aus – und von einem Verbrauch von 9,7 Liter, was angesichts des schweren Fahrzeugs durchaus angemessen erscheint, auch wenn es um 2,2 Liter über der Normangabe liegt. Insgesamt schlägt der SQ7 mit Kilometerkosten von 67,75 Cent zu Buche, was monatlichen Kosten von 2.258 Euro entspricht.

Fazit

Fortschritt durch Technik – dem alten, überholt geglaubten Spruch könnte der SQ7 wieder leben einhauchen. 48-Volt-Bordnetz, das klasse Fahrwerk und die Leichtigkeit des großen SUVs eröffnen ein neues Kapitel in der Automobiltechnik. Das will bezahlt werden: Neben dem hohen (Basis-)Preis kommen üppige Kilometerkosten auf den Nutzer zu. Auch hier spielt der SQ7 in einer eigenen Liga.

Datenblatt
 
  
Modell Audi SQ7
kW/PS 320/435
Drehmoment (Nm/Umin) 900/1.000-3.250
L/B/H (mm) 5.007/1.970/1.740
Laderaum min/max (l) 805/1.990
Zuladung (kg) 485
Anhängelast gebr./ungebr. (kg) 3.500/750
Testverbrauch (l/100 km) 9,7

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