Fuhrpark-
markt
02.05.2017

„Der Diesel ist ein Teil der Lösung“

Interview mit VW-Vorstandsvorsitzendem Matthias Müller

Die Zukunft des Diesels und herkömmlicher Antriebe, Erdgas als Alternative, der Rückgang im Flottengeschäft und der aktuelle Stand zum geplanten Netzwerk elektrischer Ladestationen: Wie VW-Konzernchef Matthias Müller Flottenkunden zurückgewinnen möchte, erklärt er im Gespräch mit bfp fuhrpark & management.

 - VW-Vorstandsvorsitzender Matthias Müller im Gespräch mit bfp fuhrpark & management
VW-Vorstandsvorsitzender Matthias Müller im Gespräch mit bfp fuhrpark & management
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bfp: Herr Müller, geben Sie dem Dieselmotor noch eine Zukunftschance?

Müller: Der Diesel hat derzeit sowohl in der Öffentlichkeit als auch von politischer Seite mit einer starken Opposition zu kämpfen. Aus unserer Sicht ist der moderne Diesel aber Teil der Lösung, nicht des Problems. Es gilt, seine Vorteile wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken. Wir denken darüber nach, eine Kampagne für die Selbstzünder zu starten. Diese Initiative sollte am besten übergreifend erfolgen, da ja nicht nur wir von der Diskussion betroffen sind. Und auch, weil die Hersteller den Diesel benötigen, um die vorgegebenen CO2-Ziele zu erreichen.

bfp: Was sagen sie zu den drohenden Fahrverboten für Diesel-Pkw?

Müller: Euro-5-Diesel generell zu verdammen, finde ich aus Sicht der betroffenen Kunden problematisch. Da gibt es auch auf der politischen Seite unterschiedliche Meinungen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann etwa zeigt sich ja durchaus offen dafür, Motoren dieser Art nachzurüsten und sie dann nicht mehr mit Fahrverboten zu belegen.

bfp: Nachrüsten soll doch aber entweder nicht möglich oder aber extrem aufwändig und damit teuer sein?

Müller: Auch da gehen die Meinungen auseinander. Wir prüfen das gerade technisch intensiv.

bfp: Weshalb spielt bei der ganzen Diskussion Erdgas (CNG) als relativ umweltfreundlicher Kraftstoff eigentlich keine Rolle?

Müller: Dieses Thema werden wir jetzt verstärkt angehen. Gemeinsam mit starken Partnern ist eine Kampagne geplant, um CNG mehr ins Bewusstsein zu rücken. Die Fahrzeuge dafür haben wir, nicht nur bei der Marke VW, sondern im ganzen Konzern. Und wir legen hier in den kommenden Jahren nach.

"Flottenkunden reagierten zurückhaltend"

bfp: VW schwächelt seit Monaten beim Flottengeschäft. Gibt es Gründe und wird gegengesteuert?

Müller: Das möchte ich so nicht stehen lassen. Natürlich stand Volkswagen gerade zu Beginn der Diesel-Krise beim Flottengeschäft vor der Situation, dass Flottenkunden mit Kaufzurückhaltung reagiert haben. Allerdings können wir schon jetzt sagen, dass wir auf einem sehr guten Weg sind, denn wir haben mit aller Macht daran gearbeitet, verunsicherte Kunden wieder für unsere Marken zu gewinnen. Wir haben das Gespräch mit den Flottenkunden gesucht und können passgenaue Lösungen anbieten.

bfp: Gibt es schon eine Lösung für den Plan, gemeinsam mit anderen Herstellern das Netz der Elektro-Ladestationen zu vergrößern?

Müller: Die Initiative zeigt, dass wir als Industrie nicht abwarten, sondern bei der E-Mobilität weiter in Vorleistung gehen. Das Konzept liegt vor und ist in der Ausarbeitung. 2018 sollen die ersten Ladestationen aufgestellt werden. Im ersten Schritt sind etwa 400 Standorte in Europa geplant. Bis 2020 sollen Kunden Zugang zu Tausenden von Hochleistungs-Ladepunkten haben. Die Ladestationen an Autobahnen und hoch frequentierten Durchgangsstraßen sollen öffentlich zugänglich sein und damit das elektrische Fahren über längere Strecken ermöglichen. Das ist der derzeitige Stand.

bfp: Und wer wird die Säulen betreiben, in Stand halten?

Müller: Das haben wir natürlich auch bedacht. Wir sind in dieser Frage auf einem guten Weg und werden vermutlich schon bald ein Ergebnis vorweisen können. Grundsätzlich ist zu sagen: Die Gründungspartner BMW Group, Daimler AG, Ford Motor Company und der Volkswagen Konzern wollen sich zu gleichen Teilen an dem Joint Venture beteiligen. Weitere Automobilhersteller sind eingeladen, sich an dem Ladenetz zu beteiligen und zu bequemen Ladelösungen beizutragen. Darüber hinaus ist das Joint Venture offen für die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern.

Wolfgang Schäffer

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