News 17.05.2017

Der kleine Bruder

Erste Fahreindrücke vom Volvo XC60

Nach knapp neun Jahren löst Volvo die erste Generation seines XC60 ab. Das neue Modell dürfte die Erfolgsserie des Vorgängers fortsetzen. Schon jetzt übersteigt die Nachfrage das Angebot.

 - Klare Linien, ruhiges Design, unaufdringlicher Auftritt. Der XC60 ist eine sympathische und zeitlose Erscheinung.
Klare Linien, ruhiges Design, unaufdringlicher Auftritt. Der XC60 ist eine sympathische und zeitlose Erscheinung.
Volvo

Es kann nicht ganz zufällig sein, dass ein Premium-SUV in seinem Segment seit Jahren Bestseller in Europa ist. Und noch dazu von einer Marke kommt, die nicht zu den großen dieser Welt gehört. Die Rede ist vom Volvo XC60. Die Schweden haben vor knapp neun Jahren – damals noch im Besitz von Ford – ein Sport Utility Vehicle (SUV) der Mittelklasse auf die Räder gestellt, das schnell großen Zuspruch fand. Vor allem das Design überzeugte die Kundschaft.

Auch der neue XC60 ist ein echter Eye-Catcher. Seit der 2010 Volvo vom chinesischen Autokonzern Geely übernommen wurde, kam dies einer Art Befreiungsschlag gleich. Die Schweden schmissen mit frischem Geld aus China die alte Ford-Technik über Bord, legten eine neue Plattform-Strategie auf, konstruierten modular aufgebaute Vierzylindermotoren, krempelten das Design um und konzentrierten sich auf Leichtbau, Nachhaltigkeit, Elektrifizierung, Sicherheit und Qualität. Lohn der Mühe war 2015 der XC90, das erste Modell auf der sogenannten SPA-Plattform, was für Scalable Product Architecture steht. Die gleiche Technik inklusive der Motoren und Getriebe steckt unter dem S90 und V90, die 2016 hinzukamen.

 - Auf rund 4,70 Meter ist der XC60 in der Länge gewachsen.
Auf rund 4,70 Meter ist der XC60 in der Länge gewachsen.

Und nun der XC60. Freunde des Fünfzylinder-Diesels werden es vermutlich bereits ahnen. Ja, auch dieses Aggregat wandert mit der Neuauflage des Mittelklasse-SUV aufs Alteisen (den Sechszylinder-Benziner gibt es seit 2014 nicht mehr). Volvo bekennt sich konsequent zu Downsizing und Vierzylindern, die sämtlich zwei Liter Hubraum haben. Das gilt sowohl für die Dieselmotoren, als auch für die Benziner. Dahinter stecken vor allem Kosteneffizienz und die Verwendung möglichst vieler Gleichteile.

Ab 48.050 Euro

Folglich bildet auch beim XC60, wenn er im Juli zu Preisen ab 48.050 Euro auf den Markt kommt, den Einstieg der Selbstzünder mit dem Kürzel D4. Er leistet 140 kW/190 PS und stellt sein maximales Drehmoment von 400 Nm bei 1.750-2.500 U/min zur Verfügung. Dies ist exakt jener Bereich, den man im Alltag am häufigsten nutzt und mit ein Grund dafür, warum sich der XC60 so geschmeidig und souverän anfühlt. Zudem haben die Ingenieure viel Aufwand bei der Geräuschdämmung getrieben. Man muss wirklich zweimal hinhören, ob da vorne unter der Haube ein Diesel oder ein Benziner seine Arbeit verrichtet. Auch was den Verbrauch betrifft, braucht sich der neue XC60 in keiner Weise zu verstecken. Nach Norm sind es lediglich 5,1 Liter. Unter Realbedingungen dürfte man mit sechs bis sieben Liter gut über die Runden kommen.

 - Ab Juli 2017 kommt der XC60 zum Preis von rund 48.000 Euro in Deutschland auf den Markt.
Ab Juli 2017 kommt der XC60 zum Preis von rund 48.000 Euro in Deutschland auf den Markt.

Wem der Sinn nach mehr Kraftentfaltung steht, sollte zum D5 greifen. Hier stehen 235 und 480 Newtonmeter zur Verfügung. Die Höchstgeschwindigkeit steigt von 205 auf 220 km/h, der Verbrauch nur geringfügig auf 5,5 Liter.

Gut 80 Prozent der europäischen XC60-Käufer wählten bislang den Diesel. Ob dies im Zuge des derzeit angeschlagenen Images (Stickoxid-Ausstoß, Einfahrverbote in Städte) in Zukunft so bleibt, ist schwer abzuschätzen. Volvo registriert bereits einen Rückgang. Wer hier auf Nummer Sicher gehen will, für den sind drei Benziner im Angebot, der T5 mit 186 kW/254 PS, der T6 mit 235 kW/320 PS und der T8 mit 300 kW/407 PS. Letzterer ist ein Plug-in-Hybrid, der bis zu 45 Kilometer elektrisch fahren kann. Alle Diesel und Benziner sind übrigens serienmäßig mit einer Achtgang-Automatik und permanentem Allradantrieb kombiniert.

Üppiges Platzangebot

Was der XC60 äußerlich verspricht, hält er im Innenraum. Klare Linien, reduziertes Design, angenehme Oberflächen und gute Verarbeitungsqualität. Selbst die Liebe zum Detail kommt nicht zu kurz. Dies zeigt die Mini-Gravur der schwedischen Flagge auf der Metallleiste am Armaturenbrett. Das Platzangebot ist üppig. Auch hinten sitzen Passagiere bequem. Im Gegensatz zum XC90 ist der XC60 kein Siebensitzer. Die ausklappbare dritte Reihe gibt es hier nicht. Soll hinter den Frontsitzen nur Gepäck mit, lassen sich die Lehnen manuell oder vom Kofferraum aus per Schalter in die Waagerechte bringen. Das Ladevolumen wächst von 505 auf 1.432 Liter.

 - Der Arbeitsplatz im XC60 ist aufgeräumt und nicht mit Schaltern überfrachtet.
Der Arbeitsplatz im XC60 ist aufgeräumt und nicht mit Schaltern überfrachtet.

Kein Auto im Jahre 2017 ohne die entsprechende Konnektivität und ein modernes Infotainment. Hier bietet der XC60 sämtliche Features, die derzeit in der Autobranche up-to-date sind. Dazu gehören Sprachsteuerung, Online-Dienste und Smartphone-Anbindungen. Bedienung und Menüführung des Bildschirms wurde vereinfacht.

Und nicht zuletzt wollen die Schweden einmal mehr ihrem Ruf gerecht werden, die sichersten Autos der Welt zu bauen. Hier liegt das Augenmerk besonders auf Unfallvermeidung. Es gibt drei weitere Assistenzsysteme. So weicht der neue XC60 aus, wenn die automatische Notbremsung nicht mehr ausreicht. Das sogenannte „Oncoming Lane Mitigation“ soll Unfälle mit dem Gegenverkehr verhindern. Und in Bezug auf Künstliche Intelligenz erkennt die Kamera hinter der Windschutzscheibe nicht nur Menschen, Fahrrad- und Motorradfahrer, andere Autos, Laster und Busse, sondern auch große Tiere wie Wildschweine, Rotwild, Kühe und Pferde. Schließlich versprach vor einigen Jahren der Vorstandsvorsitzende Hakan Samuelsson: „Ab 2020 soll niemand mehr in einem neuen Volvo bei einem Unfall getötet oder schwer verletzt werden.“ Michael Specht

Volvo XC60 – Technische Daten:

Fünftüriges, fünfsitziges SUV mit Allradantrieb, Länge: 4,69 Meter, Breite: 1,90 Meter (mit Außenspiegeln 2,12 Meter), Höhe: 1,66 Meter, Radstand: 2,87 Meter, Kofferraumvolumen: 505 bis 1432 Liter.

Antrieb:
D4 AWD: 2.0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel, 140 kW/190 PS bei 4.250 U/min, maximales Drehmoment: 400 Nm bei 1.750-2.500 U/min, 0-100 km/h: 8,4 s, Vmax: 205 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,1 l/100 km, CO2-Ausstoß: 133 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse A+, Preis: 48.050 Euro

D5 AWD: 2.0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel, 173 kW/235 PS bei 4.000 U/min, maximales Drehmoment: 480 Nm bei 1.750-2.250 U/min, 0-100 km/h: 7,2 s, Vmax: 220 km/h, Durchschnittsverbrauch: 5,5 l/100 km, CO2-Ausstoß: 144 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse A+, Preis: 52.600 Euro

T5 AWD: 2.0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, 187 kW/254 PS bei 5.500 U/min, maximales Drehmoment: 350 Nm bei 1.500-4.800 U/min, 0-100 km/h: 6,8 s, Vmax: 220 km/h, Durchschnittsverbrauch: 7,2 l/100 km, CO2-Ausstoß: 164 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse B, Preis: 51.000 Euro

T6 AWD: 2.0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner + Kompressor, 235 kW/320 PS bei 5.700 U/min, maximales Drehmoment: 400 Nm bei 2.200-5.400 U/min, 0-100 km/h: 5,9 s, Vmax: 230 km/h, Durchschnittsverbrauch: 7,7 l/100 km, CO2-Ausstoß: 176 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse B, Preis: 55.500 Euro

T8 AWD: 2.0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, 235 kW/320 PS plus Elektromotor 65 kW (87 PS), Systemleistung 300 kW (407 PS), gemeinsames Drehmoment: 640 Nm, 0-100 km/h: 5,3 s, Vmax: 230 km/h, Durchschnittsverbrauch: 2,1 l/100 km, CO2-Ausstoß: 49 g/km, elektrische Reichweite 45 km, Preis: 69.270 Euro .

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