31.08.2010

Studie: Öko-Trend bei Fuhrparks

"Flottenkunden 2010": Unternehmen achten zunehmend auf Umwelt-Aspekte

Deutsche Unternehmen achten bei der Zusammenstellung ihrer Pkw-Fuhrparks zunehmend auf den Umweltaspekt. Dies ist ein Kernergebnis der aktuellen Oliver Wyman-Studie „Flottenkunden 2010“, in deren Rahmen mehr als 230 Fuhrparkentscheider deutscher Unternehmen befragt wurden. Viele Unternehmen haben demnach ihre Fuhrparkrichtlinien in jüngster Zeit verschärft und wollen ihre Mitarbeiter sowohl über Anreize als auch Einschränkungen zur Nutzung umweltfreundlicher Fahrzeuge motivieren. Um den Erwartungen der Flottenkunden gerecht zu werden, müssten Fahrzeughersteller und Leasinggesellschaften daher das Thema Umwelt nachhaltiger in ihrem Produkt- und Leistungsangebot verankern.

Bei der Anzahl der Fahrzeugbeschaffungen sei nach dem Krisenjahr 2009, das von einer starken Kaufzurückhaltung geprägt war, für das aktuelle Jahr eine leichte Erholung zu erwarten. Die Attraktivität des Leasings habe unter der Wirtschaftskrise jedoch kaum gelitten. Für die meisten Kunden bleibe Leasing die Anschaffungsform der Wahl. Die Studie zeige, dass die Bedeutung unabhängiger Fuhrparkoptimierer weiter zunehmen wird.

Im Jahr 2009 ist der gewerbliche Anteil an Pkw-Neuzulassungen in Deutschland erstmals seit Jahren gesunken. Ursache sei einerseits der starke Boom privater Neuzulassungen durch die Abwrackprämie, andererseits eine starke Kaufzurückhaltung der Unternehmen aufgrund der Wirtschaftskrise. Dieser kurzfristige Sondereffekt schmälere jedoch keinesfalls die Bedeutung des gewerblichen Kundensegments. Vielmehr sei für das aktuelle Jahr 2010 eine Rückkehr zu alten Verhältnissen zu erwarten. Daher bleibe die Erfüllung der Erwartungen der Flottenkunden ein zentraler Wettbewerbsfaktor für die Automobilhersteller und Leasinggesellschaften.

Die Studie belege, dass das Thema Umweltschutz für die deutschen Flotten eine große Bedeutung erreicht hat. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen habe die eigene Fuhrparkrichtlinie in Bezug auf ökologische Aspekte angepasst, beispielsweise durch Vorgaben zu Fahrzeugtypen sowie durch die Aufstellung oder Verschärfung von Verbrauchs- und CO2-Grenzen. Das Verhalten der Dienstwagennutzer werde darüber hinaus direkt über zusätzliche Boni für die Wahl eines kleineren Fahrzeugmodells oder mit Sondervergütungen bei geringem Kraftstoffverbrauch während der Fahrzeugnutzung beeinflusst. Zwar würden Fahrzeuge mit alternativen Antrieben in deutschen Fuhrparks noch relativ selten eingesetzt. Jedoch erwarte fast die Hälfte der Unternehmen, dass dieser Anteil bereits in den nächsten drei Jahren signifikant ansteigen wird. Dabei sei den Entscheidern durchaus bewusst, dass Umweltschutz nicht zum Nulltarif zu haben ist: Zwei Drittel würden Mehrkosten für neue Technologien akzeptieren, solange diese in einem gewissen Rahmen bleiben. Dazu sagt Matthias Bentenrieder, Partner der Automotive Practice von Oliver Wyman: „Die häufig aufgestellte Hypothese, dass neue Antriebskonzepte in Unternehmensfuhrparks nur bei absoluter Vollkosten-Neutralität eine Chance haben, ist nicht korrekt.

Unternehmen achten durchaus auf die Imagewirkung eines umweltschonenden Fuhrparks und akzeptieren dafür Mehrkosten – jedoch nur in geringem Umfang.“ Wie die Studienergebnisse zeigten, würden häufig auch Budgets je Fahrzeug reduziert oder Umschichtungen zu kleineren Modellen vorgenommen. „Das Beschaffungsverhalten der Firmenkunden scheint sich nachhaltig zu verändern. Unter Verweis auf Umwelt- und Kostenaspekte wird den Mitarbeitern immer häufiger ein Verzicht auf große, hoch motorisierte und teuer ausgestattete Fahrzeuge abverlangt“, erklärt Matthias Bentenrieder. (Siehe zu diesem Themen auch Diagramme in der Galerie) 

In der Studie seien darüber hinaus die wichtigsten Erwartungen der Kunden an die Fahrzeughersteller ermittelt worden. Ganz vorne lägen hier die „klassischen“ Kriterien Fahrzeugqualität, Werkstattleistung und Anschaffungspreis. Die größte Unzufriedenheit herrsche bei den Fuhrparkleistungen, hier sei die Benotung sogar schlechter als beim Kriterium Anschaffungspreis. Aus der gemeinsamen Betrachtung von Wichtigkeit und Zufriedenheit werde ersichtlich, dass neben dem immer schon kritisch gesehenen Preis nun auch bei den Werkstattleistungen und der Umweltfreundlichkeit aus Kundensicht ein großer Handlungsbedarf bestehe.

Wie die Befragung zeige, scheint die Wirtschaftskrise keine signifikanten Änderungen im Leasinggeschäft ausgelöst zu haben. Trotz steigender Refinanzierungskosten und strengerer Restwertsetzungen habe die Attraktivität des Leasings in der Wahrnehmung der meisten Kunden kaum gelitten. (Siehe auch Diagramm in der Galerie) 

Ebenso sei keine grundsätzliche Reorientierung der Kunden zwischen herstellergebundenen und freien Leasinggesellschaften festzustellen, es gebe keinen klaren „Sieger“ zwischen diesen Anbietergruppen. „Den Kunden scheint bewusst zu sein, dass die relative Verschlechterung der Leasingkonditionen während der Wirtschaftskrise ein temporärer Effekt ist – sie stellen ihre Entscheidung für Leasingangebote nicht grundsätzlich in Frage“, interpretiert Matthias Bentenrieder die Entwicklungen.

Eine Veränderung sei jedoch im Bereich der unabhängigen Fuhrparkoptimierer zu beobachten. Zwar nutzten nur neun Prozent der Kunden heute derartige Dienstleister, weitere neun Prozent der Unternehmen planten aber einen entsprechenden Einsatz. Als Gründe würden insbesondere angestrebte Kostenersparnisse und eine Entlastung der internen Verwaltung genannt. „Aus Sicht der Fuhrparkoptimierer scheint sich hier eine Verdoppelung ihres Marktpotenzials abzuzeichnen“, so Andreas Meyer, Leiter der Studie. „Für die etablierten Leasinggesellschaften besteht hingegen die Gefahr, dass ihre direkte Kundenbeziehung geschwächt wird.“ Unter den Kundenbedürfnissen beim Leasing lägen erwartungsgemäß die Finanzierungskonditionen ganz vorne, gefolgt von der Flexibilität der Verträge und der Prozessqualität. Die geringste Zufriedenheit würden die Kunden bei der Fahrerbetreuung, der Rückgabekulanz und der Kostenberatung berichten.

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