News 19.05.2017

VW setzt auf Erdgas

Caddy TGI modernisiert

Alternative Erdgas: Mitten in der Diskussion über die Elektrifizierung der Fahrzeugflotten rückt der VW-Konzern den schon tot geglaubten Erdgasantrieb wieder ins Scheinwerferlicht – und das mit Argumenten, die selbst kritisch eingestellte Fuhrparkmanager zum Nachdenken bringen dürften.

 - Neu aufgelegt: VW Caddy TGI.
Neu aufgelegt: VW Caddy TGI.
VWN

Im Verbund mit anderen Herstellern, Betreibern von CNG-Tankstellen und Gasnetzanbietern hat der VW-Konzern das Ziel, die mit Compressed Natural Gas (CNG) betankte Flotte bis 2025 zu verzehnfachen und damit auf eine Million zu erhöhen. Bei den Wolfsburgern ist seit 2002 die Anzahl der verfügbaren Modelle kontinuierlich angestiegen. Über alle Marken hinweg können die Kunden derzeit unter 19 Modellen – vom VW Up bis zum Scania Ecolution - wählen.

Bei den Fahrzeugen der nächsten Generation werden Audi & Co. zudem von den Entwicklungen bei VW Nutzfahrzeuge profitieren. Mit dem Ziel, den Flottenverbrauch weiter zu senken, haben die Techniker in den vergangenen Monaten alles daran gesetzt, um die Attraktivität dieser sauberen Antriebsart zu steigern. Schließlich fallen beim Einsatz von CNG weder CO2- noch Stickoxid- oder Rußpartikel-Emissionen an.

 - Vierter Ottomotor im Caddy-Programm ist der gleichfalls 1,4 Liter große Vierzylinder TGI.
Vierter Ottomotor im Caddy-Programm ist der gleichfalls 1,4 Liter große Vierzylinder TGI.

Eine der größten Sorgen galt bisher der Reichweite. Im Zuge der neuen Initiative soll jetzt nicht nur das Tankstellennetz in Deutschland von derzeit 900 auf 2.000 Anlaufstellen im Jahr 2025 erweitert werden. Auch wurde bereits beispielsweise bei der Entwicklung des neuen Caddy die Unterbringung der Gastanks anstelle des Benzinbehälters eingeplant. So finden nun im Unterboden des TGI deutlich größere Tanks für den flüchtigen Antriebsstoff Platz. Vier Behälter mit einem Gesamtfassungsvolumen von 26 Kilogramm Gas sind im Caddy ohne Einschränkung des Ladevolumens oder der Nutzlast untergebracht.

Verbrauch stark gesunken

Fünf Tanks mit 37 Kilogramm sind es beim Caddy Maxi. Das darin gespeicherte CNG liefert die notwendige Energie, um den 110 PS starken 1,4-Liter-Motor zu befeuern. Ein Benzintank mit 13 Litern Fassungsvermögen unterstützt bei der Start- und Warmlaufphase des Aggregats und dient als kleine Reserve. Mit einem Normverbrauch von 4,1 Kilogramm (kg) ist der Kraftstoffverbrauch um 28 Prozent im Vergleich zum Vorgänger (5,7 kg) gesunken. Ein Kilogramm CNG entspricht einem Energiegehalt von 1,5 Litern Benzin beziehungsweise 1,3 Litern Diesel. Zeitgleich ist die Reichweite von 440 auf 630 Kilometer (830 beim Maxi) gestiegen.

 - Die Reichweite beträgt nun 630 Kilometer (830 beim Maxi).
Die Reichweite beträgt nun 630 Kilometer (830 beim Maxi).

Auch zeigt das TGI-Aggregat bei Antritt und Beschleunigung keinerlei Schwächen. Dazu hat man auch die Erdgasfähigkeit des TSI-Benziners bereits bei der Grundentwicklung des Motors berücksichtigt. Das heißt, dass beispielsweise Zylinderkopf und Ventiltrieb genauso wie Kurbeltrieb, Kolben, Leitungen und Ventile auf den Gasbetrieb ausgelegt sind. Das gilt auch für das Motorsteuergerät  sowie Katalysator  und Abgasturbolader .

Das maximale Drehmoment von 200 Newtonmetern zwischen 1.500 und 3.500 Touren entspricht dem des Benziners. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei Tempo 170 erreicht. Als einzigen CNGler im Konzern gibt es den als Kombi, Kastenwagen oder Pkw-Variante lieferbare Stadtlieferwagen auf Wunsch mit einem Sechsgang-DSG-Getriebe anstelle der serienmäßigen Sechsgang-Schaltung.

Wichtig: die Wartung

Soweit, so gut. Dennoch schwirren bei dem einen oder anderen immer noch die Nachrichten über den explodierten VW Touran und den darauf folgenden Vorsichtsmaßnahmen an den Tankstellen im Kopf herum. Vorkommnisse, die zwar aufgrund von fehlenden Wartungen oder abgelehnten Reparaturen seitens des Kunden geschehen sind. Der Einsatz neuer Hochleistungs-Korrosionsschutz-Überzüge über alle Stahldruck-Speicher gehört aber seit 2012 beim Caddy und seit 2013 bei allen Fahrzeugen ebenso zum Standard wie der Anstoß der ACEA Initiative (European Automobile Manufacturers Association) zur lückenlosen Umsetzung der ECE-R110 Zulassungsvorschriften  europaweit. Darin geregelt sind die Bedingungen für die Genehmigung aller Bauteile, die für den Betrieb von Gasfahrzeugen notwendig sind.

CNG aus Biomasse

 - Das turbogeladene Triebwerk des Caddy TGI stellt ab einer Drehzahl von 4.800 U/min 81 KW/110 PS zur Verfügung.
Das turbogeladene Triebwerk des Caddy TGI stellt ab einer Drehzahl von 4.800 U/min 81 KW/110 PS zur Verfügung.

Eine weitere Frage, die sich bei Gas als Energie-Alternative für den Antrieb stellt ist die der Verfügbarkeit. Schließlich ist das klassische Erdgas auch ein endlicher Brennstoff. Dem gegenüber steht jedoch eine Vielzahl von Möglichkeiten, CNG aus Biomasse zu gewinnen. So hat beispielsweise schon heute Biomethan aus Speiseresten oder landwirtschaftlichen Abfällen einen Anteil von 16 Prozent im Netz. Allein durch die Fermentation von sieben Strohballen (1.800 kg) entstehen bis zu 300 Kilogramm Gas. Das würde bei einem Polo TGI, der laut Norm 3,2 Kilogramm verbraucht, für etwa 10.000 Kilometer Reichweite genügen. Auch synthetisches Methan (Power-to-Gas) aus überschüssigem Wind-und Solarstrom trägt dazu bei, die Umwelt zu schützen und den CO2-Ausstoß zu verringern.

Preis: 20.183 Euro

Leider nicht wirklich geringer ist derzeit noch der Einstiegspreis für den Caddy TGI. Als Kastenwagen liegt der bei 20.183 Euro netto (Maxi 21.280 Euro). Das sind 2.160 Euro mehr als der vergleichbare Benziner. Doch zum einen erwarten die Experten bei VW eine zunehmende Annäherung der Preise zwischen herkömmlichen und alternativen Antrieben. Und zum anderen wird die Zusicherung, dass die Steuerbegünstigung für CNG bis 2026 erweitert wird, den Preis anders als bei Benzin oder Diesel ziemlich stabil halten. Damit schmilzt der Aufpreis mit jedem Besuch an der Zapfsäule. Auch das macht Erdgas wieder zur Alternative. Sabine Neumann

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