Foto: ALD Automotive

bfp-Interview

ALD: "Unternehmen achten auf elektrische PHEV-Nutzung“

ALD-Chef Karsten Rösel über die sinnvolle Nutzung von Plug-in-Hybriden, die Restwertentwicklung von Elektroautos und die neue ALD-Markenidentität.

Inhaltsverzeichnis

Von Christian Frederik Merten

Auch im Leasing-Bestand der ALD Automotive gewinnen Plug-in-Hybride und reine Elektroautos an Bedeutung. Karsten Rösel, Geschäftsführer ALD Autoleasing D (ALD Automotive) und Regional Director ALD International, im Gespräch mit bfp FUHRPARK & MANAGEMENT.

Elektroautos: Umwelt, Image und Mitarbeiter

bfp: Herr Rösel, welche Angebote können Sie Kunden machen, die einen Plug-in-Hybrid oder ein Elektroauto bei Ihnen leasen möchten?

Karsten Rösel: Unsere Kunden entscheiden sich aus Umweltgesichtspunkten und Imagegründen, aber auch aufgrund von Mitarbeiterforderungen für Elektroautos. Unsere erste Leistung ist es, den Kunden zu beraten, welcher Antrieb für ihn der richtige ist. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Wir zeigen ihm auf, dass er mittlerweile auf ein sehr engmaschiges Ladenetz zurückgreifen kann – und das auch an Autobahnen, was Elektroautos in Kombination mit immer höheren Reichweiten jetzt auch langstreckentauglicher macht.

bfp: Unterstützen Sie Ihre Kunden auch beim Aufbau einer eigenen Ladeinfrastruktur?

K. Rösel: Ja. Wir arbeiten im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit Shell Newmotion zusammen. Das bedeutet einerseits, dass wir unseren Kunden ermöglichen, bundesweit mit einer Ladekarte zu laden. Andererseits helfen wir so aber auch dabei, eine entsprechende Ladeinfrastruktur bei den Unternehmen selbst und auch bei ihren Mitarbeitern zu Hause aufzubauen. Mit der Ladeinfrastruktur zu Hause tragen wir einen großen Teil dazu bei, dass auch Plug-in-Hybride so weit wie möglich elektrisch gefahren werden.

bfp: Wie hoch ist der Anteil von Plug-in-Hybriden und Elektroautos derzeit im ALD-Vertragsbestand?

K. Rösel: Derzeit verfügen international circa 15 Prozent bereits über alternative Antriebe. Fast alle dieser Fahrzeuge besitzen einen Mild-, Voll- oder Plug-in-Hybrid oder sind reine Elektrofahrzeuge. Erdgasfahrzeuge spielen analog zum Markt bei uns fast keine Rolle. Was wir sehen, ist, dass es bei diesem Wert nicht bleiben wird. Durch die staatlichen Bonusprogramme und Steuersubventionen zieht in Deutschland die Nachfrage nach Plug-in-Hybriden und Elektroautos spürbar an. Das zeigt sich auch an unseren Aufträgen, bei denen aktuell fast 25 Prozent der Fahrzeuge mit alternativen Antrieben ausgestattet sind.

Polestar-Leasing mit ALD Automotive

Pünktlich zum Marktstart des Polestar 2 präsentiert Polestar seinen Leasingpartner für den deutschen Markt. Die Schweden kooperieren mit ALD Automotive.
Artikel lesen >

Reportings bilden praktische Nutzung von Plug-in-Hybriden ab

bfp: Was tun die Unternehmen dafür, dass Plug-in-Hybride nicht nur im Verbrennermodus gefahren werden?

K. Rösel: Was wir erkennen ist: Sie achten auf jeden Fall darauf, dass Plug-in-Hybride auch elektrisch gefahren werden. Sie sagen: Wenn die Mitarbeiter die Steuervorteile erhalten, soll das auch Konsequenzen für die CO2-Bilanz und die Kraftstoffkosten haben. Wir unterstützen unsere Kunden durch den Zugang zur Ladeinfrastruktur über Ladekarten, Charge@Office- und Charge@Home-Lösungen dabei, die Fahrzeuge elektrisch zu betreiben. Zusammen mit unseren Partnern stellen wir zudem aussagekräftige Reportings zur Verfügung. Bereits die deutliche Abweichung vom Normverbrauch, wenn ein PHEV nicht elektrisch geladen wird, ist dabei ein wichtiger Indikator, um schwarze Schafe zu identifizieren. Im Detail lässt sich dann auch erkennen, welcher Nutzer wie viel Strom getankt hat und ob der Energieverbrauch zu den gefahrenen Kilometern passt. Ob und welche Sanktionen den Mitarbeitern drohen, wenn sie nicht laden, wissen wir natürlich nicht. Aber lassen Sie es mich so ausdrücken: Fast immer ist in die Konzeption der Car Policy ja auch die Personalabteilung eingebunden.

Ermutigende Entwicklung bei den Elektroauto-Restwerten

bfp: Welche Preisentwicklung erwarten Sie langfristig für Plug-in-Hybride und Elektroautos?

K. Rösel: Noch ist der deutlich höhere Listenpreis ein Unsicherheitsfaktor bei der Kaufentscheidung. Mittelfristig gehen wir aber davon aus, dass sich leistungsmäßig vergleichbare Benziner, Plug-in-Hybride und auch Elektroautos etwas oberhalb des Benziners einpendeln werden. Was die Kalkulation der wirklichen TCO von Plug-in-Hybriden und Elektroautos betrifft, bemerken wir aber weiterhin eine sehr große Unsicherheit. Sichtbar wird das an den vielen Vergleichsangeboten, die die Kunden mit Blick auf Antriebsarten heute einholen.

bfp: Wie prognostizierbar ist heute die Restwertentwicklung von reinen Elektroautos?

K. Rösel: Die Erfahrungen mit dem Remarketing von Elektroautos sind vor allem in Deutschland noch begrenzt. In anderen Ländern sehen wir aber eine ermutigende Entwicklung. Wir wissen, dass es auf Händlerebene eine Nachfrage im Markt gibt. Händler suchen auch gebrauchte Elektroautos für ihre Kunden.

ALD Automotive startet Langzeitmiete

Wer spontan ein Fahrzeug benötigt, für den bietet ALD Automotive ab sofort seine Mobilitätslösung ALD Flex.
Artikel lesen >

ALD Flex: Beitrag zur Flexibilisierung der Fahrzeugnutzung

bfp: Welche Trends erkennen Sie derzeit, wenn es um die kurzfristige Entwicklung der betrieblichen Mobilität und des Leasings geht?

K. Rösel: Ein deutlicher Trend ist die Flexibilisierung der Fahrzeugnutzung. Die Kunden akzeptieren es zum Beispiel überhaupt nicht mehr, wenn Leasinganbieter starr auf einmal vereinbarten Laufzeiten beharren. Das gilt im Übrigen auch für die Flexibilität in der Modellauswahl. Diese Entwicklung war bereits vor der Corona-Krise erkennbar, tritt jetzt aber verstärkt zutage.

bfp: Mit ALD Flex ist die ALD neuerdings auch im Bereich Auto-Abo und Langzeitmiete aktiv. Was bieten Sie Ihren Kunden hier an?

K. Rösel: Mit ALD Flex knüpfen wir direkt am Flexibilitätswunsch unserer Kunden an. Die Grenzen zwischen Auto-Abo und Langzeitmiete sind sicherlich fließend, deshalb haben wir mit ALD Flex beides zusammengefasst: ein Mobilitätsangebot mit flexiblen Laufzeiten ab einem Monat.

bfp: Inwiefern sind die Fahrzeuge individuell konfigurierbar?

K. Rösel: Es lassen sich keine komplett individuellen Fahrzeuge konfigurieren, aber wir bieten verschiedene Buchungsklassen an, die bestimmte Motorisierungen oder Ausstattungsmerkmale garantieren. Und diese Klassen lassen sich innerhalb der Laufzeit auch tauschen. Kunden können ihre Fahrzeuge also auch wechseln.

ALD Automotive mit neuer Brand Identity

ALD Automotive hat eine Markenidentität entwickelt, die die Ziele des Unternehmens als Anbieter von Mobilitätslösungen unterstützen soll.
Artikel lesen >

Neue ALD-Markenidentität: "Deutlich mehr als nur Leasing"

bfp: Den strategischen Rahmen für all diese Aktivitäten bildet die neue ALD-Markenidentität?

K. Rösel: Richtig. Wir sehen uns als Hauptakteur im Mobilitätssektor. Unser Portfolio besteht aus deutlich mehr als nur dem Leasing. Das möchten wir mit unserer neuen Markenidentität transportieren.

bfp: Wie spürt der Kunde das in der Praxis?

K. Rösel: Lassen Sie mich als Beispiel unseren Car Configurator nehmen. Natürlich haben wir dort auch schon in der Vergangenheit die Car Policies unserer Kunden hinterlegt. Heute haben wir aber den Bestellprozess komplett digitalisiert. Da braucht es kein Blatt Papier mehr. Und die Kunden nehmen diesen volldigitalen und rechtssicheren Prozess an: Mittlerweile erhalten wir fast 80 Prozent unserer neuen Leasingverträge auf elektronischem Weg. Wir sprechen also von einem komplett neuen Geschäftsmodell, das wir auch in eine neue Markenidentität gießen wollten.

bfp: Können Sie sich die Integration weiterer, vielleicht auch automobilfernerer Mobilitätsangebote wie dem Mobilitätsbudget in das ALD-Portfolio vorstellen?

K. Rösel: Damit beschäftigen wir uns im Rahmen vieler internationaler Projekte selbstverständlich auch. Derzeit machen wir allerdings die Erfahrung, dass das Kundeninteresse weniger auf den Potenzialen des Carsharings liegt, sondern sich eher um TCO-Potenziale oder die CO2-Reduktion dreht. Das wird unserer Einschätzung nach mittelfristig auch so bleiben.

Komplettes Online-Leasingfeature für White-Label-Partner

bfp: Wie entwickeln sich die Restwerte derzeit in der Corona-Krise?

K. Rösel: Sie können sich vorstellen, dass die Corona-Krise nicht zu steigenden Restwerten führt. Auch wenn wir Nachfrage verspüren, ob jeder Anbieter immer seine Preisvorstellungen durchsetzen kann, bleibt fraglich. Das ist übrigens ein Punkt, der auch Kauffuhrparks oder Leasing-Kunden mit Restwert-Verträgen betrifft: Sie tragen aktuell das komplette Restwertrisiko ihrer Fahrzeuge. Ein Grund, weshalb sich einige dieser Unternehmen jetzt dem Kilometer-Leasing zuwenden. Wir selbst können dieses Risiko zum Glück durch unser europaweites Remarketing-Netz abfedern.

bfp: Was können Sie zu Ihren White-Label-Produkten für verschiedene Importeure berichten?

K. Rösel: Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu Details unserer Kooperationen nicht äußern können. Aber wir entwickeln diese Partnerschaften natürlich stetig weiter. Wir haben auch hier neue Antriebsarten im Portfolio und bieten spezielle Versicherungskonditionen an. Und wir bieten unseren Partnern jetzt außerdem auch ein komplett fertiges Online-Leasingfeature an, das wir nur noch an die entsprechenden Konditionen und die jeweilige CI anpassen müssen. Für dieses volldigitale Vertriebsinstrument spüren wir gerade jetzt in der Corona-Krise eine deutlich höhere Nachfrage.

bfp: Herr Rösel, herzlichen Dank für das Gespräch.

Tipps & News rund um Fuhrparkmanagement und betriebliche Mobilität:der fuhrpark.de-Newsletter

Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen fuhrpark.de-Newsletter!