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Majk Strika, Geschäftsführer von Holman in Deutschland: „Die Strategie von Holman für die nächsten Jahre beschreiben vier Schlagwörter: automatisiert, vernetzt, elektrisch und „shared.“ 
Foto: Holman
Majk Strika, Geschäftsführer von Holman in Deutschland: „Die Strategie von Holman für die nächsten Jahre beschreiben vier Schlagwörter: automatisiert, vernetzt, elektrisch und „shared.“ 

Interview

„Alles das, was wir seit fast 100 Jahren machen, ist nachhaltiger Natur“

Ari Fleet trägt seit Ende März 2022 auch in Deutschland den Namen des  fast 100 Jahre alten familiengeführten US-amerikanischen Mutterkonzerns Holman. Majk Strika, Geschäftsführer von Holman in Deutschland, erzählt im Interview mit bfp FUHRPARK & MANAGEMENT über Leasingmodelle in Zeiten von Corona, Trends in der betrieblichen Mobilität und gibt einen Ausblick auf Strategie von Holman für die kommenden Jahre.

Herr Strika, Holman ist mit ARI Fleet ist seit acht Jahren in Deutschland aktiv. Mit welchen Zielen ist ARI Fleet damals in Deutschland gestartet?

Majk Strika: Wir sind vor gut acht Jahren mit der langfristigen Strategie angetreten, ein flexibles, offenes und transparentes Flottenmanagement und Leasing zu etablieren, das es vorher in Deutschland nicht gegeben hat. Das ist hingegen vieler Erwartungen auch gelungen. Wir sind seit unserem Start dann kontinuierlich gewachsen. Inzwischen haben wir 95.000 Fahrzeuge unter Vertrag. Dieses Jahr werden es 100.000 sein. Das macht uns natürlich stolz, aber vor allem sind es eben unsere Mitarbeiter, die das Unternehmen zu dem machen, was es heute ist. Für uns stehen die Mitarbeiter an erster Stelle – das Team ist mittlerweile auf über 200 Personen gewachsen und verteilt sich auf die Standorte Eschborn und Stuttgart.

Seit 28.03.2022 heißt ARI Fleet Holman. Wer ist Holman und wie kam es zu dieser Umbenennung?

Strika: Holman steckte schon immer in unserem Namen: ARI Fleet Germany, a Holman Enterprise. Holman ist kein neuer Investor, kein neues Unternehmen. Es ist unser Mutterkonzern, aus dem wir 1948 in den USA gegründet wurden. Dabei hat das Unternehmen schon fast 100 Jahre Tradition: 1924 startete Holman in New Jersey als einzelner Ford-Händler und entwickelte sich in den letzten 90 Jahren zu einem weltweit führenden Automobildienstleister mit sieben Divisionen, rund 7.000 Mitarbeitern weltweit. 1948 wurde der Bereich Flottenmanagement bei Holman als ARI ausgegründet und konnte unter dem Dach der Holman Enterprises einen eigenen Weg beschreiten. Nun hat die Familie Holman, die in dritter Generation den Konzern führt, entschieden, dass die einzelnen Divisionen unter dem Namen Holman fortan agieren, um die Zugehörigkeit zum Familienkonzern auch nach außen zu demonstrieren. Wir freuen uns über diesen Schritt und rücken damit noch ein Stück näher mit unseren internationalen Kollegen zusammen.

Was bedeutet das Rebranding für ARI Fleet in Deutschland?

Strika: Man unterstreicht mit der Umbenennung noch einmal die Zugehörigkeit zum Konzern, was gleichzeitig auch ein deutliches Commitment der Familie Holman ist. Dabei haben wir in den letzten Jahren immer vom Mutterkonzern profitiert und auch ihre Werte gelebt. Durch den gleichen Namen rücken wir noch ein Stück enger mit den internationalen Kollegen zusammen und haben Zugriff auf ein riesiges Netzwerk an Expertinnen und Experten weltweit. Für uns ändert sich intern der Name, wir gewöhnen uns an einen neuen Außenauftritt, aber bleiben mit dem gleichen Herzblut bei der Sache, wie wir es immer getan haben. Aber vor allem freuen wir uns und sind stolz, den Namen in Deutschland bekannt zu machen.

Wird sich mit dem neuen Namen auch das Angebot von Holman ändern?

Strika: Für die Kunden hat sich bis auf den Namen nichts geändert, denn es gibt ja keinen neuen Investor. Wir bleiben hier in Deutschland ein typisch mittelständisch agierender Partner unserer Kunden, obwohl wir ein Teil eines global aufgestellten Konzerns sind. Wir werden weiterhin im Bereich Flottenmanagement und Leasing neue Wege gehen und dabei den Namen unserer Muttergesellschaft stolz auf der Brust tragen. Wir sind als Mittelständler im Leasing neben all den quartalsgetriebenen Banken einzigartig im Markt. Darüber hinaus können wir auf das riesige Netzwerk und weitere finanzielle Kapazitäten des Konzerns zurückgreifen. Uns ist besonders wichtig, dass unsere Kunden verstehen, dass sie mit uns ein Unternehmen an ihrer Seite haben, das wie sie nicht nur langfristig denkt und entsprechend strategisch handelt, sondern bei dem auch immer der Mensch an erster Stelle steht – gleichermaßen im Umgang mit Kunden und unseren Mitarbeitern. Alles das, was wir seit fast 100 Jahren machen, ist nachhaltiger Natur. Das kommt mit dem Namen der Gründerfamilie als neue Leadmarke wunderbar zum Tragen.

Welche Trends beobachten Sie aktuell mit Blick auf die Unternehmensmobilität?

Strika: Viele Unternehmen mit großen Fuhrparks haben in der Corona-Pandemie gemerkt, dass ihre Flotte zu groß ist, aber überschüssige Fahrzeuge nicht schnell genug abgestoßen werden können. Das lag nicht nur an der angespannten wirtschaftlichen Situation, sondern auch an Leasingverträgen mit starren Laufzeiten. Flexibilität heißt hier das Gebot der Stunde. Wir stellen gerade auch fest, dass bei den Unternehmen der Fahrzeugkauf, der jahrelang verpönt war, wieder in Mode kommt. Diejenigen Firmen, die es sich leisten können, kaufen die Fahrzeuge. Zudem ist die Nachfrage nach Elektro-Fahrzeugen innerhalb der vergangenen zwölf Monate auf der Seite unserer Kunden enorm gestiegen. Dieser neue Trend beschert uns die Möglichkeit, unser Portfolio an Services weiter auszubauen. Da geht es zum Beispiel um die Fragen, welche Subventionen es beim Kauf eines entsprechenden Fahrzeugs gibt, die Abwicklung der THG-Quote, intelligente Ladestrategien, wie das Abrechnen der Ladevorgänge möglichst effizient gestaltet wird oder wie ich als Unternehmen sicherstellen kann, dass ich bundesweit einen Ökostromtarif habe – egal, wo ich Strom tanke. Insgesamt kann man sagen, dass durch die Corona-Pandemie ein tiefergreifendes Umdenken in den Unternehmen stattgefunden hat.

Wie sieht die Strategie von Holman für die nächsten Jahre aus?

Strika: Da gibt es vier Schlagwörter: automatisiert, vernetzt, elektrisch und „shared“. Der Markt war in den vergangenen Jahren sehr gradlinig. Es gab bestimmte Fahrzeugtypen, die man einfach gekauft, geleast oder gemietet hat. Heute hingegen gibt es eine Vielzahl an Antriebstechnologien und einen riesigen Strauß an Beschaffungs- und Finanzierungsmöglichkeiten, wie z.B. das Open-End-Leasing. Lösungen von der Stange zu verkaufen, wie es nach wie vor viele unserer Wettbewerber tun, ist nicht mehr zeitgemäß. Wie bereits oben beschrieben, stellte gerade die E-Mobility die Unternehmen vor ganz neue Herausforderungen, die nur mit einem Plus an Consulting eines erfahrenen externen Dienstleisters zu bewältigen sind. Nur so lassen sich maßgeschneiderte Lösungen für das Fahrzeug, den klassischen Ladeweg und die passende Finanzierung entwickeln. Darüber hinaus hat die Entwicklung der Spritpreise viele Fuhrparkmanager zum Um- und Weiterdenken bewegt. Telematik-Programme, die das Fahrverhalten und den Kraftstoffverbrauch analysieren können, sind umso wichtiger geworden. Wir erarbeiten auch hier gemeinsam mit unseren Kunden passende Lösungen und beraten, wo Beratung benötigt wird.

Vor zwei Jahren haben Sie das Produkt Flex Back gestartet. Können Sie uns kurz erläutern, was sich dahinter verbirgt?

Strika: Mit unserem Sale-and-Leaseback-Produkt Flex Back bieten wir Kunden folgende Strategie an: die Flotte verkaufen und dann zurückleasen. Besonders während der Corona-Pandemie haben sich viele Firmen bewusst gegen ein klassisches Leasing für ihre Flotte entschieden, um die Vorteile und Flexibilität des Kaufes von Firmenfahrzeugen zu nutzen. Bei manchen Unternehmen haben sich dann aber die Prioritäten geändert. Liquidität hat nun oftmals eine höhere Priorität als „in den guten alten Zeiten“.  Genau für diese Firmen ist Flex Lease, die Basis für unser Sale-and-Leaseback, eine interessante Option, um gebundenes Kapital zu flexibilisieren. Sie verkaufen Ihre Fahrzeuge an einen Leasinggeber und erhalten so auf einen Schlag neue Liquidität. Die Fahrzeuge werden anschließend wieder zurückfinanziert. Wir beraten unsere Kunden zu den Vor- und Nachteilen und finden gemeinsam die passende Lösung für die jeweiligen Bedürfnisse.

Worin unterscheidet sich Flex Lease von anderen Leasingangeboten?

Strika: Gerade jetzt ist Flexibilität in allen Lebenslagen gefragt – nicht nur für Fuhrparks. Wir haben bereits vor 2020 schon mit transparentem, flexiblem Leasing geworben, bei dem Kunden nur das zahlen, was sie auch wirklich nutzen. Ohne versteckte Kosten am Leasingende. Im Gegensatz zu geschlossenen Leasingverträgen können Leasingnehmer dank Flex Lease die Laufzeit der Verträge bereits ab drei Monaten problemlos verlängern oder verkürzen. Und das ohne, dass die Kilometeranzahl im Vorhinein festgelegt wurde.

Nicht zuletzt durch die jetzige Situation (Lieferschwierigkeiten) ist unser Produkt Flex Lease ein absoluter Kassenschlager auf dem deutschen Flottenmarkt. Es ist im Grunde einem kreditfinanzierten Kauf sehr ähnlich und verbindet daher die meisten Vorteile eines Kaufs mit denen eines Leasingvertrags. Sie, nicht ein Leasingvertrag, können bestimmen wie lange das Fahrzeug genutzt wird. Unternehmen, die ihre Fahrzeuge mit herkömmlichen Leasingverträgen erworben haben, können das nur bedingt und müssen sich an den Leasingvertrag halten. Und wenn wir jetzt noch die aktuelle Lieferkettenproblematik und die daraus resultierenden hohen Preise für Gebrauchtwagen hinzunehmen, fahren Unternehmen, die ihre Fahrzeuge gekauft haben, noch besser mit ihrer Strategie. Das gilt auch für Unternehmen, die bereits auf flexible Leasing-Lösungen wie unser Flex Lease gesetzt haben.

Holman bietet kein klassisches Full-Service-Leasing an, dennoch muss der Kunde nicht auf Servicebausteine verzichten. Wie funktioniert das?

Strika: Richtig, wir nennen das Full-Service-Leasing auch gerne das „Rundum-sorglos-Paket“. Es gibt einen Unterschied zwischen dem sogenannten „Geschlossenen Full-Service-Leasing“ und dem „Offenen Full-Service-Leasing“. Bei Holman bieten wir unseren Kunden nur vollkommen transparente und offene Abrechnungsvarianten an, in denen Kunden genau sehen, wofür sie zahlen. Wir setzen auch hier auf Flexibilität und Transparenz. Die Basis des offenen Full-Service-Leasings bildet wiederum Flex Lease. Dazu kann der Kunde dann modular sein Servicepaket zusammenstellen. Alle angefallenen Kosten werden transparent ausgewiesen und ohne Aufschlag weitergereicht. Auch hier gilt die Devise: Sie bekommen nur den Service, den Sie wirklich brauchen und zahlen wollen.

Sind alternative Mobilitätslösungen, wie Mobility-as-a-Service, Mobilitätsbudget und Dienstrad ein Thema bei Holman?

Strika: Generell unterscheiden wir zwischen betrieblicher Mobilität und Motivationsmobilität. Sprechen wir beispielsweise von einem Handwerker oder einem Unternehmen, welches mit den Fahrzeugen ihre Dienstleistungen erbringt (Serviceflotten), ist ein Mobilitätsbudget eher weniger relevant. Auch für Personen, die durch den Wohnort schlecht an öffentliche Verkehrsmittel angebunden sind, ist eine Alternative zum eigenen Fahrzeug nicht unbedingt interessant. In der Motivationsmobilität handelt es sich dahingegen um Menschen, die bei der Auswahl von Verkehrsmitteln flexibel sind. Aus unserer Sicht könnte sich das Mobilitätsbudget in diesem Rahmen gegebenenfalls etablieren. Letztlich ist jedoch der Einsatzrahmen stark begrenzt.

Wir konzentrieren uns auf maßgeschneiderte Lösungen für Fuhrparks und beraten unsere Kunden in allen weiteren Belangen umfassend mit unseren Experten inhouse.

Vor Corona war bei den Kunden der Wunsch festzustellen, Leasinglaufzeiten zu verkürzen. Wie sieht es aktuell damit aus?

Strika: Jetzt möchten Kunden die Laufzeiten bei auslaufenden Verträgen verlängern, da neue Fahrzeuge nicht schnell genug geliefert werden können und auch der Mietwagenmarkt mit den Lieferschwierigkeiten zu kämpfen hat. Dies führt bei vielen Kunden zu Diskussionen mit Ihren Leasinggesellschaften und manche Leasingfirmen lehnen diese Verlängerungen sogar ab. Bei Flex Lease kommt es dabei nicht mal zu einer Diskussion, denn die Nutzungsdauer und Kilometerlaufleistung müssen bei Abschluss des Vertrages gar nicht erst festgelegt werden. Der Kunde entscheidet wie lange das Fahrzeug gefahren wird, nicht ein Leasingvertrag. Es gibt eine große Diskrepanz zwischen den Marktgeschehen und –gegebenheiten und den Angeboten auf dem Flottenmarkt. Dem Kunden wird enorm viel Flexibilität durch den Wegfall von Vertriebsbesuchen, Lockdowns oder geänderten Mobilitätsgewohnheiten seiner Dienstwagennutzer abverlangt und der Anbietermarkt reagiert nach wie vor mit starren Konzepten, die in den letzten Jahrzehnten funktioniert haben, aber nicht mehr zwingend auf die derzeitige Situation passen. Wir wollen dem Kunden gemäß unserem Open Flex-Prinzip als neutraler Beobachter sowie Berater zur Seite stehen und diesem die Möglichkeiten bieten, sich genauso flexibel im Management seiner Flotte aufzustellen, wie es die aktuelle Situation von ihm erfordert. Daneben beobachten wir eine zunehmende Komplexität des Marktes, welche durch die Warenverknappung zusätzlich herausfordernd ist. Vom Flottenverantwortlichen wird abverlangt langfristig den Fuhrpark bestes aufzustellen: Das heißt wohlmöglich die Flotte zunehmend elektrifizieren, flexible Mobilitätsangebote einzuführen, Prozesse digital umzusetzen und das unter dem Gesichtspunkt, dass Neufahrzeuge mehrmonatige Lieferzeiten aufweisen und Altfahrzeuge aufgrund von bestehenden Vertragsstrukturen ausgesteuert werden müssen.

Wie wirkt sich die Halbleiterkrise auf das Geschäft von Holman aus?

Strika: Das ist recht kurz zu beantworten und dennoch ist die Situation dahinter komplex. Unsere Experten aus dem Bereich Remarketing spüren die angespannte Marktsituation jeden Tag. Fahrzeuge werden zu guten Preisen verkauft, neue kommen wenig nach. Daher bieten wir Kunden die Flexibilität, ihre Verträge zu verlängern, wenn sie Fahrzeuge länger benötigen, als vorgesehen. Wir sind im engen Austausch mit Händlern und Herstellern und suchen in dieser Situation stets nach der bestmöglichen Lösung – das verlangt oft viel Zeit und gemeinsame Beratungszeit mit dem Kunden ab.

Herr Strika, vielen Dank für das Gespräch.

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