"Stellen gemeinsam mit unseren Kunden sicher, dass die Fahrer das Potenzial der Plug-in-Hybride auch vollumfänglich ausschöpfen."
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bfp-Interview

Alphabet: "Plug-in-Hybride Köngisdisziplin der Beratung"

Der neue Alphabet-CEO Uwe Hildinger über die Ansprüche an moderne Unternehmensmobilität, die Elektromobilität und neue Mobilitätslösungen.

Von Christian Frederik Merten

Seit dem 1. August ist Uwe Hildinger CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung von Alphabet Fuhrparkmanagement. bfp FUHRPARK & MANAGEMENT sprach mit ihm über die strategische Ausrichtung der BMW-Tochter sowie die aktuellen Herausforderungen in der Unternehmensmobilität.

Flexibilität, Planbarkeit und Transparenz

bfp: Herr Hildinger, wie verändert Corona die Unternehmensmobilität?

Uwe Hildinger: Ich denke, die Herausforderungen, die sich für die Unternehmensmobilität ergeben, ähneln denen, die wir allgemein für die Wirtschaft sehen. Wir haben innerhalb kürzester Zeit gelernt, dass die Arbeitswelt in vielen Bereichen auch ohne ständige Präsenz in den Büros funktionieren muss. Dabei sind digitale Instrumente unverzichtbar und sie werden auch im Fuhrparkmanagement immer wichtiger. Online-Meetings und -Konferenzen führen außerdem zu der Erkenntnis, nicht für jedes Treffen quer durch Deutschland, Europa oder rund um die Welt reisen zu müssen. All diese Faktoren werden sich aus unserer Sicht langfristig auf die Unternehmensmobilität und das Fuhrparkmanagement auswirken.

bfp: Was genau werden die Unternehmen ändern?

U. Hildinger: Viele Unternehmen wünschen sich flexiblere Verträge sowie Planbarkeit und Transparenz. Dazu kommt eine erhöhte Nachfrage nach alternativen Antrieben, hauptsächlich nach Elektroautos und Plug-in-Hybriden.

bfp: Sehen Sie derzeit einen Trend zurück zum eigenen Dienstwagen, zur individuellen Mobilität auch als Schutz vor einer Corona-Infektion?

U. Hildinger: Dienstwagen waren auch vor der Covid19-Pandemie ein wesentlicher Baustein der Unternehmensmobilität. Vor allem in den Städten standen sie allerdings in erhöhtem Wettbewerb zu neuen Mobilitätsangeboten, das ist richtig. Dort erkennen wir vor dem aktuellen Hintergrund durchaus einen Trend zurück zur individuellen Mobilität. Sie muss flexibel und im besten Fall kontaktlos sein.

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Eine Lösung für alle gibt es nicht

bfp: Dass Ansprüche an die Unternehmensmobilität immer komplexer werden, ändert sich aber auch durch Corona nicht. Welche Ziele formulieren Sie vor diesem Hintergrund für Alphabet in Deutschland?

U. Hildinger: Sie haben völlig recht, eine einheitliche Mobilitätslösung für alle Unternehmen oder für alle Mitarbeiter einer Organisation gibt es heute nicht mehr. Wichtig ist für uns, die strategische Ausrichtung unserer Kunden genau zu kennen. Die Beratungsleistung wird daher auch in Zukunft einen bedeutenden Stellenwert einnehmen. Auch vor dem Hintergrund, dass unsere Kunden in Mobilitätsfragen immer häufiger mit dem Thema Nachhaltigkeit konfrontiert werden. Durch gesetzliche Vorgaben, aber auch durch Investoren und nicht zuletzt durch ihre Mitarbeiter. Darauf benötigen unsere Kunden Antworten und die passenden Lösungen und wir unterstützen sie dabei.

bfp: Inwiefern helfen dabei digitale Instrumente?

U. Hildinger: Die Digitalisierung von Prozessen ist eines unserer Fokusthemen. Ein Beispiel ist unsere Nutzer-App Alpha Guide. Seit Anfang 2019 haben wir mehr als 48.000 Nutzer Downloads registriert. Die App bietet Dienstwagenfahrern umfangreiche Self-Service-Funktionen wie die Servicepartner-Suche und beinhaltet mittlerweile zum Beispiel auch die digitale Servicekarte. Somit sparen wir die Produktion von 50.000 Plastikkarten im Jahr. Die digitale Lösung ist also auch ein konkreter Beitrag zu mehr Umweltfreundlichkeit. Innovative und nachhaltige Lösungen für den Fuhrparkalltag sind für uns ein wesentlicher Bestandteil in unserem Anspruch, führender Anbieter ganzheitlicher Business-Mobilität zu werden.

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Plug-in-Hybride: Nicht nur steuerlich betrachten

bfp: Welchen Stellenwert besitzen Ihrer Erfahrung nach Plug-in-Hybride derzeit bei den Mobilitätsverantwortlichen in den Unternehmen?

U. Hildinger: Plug-in-Hybride sind quasi die Königsdisziplin der Beratung. Passen sie zum Bedarf eines Fuhrparks und insbesondere zum individuellen Fahrprofil eines Unternehmens und vor allem eines Fahrers, sind sie eine sinnvolle Alternative zum reinen Verbrenner. Für ein PHEV-Modell sollte aber nicht nur die Steuerersparnis sprechen, sondern auch Effizienz, langfristige Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Daher ist immer eine umfangreiche Analyse gefragt. Mittels unserer E-Mobility-Lösung Alpha Electric begleiten wir unsere Kunden auf Wunsch durch den gesamten Prozess der Elektrifizierung. Ganz zu Beginn stehen immer die Auswertung der Anforderungen und Fahrprofile sowie die Ermittlung der passenden Modellstrategie nach TCO-Kriterien. In der Folge sind auch Beratungen zur Erstellung einer E-Car-Policy möglich. So stellen wir gemeinsam mit unseren Kunden sicher, dass die Fahrer das Potenzial der Plug-in-Hybride auch vollumfänglich ausschöpfen.

bfp: Beratung in Sachen E-Mobilität bedeutet für Sie gemeinsam mit Ihrem Partner Total weiterhin auch die Hilfestellung beim Aufbau einer eigenen Ladeinfrastruktur?

U. Hildinger: Richtig. Wir beraten unsere Kunden bei der Auswahl der passenden Ladelösungen – von der einfachen Wallbox bis hin zur intelligenten Ladestation. Zudem unterstützen wir auf Wunsch ebenfalls bei der Implementierung. Um die Investitionsentscheidung zu erleichtern, bieten wir auch ein Ladesäulen-Leasing an.

Leasing auch weiterhin tragende Säule

bfp: Welche Vorteile können Sie Ihren Kunden durch Ihre Positionierung als All-Brand-Captive derzeit auch über das reine Fahrzeugangebot hinaus bieten?

U. Hildinger: Als Teil der BMW Group profitieren wir natürlich von der Nähe zu einem Premium-Automobilhersteller, der sehr zukunftsorientiert und nachhaltig aufgestellt ist. Etwa die Hälfte unseres Bestands sind BMW-Fahrzeuge. Der Mehrmarken-Ansatz ermöglicht es uns, umfangreich zu beraten. Das Angebot von Transportern und E-LCVs ist in unserem Fall natürlich nur als markenunabhängig agierende Captive möglich.

bfp: Welche Relevanz werden in Zukunft Ihre Leasing-Produkte in Ihrer Strategie besitzen?

U. Hildinger: Leasing- und Full-Service-Leasing stellen heute und auch in Zukunft eine tragende Säule unseres Geschäfts dar. Aber natürlich nehmen die Anfragen nach flexiblen Mobilitätslösungen deutlich zu. Bei der Entwicklung ist es für uns zentral, dass diese Lösungen die Bedürfnisse und Anforderungen sowohl von Kunden als auch Fahrern decken und individuell in die Prozesse integrierbar sind.

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Mehr Beratung rund um Nachhaltigkeit und E-Mobilität

bfp: Mit welchen neuen Produkten können Ihre Kunden denn auf absehbare Zeit rechnen?

U. Hildinger: Wir werden unsere Beratungsleistungen rund um die Themen Nachhaltigkeit und Elektromobilität weiter ausbauen. Ein Beispiel ist unser E-Car-Policy-Consulting, mittels dessen unsere Kunden schon heute umfassend bei der Erstellung der notwendigen Richtlinien unterstützt werden. Wir wollen unsere Kunden ausgehend von ihren Zielen beraten, wir wollen sie nicht belehren. Auch die Entwicklung digitaler Lösungen ist für uns weiterhin zentral. Daher arbeiten wir an der Realisierung weiterer App-basierter Funktionen, die den Mobilitätsalltag erleichtern.

bfp: Welche Rolle spielt dabei Ihr Carsharing-Konzept Alpha City?

U. Hildinger: Wir glauben grundsätzlich nach wie vor an das Potenzial des Carsharings. Das Feedback, das wir von unseren Kunden zu unserer Lösung Alpha City erhalten, ist positiv. Wir empfehlen diese Möglichkeit immer dann, wenn sie wirtschaftlich Sinn ergibt und die Effizienz einer Flotte steigert. Unser Ziel für die Zukunft ist es, die Flexibilität unserer Angebote noch weiter zu steigern.

bfp: Ist die Entwicklung eines eigenen Mobilitätsbudgets für Sie in nächster Zeit ein Thema?

U. Hildinger: In einigen Alphabet-Märkten wie beispielsweise den Niederlanden, in denen der öffentliche Nahverkehr weniger vielfältig ist und damit die Abrechnungsstrukturen deutlich einfacher sind als in Deutschland, bieten wir ein solches Produkt bereits an. Hierzulande ist die Einführung aufgrund der Vielzahl privater und öffentlicher Mobilitätsanbieter sowie regulatorischer Anforderungen komplexer. Zudem ist die Nachfrage unserer Kunden in dieser Hinsicht noch nicht allzu groß. Die Digitalisierung des Fuhrparkmanagements und die Umstellung auf Elektromobilität genießen in der Praxis deutlich mehr Aufmerksamkeit.

bfp: Herr Hildinger, herzlichen Dank für das Gespräch.

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