Image
Claßen_Carsten_Athlon_2021.jpeg
Foto: Athlon
Carsten Claßen, Innovation- & Productmanagement E-Mobility bei Athlon Germany, befasst sich seit 2010 mit dem Thema Elektromobilität und Ladeinfrastruktur in der Flotte und ist zudem seit 2020 Botschafter der E-Mobilität in Nordrhein-Westfalen.

Interview

Athlon: „Bei der Elektrifizierung einer Flotte gilt es immer das große Ganze im Blick zu behalten“

Einen Fuhrpark um E-Fahrzeuge zu erweitern ist für Fuhrparkverantwortliche eine Herausforderung. Full-Service-Leasing-Partner bieten mittlerweile nicht nur bei der Beschaffung von Fahrzeugen eine Beratung an, sondern auch für den kompletten Prozess. Wir haben mit Carsten Claßen, Innovation- & Productmanagement E-Mobility bei Athlon Germany gesprochen, was beim Aufbau eines E-Fuhrparks zu beachten ist.

Vor welchen Herausforderungen steht ein Fuhrparkmanager bei der Umsetzung der Aufgabe, einen Fuhrpark um E-Fahrzeuge zu erweitern? Über welche Erfahrungen können Sie berichten?

Carsten Claßen: In der Praxis werden Fuhrparkmanager:innen häufig mit diesem Thema konfrontiert, wenn die ersten Elektroautos mit Batterie (BEV) oder die ersten Plug-in Hybrid-Fahrzeuge (PHEV) geordert sind. Dann stellt sich zum Beispiel die Frage, wie diese Fahrzeuge am Standort oder im öffentlichen Bereich aufgeladen werden können. Die Fahrzeuge sollen ja so viel wie möglich elektrisch fahren. Dazu ist vor allem ein einfacher Zugang zu Ladestationen erforderlich. Von den Fahrer:innen wird recht schnell die Frage nach einer Beteiligung des Arbeitgebers an den Kosten für einen Ladepunkt gestellt. Zu klären ist dabei auch die Abrechnung des Stromverbrauchs. Viele Fuhrparkmanager:innen erkennen nach den ersten Gesprächen mit verschiedenen Anbietern, dass eine Erweiterung des Fuhrparks um E-Fahrzeuge ein komplexes Thema ist. Es gilt verschiedene Abteilungen einzubinden und Investitionen zu tätigen.

Wie geht ein Fuhrparkmanager ein solches Projekt am besten an?

Carsten Claßen: Am besten holt man sich externe Unterstützung von Expert:innen, die Erfahrungen mit den Themen Flottenmanagement und E-Mobility haben und  während des gesamten Prozesses unterstützen können. Bei der Elektrifizierung einer Flotte gilt es immer das große Ganze im Blick zu behalten und eine passgenaue Strategie zu entwickeln. Hierbei sollten im Rahmen einer genauen Fuhrparkanalyse- und -beratung die nachfolgenden sechs Schritte berücksichtigt werden:

  1. Auswertung der bestehenden Fuhrparkdaten
  2. Erstellung von Nutzerprofilen auf Basisdaten wie z.B. Laufzeit, jährliche Fahrleistung, Einsatzgebiet oder Tagesstrecken
  3. Segmentierung der potenziellen Fahrersegmente
  4. Anpassung der Car Policy
  5. Definition der Anforderung für das richtige Ladekonzept
  6. Die Wahl des richtigen Partners für die Implementierung des Ladekonzeptes

Für welche Mitarbeiter und für welchen Zweck ist E-Mobilität in einem Unternehmen geeignet?

Carsten Claßen: Grundsätzlich ist ein Mobilitätsansatz mit vollständig elektrifizierten Fahrzeugen heute für alle Nutzersegmente geeignet. Am Markt ist inzwischen ein breites Angebot an Fahrzeugen bestellbar und ständig kommen neue Modelle hinzu. Vor allem für den täglichen Kurzstreckenverkehr ist der Einsatz von E-Fahrzeugen hervorragend geeignet. Lademöglichkeiten zu Hause oder am Standort der Firma steigern die Attraktivität zusätzlich. Auch für Transporte im Nahverkehr lassen sich schon viele Profile abbilden. Was die Nutzung von Fahrzeugen auf Langstrecken angeht, gibt es von Segment zu Segment Unterschiede. Aber auch rein elektrische Fahrzeuge werden immer langstreckentauglicher. Für weite Strecken ist natürlich ein dichtes öffentliches Ladenetz wichtig. Die Dichte und die Zugänglichkeit des AC- und DC-Ladenetzes im öffentlichen Raum sind noch nicht mit dem gewohnt engmaschigen Tankstellennetz vergleichbar. Mit unseren Partnern können wir aber bereits heute eine ordentliche Ladedichte zu fairen Konditionen anbieten. Mit unserem TCO-Simulator lässt sich zudem genau vergleichen, wann sich welche Mobilisierung lohnt.

Wer hat im Unternehmen ein Mitspracherecht bei dem Thema E-Mobilität, besonders beim Thema Ladeinfrastruktur? 

Carsten Claßen: Im Grunde sind das generell die gleichen Akteure wie bisher. In den meisten Fällen sind lediglich die Inhalte neu. In Bezug auf Car Policy und Kostenoptimierung ist die Fuhrparkleitung gefragt. Vielfach ist auch der Betriebsrat involviert oder – wie zum Beispiel beim Bezug einer Wallbox zu Hause – möglicherweise auch die HR-Abteilung. Bauliche Veränderungen betreffen wiederum das Facility-Management. Auch das Controlling sollte eingebunden werden. Unsere Kund:innen bilden oft Arbeitsgruppen, um die unterschiedlichen Belange zu berücksichtigen. Dabei ist es immer wichtig, einen Partner:in an seiner Seite zu haben, der die Zusammenhänge überblickt.

Wie können Fuhrparkmanager dafür sorgen, dass Plug-In-Hybride auch wirklich regelmäßig geladen werden?

Carsten Claßen: Ein Instrument zur Motivation der Fahrer:innen sind Bonussysteme. Allerdings gibt es keine Standard-Lösung für Bonusprogramme. Hier entwickeln wir gemeinsam mit dem Kunden individuelle auf das Unternehmen, dessen Fuhrpark und die Mitarbeiter:innen abgestimmte Bonussysteme und verankern diese in der Car Policy. Neben Bonussystemen gibt es weitere wichtige Stellschrauben, um PHEV-Fahrer dazu zu bewegen, Strom zu laden. In Bezug auf Fahrer:innen geht es vor allem auch darum, Hürden zu überwinden, um das Laden zu erleichtern. Genauso wichtig ist es, Fuhrparkleiter:innen die nötige Transparenz über alle Ladevorgänge zu verschaffen. Ein umfassendes Reporting erhalten Fuhrparkleiter:innen beispielsweise über die Shell-Hybrid-Tankkarte, eine einheitliche Bezahlkarte für Kraftstoff an Tankstellen und Strom an öffentlichen Ladesäulen.

Wo liegen beim Thema Ladeinfrastruktur die Herausforderungen?

Carsten Claßen: Oftmals stellen wir fest, dass die Unternehmen zum Start ein Elektrofahrzeug anschaffen, um Erfahrungen zu sammeln, was generell gut ist. Es bedeutet aber auch, dass in der Regel erst einmal nur ein Ladepunkt installiert und entsprechende Vorarbeiten umgesetzt wurden. Kommt es nun dazu, dass eine größere Anzahl an Flottenfahrzeugen elektrifiziert werden sollen, so gehen damit ganz andere Anforderungen, sowohl an das Stromnetzwerk am Standort, als auch an das Ladeinfrastruktursystem hervor. Für den Flottenbetreiber kommt es immer darauf an, seine Total Costs of Ownership (TCO) im Blick zu behalten, gerade im Rahmen der Elektrifizierung, um auch punktgenau den tatsächlichen Stromverbrauch auswerten zu können. Er braucht eine vernetzte, intelligente Ladeinfrastruktur, kombiniert mit einer entsprechenden Softwarelösung, die in das IT-Netzwerk des Unternehmens eingebunden werden muss. Bei der Nutzung einer Ladeinfrastruktur-Software müssen zukünftig auch Fabrikate fremder Wallbox-Hersteller angebunden werden können und es darf seitens des Anbieters keine 1:1 Beziehung von Wallbox und Software bestehen. Die Belegung der Ladestationen muss im Fahrzeug verlässlich dargestellt werden. Zudem sollten öffentliche Ladestationen mit einer Karte genutzt und abgerechnet werden können. Auch hier ist auf die Kompatibilität mit dem IT-System zu achten. Gerade in Bezug auf die Investitionsplanung ist es ratsam, die potenzielle Entwicklung der eigenen Flottenstrategie von Anfang an einzubeziehen.

Herr Claßen, vielen Dank für das Gespräch. 

Tipps & News rund um Fuhrparkmanagement und betriebliche Mobilität:der fuhrpark.de-Newsletter

Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen fuhrpark.de-Newsletter!