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Fahrzeugtest

Audi A7 Sportback 55 TFSI e quattro: Der Gran Turismo unter den Plug-in-Hybriden

Das große viertürige Coupé bietet Audi auch als PHEV mit vorausschauender Betriebsstrategie an. Wir haben uns den Audi A7 Sportback 55 TFSI e quattro genauer angeschaut.

Von Clemens Noll-Velten

User Chooser, für die ein Stufenheck zu bieder und ein Kombi zu gewerblich ist, greifen gerne zu einem Coupé. Eine Karosserieform, die vor allem von deutschen Premium-Herstellern bedient wird und bei dem nach Absatzzahlen der Audi A7 Sportback seinen Mitbewerbern Mercedes-Benz CLS und BMW Achter Gran Coupé davonfährt. Den auf den etwas umständlichen Namen A7 Sportback 55 TFSI e quattro getaufte Oberklasse Viertürer gibt es ab 65.000 Euro.

Der Antriebsstrang des Plug-in-Hybriden besteht aus einem Turbo-aufgeladenen 2-Liter-Vierzylinder-Ottomotor mit 252 PS Leistung und 370 Nm Drehmoment sowie einem Elektromotor. Die permanenterregte Synchronmaschine (PSM) hat 143 PS Leistung und 350 Nm Drehmoment. Sie ist in die Siebengang S tronic integriert, die das Antriebsmoment auf einen quattro Triebstrang weiterleitet. Die Systemleistung beträgt insgesamt 367 PS, das maximale Gesamtdrehmoment von 500 Nm liegt bereits bei 1.250 Umdrehungen an.

Meist spürt man die PS weniger als die Nm. Aber der Schwung, mit dem einen der vollgeladene Wagen beschleunigt, ist schon bemerkenswert. Das Systemdrehmoment von 500 Newtonmeter ist auch für einen 2,1-Tonner noch üppig, der Sprintwert von 5,7 Sekunden liegt ebenfalls im sportlichen Bereich.

Verschiedene Fahrmodi

Standardmäßig startet der A7 PHEV im EV-Modus. Das bedeutet: Das Auto wird ausschließlich elektrisch angetrieben, solange der Fahrer nicht einen variablen, spürbaren Druckpunkt im Fahrpedal überschreitet. Der EV-Modus ist die Grundeinstellung bei jedem Fahrzeugstart. Im zweiten Fahrmodus, dem Battery-Hold-Modus, wird die Batteriekapazität durch das Antriebsmanagement auf dem aktuellen Stand gehalten, um beispielsweise später eine definierte Strecke rein elektrisch zurücklegen zu können.

Der Hybridmodus wird entweder automatisch mit der Zielführung in der Navigation oder manuell vom Fahrer mit der Betriebsartentaste aktiviert. In diesem Modus nutzt der A7 PHEV das Zusammenspiel aus E-Maschine und Verbrenner so, dass möglichst viele Fahretappen elektrisch zurückgelegt werden können und der Gesamtkraftstoffverbrauch bei Fahrtende möglichst gering ist. So kann beispielsweise in Städten und im Stop-and-Go-Verkehr überwiegend elektrisch gefahren werden. Je nach Situation wählt der Modus zwischen dem Freilauf mit ausgeschaltetem Motor und der Schubrekuperation. Die Rekuperation der elektrischen Energie erfolgt stets über die Vorderachse. Mit dieser lassen sich bis zu 35 kW Leistung zurückgewinnen – dabei übernimmt die E-Maschine alle leichten Verzögerungen bis 0,1 g, also die Mehrheit der Bremsvorgänge im Fahralltag. Über die Bremsrekuperation werden maximal 80 kW elektrische Leistung generiert bei einer Verzögerung bis 0,2 g.

An einem dreiphasigen CEE-Industrieanschluss mit 400 Volt und 16 Ampere pro Phase dauert eine Vollladung rund zweieinhalb Stunden. An einer Haushaltssteckdose kann eine leere Batterie in rund sieben Stunden wieder vollgeladen werden.

Reichweite und Verbrauch

Laut WLTP-Zyklus kann der Audi A7 PHEV mehr als 40 Kilometer lokal emissionsfrei fahren, bis die Batterie leer ist und schafft es gerade so in den Olymp des reduzierten Steuersatzes für Dienstwagenfahrer zu kommen. Wir erreichten tatsächlich diesen Wert bei unseren Fahrten und kamen im Mix auf 4,2 Liter Benzin auf 100 Kilometer zuzüglich 25kWh elektrische Energie.

Sportliche Optik und umfangreiche Ausstattung

Serienmäßig ist der Teilzeitstromer mit dem S line Exterieur-Paket in Kombination mit dem Optikpaket schwarz und der Privacy-Verglasung ausgestattet, das den bereits im Stand sportlichen Gesamteindruck des viertürigen Gran Turismo unterstreicht. Zu den weiteren Ausstattungsmerkmalen gehören Matrix LED-Scheinwerfer, Sportsitze, Vierzonen-Klimaautomatik, Komfortschlüssel, Audi virtual cockpit, PHEV-spezifische Anzeigen, 19-Zoll-Räder im Vielspeichen-Design sowie rote Bremssättel vorne und hinten.

Cleverer Wärmehaushalt

Clever gelöst ist auch die Nutzung der Abwärme des Fahrzeugs. Die Klimaanlage arbeitet mit einer Wärmepumpe zusammen, wodurch das Auto die Abwärme des elektrischen Antriebsstrangs zur schnellen Temperierung des Innenraums oder zur Erhöhung der elektrischen Reichweite, auch bei besonders niedrigen oder hohen Außentemperaturen, nutzen kann.

Vorausschauende Assistenten

Für maximale Effizienz nutzt der A7 ein vorausschauendes Antriebsmanagement: die prädiktive Betriebsstrategie. Diese bezieht auch Informationen des bereits in anderen Audi Mittel- und Oberklasse-Modellen eingesetzten Prädiktiven Effizienzassistenten in die Steuerung von E-Maschine, Lithium-Ionen-Batterie und Verbrennungsmotor ein. Wenn zum Beispiel die Routenführung der MMI Navigation aktiviert ist, steuert die Prädiktive Betriebsstrategie (PBS) den Antriebsstrang so, dass der letzte innerstädtische Streckenabschnitt möglichst rein elektrisch gefahren wird und der Audi A7 PHEV mit nahezu leerer Antriebsbatterie am Ziel ankommt.

Der prädiktive Effizienzassistent passt das Schubrekuperationsverhalten an die jeweilige Fahrsituation an. Dafür nutzt er die vorhersehbaren Streckendaten aus der Navigationsdatenbank und berücksichtigt den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug über das Kamera- und Radarsignal. Das System wählt je nach Situation vorausschauend zwischen dem Freilauf mit ausgeschaltetem Motor und der Schubrekuperation, also der Rückgewinnung von kinetischer Energie und Umwandlung in elektrische Energie.

Optische, haptische und akustische Hinweise für den Fahrer

Zudem weisen das aktive Fahrpedal mit einem haptischen Impuls und ein optisches Signal im Fahrerinformationsdisplay sowie im optionalen Head up Display den Fahrer zum vorausschauenden Fahren hin.

Abstriche im Kofferraum

Der A7 ist kein Avant und ohnehin nicht auf maximales Kofferraumvolumen hin optimiert. Im Vergleich zu einem konventionell angetriebenen A7 verkleinert sich das Ladevolumen von 535 bis 1.390 Liter auf 380 bis 1.235 Liter, da die Batterie unter dem Gepäckraum liegt. Das hat den Vorteil, dass die Schwelle am Kofferraum-Eingang egalisiert wird. Allerdings wird der ohnehin nicht sehr hohe Kofferraum des A7 Sportback noch flacher.

Fazit: Audi hat hier ein tolles Auto gebaut, das wirklich Spaß macht. Wer aber aufgrund des halben Steuersatzes mit dem Audi A7 PHEV „günstig“ einen Sportwagen fahren möchte, sei hier gewarnt. Die Performance eines 55 TFSI auf der Autobahn erreicht das Fahrzeug nicht. Ein Gran Turismo ist er trotzdem mit dem auch mal ein entferntes Urlaubsziel angefahren werden kann. Für Pendler ist er sinnvoll, wenn die einfache Fahrtstrecke nicht mehr als 30 Kilometer beträgt und am Zielort jeweils geladen werden kann.

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