Foto: Stöhr/ Europcar

Flexibilität ist gefragt

Autovermietung für Business Kunden – es wird spannend

Flottenmanager haben heute viele Alternativen und müssen sich nicht unbedingt durch die oft unübersichtlichen Tarifdschungel der Vermieter quälen. Wo steht die Autovermietung für Business Kunden heute und wo fährt sie hin?

Inhaltsverzeichnis

Von Alfons Wolf

"Saunders Drive-It-Yourself System" – so hieß vielversprechend der erste Autovermieter der Welt, den ein gewisser Joe Saunders mit einem geborgten Ford Model T im Jahr 1906 in den USA eröffnete. In Deutschland folgte Martin Sixt schon 1912 mit drei Fahrzeugen, der in den ersten Jahren natürlich nicht das Massengeschäft von heute betrieb, sondern eine Luxusfahrzeug-Vermietung mit der Zielgruppe vermögender, ausländischer Kunden.

Autovermietung: das Geschäftsmodell bleibt gleich

Gut 100 Jahre später umfasst der deutsche Markt einen stattlichen Umsatz von 17,73 Milliarden Euro und 238.000 Fahrzeugen. Einige grundlegende Arithmetiken sind über die Zeit unverändert geblieben: Die Netzwerke werden an den Verkehrsknotenpunkten ausgerichtet.

Auch heute erwirtschaften bis auf einige wenige spezialisierte Anbieter (zum Beispiel Sonderfahrzeuge, Unfallersatz) alle großen Player einen Gutteil ihrer Umsätze an Verkehrsknotenpunkten wie Flughäfen. Das Preismodell als Mischung einer Zeit-, einer Kilometer- und verschiedener Zusatzkomponenten hat die Zeit überdauert, wie auch die enge Beziehung zu den Autoherstellern.

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Allerdings zeigt die Menge der Fahrzeuge in den Vermieterflotten, dass der Markt mit seinen vielen Konkurrenten wie Leasing und Carsharing zu kämpfen hat: Die Gesamtmenge war 2006 bei fast 400.000 Fahrzeugen, demnach muss ein Rückgang von vierzig Prozent über das letzte Jahrzehnt hinweg verzeichnet werden. Die Platzhirsche weltweit sind nach Markenwert Enterprise und Hertz, gefolgt von Avis, Budget und Europcar.

Steigende Umsätze, sinkende Fahrzeugzahlen – wie sieht es nun bei den Geschäftskunden genau aus? Trotz boomender Wirtschaft ist eine relative Abnahme der Geschäftsreisenden in der Autovermietung zu verzeichnen. Bei Sixt sank der Anteil der Firmenkunden zugunsten der Privatkunden kontinuierlich von 50 Prozent im Jahr 2010 bis heute auf 31 Prozent. Auch bei Europcar geben die Geschäftskunden acht Prozentpunkte an die Privatkunden ab.

Autovermietung: "Flexibilität und die möglichst einfache Abwicklung"

"Ein zentrales Bedürfnis der Kunden ist die Flexibilität und die möglichst einfache Abwicklung aller Prozesse von der Anmietung bis zur Abrechnung", unterstreicht Frank Langbein, Director Commercial Sales Germany der Hertz Autovermietung. Hertz bietet Sonderkonditionen für Firmenkunden – bei Pkw und Van & Truck. Dazu zählen Specials bei der Langzeitmiete, spezielle Tarife für den Mittelstand, Corporate-Carsharing-Tarife und spezielle Konditionen für den Chauffeurservice.

Die maximale Flexibilität als wichtigstes Argument für einen Mietwagen betrifft nicht nur die zeitliche Dauer der Buchung, sondern auch die zur Verfügung stehende Palette an unterschiedlichen Fahrzeugtypen. Außerdem bedeutet das Mieten von Fahrzeugen für Unternehmen auch immer Outsourcing: So sparen sie sich etwa den Aufwand für Wartung und Service.

"Firmeninterne Reiserichtlinien beachten"

Besonders vorteilhaft sind die Mietwagen im Vergleich für Unternehmen mit geringem bis mittlerem Mobilitätsbedarf.

"Firmenkunden legen besonderen Wert auf individuell zugeschnittene Mobilitätslösungen, die beispielsweise firmeninterne Reiserichtlinien beachten", weiß Martin Gruber zu berichten, Managing Director von Avis Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen und der Tschechischen Republik.

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Besonders im Hinblick auf die zunehmende Internationalisierung von Unternehmen sind Mobilitätspartner gefragt, die weltweit über ein gut ausgebautes Stationsnetz verfügen. So wird überall eine einheitliche Service- und Fahrzeugqualität gewährleistet. Avis-Kunden steht zudem ein persönlicher Ansprechpartner jederzeit mit einer umfassenden und fundierten Beratung zur Seite.

Individuelle Buchungstools

Auch bei Europcar ist die Buchungsarchitektur für den Geschäftskunden eingerichtet: Wenn der das speziell auf die Bedürfnisse von Businesskunden zugeschnittene Buchungstool europcar.biz nutzt, kann er dort seinen Account verwalten und unterschiedliche Buchungsrollen mit verschiedenen Berechtigungsleveln festlegen. Europcar hat das Tool pro Kunde so individualisiert, dass die einzelnen Reiserichtlinien berücksichtigt werden.

Bei Sixt stehen dem Firmenkunden diverse Expertenteams zur Verfügung, die sich um die Implementierung von Neukunden, Betreuung von Reisebüropartnern der Kunden oder um Kundenprojekte mit Distributionstechnologie-Partnern kümmern.

Niels Rathsmann, Director of Sales und Mitglied der Geschäftsleitung von Enterprise in Deutschland, stellt einen anderen Aspekt heraus: "Geschäftsreisende stehen häufig unter Zeitdruck und wollen sich dann nicht noch mit administrativen Angelegenheiten, komplizierten Buchungen oder langen Wartezeiten aufhalten."

Auch Sixt hat das Zeitproblem im Auge: Mit Sixt SmartStart kann das Fahrzeug an sieben großen Flughäfen direkt im Parkbereich übernommen werden, sodass sich der Kunde kostbare Zeit spart.

Junge Premium-Modelle

Die IT-Infrastruktur eines Autovermieters sollte die speziellen Bedürfnisse der Firmenkunden wiederspiegeln: Bei Sixt bestehen unterschiedlichsten Anbindungen an Buchungssysteme sowie eigene Online-Buchungsstrecken (Sixt Mobility Solution & Sixt App). Aber bei so viel Service um die eigentliche Leistung muss natürlich auch der Kern stimmen, also das Fahrzeug selbst: In der Sixt-Flotte mit weltweit mehr als 238.000 Fahrzeugen (Stand 2017) fahren zu 55 Prozent Premium-Marken wie BMW, Mercedes Benz und Audi. Das maximale Alter der Sixt-Flotte liegt im Durchschnitt bei sechs Monaten.

Carsharing, aber richtig

Nicht nur als Ersatz für Taxi und ÖPNV von Dienstreisenden genutzt, ist Carsharing auch für Unternehmen eine Überlegung wert. Das sollten Sie beachten.
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Mit Blick auf die Statistik ist für die Zufriedenheit der Geschäftskunden in der Autovermietung der Zustand des Autos von größter Bedeutung (91 Prozent), gefolgt vom Preis-Leistungsverhältnis (79 Prozent) und der Umweltfreundlichkeit auf Platz drei (71 Prozent). Wenn man den Blick auf den gesamten Prozess der Geschäftsreise (also auch Hotel etc.) erweitert, so steigern das Sammeln von Bonuspunkten (67 Prozent), die Nutzung von bewährten Portalen/Apps (64 Prozent) sowie eine höhere Flexibilität (63 Prozent) die Zufriedenheit.

Detailliertes Reporting

Besonders weit im Reporting ist Enterprise: Detaillierte Management-Reports mit Überblick über die Ausgaben, die durchschnittliche Mietdauer, den durchschnittlichen CO2-Ausstoß et cetera geben ein umfassendes Bild. Niels Rathsmann von Enterprise erläutert in diesem Zusammenhang auch die vielen Möglichkeiten der Vernetzung und Effizienzsteigerung in der Verwaltung: "Neben unseren eigenen Online-Buchungssystemen bietet Enterprise zusätzliche Entlastung von administrativen Verwaltungsaufgaben durch das flexible Buchungsangebot über eine kostenfreie Servicenummer oder Buchungskanäle wie e-Link, GDS oder Online Booking Engines wie cytric und onesto. Das Billing erfolgt ebenfalls nach Wunsch: zentral, dezentral, elektronisch, per e-invoicing oder über den AirPlus Company Account."

Die Zukunft der Autovermietung

Durch das Voranschreiten der Vernetzung der Fahrzeuge sowie die Einführung von autonomen Fahrzeugen auch in der Autovermietungsbranche wird der Bereich des Flottenmanagements immer wichtiger. Bei Avis geht man offen auf die neuen Mobilitätsformen zu, wie Managing Director Gruber versichert: "Insbesondere die Kernkompetenzen rücken immer stärker in den Fokus, wie die Bereitstellung des optimalen Mobilitätsmixes, die Instandhaltung der Flotte und die Kostenoptimierung. Schon heute bestehen Flotten nicht nur aus Bestandsfahrzeugen, sondern werden durch Carsharing, Langzeitmiete und weitere Mobilitätssysteme ergänzt."

Das Integrieren von aktuell noch konkurrierenden Mobilitätsformen kann auch mit den prognostizierten Wachstumszahlen begründet werden: Flottenbasiertes Carsharing, Ride-Hailing (z.B. Uber) und Peer-to-Peer-Carsharing verfügen zwar momentan über geringere Flottengrößen, aber alle haben größere Wachstumserwartungen als die Autovermietung.

Ein Angebot für alle Lösungen

Für den Fuhrparkmanager bedeutet das eine immer größere Auswahl an Angeboten. Auch bei Sixt hat man die Zeichen der Zeit erkannt und arbeitet deshalb derzeit mit Nachdruck an einem integrierten Angebot, das alle Lösungen der Gruppe zusammenführt. Vinzenz Pflanz, Senior Vice President Group Sales bei Sixt, beschreibt den Ansatz seines Unternehmens: "Der Kunde erhält damit eine Mobilität aus einer Hand, die unterschiedlichste Nutzungsdauern, Fahrzeugtypen, Hersteller und Rückgabeorte abdeckt und ihm damit eine volle Flexibilität ermöglicht."

Carsharing: Mehr als Kosten sparen

Bei Fahrzeugen wird nutzlose Standzeit zum großen Teil hingenommen. Carsharing ist ein wirksames Instrument für Unternehmen, daran etwas zu ändern.
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Vor Kurzem hat das Münchner Unternehmen seine Anteile an dem Carsharing Joint Venture DriveNow mit BMW veräußert und die Planungen für ein alleinstehendes Angebot mit dem vorläufigen Namen Projekt 1 und einem Volumen von 100 Millionen Euro vorgestellt. Das System soll nicht mehr Free-Floating wie DriveNow sein, sondern das Stationsnetz des Autovermieters nutzen. Ein digitaler Selbstbedienungsservice für die Mietwagenausleihe wird derzeit schon an sechs deutschen Flughäfen getestet.

Der weltweite Marktführer Enterprise betreibt solch ein System bereits in Großbritannien und so kann Rathsmann den Kunden, aber auch den Wettbewerbern versprechen: "Wir verfügen über das Know-how, die Technologie und das Modell, sodass eine kurzfristige Einführung von Corporate Car Sharing in Deutschland jederzeit möglich ist."

Marktübersicht Autovermietung 11-2018

Tabelle Marktübersicht Autovermietung

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