Foto: Axel Schäfer, Mannheim

bfp-Interview

Bundesverband Fuhrparkmanagement: "Wir haben einiges bewegt"

Seit acht Jahren vertritt der BVF die Interessen von Mobilitätsverantwortlichen. bfp sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Marc-Oliver Prinzing und Geschäftsführer Axel Schäfer über alternative Antriebe und andere Herausforderungen der Zukunft.

Von Clemens Noll-Velten

bfp fuhrpark: Herr Prinzing, Herr Schäfer, der Bundesverbandes Fuhrparkmanagement e. V. (BVF) in Mannheim ist erst 2010 gegründet worden und wächst seither kontinuierlich: Welchen Nutzen bieten Sie Fuhrparkleitern und dem Markt generell?

Axel Schäfer: Der Fuhrparkverband hat sich in acht Jahren als neutrale, also anbieterunabhängige Plattform für Unternehmen mit Fuhrpark etabliert. Das zeigt die stetig wachsende Mitgliederzahl.

Die Begriffe "Begleiten/Verbinden/Fördern" machen deutlich worum es geht. Der Verband begleitet seine Mitglieder mit Know-how zu allen relevanten Fachthemen. Auf der anderen Seite ist der Verband Stimme der Fuhrparks und tritt öffentlich für die Interessen der Mitglieder ein.

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Marc-Oliver Prinzing: Wir verbinden durch ein kontinuierlich funktionierendes Netzwerk und fördern die Qualifizierung von Fuhrpark- und Mobilitätsverantwortlichen.

Als Mitglied können Sie jederzeit Kollegen ansprechen, eine offizielle Anfrage stellen oder die Expertise der Fachreferenten, Verbandsjuristen und Steuerberater nutzen. Im Fuhrparkcockpit, dem digitalen Nachschlagewerk für Praktiker, in Best-Practice-Erkenntnissen stöbern und vieles mehr. Je nach Thema gibt es Qualifizierungsprogramme, Workshops oder Webinare - also Hilfestellungen in vielfältiger Form.

Und die Fuhrparkbetreiber und der Markt haben ein Sprachrohr in Richtung Industrie und politischen Entscheidungsträgern gewonnen.

bfp fuhrpark: Was waren Ihre größten Erfolge in den acht Jahren?

Axel Schäfer: Wir haben einiges bewegt. Seit dem zu Beginn vor acht Jahren von Beobachtern belächelten Start haben wir uns in vielen Bereichen als feste Größe etabliert.

Marc-Oliver Prinzing: Wir werden von vielen Stellen als Ansprechpartner oder auch Kooperationspartner angesprochen. Wir konnten für unsere Mitglieder ein umfassendes Leistungspaket entwickeln. Dies geschieht immer strikt bedarfs- und zukunftsorientiert.

Das alles gelingt natürlich nur mit vielen ehrenamtlichen Helfern aus der Mitgliedschaft und einem Team, das in den Strukturen des Verbandes gut zusammenarbeitet. Das beginnt bei der Pressearbeit und geht über die Frage der IT/Homepagegestaltung bis zu den Events.

Axel Schäfer: Unser Mitgliederwachstum zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Sehr dankbar sind wir für das viele ehrenamtliche Engagement der Kolleginnen und Kollegen beispielsweise als Referenten und Workshopleiter bei unseren Verbandsmeetings, als themenverantwortliche Impulsgeber oder Einladende der bundesweit stattfindenden RegioTreffs.

Der Erfahrungsaustausch ist der Kern unseres Erfolges. Was uns aber auch wichtig ist, ist, dass wir von politischen Entscheidungsträgern gehört werden - und zwar bevor Entscheidungen mit Relevanz für Fuhrparkverantwortliche getroffen werden. Auch das gelingt bereits ganz gut.

bfp fuhrpark: Welche Themen bewegen Ihre Mitglieder derzeit besonders und welche Antworten hat der Verband darauf?

Marc-Oliver Prinzing: Die Themenfülle ist heutzutage ja fast schon erdrückend. Aktuell müssen viele Fuhrparks die Frage klären, in welche Antriebsart und welche Technologien sie zukünftig sinnvoll investieren können und welche Antriebsarten sich rechnen. Was für den Einzelnen relevant ist, hängt natürlich von der konkreten Aufgabenstellung im Unternehmen, dem Mobilitätskonzept, der Zusammensetzung des Fuhrparks und der Nutzungsart ab.

Da geht es um Fragen wie solche: Wie kann ich vorhandene und neue Regelungen in meinen organisatorischen Ablauf effizient einbauen, wie kann ich alles im Blick behalten und so dokumentieren, dass alle gesetzlichen Vorgaben erfüllt sind.

Dazu bieten wir mit Fleetinstruct beispielsweise ein attraktives und günstiges Online-Tool an. Bei rechtlichen oder steuerlichen Fragestellungen stehen unsere Verbandsjuristen und Steuerexperten zu Verfügung.

Axel Schäfer: Seit dem Dieselskandal, drohenden Fahrverboten etc. ist natürlich auch das Thema Technik wesentlich präsenter. Hier haben wir Fachleute wie Prof. Thomas Koch als Referenten herangeholt und versorgen unsere Mitglieder über alle Kanäle mit aktuellen Informationen.

bfp fuhrpark: Raten Sie vom Diesel in der jetzigen Situation ab?

Marc-Oliver Prinzing: Nein, das kann man pauschal nicht sagen, es wäre sogar unvernünftig, dies pauschal so zu sagen und damit die vorherrschende Polemik zu unterstützen. Bei Langstrecken ist der Diesel derzeit noch die beste und energieeffizienteste Technologie - auch für die Umwelt.

Im Sinne einer erforderlichen Dekarbonisierung der Wirtschaft begrüßen wir den Trend zu alternativen Antrieben sehr. Im Prinzip gibt es inzwischen auch für die meisten Anforderungen von Fuhrparkbetreibern alternative Motorisierungen, die den Bedarf abdecken können. Allerdings gibt es noch Kinderkrankheiten und je nach Wahl bestimmte Probleme, die von der Nutzung noch abhalten.

Bei Elektrofahrzeugen lässt sich die Wirtschaftlichkeit nach wie vor nur schwer abbilden: Zu geringe Reichweiten, ein zu lückenhaftes Netz an Aufladestationen sind zwei wesentliche Problemfelder.

Bei Gasfahrzeugen ist die Einschränkung der Nutzlast oft das Problem, doch durch die deutlichen Vorteile bei den Emissionen sind Erdgasfahrzeuge eine nach wie vor interessante Alternative. Es wäre wünschenswert, dass die Fahrzeugauswahl größer wäre und zur Nutzung von CNG als Übergangstechnologie sinnvolle Investitionen in das Tankstellennetz erfolgten.

Axel Schäfer: Es trägt nicht zur Attraktivität von CNG bei, wenn in großen Städten kaum Tankstellen zu finden sind. Mannheim zum Beispiel verfügt über exakt eine Tankstelle.

Marc-Oliver Prinzing: In Zusammenarbeit mit "zukunft mobil Baden-Württemberg e.V." bieten wir das BVF Umweltaudit für nachhaltiges Mobilitäts- und Fuhrparkmanagement an. Damit haben Unternehmen die Möglichkeit, den Status Quo ihrer nachhaltigen Ausrichtung in Bezug auf die betriebsnotwendige und die betriebsbedingte Mobilität mit einer Vielzahl von Parametern feststellen zu lassen.

Das Umweltaudit ist ausgewogen, zeigt Möglichkeiten und Perspektiven auf und ist bezüglich der Antriebsarten nicht einseitig ausgerichtet.

bfp fuhrpark: Was wäre eine innovative Idee, die Sie sofort unterstützen würden?

Axel Schäfer: Da fällt Ihnen wahrscheinlich mehr ein… dann hätten wir etwas, das wir gemeinsam angehen könnten.

bfp fuhrpark: Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Wie wird Fuhrparkmanagement 2030 aus Ihrer Sicht aussehen und welche Ziele hat der Fuhrparkverband. Was möchten Sie bis dahin erreicht haben?

Marc-Oliver Prinzing: Fuhrpark- und Mobilitätsmanagement werden eine noch wichtigere Rolle spielen und die Menschen können mit Hilfe künstlicher Intelligenz optimale Ergebnisse erzielen.

Die Digitalisierung wird 2030 weiter fortgeschritten sein. Vernetzte Fahrzeuge und Telematikanwendungen werden zur Normalität gehören. Autonome Fahrzeuge werden voll einsetzbar sein.

Ob die Rahmenbedingungen wie Gesetze etc. den Möglichkeiten in der gleichen Geschwindigkeit folgen könnten, wird eher das Problem werden. Und Bereiche wie die betriebliche Mitbestimmungspflichten und Datenschutz müssen unbedingt beachtet werden.

Axel Schäfer: Die Veränderungen kommen unaufhaltsam auf uns zu. Wir wollen unsere Mitglieder dabei unterstützen, sich rechtzeitig darauf vorzubereiten. Außerdem wird es eine Grundvoraussetzung und dringender Wunsch aller Fuhrparkbetreiber sein, dass die Politik und alle Akteure Investitionen rechtzeitig tätigen und sie in die richtigen, zukunftsweisenden Kanäle fließen lassen.

Intelligent sind der Verkehr und die Vernetzung dann für alle Beteiligten, wenn sie gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Interessen und Bedürfnisse erfüllen, leicht zu verstehen und einzusetzen sind und optimale Lösungen für alle Menschen zu erzielen sind.

bfp fuhrpark: Wenn vor Ihnen alle Vorstandschefs unserer deutschen Automobilhersteller säßen, was würden sie ihnen unbedingt mit auf den Weg geben wollen?

Marc-Oliver Prinzing: Das ist einfach: Liebe Leute, ruht euch nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit aus, sonst wird euch der Kodak-Effekt treffen. Die historischen Leistungen der Ingenieure sind bedeutend und haben zur angesehenen Position in Deutschland gebauter Automobile in der Welt beigetragen. Forscht und entwickelt neue emissionsarme Fahrzeuge, die sich jeder Fuhrparkbetreiber leisten kann und stellt sicher, dass wir auch zukünftig eine Spitzenposition haben. (Red/cr)

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