News 12.09.2017

Carsharing: Vor- und Nachteile einer zukunftsweisenden Mobilitätsform

Ratgeber

In deutschen Großstädten reichen Bus und Bahn im Alltag als Fortbewegungsmittel vollkommen aus. Das öffentliche Nahverkehrsnetz ist optimal ausgebaut. Nur in Ausnahmefällen fehlt ein eigenes Auto: beim Großeinkauf, beim Umzug, beim Wochenendausflug oder in den Ferien. Wozu braucht man da noch einen Dienstwagen?

Was ist Carsharing?

Beim Carsharing teilen sich die Mitglieder eines Carsharing-Unternehmens die verfügbaren Autos. Halter der Fahrzeuge ist der Anbieter. Interessierte schließen mit dem Carsharing-Betrieb einen Rahmenvertrag ab – ähnlich einer Mitgliedschaft in einem Club. Nach der Anmeldung können die Mitglieder auf verfügbare Fahrzeuge aus dem Pool des Anbieters zugreifen. Gebucht wird das gewünschte Auto direkt über die Website des Carsharing-Unternehmens, per App mit dem Smartphone, telefonisch oder neuerdings auch über „Alexa“. Die Nutzer öffnen den Wagen mithilfe von Chipkarte oder Handy. Entweder der Autoschlüssel liegt im Inneren des abfahrbereiten Fahrzeugs, oder ein Schlüsseltresor befindet sich in unmittelbarer Nähe des Wagens.

 - Die Fahrzeuge sind meist auf einem zentralen Platz zu finden, der besonders Verkehrsgünstig gelegen ist.
Die Fahrzeuge sind meist auf einem zentralen Platz zu finden, der besonders Verkehrsgünstig gelegen ist.
Opel

Carsharing: Stationsbasiert oder Free-Floating?

Zwei verschiedene Modelle haben sich hierzulande etabliert. Es gibt ein Nebeneinander und Miteinander aus stationsbasiertem Carsharing und Free-Floating Angeboten. Manche Unternehmen spezialisieren sich auf eine Variante. Andere bieten Kombinationsmöglichkeiten an. Beim stationsbasiertem Carsharing wartet der Wagen auf einem festen Parkplatz. Nach der Nutzung bringt der Fahrer ihn dorthin wieder zurück. Der Vorteil: Buchungen sind Wochen im Voraus zuverlässig möglich. Eine Stunde Kleinwagenfahren in der Stadt kostet zwischen vier bis acht Euro.

Für spontanes Fahren und Einweg-Touren eignen sich hingegen die Free-Floating-Möglichkeiten: Ungenutzte Fahrzeuge lassen sich mit dem Smartphone orten, buchen und sofort mitnehmen. Nach Fahrtende stellt der Nutzer das Auto irgendwo im Geschäftsgebiet wieder ab. Doch dieses Plus an Bequemlichkeit kostet:  Mit 14,- bis 19,- Euro pro Stunde Kleinwagennutzung liegen die Preise deutlich über dem des stationsbasierten Carsharings. Reservierungen sind bei Free-Floating Fahrzeugen in der Regel nicht möglich.

Vorteile von Carsharing

Carsharing entlastet die Umwelt und den Verkehr. Eine Studie des Bundesverbandes CarSharing (bcs) in Hannover belegt: In Innenstädten ersetzt ein einziges CarSharing-Fahrzeug bis zu 20 Privatwagen. Das entschärft zudem die Parkplatzproblematik deutlich.

Für Gelegenheitsnutzer bietet Carsharing zahlreiche Vorteile:

  • Die teure Fahrzeuganschaffung entfällt.
  • Carsharing-Teilnehmer sorgen für eine effektive Verwendung jedes Autos.
  • Der Fahrer zahlt nur die tatsächliche Nutzung des fahrbaren Untersatzes.
  • Versicherung, Inspektionen und Reparaturen trägt der Carsharing-Anbieter.
  • Werkstatt-Termine zum Reifenwechsel übernimmt ebenfalls der Carsharing-Betrieb.
  • Unterschiedliche Fahrzeugtypen vom Kleinwagen bis zum Transporter stehen zum Ausleihen bereit.
  • Die Fahrzeuge sind technisch in einwandfreiem Zustand.
  • Durch die intensive Nutzung tauschen Carsharing-Anbieter ihre Autos in der Regel alle drei Jahre gegen Neuwagen aus.
  • Außen und innen sind Carsharing-Wagen sauber und gepflegt.
  • Beim stationsbasierten Carsharing entfällt die lästige Parkplatzsuche.

 Für Kurzstrecken reicht meist ein Kleinwagen. Zum Einkaufen ist hingegen ein Kombi ideal. Umzüge sind mit Hilfe eines Transporters schnell erledigt, und der geplante Wochenendausflug macht in einem schicken Sportwagen doppelt so viel Spaß. Der zur Verfügung stehende Fuhrpark eines Carsharing-Unternehmens bietet für jeden Einsatzzweck das perfekte Fahrzeug. Teilweise stehen sogar Cabrios zum Ausleihen bereit.

 Für Gelegenheitsfahrer ist Carsharing günstiger als die Anschaffung und Unterhaltung eines eigenen Autos. Als Faustregel gilt hier: Wer weniger als 10.000 Kilometer jährlich mit dem Wagen zurücklegt, kann finanziell von Carsharing profitieren.

 - Für jeden Einsatzzweck kann der Nutzer das jeweils passende Auto wählen.
Für jeden Einsatzzweck kann der Nutzer das jeweils passende Auto wählen.
bfp

Nachteile von Carsharing

Die Vorteile klingen bestechend. Doch das Modell ist nur sinnvoll für jene Menschen, die das Auto als praktisches Hilfsmittel begreifen. Nutzer dürfen sich nicht emotional an Fahrzeuge binden oder sie als Statussymbole betrachten.

Der Privatwagen vor der Tür bedeutet ein hohes Maß an Freiheit und Unabhängigkeit. Beim stationsbasierten Carsharing sind zusätzlich die Anfahrts- oder Fußwege von der Wohnung zum Parkplatz in Kauf zu nehmen. Das kostet zusätzliche Zeit. Free-Floating löst das Problem hier nur teilweise. Vielleicht ist ausgerechnet der gewünschte Wagen gerade anderweitig unterwegs oder parkt am anderen Ende des Geschäftsgebiets. Manchmal ist zum gewünschten Zeitpunkt auch kein Auto frei. Gerade zu Stoßzeiten oder bei Regen greifen Mitglieder verstärkt auf die Mietwagen zurück. Dann bleibt am Ende nur geduldiges Warten. Wer einen festen Termin wahrnehmen muss, gerät dann schnell unter Zeitdruck. 

Datenschutz unter den Rädern

Ein weiteres Problem: Nutzer von Carsharing-Angeboten willigen automatisch in die Überwachung ihrer Fahrweise ein. Während die Autos unterwegs sind, sammelt das Fahrzeug nebenbei verschiedene Informationen. Das Erheben von Daten während der Fahrt kann dann beispielsweise zur Erstellung eines Bewegungsprofils genutzt werden. Und dies oftmals ohne, dass der Fahrer etwas davon weiß. Das Kölner Landgericht beschäftigt sich in diesem Zusammenhang derzeit mit einem Fall eines Drive-Now-Kunden, der in einem BMW unterwegs war. Die Kammer forderte die Informationen demnach im Verfahren gegen einen Carsharing-Nutzer an, der Ende Mai wegen fahrlässiger Tötung zu 33 Monaten Haft verurteilt worden war. Der Verurteilte hatte im Juli 2015 mit einem BMW des Carsharing-Anbieters Drive Now einen Radfahrer überfahren. Dabei wird jetzt die Rechtmäßigkeit der Datenspeicherung geprüft, denn diese Praxis ist nicht unbedingt mit den geltenden Datenschutzbestimmungen vereinbar. Laut Tilo Weichert, Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein, speichere besonders BMW weitaus mehr sensible Informationen, als der Kunde erwartet. Eine entsprechende Aufklärung fehlt. Beispielsweise ist die GPS-Funktion in der Lage ein Bewegungsprofil zu erstellen. Eine sportlich-riskante Fahrweise führt dann möglicherweise zum Ende der Mitgliedschaft.

Schäden, Unfälle und Ordnungswidrigkeiten

Vor Fahrtantritt mit dem Carsharing-Fahrzeug ist es sinnvoll, den Zustand des Wagens außen und innen auf Vorschäden zu prüfen. Kratzer, Beulen und andere sichtbare Beeinträchtigungen sind sofort zu melden. Ein Gang um den Wagen und ein Blick durch den Innenraum genügen. Wer auf der sicheren Seite sein will, fotografiert das Auto vor Fahrtantritt und nach Ende der Fahrt von allen Seiten und von innen. Auch das kostet allerdings Zeit.

Passiert ein Unfall, ist in der Regel eine Selbstbeteiligung zu zahlen. Diese liegt, abhängig vom Anbieter, zwischen 500,- Euro und 1500,- Euro. Carsharing-Teilnehmer sind als Gelegenheitsfahrer häufig unsichere Verkehrsteilnehmer. Wer die Mietfahrzeuge nach Bedarf wechselt, kennt die genauen Abmessungen und das Fahrverhalten nicht. Das erhöht die Unfallgefahr.

Durch die scheinbare Anonymität in einem Carsharing-Fahrzeug nehmen manche Fahrer es mit Regeln und Gesetzen nicht so genau. Sie parken im absoluten Halteverbot, in Feuerwehrzufahrten oder vor Einfahrten. Beliebte Ausrede: Der Parkraum ist begrenzt und der nächste Carsharing-Kunde fährt den Wagen sowieso gleich weg.

Wer die jeweils gültigen Vorschriften kennt, ist hier klar im Vorteil. Gerade durch Kleinigkeiten wie Falschparken können unerwünschte Zusatzkosten und ein zusätzlicher Zeitaufwand vermieden werden. Denn für Ordnungswidrigkeiten wie diese entstehen Carsharing-Nutzern oft ungeplante Ausgaben etwa für das Weiterleiten der Personalien an das Ordnungsamt, fürs Abschleppen oder für das Umparken des Carsharing-Fahrzeugs. Das Bußgeld muss dabei selbstverständlich selbst bezahlt werden.

Filterwechsel Mann + Hummel
Filterwechsel Mann + Hummel - Ein weiterer Vorteil: Die Fahrzeuge sind stets in einem gepflegten und technisch aktuellen Zustand.
Ein weiterer Vorteil: Die Fahrzeuge sind stets in einem gepflegten und technisch aktuellen Zustand.
Mann Filter

Carsharing auf den städtischen Raum begrenzt

Gerade in ländlichen Gegenden fehlen derzeit noch Carsharing-Angebote. Anders als in Ballungsgebieten sind öffentliche Verkehrsmittel in Dörfern und Kleinstädten spärlich gesät. Arbeitnehmer kommen um die Anschaffung eines eigenen Wagens hier noch nicht herum. Für Carsharing-Unternehmen sind dünn besiedelte Regionen finanziell unattraktiv. Es gibt zu wenig potentielle Interessenten. Ohne ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz werden Verbraucher auf dem Land auf einen eigenen Wagen ohnehin nicht verzichten. Einzelne Kommunen starten hier im Rahmen einer Eigeninitiative eigene Carsharing-Modelle. Dies ist bislang jedoch noch die Ausnahme.

Carsharing im Fuhrpark


Fragt man Fuhrparkmanager, was sie vom Carsharing als Teil des Mobilitätskonzepts des eigenen Unternehmens halten, bekommt man häufig ein „ja gut, aber …“ zu hören. Viele Fuhrparkverantwortliche sind zwar interessiert an der Thematik, haben aber zu viele Bedenken, eine solche Mobilitätslösung für die Mitarbeiter einzuführen. Zu viele Fragen bleiben offen, und die Unsicherheit ist groß.

Das bestätigt auch eine repräsentative Befragung deutscher Unternehmen durch das Automotive Institute for Management (AIM). Diese ergab, dass Corporate Carsharing zwar mit einer Nutzung von nur 3,5 Prozent noch nicht weit verbreitet ist, allerdings können sich rund 44 Prozent der befragten Unternehmen vorstellen, dieses Mobilitätskonzept zu nutzen. Dennoch sind sich die Fuhrparkmanager derzeit noch unsicher über das tatsächliche Kostensenkungspotenzial durch Corporate Carsharing: Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt derzeit nicht daran, die Fuhrparkkosten durch Corporate Carsharing substanziell senken zu können.
Versuchen wir also, Licht ins Dunkel zu bringen. Halten wir uns an Professor Bömmel aus der Feuerzangenbowle: „Also, wat is en Carsharing? Da stelle mehr uns janz dumm.“

Carsharing ist ja schön und gut. Aber das Teilen von Fahrzeugen mit Privatleuten und das Branding des Carsharing-Anbieters auf dem Fahrzeug schreckt viele Fuhrparkverantwortliche und Firmennutzer ab. Welche weiteren Möglichkeiten des Carsharings gibt es?

Was ist Carsharing?
Was ist Corporate Carsharing?

 (RED/CV)

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