Aus dem klassischen Kleinwagen wird ein kompaktes stämmiges Mini-SUV mit ultrakurzen Überhängen und drei Zentimeter höherer Bodenfreiheit als bisher
Foto: William Crozes @ Continental Productions
Aus dem klassischen Kleinwagen wird ein kompaktes stämmiges Mini-SUV mit ultrakurzen Überhängen und drei Zentimeter höherer Bodenfreiheit als bisher

Elektromobilität

Citroën macht e-C3 zum Schnäppchen-SUV

Aus der Citroën-Studie Oli wird der e-C3, aus einem klassischen Kleinwagen ein stylisches Mini-SUV, das im Frühjahr 2024 mit Kampfpreisen ans Netz gehen soll.

Mahlzeit! Der Tisch für die E-Mobilität ist gedeckt. Immer neue E-Modelle kommen auf den Markt, die Batterien werden kompakter, leichter und leistungsstärker, die Ladeinfrastruktur wächst kontinuierlich. Und trotzdem hält sich der Appetit auf die Stromer in Grenzen. Im September verbuchten die vollelektrischen Modelle bei uns einen Rückgang um 29 Prozent zum Vorjahresmonat. Fast möchte man sagen: selbst schuld. Schließlich ist so ein nachhaltiges Menü bislang nur etwas für Besserverdiener. Der durchschnittliche Preis für E-Mobile liegt in Europa derzeit bei rund 40.336 Euro (alle Preise zzgl. USt.). Höchste Zeit für erschwingliche Volks-Stromer. Doch bis auf den eher schlicht gestrickten Dacia Spring (ab 19.118 Euro) sind diese noch in weiter Ferne. Eine Situation, wie gemalt für den neuen Citroen e-C3. Ab Frühjahr 2024 will die französische Marke aus der Stellantis-Familie ihren vollelektrischen Kleinwagen zu Preisen ab 19.580 Euro anbieten. Eine Kampfansage, vor allem an den VW-Konzern, der seine Elektro-Derivate im B-Segment wohl nicht vor 2026 ins Rennen schicken wird.

Für den Start in die Elektro-Welt hat Citroen seinen Quotenbringer (europaweit rund 30 Prozent Verkaufsanteil) komplett umgekrempelt. Aus dem klassischen Kleinwagen wird ein kompaktes stämmiges Mini-SUV mit ultrakurzen Überhängen und drei Zentimeter höherer Bodenfreiheit als bisher. Im Stil vielleicht vergleichbar mit dem VW T-Cross. Die Linien zeigen viele Stilelemente der Citroen-Studie Oli von 2022. So die bullige Front, die erstmals das neue Marken-Logo trägt und mit dem waagerechten, schwarzen Balken sowie der neuen LED-Lichtsignatur erstmals das künftige Gesicht aller neuen Citroen-Modelle in die Serie trägt. Traditionell dem „etwas anderem“ verpflichtet, verteilen die Franzosen an Frontschürze und C-Säule austauschbare farbliche Sticker. Jeder Käufer bekommt drei Sätze Color Clips gratis. Die wird er auch brauchen, so leicht, wie die Farbstreifen (von jedem) abnehmbar sind. Der optische Kniff mit dem andersfarbigen Dach ist in dieser Klasse hingegen fast schon ein alter Hut, im e-C3 gibt es das Two-Tone-Roof außer in der Basis serienmäßig.

Aus klassischem Kleinwagen wird trendiges Mini-SUV

Obwohl der gallische Stromer deutlich stattlicher und erwachsener als sein Vorgänger wirkt, wächst er in der in der Länge lediglich um knapp zwei Zentimeter auf citytaugliche 4,01 Meter. Dafür legt er in der Höhe deutlich um zehn Zentimeter auf 1,57 Meter zu, was im Innenraum drei Zentimeter mehr Luft über dem Scheitel der vorderen Passagiere bedeutet - obwohl diese nun bereits drei Zentimeter höher sitzen. Die Architektur der neuen Smart-Car-Plattform sorgt für ein überraschend luftiges Raumgefühl, selbst hinten sitzen Kumpels bis 1,80 Meter ordentlich, laut Citroen bietet keiner in der Klasse mehr Kniefreiheit. Im Kofferraum ist Platz für 310 Liter Gepäck – zehn mehr als bisher. Am Armaturenbrett entdecken wir erneut Details, die es vom Concept Oli in die Serie schaffen. Das waagerecht angeordnete Layout zieht das Cockpit optisch in die Breite, in der Mitte sitzt ein optionales 10,25 Zoll Display (Serie ab Ausstattung Max), das 3D Navigation sowie Apple CarPlay und Android Auto beherrscht. Statt eines Instrumenten-Clusters bekommt der Fahrer Informationen zur Geschwindigkeit, Reichweite usw. auf ein schwarzes Band hinter dem Lenkrad projiziert. Das funktioniert ähnlich wie bei einem Head-up-Display. Na klar klopfen die Finger - hier und da - auf Hartplastik. Anders wäre der Preis auch nicht darstellbar. Das Gefühl in einer Budget-Dose zu sitzen, umschifft Citroen geschickt mit abgepolsterten Flächen am Armaturenbrett oder auch Farbtupfern an den Türen. Kein Vergleich auf jeden Fall zum Dacia Spring, wo der sichtbare Sparzwang vielen die Lust auf dieses Auto nimmt.

Bereits Basisversion mit üppiger Serienausstattung

Für den e-C3 wird es zwei Ausstattungslinien geben: You und Max. Die Einstiegsversion hat viele Assistenten serienmäßig und eine ziemlich komplette Ausstattung mit LED-Scheinwerfern vorne, Parksensoren hinten, Klimaanlage oder elektrischen Außenspiegeln. Beim „Max“ kommen 17-Aluräder, LED-Heckleuchten, Klimaautomatik oder eben auch das zweifarbige Dach dazu. Das E-Mobil lässt sich in fünf Farben einkleiden - weiß, grau, schwarz, rot und blau, wobei der pastellfarbene Blauton „Monte-Carlo“ bereits auf dem Blech der Ur-Ente glänzte. Ganz ohne Nostalgie geht´s bei Citroen eben doch nicht. Serienmäßig sind die aufwendig gepolsterten Sitze - eine Mitgift aus den größeren Modellen C4 und C5 Aircross. Auch das Advanced Comfort Fahrwerk ist immer an Bord, eine Art Erbe der legendären Hydropneumatik, bei dem ölgelagerte Federn in den Dämpfern ein abruptes Anschlagen sowie ein Nachfedern verhindern. Nicht ganz überraschend kommt die Nachricht, dass Citroen den C3 im slowakischen Werk Trnava auch mit Verbrennern bauen wird. Ausschließlich kleine Benziner, wahrscheinlich teilelektrifiziert. Genaues weiß man noch nicht. Der Fokus liegt allerdings eindeutig auf dem E-Antrieb, der bei uns einen Verkaufsanteil von deutlich über 60 Prozent erreichen soll. Auf der Visitenkarte des e-C3 stehen 83 kW/113 PS, eine Beschleunigung von 0 auf Temp 100 in rund elf Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h. Die elektrische Reichweite geben die Franzosen mit alltagstauglichen 320 Kilometern nach WLTP an. 2025 folgt dann eine noch günstigere Variante mit rund 200 Kilometer Reichweite, die bei 16.798 Euro starten soll. Den 44 kWh-Akku des aktuellen Modells liefert SVolt, eine Tochter des chinesischen Herstellers Great Wall. Der E-Motor, der die Vorderräder antreibt, kommt aus einem Joint-Venture von Stellantis und Nidec. Am DC-Schnelllader soll sich der Akku (Lithium-Eisenphosphat) mit maximal 100 kW in 26 Minuten von 20 auf 80 Prozent aufladen lassen, am AC-Lader mit 7 kW dauert es 4:10 Stunden, an der 11 kW-Wallbox 2:50 Stunden. Wir halten fest: Charmant, kompakt, günstig. Vielleicht ist der Citroen e-C3 genau der Appetitanreger, der bislang fehlte, um der breiten Masse Elektromobilität schmackhaft zu machen. Warum deutsche Köche das nicht hinbekommen, bleibt ein Rätsel. (SP-X/MN)

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