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bfp-Interview

CPM: "Eine pauschale Antwort gibt es nicht"

CPM-Geschäftsführer Mattes Decker über die Herausforderungen und Chancen, die Elektroautos und Plug-in-Hybride für Fuhrparks mit sich bringen.

Inhaltsverzeichnis

Von Christian Frederik Merten

Im Gespräch mit bfp FUHRPARK & MANAGEMENT erklärt Mattes Decker, Geschäftsführer der Fuhrparkmanagement-Gesellschaft Car Professional Management (CPM), welchen Stellenwert die Elektromobilität heute bei Fuhrparks hat und wie das Unternehmen selbst künftig Nachhaltigkeit und Effizienz bei seinen Kunden fördern möchte.

E-Mobilität weiteres Antriebsangebot

bfp: Herr Decker, was bedeutet die zunehmende Relevanz der E-Mobilität für Ihr Geschäft?

Mattes Decker: Zunächst ist die E-Mobilität – egal ob in Form von Plug-in-Hybriden oder reinen Elektrofahrzeugen – ein weiteres Antriebsangebot. Das heißt, unsere Kunden haben neben klassischen Benzinern und Dieseln eine weitere Motorisierungsmöglichkeit. Bei vielen Fuhrparks führt das heute noch zu Verunsicherung. Unsere Aufgabe ist es, sie dahingehend zu beraten, welcher Antriebsmix für sie der richtige ist.

bfp: Welchen Einfluss hat die Corona-Krise aus Ihrer Sicht auf die Verbreitung der E-Mobilität in den Fuhrparks?

M. Decker: Es gab in der Vergangenheit drei wesentliche Einflussfaktoren auf die strategische Ausgestaltung betrieblicher Mobilität: die Kosten, die Mitarbeitermotivation sowie die Nachhaltigkeit. Die wirtschaftliche Situation in der Corona-Krise führt dazu, dass sich viele Unternehmen wieder verstärkt auf den Kostenfaktor fokussieren. Aber wir sind sicher, dass sich das mittelfristig wieder ändern wird. Die E-Mobilität wird künftig auf jeden Fall ihren Platz auch in den Fuhrparks finden. Zumal für viele Bewegungsprofile bereits heute auch unter Kostengesichtspunkten E-Mobilität zu betrachten ist – Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz schließen sich nicht aus.

bfp: Das heißt Sie beobachten derzeit einen Nachfragerückgang nach Hybriden und E-Mobilen?

M. Decker: Generell können wir das nicht bestätigen. Hier und da beobachten wir sicherlich Reflexe, wieder zu Benzinern und Dieseln zurückzukehren. Genau hier sehen wir aber unsere Beratungsaufgabe: Denn mit Blick auf die TCO ist, wie zuvor schon erwähnt, dieser Rückschritt ja gar nicht immer sinnvoll. Die Reichweiten von vielen reinen Elektroautos sind mittlerweile so hoch, dass vielfach gar keine Notwendigkeit besteht, einen Diesel oder Benziner anzuschaffen.

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Oft noch spezielle Projekte für E-Autos

bfp: Sieht der Kunde den Elektroantrieb wie Sie heute schon einfach nur als weiteren Antriebsstrang neben Dieseln und Benzinern?

M. Decker: Nein, davon sind viele Kunden sicherlich noch weit entfernt. Ein Zeichen dafür ist, dass die Einführung von E-Mobilität oftmals im Rahmen spezieller Projekte erfolgt. Natürlich ist das auch ein Zeichen dafür, dass die Kunden ihre Car Policies anpassen und damit die Grundlage für die regelmäßige Beschaffung von Hybrid- und Elektroautos schaffen. Dabei möchten wir sie natürlich gerne begleiten, damit sie am Ende für sich als Unternehmen sowie für die Nutzerinnen und Nutzer die richtigen Fahrzeuge in den Fuhrpark aufnehmen.

bfp: Aus welchen Gründen setzen Unternehmen auf die E-Mobilität?

M. Decker: Da gibt es im wesentlichen drei Faktoren: Der erste ist die Einhaltung von selbst gesteckten oder von Kunden vorgegebenen CO2-Reduktionszielen, zweitens schaffen sich viele Unternehmen Elektroautos an, um eigene Corporate-Sustainability-Standards zu erfüllen und drittens fordern auch immer mehr Mitarbeiter, Hybride und Elektroautos als Dienstwagen nutzen zu können. Wobei wir bei den Mitarbeiterwünschen so ehrlich sein müssen, dass sich diese sich teilweise weniger aus ausgeprägtem Umweltgewissen speisen, sondern aus den Steuervorteilen dieser Fahrzeuge bei Privatnutzung.

bfp: Für besonders umweltbewusste Kunden bieten Sie bald auch die Möglichkeit an, den individuellen CO2-Ausstoß zu kompensieren. Was steckt dahinter?

M. Decker: Gemeinsam mit unseren Kunden räumen wir dem CO2-Ausstoß schon heute einen großen Stellenwert ein. So lassen sich zum Beispiel individuelle CO2-Vorgaben der Fuhrparks schon im Car Configurator abbilden. Jetzt bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, den CO2-Ausstoß des Fuhrparks komplett oder teilweise zu neutralisieren. Das funktioniert über zertifizierte Klimaprojekte, die die Unternehmen unterstützen können und über die sie ihre Umweltorientierung auch nach außen hin dokumentieren können. Das ist besonders für größere Unternehmen wichtig, die entsprechende Vorgaben auch von ihren Stakeholdern erhalten.

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Unterschiedliche Motive für PHEV-Käufe

bfp: Vor allem die steuerlich geförderten Plug-in-Hybride werden oftmals im reinen Verbrennerbetrieb gefahren. Wie oft raten Sie Ihren Kunden davon ab, diese Fahrzeuge anzuschaffen?

M. Decker: Was wir den Kunden raten, hängt immer auch von deren internen Zielen ab. Eine pauschale Antwort kann und wird es dazu von uns nicht geben. Es gibt Kunden, die Plug-in-Hybride in ihrer Car Policy ganz bewusst ausschließen, weil deren wirtschaftlichen Potenziale in der Praxis bei ihnen nie realisiert werden können. Der Grund ist, wie Sie ihn schon ansprechen, dass sie nicht erwarten, dass die Nutzer die Fahrzeuge auch regelmäßig laden und elektrisch fahren. Andere Unternehmen erwarten diesen Fakt genauso, erlauben die Fahrzeuge aber dennoch. Und zwar aus rein personalstrategischen Gründen.

bfp: Sie beraten aber sicher nicht nur bei der Fahrzeugwahl, sondern auch beim Aufbau einer professionellen Ladeinfrastruktur, oder?

M. Decker: Ja, denn dabei geht es um ein komplexes Thema, bei dem man viele Weichen falsch stellen kann. Wir wollen Ansprechpartner sein für den Kunden auch in diesem Gebiet. Aber einer gewissen Unternehmensgröße geht es ja nicht mehr nur um die Anzahl der Wallboxen, sondern vor allem um ein passendes Ladepunktmanagement und die richtige Preisstrategie. Denn je mehr Elektroautos Unternehmen nutzen, desto stärker wirken sich vermeidbar zu hohe Ladekosten auf den Fuhrpark aus. Dafür arbeiten wir mit verschiedenen Partnern zusammen, wobei Newmotion in Sachen Ladeinfrastruktur einer unserer strategischen Partner ist.

bfp: Wie reagieren Sie auf die zunehmenden Flexibilitätswünsche der Kunden in Sachen Mobilität und Fuhrparkmanagement?

M. Decker: Zunächst: Richtig, die Kunden wünschen immer flexiblere Mobilitätsangebote. Dennoch glauben wir, dass das Leasing als stabile und langfristige Art der Fahrzeugbeschaffung weiterhin eine wichtige Rolle im Fuhrpark spielen wird. Am Ende ist es so, dass wir die Kunden dabei begleiten, den für sie richtigen Mobilitätsmix zu definieren.

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