Foto: momius - Fotolia

Praxisleitfaden

Das Bonus-Malus-System in der Fuhrparkpraxis

Wer ein Bonus-Malus-System eingeführt hat, sollte sich Gedanken machen über die Ziele und die Umsetzung. Eine gute Idee ist es, einen offiziellen Wettbewerb zu veranstalten.

Inhaltsverzeichnis

Arndt Kolk

Eine Bonus-Malus-Regelung zu berechnen ist immer dann recht einfach, wenn man im Vorfeld klare Vorgaben erstellt hat. Die Parameter sind für jede Betriebsstruktur unterschiedlich, und nicht selten werden innerhalb eines Unternehmens zweierlei Systeme geführt. Es muss klar unterscheiden werden: Berufskraftfahrer auf Lkw verlangen nach einer anderen Betrachtung wie beispielsweise eine Gruppe Fahrer im Gartenbau, die sich ein Fahrzeug teilen. So beziehen sich Bewertungen im einen Unternehmen auf Teams, im anderen auf einzelne Fahrer.

Die gut bekannte Kfz-Statusliste wurde nun um einen Reiter erweitert. Neben der Übersicht finden Sie „Bonus & Malus“. Diese Übersicht enthält und definiert alle Teilnehmer. Zur Veranschaulichung habe ich exemplarisch Zellen benannt und gefüllt. Bei der Punktevergabe habe ich mich an die Beispiele aus dem ersten Teil zum Thema Bonus-Malus-System gehalten. Definieren Sie Ihre persönlichen, relevanten Parameter und gewichten Sie diese durch Ihre Punktevergabe. Sprechen Sie Kriterien und Punkte mit Ihrem Vorgesetzten ab. Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig, und es lassen sich Dinge einbauen, die aktiv die Sicherheit erhöhen. Bonuspunkte für eigeninitiativ veranlasste und nachgewiesene UVV-Prüfung? Kein Problem. Die Reifenwechsel spätestens am festgelegten Stichtag ausgeführt? Erlaubt ist was Sinn macht.

Welchen Effekt haben die Einsparungen?

Was uns am brennendsten interessiert ist, was auch am schwierigsten zu bewerten ist. Der Nutzen in Zahlen und anderen Effekten. Rechnen wir einmal grob aus, wie sich die Einsparung eines halben Liters Kraftstoff auf 100 Kilometern auswirkt. Gehen wir von 29 Teilnehmern aus: Wir setzen eine jährliche Fahrtstrecke von 25.000 Kilometern an, mit im Unternehmensschnitt durchschnittlich acht Litern Kraftstoffverbrauch, der Liter kostet rund ein Euro. Senken wir nun durch Sensibilisierung und einen attraktiven Wettbewerb den Verbrauch um einen halben Liter, so spart dies dem Unternehmen bereits satte 3.625 Euro. Wir bewegen uns hier im Bereich der jährlichen Leasingrate eines kleinen Transporters. Nicht zu vergessen ist der positive Aspekt für unsere Umwelt. Derlei Ergebnisse können auch für interne wie externe Image-Kampagnen verwendet werden.

Wie profitieren Sie noch?

Ihr Image profitiert auch von zusätzlichen Werbeeffekten durch ansprechende Fahrzeugbeschriftung & Pflege. Sie motivieren nochmals Ihre Fahrer, umsichtig und defensiv mit den Firmenfahrzeugen zu fahren. Bei den beispielhaften 725.000 Kilometern im Jahr lässt sich so der eine oder andere Unfall und Bagatellschaden vermeiden. Schnell sind weitere fünf Selbstbeteiligungen und weitere fünf Smart-repair-Reparaturen in Höhe von je 300 Euro eingespart. Dies wiederum erspart Ihnen Prämie bei Ihrer Fahrzeugversicherung.

Schwer zu beziffern sind Effekte wie etwa verminderter Reifenverschleiß, Restwerte, Arbeitsaufwand und so weiter, aber auch diese Effekte sind da. Wenn Sie neben der Bonifikation auch sanktionieren, kann hieraus ein weiterer Effekt erwachsen.

So summiert sich die Kostenersparnis selbst bei einer kleinen Flotte schnell auf über 10.000 Euro im Jahr. Dieses Einsparpotenzial ergibt sich auch in den Folgejahren. Holen Sie Ihre Vorgesetzten mit einer solchen Vergleichsrechnung ins Boot. Machen Sie klar, wie effektiv auf Sicht eine Investition in ein Bonus-Malus-System ist.

Welche Auswirkungen gibt es zusätzlich?

Das Bonus-Malus-System ist aber auch ein Modell zur allgemeinen Motivation der Fahrzeugführer im Unternehmen und zieht so weitere positive Aspekte nach sich. Machen Sie eine jährliche Veranstaltung aus der Gewinnverkündung des abgelaufenen Wettbewerbes. Laden Sie alle Teilnehmer ein, danken Sie allen Teilnehmern, verkünden und küren Sie Gewinner gebührend. Nutzen Sie die Möglichkeit ein paar Worte an die Anwesenden zu richten, der Geschäftsleitung für die Unterstützung zu danken und präsentieren Sie die Gewinne. Motivieren und schärfen Sie die Sinne für den neuen Wettbewerb und verkünden Sie die Preise für die kommenden Gewinner.

Was passiert mit den Schlusslichtern?

Den Malus der letzten Plätze zu bewerten und ggfls. auch zu sanktionieren, empfehle ich in einer Einzelfallbetrachtung zu ermitteln. Laden Sie die letzten Plätze zum Gespräch ein. Geben Sie den Fahrern die Möglichkeit, Schäden, Strafzettel, Mehrverbräuche zu begründen. Veränderungen wie Fahrten mit Anhänger in geografisch anspruchsvollerem Terrain können Gründe sein, die ein Verschulden des Fahrers etwa für erhöhten Verbrauch ausschließen. Sind Schäden, Verbräuche und weitere Parameter auf das Verhalten der Fahrer zurück zu führen, sanktionieren Sie es im nachvollziehbaren Rahmen. Eine gute Möglichkeit ist, die Car policy anzupassen. Diesen Spielraum sollte ein Dienstwagenüberlassungsvertrag bieten, achten Sie hierauf bereits im Vorfeld.

Wie sollte die Preisverleihung aussehen?

In welchem Rahmen sich eine Veranstaltung und die Gewinne bewegen, ergibt sich aus dem grob kalkulierten Gewinn. Meine Empfehlung ist, mindestens 50 Prozent zu reinvestieren. Der erste Preis sollte einen Wert über 1.000 Euro haben. Die Plätze ein bis drei zudem einen Wanderpokal und eine Urkunde erhalten. Der Pokal kann an der Betriebsstätte ausgestellt werden.

Bei der Art der Preise ist von der Barprämie über einen Gutschein, einer Reise, einer gemeinsamen Fahrtrainings/Rennsporttrainings Veranstaltung alles denkbar. Möglich ist zudem eine Anpassung der Car policy. Wichtig ist es, ein klares Zeichen zu setzen. Zeigen Sie, wie ernst Ihnen ein Bonus-Malus-System ist, streichen Sie den Wert für das Unternehmen heraus. Rufen Sie in Erinnerung dass alle hier einen wertvollen Beitrag leisten.

Fuhrparkmanager Arndt Kolk stellt in mehreren Folgen die Basisbausteine für das Management kleiner und mittlerer Fuhrparks vor. Teil 9, Bonus-Malus-Systeme, Teil II.

Haben Sie Fragen oder Anregungen an den Autor? Diskutieren Sie mit Arndt Kolk im bfp-Circle auf Xing oder nutzen Sie die Angebote der bfp-AKADEMIE.

© Velten, Clemens

Praxisleitfaden

Anreize für mehr Sparsamkeit im Fuhrpark

Wer die Mitarbeiter motivieren möchte, ökonomischer und dadurch auch sicherer zu fahren, der sollte mal überlegen, ob er zu einem Bonus-Malus-System greift. Das muss nicht mit übermäßig viel Aufwand verbunden sein.

Praxisleitfaden

Wie die Fahrzeugdaten erfasst werden

Für den Aufbau des Fuhrparkmanagements ist die komplexe Erfassung des eigenen Fuhrparks wichtig. Dazu zählen die Kfz-Statusliste und der Checkup-Bericht.

Praxisleitfaden

Die Unterweisung der Firmenwagennutzer

Eine der zentralen Aufgaben im Fuhrpark ist die Unterweisung der Fahrer. Doch worauf kommt es dabei an, und was muss genau behandelt werden?

Praxisleitfaden

Was die Dienstwagenfahrer wissen müssen

Eine der zentralen Aufgaben im Fuhrpark ist die Unterweisung der Fahrer. Doch worauf kommt es dabei an, und was muss genau behandelt werden? Die Fahrerunterweisung, Teil 2.

hintergrundgrafik

JETZT TICKET SICHERN!

Das bfp Fuhrpark-FORUM 2019 ist Deutschlands Leitmesse für betriebliche Mobilität.
21. + 22. Mai 2019
Nürburgring
Code BFPPOP030 verwenden und sofort 30 € sparen. Mein Ticket sichern
Nein, ich möchte mich nicht mit Fuhrparkentscheidern vernetzen.

Tipps & News rund um Fuhrparkmanagement und betriebliche Mobilität:der fuhrpark.de-Newsletter

Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen fuhrpark.de-Newsletter!