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Foto: Dennis Gauert
Baumeister: Der Sprinter findet als Doppelkabine mit Pritsche häufig den Weg zum kommunalen Bauhof oder direkt auf die Baustelle.

bfp-Fahrtest

Der Mercedes für die Baustelle

Das Gleiche in Orange? Nicht ganz: In unserem Fahrbericht nehmen wir uns die Doppelkabine des Mercedes Sprinter 317 CDI vor – hier wird es windiger.

Doppelkabine. Ein Wortkompositum, das in vielen Branchen vorstellbar ist, aber nur an einem Ort wirklich Raum bietet: im Nutzfahrzeug. Mit wenig Romantik, aber viel Beinfreiheit können in unserem Mercedes Sprinter als Doka-Pritsche vier Leute Platz nehmen, die anpacken. Denn die Konfiguration des Test-Transporters in Verkehrsorange legt den kommunalen Betrieb oder die örtliche Baustelle als Einsatzort nahe. Auch Gärtner können zugreifen – und den Allradantrieb mitbestellen.

Unser Testfahrzeug ist eine kleine Sensation – auch für Daimlers Presseabteilung. Konfigurationen wie diese stehen selten im Fuhrpark für einen Bericht bereit, sodass auch wir uns über den leuchtenden Lack und das einzigartige Fahrgefühl freuen. Denn auch mit dem modern gestalteten Innenraum samt Ghettoblaster-Zeile im Armaturenbrett täuscht dieser Sprinter nicht über seinen gewerblichen Fokus hinweg. Das Grundfahrzeug (Mercedes Sprinter als Fahrgestell mit Doppelkabine) kostet 41.680 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.), unser Testfahrzeug stolze 60.089 Euro.

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Trotz Pritsche 160 km/h

Als Fahrgestell unterscheidet sich der Sprinter von seinen Transporter-Brüdern teils erheblich. Durch den offenen Rahmen ab der Fahrzeugmitte und die darauf montierte Pritsche (2.150 Euro) steigt der Luftwiderstand. Tapfer kämpft sich der schnurrende 170-PS-Selbstzünder des 317 CDI durch ein eng übersetztes Sechsgang-Getriebe und flößt der Pritsche gar etwas Schnittigkeit ein: Immerhin 160 km/h konnten wir vom Tacho ablesen. Die Wohlfühlgeschwindigkeit dürfte in der Pritsche etwa 50 km/h darunter liegen.

Kein Wunder, dass unser 170-PS-Selbstzünder sich zum Feierabend gern eine Karaffe mehr einschenken lässt: Mit elf Litern Diesel auf 100 Kilometer übertrifft er sein Transporter-Pendant im Realverbrauch um etwa zwei Liter. Dafür liefert der drehmomentstarke OM-654-Turbodiesel aber auch einen Gegenwert: Mit kurz übersetztem Getriebe lässt sich der Sprinter im Innenstadtverkehr gut anschieben. Der moderne Dieselmotor ist kultiviert und angenehm zu fahren. Versorgt werden kann er durch den 93-Liter-Tank (303 Euro) besonders lang.

Viel Platz auf dem Leiterrahmen

Aber Pritsche fahren heißt auch Aufpassen: Unbeladen ist die Hinterachse wenig geerdet, sodass der Hinterradantrieb an Abbiegungen schon mal ins Leere greift. Bei höheren Geschwindigkeiten fährt sich die Doppelkabine freilich weniger dynamisch als die Transporter-Variante aus Stuttgart. Wir lassen es ohnehin ruhig angehen: Die Komfort-Sitze mit einstellbarer Lordosenstütze (237 Euro) vermitteln ein angenehmes Fahrgefühl, Schalthebel und Lenkrad sind optimal positioniert und liegen gut in der Hand. Das Sechsgang-Schaltgetriebe wirkt munter und lässt sich knackig durch die Gassen werfen. Da hält kein Billigheimer mit.

Hinter dem Führerhaus prangt das wichtigste Ausstattungsmerkmal des Sprinter: Die Pritsche mit Alu-Bordwänden (2.113 Euro), Staukäusten (192 Euro), Leiterträger am Pritschenende (358 Euro) und hinter dem Fahrerhaus (675 Euro). Sie ist etwa 5,5 Quadratmeter groß und von allen Seiten zu beladen. Ob mit drei starken Männern, einer Ameise oder einem Kran – hier lässt sich jedes verzurrbare Gut verstauen.

Moderne Bedienung mit Sandfingern?

Gleiches gilt für das Bedienkonzept. In unserer Doppelkabine sind bereits Sensorikfelder eingesetzt, die normale Tasten ersetzen. Speziell am Lenkrad will die Pkw-orientierte Modernität im Nutzfahrzeug nicht gefallen. Denn schmutzige oder sandige Finger sind im Straßenbau oder auf der Baustelle üblich. Die Vorstellung, damit über das glatte Bedienfeld zu fahren oder gar zu swipen erscheint paradox. Kratzer und Fehlbedienungen sind dann die Folge. Für das typische Einsatzgebiet einer Doppelkabine empfehlen wir daher die althergebrachten Kunststofftasten, auch wenn dadurch weniger Funktionen im Bordcomputer zur Verfügung stehen.

Beim Sound kann Daimler ebenfalls endlich nachbessern: Zwar wirkt das Armaturenbrett durch die Ghettoblaster-Optik hip und modern, der Sound jedoch bleibt hinter mancher Bluetooth-Box zurück: Lautsprecher in den Türen sind aufpreispflichtig und werden von Daimler nur selten in ein Pressefahrzeug hinein konfiguriert. Deshalb entsteht lediglich eine dünne Soundkullisse an der Windschutzscheibe. Selbst die preisgünstigen Konkurrenten aus Frankreich, Italien und Köln können das besser.

Mit dem schick designten MBUX-Infotainmentsystem (1947 Euro) lässt es sich aber wie gewohnt gut arbeiten, Sprachbefehle werden ebenfalls zuverlässig umgesetzt. Ein vergleichbares System gibt es aktuell nur bei den Hannoveranern. Mit denen misst sich Mercedes auch bei der Verarbeitung. Robuste Kunststoffe, widerstandsfähige Sitzbezüge und der Verzicht auf Softlacke geben dem Sprinter eine gute Langzeitprognose. Etwas schwer tut man sich in Stuttgart unterdessen mit den Türen, die beherzten Schwung benötigen um einzuschnappen.

Fazit:

Der Sprinter ist und bleibt ein gern gesehener Gast in der Redaktion. Unter den 3,5-Tonnern ist er nicht umsonst der Klassiker. Positiv fallen der Sitzkomfort und die Ergonomie auf. Auch der Turbodiesel und das Getriebe gefallen uns gut. Echten Handwerkern empfehlen wir die klassischen Bedientasten, audiophilen Fahrern zusätzlich ein Soundupgrade.

Daten Mercedes-Benz Sprinter Doka Pritsche 317 CDI

Maße (L x B x H) in m: 6,16 x 2,18 x 2,29 Maße Pritsche (L x B) in m: 2,71 x 2,04 Motor: Vierzylinder-Diesel mit Turboaufladung, 1995 ccm Leistung: 170 PS bei 3800 U/min Max. Drehmoment: 380 Nm Realverbrauch 100 km: 11 Liter Wendekreis: 13,3 m Ladefläche Pritsche: 5,5 m² Radstand: 3,67 m Zuladung: 1220 kg

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Kommod und stark: Über 160 km/h schaffte der Sprinter im Fahrtest auf der Autobahn. Geachtet der unvorteilhaften Aerodynamik des Aufbaus eine reife Leistung für den 170-PS-Selbstzünder.
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Große Sache: Immerhin 5,5 Quadratmeter stellt die Pritsche hinter der Doppelkabine bereit.
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Bequem zum Bau: Auf den Komfortsitzen mit Armlehne und Lordosenstütze lässt es sich gut aushalten.
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Ab ins Körbchen: Die Pritsche mit Leiterhalterungen vorne und hinten ist praktisch und lässt sich von allen Seiten beladen.
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Tradition trifft Moderne: Mit LED-Scheinwerfern, die gar einen Fernlichtassistenten hinter sich haben, schwimmt der Sprinter an neue Ufer – für 1.900 Euro Einlage.
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Offiziell: Kommunal in orange gehalten wirkt der Sprinter gleich ikonisch für das Bauhandwerk.
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Einzigartig anders: Zwei Einzelsitze vorn stimmen mit dem schrillen Lack und dem Ghettoblaster im Armaturenbrett ein anderes Lied an als sonst.
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Hinten feudal: Der Sozius ist für kurze Transportwege gut zu gebrauchen. Einen halben Tag möchte dort aber niemand Platz nehmen.
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A nach B: Die Doppelkabine des Sprinter ist freilich kein Reisefahrzeug, bietet aber genug Komfort, findet Nutzfahrzeuge-Redakteur Dennis Gauert

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