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Digitalisierung: Das schlaue(re) Auto

Wer mehr über sein Auto oder seine Fahrgewohnheiten erfahren möchte, kann dies per Smartphone und OBD-Dongle erreichen. Dabei lässt sich sogar Geld sparen.

Inhaltsverzeichnis

von Holger Holzer/SP-X

Autos wissen viel mehr als sie sagen, und in Zeiten der Digitalisierung kann man daran teilhaben – und das ist heute dank Smartphone kein Problem mehr. Gerade ältere Fahrzeuge lassen sich mit wenig finanziellem und zeitlichem Aufwand zu sprudelnden Datenquellen hochrüsten. Und verfügen dann plötzlich über Drehzahlmesser, Öltemperaturanzeige und Spritspartrainer. Interessant für Fuhrparks: Es lässt sich ein elektronisches Fahrtenbuch führen, und außerdem wissen sie viel genauer als vorher, wann sie in die Werkstatt sollten.

Zugriff auf das Hirn eines Autos bietet die OBD-Schnittstelle, die im Großteil der Bestandsfahrzeuge in Deutschland an Bord ist und Zugang zu den Informationen der Steuergeräte an Bord gibt. Auslesen lässt sie sich mit Hilfe eines relativ simplen Funk-Steckers, dem sogenannten OBD-Dongle, und einer passenden Software. Die nötige Ausrüstung finden Tüftler für ein paar Euro im Internet, wer es komfortabler haben will, zahlt 100 bis 200 Euro für ein narrensicheres Komplettpaket. Doch dazu später mehr.

Welche Daten werden geliefert?

Ursprünglich sollte die OBD-Schnittstelle US-Behörden helfen, die Emissionen von Pkw ein Autoleben lang zu überwachen. Neben Informationen zu Lambdasonde und Katalysator gibt der OBD-Port aber je nach Fahrzeughersteller zahllose weitere Informationen aus, etwa Motordrehzahl, Kraftstoffverbrauch, Gaspedalstellung und Turbodruck – um nur einige zu nennen. Längst nicht alles davon ist im serienmäßigen Bordcomputer zu sehen. Vor allem Kleinwagen werden beispielsweise oft ohne Drehzahlmesser verkauft. Und selbst teure Autos zeigen die Kühlwassertemperatur heute nur noch selten an. Ob das Motoröl schon auf Betriebstemperatur ist, lässt mit Ausnahme einiger Sportwagen fast gar kein Auto mehr erkennen.

Neben den Fahrtinformationen gibt die OBD-Schnittstelle aber auch Daten preis, die richtig Geld wert sein können: die Informationen des Fehlerspeichers. Geht im Cockpit etwa die Motorwarnlampe an, lässt sich anhand des ausgelesenen Fehlercodes erkennen, was genau für den Alarm im Auto gesorgt hat. Handelt es sich um etwas ernstes, das die sofortige Fahrt zur Werkstatt verlangt? Oder ist es eine Lappalie, die man getrost bei der nächsten Inspektion erledigen lassen kann?

OBD-Dongle: Welche Unterschiede gibt es?

Die per OBD-Dongle auslesbaren Daten unterscheiden sich je nach Hersteller und Fahrzeugmodell. Auch die Stecker selbst sind unterschiedlich leistungsfähig. Günstige Exemplare gibt es überall im Internet schon ab rund 20 Euro (Suchbegriff „OBD“ oder “ ELM 327“). Zusätzlich benötigt wird eine spezielle Software für das Smartphone; zu den bekanntesten zählen „Torque Pro“, „Scan Master“ oder „DashCommand“. Einige der Apps sind gratis, andere kosten einen überschaubaren Betrag. Die Kommunikation zwischen Handy und Dongle erfolgt per W-Lan oder Bluetooth, manchmal auch per Kabel.

Kann auch ein Fahrtenbuch installiert werden?

Besonders komfortabel gelingt das Auslesen des OBD-Ports mit Komplettpaketen. Dort sind Soft- und Hardware aufeinander abgestimmt, was die Wahrscheinlichkeit einer fehlerlosen Funktion erhöht. Frisch auf dem Markt ist das Start-up „Pace“, das sein Set für 120 Euro anbietet. Neben den üblichen Funktionen gibt es auch ein Finanzamt konformes Fahrtenbuch, einen Spritspartrainer und einen Tankstellen-Preisfinder, zudem übersetzt das Handy die Fehlercodes direkt in Klartext und gibt eine erste Einschätzung ab, ob man weiterfahren kann oder direkt die Werkstatt aufsuchen sollte.

Welche Systeme gibt es?

„Drive Deck Sport“ (ab 200 Euro) hingegen hat sich auf Sportfahrer spezialisiert und arbeitet die üblichen Sensorwerte besonders übersichtlich und rennstreckengeeignet auf. Dazu gibt es diverse Zeitnahme-Funktionen und Möglichkeiten zur Analyse der gerade gefahrenen Strecke. Eher serviceorientiert ist „Drivelog Connect“ der Bosch-Tochter Mobility Media (zirka 70 Euro), das System legt besonderen Wert auf Fehlerspeicher-Diagnose und die Vermittlung von Werkstatt-und Pannenservice-Dienstleistungen, bietet aber auch umfangreiche Zusatzfunktionen. Mit einem Abo-Modell offeriert das Münchner Unternehmen Tanktaler seine App-Stecker-Kombination. Für 39 Euro im Jahr soll sie die üblichen Funktionen bieten und zudem bargeldloses Bezahlen an ausgewählten Tankstellen ermöglichen.

Wo ist der Steckplatz im Auto?

Wer den Kauf eines OBD-Dongles oder direkt eines Komplett-Sets ins Auge fasst, sollte zunächst den Steckplatz an seinem Auto suchen. Vorhanden ist er bei Benzinern spätestens seit dem Baujahr 2001, bei Dieseln ab 2004. Einzelne Modelle hatten ihn aber auch schon vorher an Bord. Meist ist der Port allerdings gut versteckt und abgedeckt, so dass ihn ein Großteil der Autofahrer wohl noch nie zu Gesicht bekommen hat.

Übliche Einbauorte sind das Handschuhfach, der Sicherungskasten oder der Bereich unter dem Aschenbecher. Auf jeden Fall im Umkreis von 60 Zentimetern um das Lenkrad – ein bisschen Suchen hilft also. Ausschau gehalten wird nach einem 16-poligen Buchse, die entfernt an den Scart-Anschluss des Fernsehers erinnert. Ist der Platz rund um den Anschluss begrenzt, sollte man das bei der Wahl des Dongles berücksichtigen und eine möglichst kleine Lösung wählen.

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