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Freie Werkstätten

Ein bunter Strauß an Werkstattkompetenz

Viele Fuhrparkmanager bevorzugen die Vertragswerkstatt. Doch auch freie Werkstätten können mit Servicepfunden wuchern. Ein Überblick.

Inhaltsverzeichnis

Von Esra Tatlises

Mehr Technik in den Fahrzeugen gleich mehr Reparaturkosten. Diesen Schluss legt eine aktuelle Auswertung des Garantieversicherers Car-Garantie nahe. Während sich der durchschnittliche Reparaturaufwand pro Fahrzeug 2017 noch auf 514 Euro belief, waren es 2018 schon 527 Euro.

Ein Grund mehr, freie Werkstätten – egal ob Werkstattketten oder –systeme – in Betracht zu ziehen: Werben sie doch mit einem deutlich besseren Preis-Leistungs-Verhältnis als Vertragswerkstätten und ziehen damit auch die Aufmerksamkeit von Fuhrparkverantwortlichen auf sich. Aber kennen freie Servicebetriebe die technisch immer komplexeren Autos genauso gut wie die vertragsgebundene Werkstatt? Und inwiefern müssen sich Fuhrparkmanager um die Herstellergarantie sorgen, wenn sie ihre Autos in die freie Werkstatt bringen? Ein Blick in den freien Servicemarkt hilft bei der Beantwortung dieser und anderer Fragen.

Vorbehalt Herstellergarantie

Schon 2013 urteilte der Bundesgerichtshof, dass eine Fahrzeuggarantie nach dem Besuch einer freien Werkstatt nicht wegfällt, sofern sich die Werkstatt an die Wartungsvorgaben der Hersteller hält. Hier bestehe aber häufig noch Aufklärungsbedarf, so Nico Kuhnke, Leiter Netzwerk bei Global Automotive Service: "Vielen Flotten- und Gewerbekunden ist nicht klar, dass Garantieansprüche an den Hersteller auch dann erhalten bleiben, wenn Fahrzeuge nach Herstellervorgabe in freien Werkstätten gewartet und Originalmarkenersatzteile gemäß GVO eingebaut werden." Ein Grund, weshalb sich freie Werkstätten nicht nur für ältere Autos, sondern auch für Neufahrzeuge als Alternative zu den Markenwerkstätten anbieten. Allerdings: In manchen Fällen bieten Hersteller bei Reparaturen auch nach Ablauf der Garantie aus Kulanz eine teilweise oder sogar vollständige Übernahme der Kosten an. Als Bedingung für diese rein freiwillige Leistung setzen sie dann aber voraus, dass alle vorangegangenen Wartungen von einer Vertragswerkstatt vorgenommen wurden. Inwiefern sich mögliche Kulanzzahlungen in der Kostenbilanz eines Fuhrparks niederschlagen, bedarf allerdings immer einer individuellen Betrachtung.

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Vorbehalt Qualitätsniveau

Doch auch wenn der ein oder andere Fuhrparkverantwortliche noch Zweifel hegt, wird der Stellenwert freier Werkstattkonzepte in Zukunft weiter wachsen, ist sich Sebastian Becker, Leiter Pkw-Flotten und Fleet Partner bei Vergölst, sicher: "Das liegt zum einen an der immer stärkeren Unterstützung bei Autoservicedienstleistungen. Zum anderen wachsen freie Werkstattkonzepte auch aufgrund des Kostendrucks."

Grundsätzlich gelten freie Werkstätten als kostengünstiger im Vergleich zu Vertragswerkstätten. Dabei versprechen sie aber ein mindestens genauso gutes Qualitätsniveau. Auch Sven Kopplin, Management Bosch Werkstatt Konzepte und Automotive Aftermarket, möchte die Zweifel über Qualitätsmängel in freien Werkstätten beseitigen: "Neben dem bereits erwähnten Preisvorteil ist sicherlich ein weiterer Vorteil, dass die Bosch-Werkstattpartner in der Lage sind, alle Marken zu warten und zu reparieren. Somit hat der Flottenkunde nur einen Ansprechpartner." Damit reduziert der Besuch in der freien Werkstatt auch die Komplexität des Servicemanagements im Fuhrpark.

Ausnahmen bestehen meistens lediglich bei spezielleren Modellen oder bei Transporter und Lkw. Denn nicht jede Werkstatt verfügt über Hebebühnen, die für größere Nutzfahrzeuge ausgelegt sind. "Da empfiehlt es sich, im Zweifelsfall vorab mit unserer Werkstatt Kontakt aufzunehmen", rät Bereichsleiter für Autoglas und Key Account Management Carsten Fischer von Euromaster. Durch ein dichtes Servicenetz – die von bfp fuhrpark & management befragten Werkstattketten und -systeme haben zwischen 155 und rund 1.500 Standorte – lässt sich in der Regel schnell eine passende Partnerwerkstatt mit den benötigten technischen Vorkehrungen finden. Die Vorteile freier Werkstattkonzepte fasst Carsten Fischer wie folgt zusammen: "Eine deutlich höhere Flexibilität, ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis, ein dichtes Servicenetz und ein mindestens ebenso hohes Qualitätsniveau."

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„Freie Werkstätten schließen nicht einfach um 17 Uhr“

Egal ob Mobile Fitting oder Hol-und-Bring-Service, freie Werkstätten möchten außerdem mit ihrer hohen Anpassungsfähigkeit punkten, um dem Fuhrparkmanager den administrativen Aufwand im Alltag zu erleichtern. So argumentiert auch Nico Kuhnke, Leiter Netzwerk bei Global Automotive Service: "Ein wesentlicher Vorteil ist die höhere Flexibilität. Freie Werkstätten sind sehr häufig inhabergeführt und schließen einfach nicht um 17 Uhr." Mit flächendeckenden Werkstattdienstleistungen, wie zusätzlichen Führerscheinkontrollen oder UVV-Prüfungen, zeigen freie Werkstätten laut Arnd Metzler, Key Account Flotte Consumer bei First Stop, zudem eine hohe Kundenorientierung: "Der Servicelevel hat sich in den letzten Jahren bei den freien Werkstätten deutlich nach oben entwickelt. Weiterhin besteht nach unserem Eindruck eine enge Kundennähe."

Qualifizierung alternativer Antriebstechnik

Auch für alternative Antriebe und intelligente Fahrerassistenzsysteme sind viele freie Werkstätten mittlerweile gut ausgerüstet: So gibt es in einigen Unternehmen auch eigene Akademien für die Fortbildung ihrer Mitarbeiter, die sich konsequent auch dieses Thema auf die Fahnen geschrieben haben. Denn ohne die richtige Qualifizierung dürfen Mechaniker nicht einmal einen Reifen an Elektroautos wechseln. "A.T.U ist für die Wartung von Hybrid-, CNG- und E-Fahrzeugen gerüstet. Die Anzahl der für Hochvolt-Arbeiten ausgebildeten Mitarbeiter wird zukünftig in allen Filialen weiter erhöht", erklärt Thomas Tietje, Leitung Geschäftskunden bei A.T.U. Die dreistufige Ausbildung für Hochvolt-Technik ist bei Arbeiten an spannungsgeladenen Komponenten der E-Autos unermesslich. Dasselbe gilt für Hybrid-Fahrzeuge. Und: Auch hier bleibt die Herstellergarantie bei konsequenter Wartung nach Werksvorgabe erhalten.

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Zusammenfassend lautet der Küchenzuruf zum Thema freie Werkstätten: Die Aufklärungsarbeit der Branche hat bereits viele Vorbehalte ausgeräumt. Viele freie Werkstätten verfügen über technisch hochwertiges Equipment, um wesentliche Mängel am Fahrzeug festzustellen und zu beheben. Auch um die Herstellergarantie braucht man sich nicht zu sorgen, solange Herstellervorgaben eingehalten werden. "Bei jüngeren Fahrzeugen kommt es schon Mal vor, dass der Fahrer skeptisch ist. Durch die branchenweite Aufklärung aller Teilnehmer des Netzwerks freier Kfz-Unternehmer ist dies aber extrem zurückgegangen", resümiert Ralf Gores, Leiter Vertrieb Produkte/Werkstattkonzepte bei Carat.

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