Foto: Cluno

Nutzen statt kaufen

Fährt man wirklich mit einem Auto-Abo günstiger?

Flatrate-Modelle sind eine unkomplizierte Methode, einen Neuwagen zu fahren. Aber ist die Nutzung wirklich günstiger als der Kauf?

Inhaltsverzeichnis

Das noch recht junge Abo-Modell für Neuwagen ist auf bestem Weg, sich als Alternative zu Kauf, Finanzierung und Leasing zu etablieren. Das Prinzip, bei dem sich der Abonnent um nichts außer um das Tanken kümmern muss, zieht vor allem jüngere Käufer an – aber längst nicht nur. Die Auto-Abonnements werben mit Flexibilität und planbaren Kosten. In einigen Fällen können sie den Kunden sogar günstiger kommen als die Alternativen.

Auto-Abos locken mit planbaren Kosten?

Für eine fixe Monatsrate, die je nach Angebot Posten wie Versicherung, Wartung, Reparaturen, Reifenwechsel, Versicherung und Steuern enthält, fahren die Abonnenten immer ein neues Auto, das im Internet gebucht, ihnen bis vor die Haustür geliefert und gegebenenfalls für Werkstattbesuche auch wieder abgeholt wird.

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Oft kann auch während der Vertragslaufzeit auf ein anderes Modell gewechselt werden. Anders als beim Leasing gibt es keine Anzahlung und die Kosten sind absolut planbar. Auch ist man nicht über viele Jahre an einen Vertrag gebunden.

"Care by Volvo" bekanntes Angebot

Seit einigen Monaten kann man beim Autohersteller Volvo sowie zwei großen Mercedes-Händlern (Beresa und Lueg) ein solches Auto-Abo abschließen. Daimler kommuniziert noch keine Bilanz, bei Volvo zeigt man sich mit den ersten Monaten sehr zufrieden: Das "Care by Volvo" genannte Programm entwickle sich wie für 2019 erwartet in Richtung von fünf Prozent des Gesamtgeschäfts auf dem deutschen Markt, heißt es. Käufer sind derzeit hauptsächlich Privatleute, oft Neukunden, und im Schnitt drei Jahre jünger als die Kauf- und Leasingkunden.

Dass jüngeren Menschen ein "eigenes" Auto nicht mehr so wichtig ist, prognostizieren Experten seit Jahren. "Je jünger, desto größer die Bereitschaft ins Auto-Abo zu gehen“", meint auch Fachmann Ferdinand Dudenhöffer. Dass das Abo-Modell bei jüngeren Menschen besonders gut ankommt, führt eine Analyse der Nürnberger Marktforschung Puls auf die positiven Erfahrungen mit Streaming-Diensten wie Spotify, Netflix und Co zurück.

So bekundet bei einer Umfrage unter mehr als 1.000 Autokäufern gut ein Viertel der sogenannten "Netflix-Generation" (Jüngere bis 30 Jahre) Interesse daran, ein Auto zum Komplettpreis zu abonnieren.

Anbieter von verschiedenen Marken und Modellen

Neben den Autoherstellern gibt es externe Anbieter, die verschiedene Marken und Modelle führen, zum Beispiel sixtflat.de des gleichnamigen Autovermieters oder das Start-up Cluno. Das noch junge Unternehmen sieht bei seinen Kunden im Alter von 23 bis 75 Jahren den Durchschnitt der Bevölkerung repräsentiert.

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Hier ist sind eher die nachgefragten Modelle ungewöhnlich: So ist das Interesse an Hybrid- und Elektrofahrzeugen laut Cluno groß, nach wie vor wird auch gerne Diesel gefahren. Da sich die Kunden nicht lange an das Auto binden und auf Wunsch auf ein anderes Auto oder eine andere Antriebsart wechseln können, fällt ihnen die Entscheidung diesbezüglich offenbar einfacher.

Die hohe Flexibilität ist einer der entscheidenden Vorteile mit denen die Anbieter werben. Wer gerne einen Neuwagen fahren, sich aber nicht für viele Jahre auf eine Fahrzeuggröße, -antriebsart oder allgemein ein Modell festlegen will, für den ist das Abonnement gedacht. Für Kunden, die zurzeit aufgrund der Diskussionen um Fahrverbote und den bevorstehenden Wandel hin zur E-Mobilität verunsichert sind, könnten die neuen Angebote eine Übergangslösung darstellen, meint Auto-Experte Dudenhöffer.

"Außer Tanken alles inklusive"

Hinzu kommen die transparenten, absolut planbaren monatlichen Kosten. So fährt man das Mittelklasse-SUV Volvo XC60 (Diesel, 140 kW/190 PS, mittlere Ausstattung) beispielsweise für 639 Euro monatlich, Steuern, Versicherung, Reparaturen, Pannenhilfe, Ersatzfahrzeug, Wartung mit Hol- und Bringservice sind im Preis enthalten.

Bei Mercedes kostet eine C-Klasse 950 Euro, das günstigste Angebot des markenunabhängigen Anbieters Cluno ist der Opel Corsa für 259 Euro im Monat – hier gilt ebenfalls "außer Tanken alles inklusive".

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In Einzelfällen kann das Abo-Modell finanziell die günstigste Option sein, wie Beispielrechnungen des CAR-Instituts von Dudenhöffer an der Uni Duisburg-Essen analysiert haben. Die Wissenschaftler verglichen die Kosten für Barkauf und Finanzierung inklusive des üblichen Rabatts mit denen des Abos. Dabei wurden sowohl unterschiedliche Pkw-Modelle herangezogen als auch unterschiedliche Haltedauern und Schadenfreiheitsrabatte.

Tendenziell war das flexible Abo-Modell gesehen auf die monatlichen Kosten etwas teurer als Finanzierung und Barkauf. Doch ein genaues Nachrechnen lohnt sich: So kostet nach der CAR-Berechnung ein Opel Corsa einen 25-jährigen Fahranfänger im Barkauf 267 Euro im Monat, während das Abo mit 259 Euro zu Buche schlägt (jeweils sechs Jahre Haltedauer).

"In drei Minuten zum neuen Auto"

Ob es sich das Auto-Abo lohnt, dürften die typischen Interessenten aber eben nicht nur mit spitzem Bleistift berechnen. Vielen sind die Pflichten rund ums Auto lästig, ihnen ist eine Rundum-Sorglos-Lösung einen gewissen Aufpreis wert. Und auch der einfach Zugang per Buchung über das Internet und die schnelle "Lieferung" dürften bei der Online-affinen Zielgruppe gut ankommen.

"So einfach, als würden Sie einen Handyvertrag abschließen", wirbt Volvo für sein Abo-Modell, "In drei Minuten zum neuen Auto", heißt es bei Cluno. Monate auf sein neues Auto zu warten, scheint bei dieser Tempovorgabe wirklich altmodisch.

"Wer nichts mit dem späteren Gebrauchtwagenverkauf seines Autos zu tun haben will, das Risiko von unvorhergesehen Reparaturen scheut und ansonsten viel bei Amazon & Co. wegen der Bequemlichkeit einkauft, der hat mit dem Abo ein ideales Produkt", fasst Dudenhöffer zusammen.

Der Durchbruch der Nutzen-statt-Kaufen-Modelle wird nach seiner Einschätzung sehr schnell gehen: Die Hälfte der Finanzierungen, die heute für Neuwagen abgeschlossen werden, könnten in fünf Jahren stattdessen als Abos laufen, glaubt Dudenhöffer. Insbesondere bei den nicht-herstellergebundenen Anbietern dürften die Raten sehr attraktiv werden, auch, weil sie durch die Online-Abwicklung enorm Verkaufskosten sparen.(SP-X/tibü)

Ähnlich wie Spotify & Co.

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