Foto: Dennis Gauert

Fahrgefühl stabil bis agil

Ford Focus - ein Kombi mit Tiefgang

Zum fünfzigsten Jubiläum des Escort bringt Ford die vierte Generation des Nachfolgemodells Focus auf den Markt. Mit Mehrlenkerhinterachse, Head-Up-Display, noch mehr Platz und sportlichem Design hat der flache Turnier das Zeug zum Klassensieger.

Inhaltsverzeichnis

Von Dennis Gauert

Mit der Einführung des ersten Ford Focus im Jahr 1998 brach Ford mit allen Traditionen und stellte ein Auto auf die Beine, das für verschmierte Schaufensterscheiben bei den Händlern sorgte. Nach dem biederen Escort MKIV war Fords New-Edge-Design ein zukunftsweisender Umbruch im Kompaktwagensegment. Fahrdynamisch ist der Focus MK1 bis heute einer der Klassenbesten.

Entsprechend hoch liegt die Erwartung bei der vierten Generation. Auch hier geht Ford wieder einen großen Schritt.

Lang und flach schafft Platz

Der Ford Focus Turnier hat zugelegt. Ganze zehn Zentimeter ist der Turnier länger als sein Vorgänger, immerhin zwei Millimeter breiter, dafür um zwei Zentimeter flacher. Was dem sportlichen Design gut tut, ist im Innenraum ebenfalls von großen Vor- und kleinen Nachteilen gekennzeichnet. Einerseits ist die Beinfreiheit im hinteren Abteil üppig, andererseits sinkt die Ladehöhe. Durch die angeschrägte Heckklappenöffnung fällt das Beladen selbst allerdings leicht. Die Rücksitzbank lässt sich ebenerdig umklappen, das maximale Ladevolumen hat sich im Vergleich zum Vorgänger um rund 130 Liter auf 1653 Liter erhöht.

Der lange Radstand macht den Focus ruhiger

Aber kommen wir zu dem, was ein Auto idealerweise können sollte: Fahren. Die Rückmeldung am sportlichen Dreispeichenlenkrad ist präzise. Dank Multilenkerhinterachse und elektronischer Drehmomentverteilung an der Vorderachse fährt sich der Focus sowohl als fünftüriges Schrägheck als auch als Turnier wie eine leichtfüßige Limousine. Bei beiden ist der Radstand nämlich um über fünf Zentimeter gewachsen. Das ist sehr gut für den Komfort und längere Autobahnfahrten, nimmt dem Focus zumindest als Fünftürer im Vergleich zum Vorgänger die Agilität. Die Bremsen packen bissig zu und sprechen früh an. ABS und ESP kümmern sich zuverlässig um optimale Verzögerung und Stabilisierung in brenzligen Situationen.

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Schöner Innenraum mit kleinen Schwächen

Der Eindruck im Innenraum des Focus Turnier ist sportlich-elegant. Perfekt wäre er gelungen, wenn die Holzapplikationen zumindest den Anschein von Echtholz erwecken würden. Die weißen Ziernähte, im Vignale (ST-Line: rote Ziernähte) die zusätzlich verarbeitet wurden, definieren den geschwungenen Innenraum zusätzlich. Kein Augenschmaus ist hingegen die Mittelkonsole. Der billige Kunststoff nimmt der ansonsten für den Preis schön gemachten Ausstattungsvariante Vignale den Flair, in der ST-Line nimmt man sie kaum wahr. Letztere Ausstattung ist sportlich angehaucht und verfügt über Sitze mit stärkerem Seitenhalt und ausstattungsspezifische Applikationen sowie ein Sportfahrwerk.

Vielfahrer wählen Vignale

Im Focus sitzt es sich in den präsentierten Ausstattungsvarianten Vignale, aber auch ST bequem. Der Vignale verfügt über elektrisch verstellbare und beheizte Ledersitze, Lederapplikationen im Innenraum, Leder-Mittelarmlehne, exklusive Fußmatten, ein spezielles Optikpaket sowie über das vielfach ausgezeichnete Ford Sync 3 mit 20,3 Zentimeter Bilddiagonale. Ab 24.201 Euro netto ist er für die Vielfahrer-Fraktion dann vor allem mit aufpreispflichtigem Achtgang-Automatikgetriebe (1.900 Euro) zu empfehlen. Damit sind zusätzliche Funktionen aus dem Technologie-Paket 2 (400 Euro) möglich, die den Alltag auf der Autobahn entspannen. Dann sind ein Abstandstempomat mit Stauassistent, Verkehrsschilderkennung, Falschfahrer-Warnfunktion, Ausweichassistent und Vieles mehr an Bord. Das gleiche gilt auch für die ST-Line, die ab 21.261 Euro netto erhältlich ist.

Exzellent ist in beiden Ausstattungslinien die Bedienung des aufpreispflichtigen Ford Sync 3, sowie auch das Display, das aber je nach Körpergröße leicht ins Sichtfeld ragt. Im Sichtfeld des Fahrers selbst ist nun endlich auch in Europa ein Head-Up-Display, das statt in der Frontscheibe eingesetzt, auf dem Armaturenbrett thront. Damit hält Ford die Versicherungskosten unten: Mit Typklasse 16 in der Haftpflicht, 20 in der Teilkasko und 18 in der Vollkasko bleibt der Focus auch mit höheren Motorisierungen voll im Rahmen.

Drei Zylinder schieben sparsam an

Beide Ausstattungen starten mit dem 1.0-Liter-Dreizylinder-Ecoboost mit 125 PS. In 10,3 Sekunden ist der Focus damit auf Tempo 100 Kilometer pro Stunde, Tempo 198 km/h sind möglich. Darüber geht es mit dem 1.5-Liter-Dreizylinder-Ecoboost weiter, bei denen es mit 150 oder 182 PS flott zur Sache geht. In der stärksten Variante ist der Focus in 8,3 Sekunden auf 100 km/h und fährt 222 km/h Spitze – bei 5,7 Liter ECE-Normverbrauch. Subjektiv ist er allerdings nicht so kräftig, wie der Vorgänger mit 1.6 Litern Hubraum.

Als Diesel steht ein 1,5-Liter-Selbstzünder mit 95 beziehungsweise 120 PS oder eine 2,0-Liter Variante mit 150 PS zur Verfügung. Letzterer ist mit seinen beachtlichen 370 Newtonmetern für Langstreckenfahrer eine Option. Alle Motoren sind serienmäßig mit einem knackigen Sechsgang-Getriebe ausgestattet. Optional steht für alle Benziner und Diesel mit 120 und 150 PS die Achtgang-Automatik zur Wahl.


Fazit: Mehr Auto braucht es nicht

Insgesamt ist der neue Focus ein Auto, mit dem Ford viel bietet und wenig dafür verlangt. Das Fahrgefühl ist stabil bis agil, der Turnier bietet deutlich mehr Platz als zuvor und der Sitzkomfort für die hinteren Passagiere ist vorbildlich in dieser Klasse. Darüber hinaus bietet der Focus zum günstigen Preis einige Extras, die man sonst nur von Premiumherstellern kennt. Im Vignale-Paket gibt es außerdem monatlich eine kostenlose Fahrzeugwäsche und eine Aufbereitung bei jeder Inspektion dazu. Gerade beim Leasing ist das ein Weg, den Lack bis zur Rückgabe sauber zu halten – sofern man das will. Gründe genug gibt es jedenfalls, den neuen Focus Turnier zu haben. Es sei denn man wünscht sich alternative Antriebe, die gibt es im Focus nämlich nicht.

Technische Daten:

Ford Focus Turnier 1.0 Ecoboost Vignale

Motor: R3-Benziner, 998 ccm, Turbo, Direkteinspritzung

Leistung: 125 PS (92 kW) bei 6000 U/min

Maximales Drehmoment: 170 Newtonmeter bei 1400-1500 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 198 km/h

Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 10,3 Sek.

ECE-Durchschnittsverbrauch: 4,8 – 5,1 Liter

CO2-Emissionen: 108 - 115 g/km (Euro 6d-Temp)

Leergewicht: min. 1383 kg

Kofferraumvolumen: 575–1653 Liter

Max. Anhängelast: 1300 kg

Wartungsintervall: 24 Monate / 30.000 Kilometer

Basispreis: 24.201 Euro exkl. MwSt.

Ford Focus Turnier 1.5 Ecoboost ST-Line

Motor: R3-Benziner, 1498 ccm, Turbo, Direkteinspritzung

Leistung: 182 PS (134 kW) bei 6000 U/min

Maximales Drehmoment: 240 Newtonmeter bei 1600 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 222 km/h

Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,3 Sek.

ECE-Durchschnittsverbrauch: 5,7 Liter

CO2-Emissionen: 127 - 129 g/km (Euro 6d-Temp)

Leergewicht: min. 1408 kg

Kofferraumvolumen: 575–1653 Liter

Max. Anhängelast: 1700 kg

Wartungsintervall: 24 Monate / 30.000 Kilometer

Basispreis: 24.370 Euro exkl. MwSt.

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