Interview mit Gerhard Künne, VW Financial Services

Gerhard Künne: "Wir bieten ein Multifunktionstool für E-Mobilität"

Wie Volkswagen Financial Services mit einem Tool die Nutzung von E-Autos im Fuhrpark vereinfachen will, erklärt Gerhard Künne, Leiter Mobility Unit Volkswagen Financial Services im Gespräch mit bfp fuhrpark & management.

Obwohl sich Elektrofahrzeuge in der Zulassungsstatistik noch auf einem geringen Niveau bewegen, scheint ihr Markthochlauf nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Nicht nur Automobilhersteller richten ihr Produktportfolio gezielt daran aus, auch deren Finanzdienstleister beschäftigen sich mit der Frage, wie sie mit ihren Produkten die Elektromobilität mitgestalten können.

Die Volkswagen Financial Services sind mit mehr als 630.000 Tankkarten und mehr als, 1,3 Millionen Leasingverträgen in Deutschland einer der großen Marktakteure.

Die bfp fuhrpark & management Redaktion sprach mit Gerhard Künne, Leiter der Mobility Unit von Volkswagen Financial Services über den Markt für Elektromobilität, dessen Herausforderungen sowie die Charge&Fuel Card, die als kombinierte Lade- und Tankkarte die Nutzung von Elektrofahrzeugen vereinfachen soll.

bfp: Herr Künne, wann kommt der Durchbruch der Elektromobilität?

Künne: (lacht) Ich bin natürlich kein Hellseher. Aber man muss feststellen, dass Elektrofahrzeuge unter gewissen Umständen heute schon attraktiv sind. Viele Unternehmen, die auf E-Mobilität setzen sind überzeugt davon, dass sie etwas Gutes für die Umwelt tun. Da müssen sich nicht gleich immer die TCO rechnen.

Der Durchbruch wird mit der neuen Generation an E-Fahrzeugen kommen. Mit den Fortschritten in der Batterieentwicklung werden die Preise in den nächsten Jahren weiter fallen, die Reichweiten werden deutlich steigen und auch die Ladeinfrastruktur wird sich stetig weiterentwickeln.

bfp: Könnten Sie das noch etwas konkretisieren?

Künne: Die Reichweitenthematik ist nur ein "gefühltes Problem". In den meisten Fällen der Alltagsmobilität ist eine Reichweite von 200 Kilometern völlig ausreichend – zum Beispiel bei Pendlern oder im innerstädtischen Verkehr. Nichtsdestotrotz wird sich die Reichweite mit den neuen Fahrzeuggenerationen deutlich erhöhen, das heißt wir sprechen von 300 bis 500 Kilometern pro vollständig geladenem Fahrzeug.

Und für die Urlaubsfahrt bieten wir im Volkswagen Konzern zusätzlich bis zu 30 Tage im Jahr Ersatzmobilität mit einem herkömmlichen Verbrennungsfahrzeug an. Bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur hilft natürlich unsere Charge&Fuel Card…

bfp: …Ihre kombinierte Lade- und Tankkarte, die Sie bereits 2015 auf den Markt gebracht haben.

Künne: Ganz genau. Unser Ziel war es, ein ladesäulenbetreiberübergreifendes Authentifizierungs- und Abrechnungsmedium zu schaffen, das für unsere Kunden zum einen den Zugang zu Ladesäulen, aber auch die Abrechnung vereinfacht. Wir möchten, dass Strom laden genauso komfortabel wird, wie das Tanken an einer herkömmlichen Tankstelle.

bfp: Warum ist das Laden von E-Fahrzeugen noch nicht so komfortabel?

Künne: Als Fahrer von Elektrofahrzeugen oder Plug-In-Hybriden liegt die große Herausforderung in der Dezentralität unserer Ladeinfrastruktur. Das führt zum einen dazu, dass Sie – sofern Sie bundesweit an öffentlichen Ladestationen laden wollen – mehr als 40 Karten, Codes, Apps und so weiter bereithalten müssen.

Zum anderen rechnet jeder Anbieter zu unterschiedlichen Konditionen ab. Da fehlen die Transparenz und damit die Attraktivität für den Nutzer. Außerdem müssen Sie erst einmal eine freie Ladestation mit dem richtigen Stecker finden.

bfp: Inwiefern hilft die Charge&Fuel Card dabei dieses Problem zu lösen?

Künne: Der besondere USP unserer Lösung ist der einheitliche, bundesweite Strompreis. Um das zu erreichen, verhandeln wir bilateral mit den jeweiligen Betreibern der Ladestationen. Dieser Mehraufwand lohnt sich, weil wir dadurch dem Kunden ein transparentes Produkt inklusive einheitlicher, monatlicher Abrechnung anbieten können.

bfp: Wo stehen Sie aktuell mit Ihrer Lösung?

Künne: Zum Start der Charge&Fuel Card in 2015 hatten wir rund 2.500 Ladepunkte von drei Ladesäulenbetreibern im Angebot. Heute sprechen wir von rund 7.500 Ladepunkten von acht Betreibern deutschlandweit. Hinzu kommen noch rund 12.000 herkömmliche Tankstellen des UTA-Netzes. Sie sehen: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und investieren massiv in die Weiterentwicklung des Produkts.

bfp: Warum ausgerechnet noch herkömmliche Tankstellen. Reicht Laden nicht aus?

Künne: Fakt ist, dass wir die Karte nicht ausschließlich für Elektrofahrzeuge, sondern auch für Fahrer von Plug-In-Hybriden entwickelt haben. Und gerade diese Zielgruppe muss eben auch herkömmlichen Kraftstoff tanken.

Wir möchten mit unserer integrierten Lösung verhindern, dass der Fahrer von Hybrid-Fahrzeugen noch eine zweite Tankkarte in seinem Portemonnaie mitführen muss.

bfp: Wie ist die Abdeckung Ihrer Karte?

Künne: Eines vorweg: Wir wollen nicht jede einzelne Ladestation, die es in Deutschland gibt, an unsere Karte anbinden. Für uns zählt neben der Quantität vor allen Dingen auch die Qualität der Ladesäulen. Das ist auch ein weiterer USP.

Unseren eigenen Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland aktuell etwa 12.500 Ladepunkte. Mit den erwähnten 7.500 Ladepunkten der Charge&Fuel Card decken wir damit deutschlandweit schon rund 60 Prozent ab. Und es werden stetig mehr.

bfp: Sie haben das Thema Qualität erwähnt. Was meinen Sie damit?

Künne: Wir sind der Meinung, dass dem Fahrer eines E-Fahrzeugs oder Plug-In-Hybrids nicht damit geholfen ist, wenn er an eine Ladesäule kommt, die gerade besetzt ist oder womöglich nicht bei jeder Tag- und Nachtzeit öffentlich zugänglich ist.

Daher überprüfen wir jede Ladesäule vorab auf ihre Qualität im Hinblick auf ihren allgemeinen Zustand, ihre Zugänglichkeit sowie das Vorliegen korrekter Geodaten.

bfp: Welche Rolle spielt dabei die zugehörige App zu Ihrer Karte?

Künne: Die Charge&Fuel App ist eine Art Multifunktionstool, das wir unseren Kunden mit an die Hand geben. Zum einen zeigt die App alle verfügbaren Ladestationen sowie deren Belegungsstatus an. Außerdem sind Infos zum Steckertyp und zur Art der Ladesäule, sprich AC- oder DC-Laden, sowie Fotos hinterlegt.

Je nach Anbieter lässt sich mit der App auch der Ladevorgang starten und beenden. Und seit dem letzten App-Release kann man nun auch einzelne Ladepunkte als Favoriten markieren, was im Alltag sehr helfen kann.

bfp: Richtig emissionsfrei sind E-Fahrzeuge erst, wenn Sie mit Grünstrom geladen werden. Wie stellen Sie das sicher?

Künne: Der überwiegende Anteil des Stroms, der bei der Charge&Fuel Card angeschlossenen Ladesäulen kommt aus regenerativen Quellen – wir sprechen hier von nahezu 100 Prozent Ökostrom. Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Kooperationspartner uns das garantieren.

bfp: Spiegelt sich der Trend zur E-Mobilität auch in Ihrem Portfolio wider? Wie viele Charge&Fuel Cards haben Sie im Bestand?

Künne: Ende 2017 waren wir bei rund 6.400 Karten. Ich weiß, dass das im Verhältnis zu unserem Fahrzeugbestand und der Gesamtanzahl unserer Tankkarten äußerst gering wirkt. Wir befinden uns hier aber auch erst am Anfang der E-Mobilität.

Dennoch haben wir seit Beginn des Jahres bereits einen Zuwachs von rund 3.000 Karten, was verdeutlicht, dass das Business immer weiter Fahrt aufnimmt.

bfp: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen beim Aufbau der Ladeinfrastruktur?

Künne: Grundsätzlich muss Schluss sein mit dem Flickenteppich unterschiedlicher technischer Lösungen in der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Ladesäulenverordnung II, die regelt, dass nur noch Ladesäulen vom Bund gefördert werden, die bestimmte Qualitätsaspekte erfüllen.

Für Kommunen geht es darum, intelligente Ladesäulen aufzubauen, die per Internet angesteuert werden können. Dabei geht es auch um offene Schnittstellen zu den Ladekartenbetreibern und weiteren Partnern, zum Beispiel zu Roaming-Plattformen. Dies ermöglicht in der Konsequenz die Nutzung weiterer Ladesäulen für unsere Kunden.

bfp: Gibt es denn die Charge&Fuel Card nur in Deutschland?

Künne: Ja. Zurzeit schon. Wir arbeiten aber aktuell daran, die Karte auch international auszuweiten. Beispielsweise haben wir in Großbritannien einen Piloten gestartet. Im Rahmen dessen testen wir auch das Thema Blockchain.

Man muss allerdings bedenken, dass die einzelnen Märkte hinsichtlich der Ladeinfrastruktur unterschiedlich funktionieren. Das müssen wir uns genau anschauen.

bfp: Herr Künne, wir danken Ihnen für das Gespräch.

CNV

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