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Mehr als nur Ergonomie

Gesundheit im Auto: mehr als nur gute Sitze

Das Fahrzeug ist ein Arbeitsplatz – und der verdient genauso viel Aufmerksamkeit wie ein Schreibtisch. Das können Fuhrparkmanager tun.

Inhaltsverzeichnis

Von Sabie Neumann

Als Fuhrparkmanager ließe sich das Thema "Gesundheit am Arbeitsplatz Auto" mit dem Öffnen der Schublade "UVV-Prüfung" relativ einfach abhaken. In der Praxis erweist es sich aber als weitsichtig, auch alle anderen damit verbundenen Aspekte genauer zu beachten – und somit letztendlich zum Unternehmenserfolg beizutragen.

Erfolgreiches Fuhrparkmanagement zeichnet sich durch größtmögliche Effizienz aus. Wie hoch sind die Leasing- oder Anschaffungskosten? Was fällt an Spritkosten an? Wie können Touren effizienter geplant werden, um Zeit und Geld zu sparen?

Gesundheit im Auto: auf den Menschen kommt es an

Doch was helfen die Autos ohne die Personen hinter dem Steuer? Sie sind es, die die den Wagen als rollende Werkstatt nutzen oder damit im Außendienst unterwegs sind. Deren Gesundheit und die damit verbundene Leistungsfähigkeit entscheidet, wie sicher, aber auch motiviert und konzentriert sie von A nach B kommen.

Doch was ist Gesundheit eigentlich? Auf jeden Fall ist es nicht nur das Gegenteil von Krankheit. Die Bandbreite reicht von Schmerzfreiheit über mühelose Beweglichkeit bis hin zur Fitness, die notwendig ist, einen Marathon zu meistern.

WHO definiert den Begriff Gesundheit

So individuell jeder mit dem Thema umgeht, so offen ist auch die Definition der WHO (World Health Organization) des Begriffs:

"Gesundheit ist ein positiver funktioneller Gesamtzustand im Sinne eines dynamischen biopsychologischen Gleichgewichtszustandes, der erhalten beziehungsweise immer wieder hergestellt werden muss."

Gesundheit ist immer wieder anders und kann durch eine Reihe von Faktoren beeinflusst werden. Negativ ebenso wie positiv. Zahlreiche Möglichkeiten können dazu beitragen, gesundheitliche Risiken zu verringern. Es ist also kein Selbstläufer, permanent fit und leistungsfähig zu sein.

Hohe Belastungen am Steuer

Schon gar nicht am Steuer. Hier sind die Belastungen besonders hoch, da die einseitige Haltung, die kaum Spielraum und Variation zulässt, so gar nicht dem entspricht, was dem bewegungsliebendem Organismus „Mensch“ eigentlich guttut. Dazu kommen Belastungsfaktoren wie der Einfluss von Fliehkräften, permanente Beschallung durch Motor und Verkehr oder Schwingungen der Karosserie.

Und das in Zeiten, in denen sich die durchschnittliche Aufenthaltszeit im Auto durch zunehmenden Verkehr, viele Staus oder weite Fahrstrecken bis zum Arbeitsplatz immer mehr verlängert. Da verwundert es nicht, dass der Körper irgendwann mit entsprechenden Beschwerden reagiert.

Ausfall durch Krankheit: 12,4 Tage pro Jahr

Laut des DAK-Gesundheitsreports lag der Krankenstand im vergangenen Jahr allgemein bei 4,1 Prozent. Die Branche „Verkehr, Lagerei und Kurierdienste“ lag mit einem Wert von 4,8 Prozent nicht nur eindeutig über dem Durchschnitt aller Branchen, sondern nahm sogar den Spitzenplatz ein.

Hinter der eher abstrakten Prozentzahl verbirgt sich die Tatsache, dass von jedem zweiten Arbeitnehmer der Branche vergangenes Jahr eine Arbeitsunfähigkeitsmeldung vorlag und die Betroffenen im Durchschnitt 12,4 Tage im Betrieb fehlten.

Krankheit verursacht hohe Kosten

Die Kosten pro Tag lassen sich je nach Qualifizierungsgrad und Aufgabe mit mindestens 400 Euro ansetzen. Hochgerechnet auf die Krankheitsdauer sind schon das knapp 5.000 Euro, die das Unternehmen pro Mitarbeiter investieren muss.

Der Aufwand, einen Ersatz zu finden und einzuarbeiten ist in diese Kalkulation noch nicht eingerechnet. Ganz zu schweigen vom in Euro kaum zu beziffernden Ärger, weil ein Auftrag gar nicht oder nur unpünktlich erledigt werden konnte und der Kunde womöglich von weiteren Aufträgen absieht.

Wer ist für Kompensation zuständig?

Aber ist das nicht Sache der Personalabteilung? Oder des Vertriebs? Sicher auch, aber eben nicht nur – und das im ganz eigenen Interesse. Gehört beispielsweise die Tourenplanung mit zum Fuhrparkmanagement, dann wirft die jeder Personalausfall ziemlich durcheinander.

Noch mehr Aufwand fällt an, wenn ein Unfall dazu geführt hat, dass ein Kollege nicht zur Arbeit kommen kann. Dann schlagen sich Reparaturkosten, höhere Versicherungsbeiträge oder Mietausgaben für einen Ersatzwagen auf das Budget der eigenen Kostenstelle nieder.

Des Weiteren gibt es einen gesetzlichen Auftrag, sich um das Wohlbefinden der Kollegen zu kümmern. "Firmenfahrzeuge sind aus Sicht des Arbeitsschutzes Betriebsmittel des Arbeitgebers", sagt Rechtsanwältin Dr. Katja Löhr-Müller.

"Gleichgültig ob Nutzfahrzeug oder klassischer Dienstwagen, beide Nutzungstypen stellen ein Betriebsmittel dar, welches dem Arbeitnehmer zur Verrichtung seiner Tätigkeit zur Verfügung stellt wird. Das Fahrzeug wird damit zum Arbeitsplatz. Grundlage hierfür bildet Paragraph 2 Abs. 1 der Betriebssicherheitsverordnung. Danach zählen Maschinen zu den Arbeitsmitteln und damit eben auch ein Kraftfahrzeug im Rahmen der betrieblichen Nutzung", macht Löhr-Müller deutlich, dass es nicht ausreicht, nur ein sicheres Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen.

"Pflicht festgeschrieben, Mitarbeiter regelmäßig zu unterweisen"

Es sei die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit zu gewährleistet: "Im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) ist zudem die Pflicht festgeschrieben, Mitarbeiter regelmäßig zu unterweisen."

So schreibt denn auch Paragraph 12 ArbSchG ausdrücklich vor, dass der Arbeitgeber die Beschäftigten über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit während ihrer Arbeitszeit ausreichend und angemessen zu unterweisen hat. Die Unterweisung umfasst dabei Anweisungen und Erläuterungen, die eigens auf den Arbeitsplatz oder den Aufgabenbereich der Beschäftigten ausgerichtet sind (siehe dazu auch bfp 1fuhrpark & management 10/17).

Ergonomie ist wichtiger Faktor

In der Praxis heißt das, dass schon mit der Anschaffung der Fahrzeuge Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter genommen werden kann. Hier kommt die mittlerweile viel zitierte "Ergonomie" ins Spiel.

Dazu zählen sämtliche Faktoren, die sich in irgendeiner Form auf die Tätigkeit auswirken: der Arbeitsplatz an sich (das Auto), die Arbeitsabläufe (Gas geben, bremsen, kuppeln, Bedienung etc.), sowie die Umgebungsfaktoren wie Laufruhe, Vibration, Dämpfung oder Geräusche.

Ergonomie ist die Schnittstelle, die bestimmt, wie gut Mensch und Technik miteinander interagieren können. Durch sie wird erreicht, dass sich die Umwelt und die Umgebung an den Menschen anpasst und nicht umgekehrt.

Die Qualität der Ergonomie zeigt sich nicht nur dadurch, nach einer längeren Anreise noch frisch und motiviert auszusteigen, sondern auch, wie erfolgreich und konzentriert man beim Kunden arbeiten kann. Ablesen lässt sich das an einer geringeren Fehlerquote, effizienterer Arbeitsweise und zufriedenen Kunden.

Fahrzeug nach Konstitution des Mitarbeiters auswählen

Unter Kostenaspekten klingt der Vorschlag, bei der Wahl des Fahrzeugmodells die jeweilige Konstitution (Größe/Gewicht/Proportionen) des Mitarbeiters und eine Definition des Einsatzzwecks zu berücksichtigen, zunächst ungewöhnlich. Doch die möglicherweise höheren Investitionskosten können sich gemäß der oben efinierten Kennzahlen schnell relativieren.

Wenn ein groß gewachsener Mitarbeiter viele Autobahnkilometer im Jahr zurücklegt, dann geht das natürlich in einem Kompaktwagen. Dennoch ist auf Dauer die Anstrengung bei den Fahrten sicher höher und damit steigt auch die Gefahr von Sekundenschlaf oder einer verzögerten Reaktionsfähigkeit.

Die Folgekosten fangen den Aufpreis auf einen Mittelklassewagen meist ohne weiteres auf. Ähnliches gilt auch bei der Entscheidung für eine Automatik oder eines Tempomaten. Mit letzterem lässt sich zur Freude der Bandscheiben immer mal wieder die Position der Beine verändern.

Und während sich über einen leichten Ein- und Ausstieg heutzutage nicht nur ältere Vielfahrer freuen, gehört ein vielfach verstellbarer Sitz einfach in jede Car-Policy.

Mitarbeiter ausreichend schulen

Die beste Technik kann aber immer nur so gut sein, wie man sie auch nutzt. Und dazu muss man wissen, was es eigentlich alles an Einstellmöglichkeiten gibt und wie es für jeden passt.

Auch hier kann man als Fuhrparkmanager viel dazu beitragen. Entweder indem man sich selbst Zeit und Muße nimmt, mit dem Mitarbeiter alles durchzugehen oder indem man sich die Hilfe von Ergonomie- und Gesundheitsexperten ins Haus holt, die eine Schulung durchführen.

Sicher können auch Themen wie der Zusammenhang von Medikamenten auf die Fahrtüchtigkeit, der Einfluss einer übermäßigen Ausdehnung der Arbeitszeit mit frühem Aufstehen und spätem nach Hause fahren oder einfach nur die Wahl geeigneter Lebensmittel angesprochen werden. Das macht zwar mehr Arbeit als einfach nur die UVV-Schublade zu öffnen – zahlt sich aber langfristig sicher aus.

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