Trotz abfallender Dachlinie keine Platzprobleme im Juke.

bfp-Fahrtest

Individualistisch unterwegs im Nissan Juke

Der Nissan Juke ist der Individualist unter den kleinen SUVs. Unter der Haube werkelt immer ein Dreizylinder-Benziner. Wie schlägt er sich in der Praxis?

Inhaltsverzeichnis

Von Christian Frederik Merten

Er ist schon eine eigene Marke, der Nissan Juke. Im Reigen der B-SUVs, also der SUVs auf Kleinwagen-Plattformen, spielt der die Rolle des Individualisten. Seit 2010 macht der Juke der ersten Generation mit großen Kulleraugen von sich reden, auch die übrige Karosserie war mit ihrem stark abfallendem Dach eigenwillig gezeichnet. Die Sportversion Juke Nismo mit 218 PS setzte dem Ganzen die Krone auf.

Seit Ende 2019 steht der Juke Nummer zwei auch bei den deutschen Händlern. Eigenwillig gestaltet ist auch die neue Generation, die großen Rundscheinwerfer mit den darüber liegenden Blinkern bleiben eindeutiges Erkennungszeichen. Insgesamt ist der Juke aber deutlich mehr Mainstream als sein Vorgänger. Wie sich die Top-Version N-Design im Alltag schlägt, klärt bfp FUHRPARK & MANAGEMENT im Praxistest.

Große Auswahl hat der Juke-Kunde nicht. Anders als im Vorgänger steht nur eine einzige Motorisierung zur Wahl: ein genau ein Liter großer und 117 PS starker Dreizylinder-Benziner. Außer für die Basis-Ausstattung Visia gibt es alternativ zum Sechsgang-Handschalter gegen 1.429 Euro Aufpreis (alle Preise netto zzgl. USt.) allerdings ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, mit dem auch unser Test-Juke ausgestattet war. Er fuhr in der Top-Ausstattung N-Design auf unseren Hof.

Nissan Juke: Größer und praktischer

Auch die zweite Generation des Nissan Juke ist wieder ein Hingucker. Das eigenwillig gezeichnete Stadt-SUV bietet jetzt mehr Platz.
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Viel Platz für ein kleines SUV-Coupé

Wer im kleinen SUV von Nissan Platz nimmt, den erwartet eine wohnliche Atmosphäre. In Optik und Haptik entsprechen die Kunststoffe dem, was man in dieser Preisklasse erwarten kann, die Verarbeitungsqualität stimmt. Teile des Cockpits präsentieren sich nochmals gesondert mit Alcantara überzogen. An der Bedienung gibt es nichts zu meckern, nur die Tasten und Drehregler für die Klimatisierung liegen etwas tief. Einfach bedienbar und ablesbar ist auch der Acht-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole. Noch toller wäre es allerdings, er wäre etwas zum Fahrer geneigt. So wirkt es subjektiv, als drehe sich der Monitor vom Fahrer weg.

4,21 Meter lang ist der Nissan Juke, und dafür bietet er eine Menge Platz. Fahrer und Beifahrer haben hier sowieso nichts zu meckern, und auch die Hinterbänkler haben – angesichts der auch in Generation zwei coupéhaft nach hinten abfallenden Dachlinie – kaum Grund zur Klage. Der Kofferraum, ab Acenta mit variablem Boden ausgerüstet, fasst im Standardformat 422 Liter. Bei umgeklappter Rückbank sind es dann 1.088 Liter. Mit fast allen modernen Autos gemein hat auch der Juke die schlechte Übersichtlichkeit nach schräg hinten – sein Coupé-Heck behindert die Sicht aber ganz besonders stark.

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Nicht lahm, aber auch nicht dynamisch

Drücken wir den Startknopf und brechen auf zu unserer ersten Tour. Der Dreizylinder kann seine Bauart akustisch nicht verbergen, arbeitet aber auch nicht aufdringlich laut. Knapp 1,2 Tonnen wiegt das kleine SUV leer mindestens, seine 117 PS reichen in der Stadt, auf dem Land und zum vernünftigen Mitschwimmen auf der Autobahn. Mehr als das geht auf der Schnellstraße aber auch nicht wirklich. Denn so richtig dynamisch fühlt sich der Juke im Zusammenspiel mit dem etwas träge schaltenden Doppelkupplungsgetriebe nicht an, Spurts zum Überholen etwa entwickeln sich schnell mal zum Geduldsspiel. Aber: Wenn er erstmal läuft, der Nissan, dann läuft er. Trotzdem fragen wir uns, weshalb die Japaner auf ein zusätzliches stärkeres Aggregat verzichten.

Wir waren viel auf der Autobahn unterwegs mit dem Juke. Das kleine SUV ist straff gefedert, was aber vor allem auf schnellen und kurzen Bodenwellen spürbar ist: Sie federt der Juke ziemlich knackig ab. Was die Akustik angeht, sind Windgeräusche ungefähr ab Tempo 120 nicht zu überhören. Und last but least zum Verbrauch: 8,1 Liter Super je 100 Kilometer haben wir verbraucht. Angesichts der vielen Autobahn-Etappen ein akzeptabler Wert. Zumal unser Testverbrauch auf 6,9 Liter sank, sobald wir den Landstraßenanteil erhöhten.

Einfach mal den Handschalter Probe fahren

Für wen eignet sich der Juke also am besten? Wer ein modisches SUV für die Stadt und für den Landstraßeneinsatz sucht, der kann sich den Japaner getrost genauer anschauen. Wie gesagt, Auswahl in Sachen Motor besteht nicht, mehr oder weniger als 117 Benziner-PS sind nicht drin. Aus unseren Erfahrungen mit dem Doppelkupplungsgetriebe heraus würden wir außerdem empfehlen, den Handschalter zumindest einmal Probe zu fahren.

Schauen wir uns also die Ausstattungen einmal genauer an. Mit Visia, Acenta, N-Connecta, Tekna und N-Design stehen fünf Varianten zur Wahl. Ein fest eingebautes Navi darf es aus unserer Sicht schon sein. Damit fallen Visia und Acenta schon mal raus, denn für sie gibt es die Orientierungshilfe weder für Geld noch gute Worte. Für alle anderen Versionen gibt es die TomTom-Navigation System inklusive Verkehrsinformationssystem und Sprachsteuerung auch für Audio und Telefon für schlanke 328 Euro.

Wir wählen den Juke N-Connecta

Bleiben also noch N-Connecta, Tekna und N-Design. Wir greifen zum Juke N-Connecta. Warum? Schon aus den niedrigeren Ausstattungslinien bringt er unter anderem DAB-Radio, Bluetooth, Multifunktionslenkrad, Voll-LED-Licht, Acht-Zoll-Touchscreen, Rückfahrkamera, Spracherkennung und 17-Zoll- Leichtmetallräder mit. Auch ein Fernlicht-, Verkehrszeichen-, Notbrems- und aktiver Spurhalteassistent sind aus diesen Varianten schon an Bord. Im N-Connecta gibt es zusätzlich unter anderem schlüsselloses Schließen und Starten, eine Klimaautomatik, eine Mittelarmlehne vorn, die Einparkhilfe hinten sowie elektrisch einklappbare und beheizbare Außenspiegel.

19.740 Euro verlangt Nissan für den Juke N-Connecta als Handschalter, mit Doppelkupplungsgetriebe sind es 21.168 Euro. Viele Optionen haben die Käufer dann nicht mehr. Wir empfehlen auf jeden Fall das Winterpaket mit Sitzheitzung vorn Windschutzscheibenheizung (294 Euro). Ob man sich für das Technologiepaket entscheidet (Stau- und Lenkassistent, adaptiver Tempomat, Parksensoren vorn und hinten, Bewegungserkennung und Querverkehrswarner, Müdigkeitserkennung und Totwinkelassistent; 1.000 Euro), hängt vor allem davon ab, ob man den Juke häufig auf Langstrecken einsetzen möchte.

Der Nissan Juke DIG-T 117 7DCT N-Design in der Kurzkritik:

Plus:

  • Reichhaltige Serienausstattung
  • Optionen vergleichsweise günstig
  • Viele Assistenzsysteme

Minus:

  • Nur ein Motor
  • Sehr straffe Federung
  • Wenig dynamischer Antrieb

Technische Daten Nissan Juke DIG-T 117 7DCT N-Design:

  • Fünfsitziges, fünftüriges kleines SUV
  • Länge/Breite/Höhe in mm: 4.210/1.800/1.595 mm
  • Frontantrieb mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
  • Leistung: 86 kW (117 PS)
  • Max. Drehmoment: 180 Nm bei 1.750 – 4.000 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 11,1 s
  • Norm-Verbrauch: 5,1 l
  • Testverbrauch: 8,1 l (hoher Autobahn-Anteil)
  • CO2-Emission (Norm): 110 g/km
  • Kofferraumvolumen: 422 – 1088 l
  • Tankinhalt: 46 l
  • Zuladung: 543 kg
  • Schadstoffklasse: Euro 6d-Temp
  • Effizienzklasse: B
  • KH/VK/TK: 18/18/18

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