Foto: A.T.U.

Freie Werkstätten

"Jede Inspektion bei A.T.U nach Herstellervorgaben"

bfp fuhrpark & management sprach mit Thomas Tietje, Leiter Geschäftskunden bei A.T.U, über die Services, Corporate Carsharing und E-Mobilität.

Von Sabine Neumann

bfp fuhrpark & management: Eigentlich ist A.T.U als herstellerunabhängige, freie Werkstatt bekannt. Mittlerweile haben Sie ihr Portfolio aber auch in Sachen Fuhrparkmanagement erweitert. Wie sieht Ihr Angebot hier aus?

Thomas Tietje: In den vergangenen Jahren hat sich A.T.U immer weiter als Partner im Flottenmanagement etabliert. Neben dem klassischen Werkstatt-Angebot mit Wartung und Inspektion – natürlich nach Herstellervorgaben – Reifenmanagement und Glasreparatur bieten wir mittlerweile Dienstleitungen wie Führerscheinkontrolle oder die Abwicklung sämtlicher Aufgaben die im Rahmen der Unfallverhütungsvorschriften (UVV), anfallen.

Thema Schadenmanagement: Wir übernehmen bei einem Unfall ebenso wie bei Parkschäden die gesamte Abwicklung wie Schadensdokumentation, Kalkulation und, falls gewünscht, auch die Abrechnung mit der Versicherung.

bfp: Wen haben Fuhrparkmanager dabei als Ansprechpartner?

Tietje: Wir haben bundesweit verteilt 20 Außendienstmitarbeiter inklusive 5 Key Accounter, die die Fuhrparkkunden vor Ort beraten und betreuen. Die Dienstwagennutzer können an rund 600 Standorten die Leistungen abrufen.

bfp: Eines Ihrer jüngsten Produkte ist die so genannte „Proaktive Terminierung“. Was verbirgt sich dahinter und was bringt sie im Flottenmanagement?

Tietje: Gerade in saisonalen Stoßzeiten wie bei der Umbereifung kontaktieren wir die Kunden und vereinbaren gemäß eines vorher definierten Zeitfensters einen für sie passenden Termin.

Wartezeiten entfallen und die Aufträge werden pünktlich abgearbeitet. Schließlich ist es im Fuhrpark oberste Priorität, die Fahrzeuge wieder schnell auf der Straße zu haben.

bfp: Gibt es weitere Produkte in dieser Hinsicht?

Tietje: Zeitersparnis bringt auch die digitale Abwicklung bei der Auftragserweiterung. Wenn ein Fahrzeug zu uns beispielsweise wegen einer Bremsenreparatur kommt und dann festgestellt wird, dass noch weitere Maßnahmen notwendig sind, ermöglichen es elektronische Kostenvoranschläge, bei vorher festgelegten Parametern automatisiert eine Aufstellung des zu erwartenden Aufwands an den Auftraggeber zu senden.

Das macht eine Abwicklung für den verantwortlichen Fuhrparkmanager einfacher. Da diese Daten auch in der Fahrzeughistorie hinterlegt sind und alle Filialen auf das gleiche System zugreifen, hat der Dienstwagennutzer als auch die Werkstatt, egal wo bei A.T.U, die Wartungshistorie des Fahrzeugs im Zugriff.

bfp: Wie begegnen Sie Bedenken gegenüber freien Werkstätten?

Tietje: Dies ist eine ewige Mär, dass man bei einer Inspektion in der freien Werkstatt seine Garantieansprüche verliert. Grundsätzlich wird jede Inspektion bei A.T.U nach den Herstellervorgaben durchgeführt. Die Nachweise werden mittlerweile auch bei elektronischen Servicenachweisen auf die jeweiligen Plattformen der Hersteller hochgeladen.

Mit der Anschlussgarantie können wir zusätzlich Fuhrparkbetreuern jegliche Angst vor unerwarteten Kosten nach Ablauf der Garantiezeit des Herstellers nehmen.

Wenn die werksseitige Garantie beispielsweise nach zwei Jahren abläuft, wird das Fahrzeug meist ja noch immer genutzt. Den Zeitraum bis zur Rückgabe an den Leasinggeber oder einer eventuellen Vermarktung können wir über die Anschlussgarantie absichern. Sie deckt alle wesentlichen Fahrzeugbaugruppen gemäß ZDK-Standard ab.

Unter Berücksichtigung einer Selbstbeteiligung von 150 Euro werden 100 Prozent der versicherten Material- und Lohnkosten erstattet. Damit bieten wir Fuhrparks natürlich ein großes Stück Planungs- und Kostensicherheit.

bfp: Verzeichnen Sie einen Zuwachs bei Flottenkunden?

Tietje: Ja, seit Jahren. Im Vergleich zu Vertragswerkstätten haben wir den großen Vorteil, sämtliche Marken abzudecken. In vielen Fuhrparks ist mehr als nur eine Marke vertreten. Dazu kommt, dass wir ein flächendeckendes Netz haben, mit dem ein Fahrzeugnutzer in ganz Deutschland zu einer A.T.U-Werkstatt fahren kann. Und das bei absoluter Preissicherheit und mit Zugang zum kompletten Portfolio an Leistungen.

Es gibt immer mehr Fuhrparkverantwortliche, die das zu schätzen wissen, nicht mehr mit jeder einzelnen Vertragswerkstatt über Rabatte und die gewünschte Dienstleistung zu diskutieren und zu verhandeln.

bfp: Was plant A.T.U in Zukunft?

Tietje: Der Fuhrpark gehört in fast jedem Unternehmen zu den Top 5 Kostenblöcken. Ein großer Kostenanteil geht in die Beschaffung der Fahrzeuge. Wir überlegen, die Fuhrparkverantwortlichen dabei zu unterstützen, weniger Fahrzeuge zu benötigen, in dem die Standzeiten der Autos reduziert werden.

Hier sehen wir den Ansatz in den diversen Corporate Car Sharing-Modellen, die sich bereits am Markt etablieren. Sprich, ein Dienstwagen wird von mehreren Mitarbeitern genutzt. Das führt in eine neue Art der Kostenbetrachtung: weniger Fahrzeuge, höhere Auslastung.

Mit den heutigen Technologien, wie den Zugangsmöglichkeiten zu einem Fahrzeug, unabhängig von einer Schlüsselausgabe, oder einer individuellen Abrechnung der Nutzung, bieten sich da viele Möglichkeiten. Wir prüfen unter anderem, ob wir derartige Lösungen in die Fahrzeuge einbauen und dazu passende Konzepte anbieten können. Damit schaffen wir Mehrwert für die Fuhrparkkunden.

bfp: Inwieweit spielt Ihnen der Ausbau der Digitalisierung in die Karten?

Tietje: Schon heute gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie Fahrzeuge direkt mit der Werkstatt kommunizieren. Die Hersteller oder deren Handelspartner wissen ja deutlich mehr über den Betrieb des Fahrzeugs als vielen bewusst ist.

Bisher haben aber eben auch nur die OEMs Zugriff auf diese Daten. Die Frage ist aber, wem gehören diese Daten? Nur dem Hersteller – oder dem Kunden? Wir hoffen sehr, dass es auf diese Frage bald eine klare Antwort aus Brüssel geben wird.

Wir sind dabei, ein eigenes Telematikangebot zu entwickeln. Dies kann unabhängig von allen Herstellervorgaben in jedes Fahrzeug integriert werden. Neben klassischen Tools arbeiten wir an der Integration dynamischer Wartungsintervalle. Dies kann beispielsweise helfen, das Fahrzeug rechtzeitig für eine Wartung zu terminieren.

Die gewonnen Fahrzeugdaten gehen dann digital und zentral an den Fuhrparkmanager, der über ein Dashboard den "Gesundheitszustand" seiner Flotte sehen kann. So werden Prozesse innerhalb des Fuhrparks deutlich effizienter und Standzeiten optimiert. Wir arbeiten derzeit in einer Pilotphase an diversen "Use Cases", die wir anschließend zur Marktreife bringen wollen.

bfp: Wie sind Sie bei Elektromobilität aufgestellt?

Tietje: Elektromobilität beschäftigt uns bereits seit der Einführung der ersten Hybridfahrzeuge. A.T.U. ist also sehr gut vorbereitet. Mittlerweile arbeiten etwa 1.200 Hochvoltmechaniker Stufe 2 in unseren Werkstätten. Diese Mechaniker dürfen an spannungsfrei geschalteten Hochvoltsystemen arbeiten und Wartungen an Hybrid- und Elektrofahrzeugen gemäß Herstellervorschrift durchführen.

Des Weiteren haben wir seit letztem Jahr eine Filiale mit einem Hochvoltarbeitsplatz und einer Wallbox ausgestattet. Zusammen mit unserem Partner Allego sorgen wir für Ladeinfrastruktur. So haben wir seit Anfang diesen Jahres bereits an 19 Filial-Standorten Ladestationen errichtet.

Bis Ende 2018 werden wir etwa 50 Standorte mit Ladestationen ausgestattet haben. Wir sehen uns auch als Vorreiter, die Verbreitung der E-Mobilität zu unterstützen. Denn dass sie in Zukunft eine wesentliche Rolle auf dem Mobilitätssektor spielen wird, steht außer Zweifel. Bis sie sich durchsetzt, wird es meiner Ansicht nach allerdings länger dauern als erwartet.

bfp: Das klingt danach, dass Sie eigentlich in jedwedem Bereich des Fuhrparkmanagements gut aufgestellt sind. Gibt es dennoch Pläne für Kooperationen?

Tietje (lacht): Nun ja, das Finanzwesen fehlt uns noch in unserem Portfolio. Spaß beiseite, wir arbeiten mittlerweile mit nahezu allen in Deutschland ansässigen Leasinggesellschaften zusammen. Vor allem aber natürlich mit jenen, die vorrangig Non-captive-Fuhrparks betreuen und ein großes Interesse haben, möglichst günstige Leasingraten anzubieten.

Bei unseren laufenden Aktivitäten zur Erweiterung unseres Angebots entwickeln wir keineswegs alles selbst. Beispielsweise nutzen wir im Bereich Telematik mit "Xee" die technische Lösung eines Schwesterunternehmens in der Mobivia-Gruppe.

bfp: Was liegt bei A.T.U. noch an?

Tietje: Es berührt den Fuhrpark zwar nur partiell, aber dieses Jahr steht auch unter dem Stern der Shop-Umgestaltung. Schon jetzt verfügt jede dritte Filiale über ein deutlich erweitertes Sortiment. Die restlichen Filialen folgen schrittweise im Rahmen eines Umbauplans.

Für jeden Autofahrer-Bedarf stehen dann zahlreiche weitere Artikel und Produktalternativen in unterschiedlichen Preisklassen für unsere Kunden zur Verfügung. So können beispielsweise auch Fuhrparks neben den eigentlichen Werkstattdienstleistungen von umfassenden Sortimenten rund um die Mobilität profitieren.

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