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Foto: Dennis Gauert
Modernisiert und mit klugen Ideen umgesetzt: Der Renault Kangoo Rapid bietet dank seiner Durchlademöglichkeit und entfallender B-Säule mehr Möglichkeiten zum Beladen.

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Kangoo Rapid: Kleintransporter mit viel Offenheit

Handlich und übersichtlich: Mit der Transportervariante des Renault Kangoo lassen sich auch schwere Tage in der Innenstadt leicht hinter sich bringen.

Beim Design des Kangoo Rapid hat die französisch-japanische Nutzfahrzeugallianz eine schicke und wenig aufdringliche Linie gefunden, die den Kleintransporter modern und ganz wie einen Renault erscheinen lassen. Im Innenraum greifen die Franzosen außerdem auf kluge Lösungen zurück – wie etwa ein ausziehbares Handschuhfach oder die Möglichkeit, ihn ohne B-Säule zu bestellen. Dann öffnen die seitliche Schiebetür und die Beifahrertür gemeinsam ein großes Portal zum Einladen.

Auf den Beifahrersitz kann im Kompakt-Transporter nach Bedarf zugunsten länglicher und sperriger Gegenstände verzichtet werden. Ihn klappt man einfach ebenerdig herunter und klappt die Variotrennwand an die Mittelkonsole, schon entstehen 3,9 Kubikmeter Ladevolumen (sonst 3,3 Kubikmeter). Dann lassen sich auch Gegenstände mit bis zu 3,05 Metern Länge in den Renault Kangoo verfrachten. Mit 390 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.) ist der Preis für die „Open Sesame“ genannte Option fair gewählt. Beim Paketdienst und Handwerkerservice rennen die Franzosen damit wohl nicht nur sprichwörtlich offene Türen ein. Dass die Akustik auf den Sitzen durch die nur vergitterte Trennwand hinter dem Beifahrersitz durch Laderaumgeräusche gestört wird, muss dann natürlich in Kauf genommen werden.

Jetzt mit zwei Namen: Renault Kangoo und Express

Der neue Renault Kangoo Rapid steht in den Startlöchern. Der Einstieg heißt jetzt Express, die Elektrovariante des Stadttransporters kommt 2022.
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Kompakte Maße, bequeme Sitze

Von den Abmessungen her ist der Kangoo Rapid L1 ganz der Städter: Mit 4,49 Metern Länge und einer Fahrzeughöhe von gut 1,86 Metern eckt er weder im Parkhaus, noch auf der engen Parkfläche an. Zwischen maximal 505 und 741 Kilogramm darf er aufnehmen, was in den Laderaum hinein passt. Eine längere L2-Version mit dann 2,23 Metern statt 1,81 Metern Ladelänge vergrößert den Einsatzbereich. Das Ladevolumen steigert sich auf 4,2 beziehungsweise 4,9 Kubikmeter. Zusammen mit der Beladefreundlichkeit ergibt sich ein breites Einsatzfeld für den Franzosen.

Der Innenraum des Stadt-Transporters präsentiert sich im modernisierten Renault-Design und macht einen robusten Eindruck. Die beheizbaren Sitze mit verstellbarer Lendenstütze sind bequem, bieten aber nur mäßigen Seitenhalt. Das Lenkrad ist in Tiefe und Höhe manuell verstellbar, die Sitze in vier Dimensionen („Komfort-Paket Plus“ inklusive Mittelarmlehne: 640 Euro). Zusammen mit dem kurz gehaltenen Schaltgetriebe in der Mittelkonsole ergibt sich ein lauschiger Arbeitsplatz am Volant. Einzig die Lautstärkeregelung über einen Multifunktionsschalter rechts am Lenkstock ist längst überholt. Solche Tasten dürfen auf dem Lenkrad Platz nehmen. Besonders dann, wenn selbst luxuriösere Funktionen wie die Bedienung des Bordcomputers darauf bedacht wurden.

Ansonsten verrichten Easy-Link-Infotainment und Bordcomputer einen guten Dienst, auch das Audiosystem reicht zur Beschallung der kleinen Fahrgastzelle vollkommen aus. Die Bedienung nur über Touch-Bedienfelder ist je nach Branche mehr oder weniger sinnvoll. Mit sandigen Fingern möchte niemand ein Display berühren. Etwas irritierend macht sich auch der digitale Innenspiegel bemerkbar, der sich im Blickwinkel sehr von dem der Rückfahrkamera im Display des Infotainmentsystems unterscheidet. Beim Einparken verschluckt der Innenspiegel einen ganzen Smart, der eigentlich noch gute fünf Meter entfernt steht.

Der TCe 100 FAP ist zu durstig

Auf dem Fahrersitz macht sich die 100-PS-Variante des Benziners in Verbindung mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe im Stadtverkehr gut. Für schweres Gepäck stehen noch eine 130-PS-Benziner-Variante sowie drei Selbstzünder von 75 bis 115 PS zur Verfügung. Im Fall des kleinsten Benziners reicht es im Test für eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h und 12 Sekunden für den Sprint von null auf Tempo 100 km/h. Das geht in Ordnung.

Nicht ganz so gütig zeigt sich das Maschinchen trotz sechs Gängen im Verbrauch: acht Liter dürfen es schon sein. Hier schneidet die Benziner-Variante des Caddy mit 6,5 Litern deutlich besser ab. Auch der Combo ist weniger durstig. Es liegt die Vermutung nahe, dass sich aus dem 130-PS-Modell des Kangoo Rapid ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis beim Verbrauch ergibt, da dieser mit mehr Drehmoment aufwartet und demnach weniger hohe Drehzahlen benötigt um den leer mindesten 1400 Kilogramm schweren Kleintransporter nach vorn zu bugsieren. Wer viel fährt und sparen will, greift ohnehin zum Selbstzünder.

Renault schließt zu PSA auf

Mit hilfreichen Sicherheitsoptionen elektronischer Art macht Renault auch den Konfigurator des Kangoo Rapid interessant. Automatisch ist eine Berganfahrhilfe an Bord, eine Anhängerstabilitätskontrolle ist optional erhältlich. Um das Vorankommen auf rutschigem Untergrund zu erleichtern, kann die Baubranche eine elektronische Antriebsmomentverteilung „Extended Grip“ mitbestellen. Auch eine Unterbodenplatte ist für solche Fälle erhältlich. Annehmlichkeiten wie automatisches Fernlicht sind bei Renault kein Fremdwort, ebenso wie ein Autobahn-, Toter-Winkel- und Stauassistent sowie aktive und passive Sicherheitsfunktionen. Damit schließt der neue Kangoo Rapid zum aktuellen Opel Combo beziehungsweise Peugeot Partner auf.

Fazit: Der Kangoo Rapid ist ein Transporter zum günstigen Preis (los geht es ab 17.450 Euro), der mit dem TCe 100 FAP bestückt wenig spritzig, dafür aber ziemlich durstig ist. Möglicherweise bietet die 130-PS-Variante des Benziners beim Verbrauch sogar mehr fürs Geld. In puncto Fahrverhalten macht der Renault eine gute Figur, erreicht aber nicht den Fahrkomfort des VW Caddy oder die Agilität des Opel Combo. Die vorhandene Durchlademöglichkeit und die entfallende B-Säule mit der größten Ladeöffnung im Segment sind hilfreiche Lösungen im Alltag.

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Durch die Verbindung von Fahrgastzelle und Laderaum sind im Kangoo Rapid längliche Gegenstände oder gar verschiebbare Einbauten für den Service kein Problem.
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Alltagstaugliche Moderne: Mit Tasten und Reglern statt berührungsempfindlicher Oberflächen fährt es sich im Arbeitsalltag simpel und sorglos. Große Klassensprünge wie beim VW Caddy bleiben aus.
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Big Box: Immerhin 3,3 bis 3,9 Kubikmeter bietet bereits die L1-Variante, die L2 erhöht das Ladevolumen um einen Kubikmeter.
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Am Heck des Franzosen ist Beständigkeit zu erkennen. Mit viel Fantasie steckt sogar etwas R4 in ihm.
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Nah am Laderaum: Durch das Trenngitter wird die Raumakustik blechern.
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Alles im Blick: Auf dem Dach ersetzt eine Kamera den Rückspiegel.
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Zu durstig für den Sprint: Im Test zeigt sich mit acht Litern ein etwas zu hoher Verbrauch des TCe 100 FAP. 
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Seriös modernisiert: Der neue Renault Kangoo Rapid löst seinen knubbeligen Vorgänger ab.
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Insgesamt macht der Kangoo im Test eine guter Figur. Mit 17.450 Euro ist er recht günstig zu bekommen und kann, was ein Kleintransporter können muss. Dazu stellt sein „Open Sesame“ an der Seite eine einzigartige Zusatzausstattung mit hohem Nutzwert dar.

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