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Der Kia EV6 fällt mit seinen 4,68 Meter Länge und 1,55 Meter Höhe, seiner coupéartiger Dachform und seinem einmaligen Heck auf.
Foto: Clemens Noll-Velten
Der Kia EV6 fällt mit seinen 4,68 Meter Länge und 1,55 Meter Höhe, seiner coupéartiger Dachform und seinem einmaligen Heck auf.

bfp-Test

Kia EV 6: Viel E-Auto für wenig Geld?

Der vollelektrische Kia EV 6 verspricht schnelles Laden, große Reichweite und Oberklasseausstattung in der Mittelklasse. Unser Praxistest zeigt, ob er hält, was er verspricht.

Mit dem Ioniq 5 startete Hyundai die neue Elektrooffensive des Koreanischen Autoherstellers. Kurze Zeit später präsentierte die Konzernschwester Kia mit dem Kia EV 6 ein technisch weitgehend baugleiches Modell. Wie der Ioniq 5 basiert auch der EV 6 auf der konzerneigenen Plattform E-GMP (Electric-Global Modular Plattform). Während die technische Plattform mit der besonderen Systemarchitektur im Ioniq 5 und im EV 6 identisch ist – beide arbeiten mit 800 Volt, statt der in E-Autos üblichen 400 Volt - unterscheiden sich die Konzernbrüder optisch deutlich. Im Vergleich zum Ioniq 5, der auffällig kantig gezeichnet ist und dessen viele Sicken ins Auge fallen, gibt sich der 4,68 Meter lange und 1,55 Meter hohe Kia EV 6 sanfter, aber nicht langweilig. Im Gegenteil: Für das Auge haben die Kia Designer einige Hingucker entwickelt. An der Fahrzeugfront wurde das Kia-typische „Tigergesicht“ weiterentwickelt. Eine sogenannte Charakterlinie, die das Profil optisch verlängert, läuft unten an den Türen entlang und schwenkt dann nach oben zu den hinteren Radläufen. Am auffälligsten ist das Heck mit seinem flügelartigen Dachspoiler, an dessen beiden Autoseiten bei Dunkelheit eine Lichtquelle die Seiten illuminiert und die einzigartige Rücklichteinheit. Selten, dass wir so oft auf ein Testfahrzeug von Passanten angesprochen wurden, die häufig den EV 6 keiner bekannten Automarke zuordnen konnten. Das mag auch daran liegen, dass Kia bei dem EV 6 auch das stilisierte neue Markenlogo verwendet, an das man sich gewöhnen muss.

Kia EV 6: Innenraum und Ergonomie

In den Innenraum des coupéhaften Crossover gelangen die Passagiere über vier Türen, die sich mit flächenbündigen und gegen Aufpreis (ab P1 - Air-Paket: 2.269 Euro; alle im Text genannten Preise netto zzgl. USt.) automatisch ausfahrbaren Griffen öffnen lassen. Trotz seiner kompakten äußeren Dimensionen verfügt der EV6 aufgrund seines Radstands von 2,90 Metern über ein ähnliches Raumangebot wie ein Mittelkasse-SUV. Der Innenraum bietet also reichlich Platz, auch für größere Menschen und Gepäck. Der kompakte Kofferraum mit stabilen Zurr-Ösen fasst gute 490 bis 1.300 Liter, dazu kommen 50 Liter im Frunk unter der Fronthaube. Alle Modellversionen mit der 77,4-kWh-Batterie sind zudem für eine Anhängelast von bis zu 1.600 Kilogramm ausgelegt. Der EV6 mit 58-kWh-Akku kann Anhänger mit einem Gewicht von bis zu 750 Kilogramm ziehen. In allen Bereichen wirkt das Interieur hochwertig und die verwendeten Materialien wirken strapazierfähig mit angenehmer Haptik. Laut Kia wurde beim EV 6 ein besonderer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Das zeigt sich bei den veganen Sitzbezügen in Leder- oder Wildlederoptik, den Stoffen und Teppichen aus recyceltem Kunststoff, dessen verwendete Menge 111 Halbliter-Plastikwasserflaschen entsprechen soll.Fahrer und Beifahrer sitzen auf bequemem, vielfältig einstellbarem Gestühl mit viel Kopf- und Schulterfreiheit. Die gefühlte Luftigkeit wird optisch auch durch die „schwebende“ Mittelkonsole unterstützt. Das Raumangebot im Fond ist durch den coupéartigen Dachverlauf für bis zu 1,80 Meter große Mitfahrer noch befriedigend. Die Rückbank, deren Lehne sich in zwei Teilen umlegen lässt, ist aufgrund des verbauten Akkus höher und große Passagiere haben keine ordentliche Oberschenkelauflage. Das kann bei längeren Fahrten anstrengend werden.

Kia EV 6: Umfangreiche Sicherheits- und Infotainmentausstattung schon ab der Basis

Eines der auffälligsten Elemente im Innenraum ist ein gewölbtes Panoramadisplay, das den Touchscreen des Navigationssystems und als zweiten Bildschirm das volldigitale Kombiinstrument beinhaltet (beides serienmäßig). Alle Bedienelemente sind ergonomisch angebracht und lassen sich gut steuern. Die Funktionen, die mit den Tasten, Drehstellern und virtuellen Tasten aufgerufen werden können, sind eindeutig. Besonders gut gefiel die klar gezeichnete mittige Bedienkonsole, die per Tastendruck entweder die Steuerung für die Klimaanlage oder das Infotainmentsystem anzeigt. In der Grundausstattung ist der Kia EV6 bereits serienmäßig mit einem Navigationssystem inklusive DAB+ Radio, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und -Audiostreaming sowie Apple CarPlay und Android Auto ausgestattet. Serienmäßig bringt der EV 6 bereits eine umfangreiche aktive Sicherheitsausstattung mit. Dazu gehören unter anderem ein Notbremssystem samt Kollisionswarner, eine adaptive Geschwindigkeitsregelung mit automatischer Geschwindigkeitsanpassung und ein Lenkassistent. Auch ein Kreuzungsassistent, eine Verkehrszeichenerkennung sowie ein Müdigkeitswarner sind immer an Bord. Ein Totwinkelwarner, dessen Kamerabild im Cockpit angezeigt wird, arbeitet zudem mit Radarsensoren in der Heckschürze. Damit kann er zudem den Querverkehr beim Rückwärtsfahren erkennen sowie vor dem Aussteigen die Passagiere warnen. Sinnvolle Ergänzungen können in aufpreispflichtigen Ausstattungspaketen geordert werden. Sie beinhalten ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktion, Matrix-LED-Licht oder 360-Grad-Kamera. Empfehlenswert ist die in kalten Jahreszeiten sinnvolle Wärmepumpe (Aufpreis 840 Euro).

Das kostet der Kia EV 6

Den EV6 bietet Kia mit den Batteriegrößen 58 und 77,4 kWh an. Wir testeten die größere der beiden Varianten mit 77,4 kWh und mit Allradantrieb. In der Basis hat der EV6 170 PS und Heckantrieb und kostet ab 37.807 Euro. Für 3.361 Euro mehr gibt es den EV 6 mit Hinterradantrieb, großem Akku und 229 PS. Kombiniert mit Allradantrieb erreicht er 325 PS und ist zu einem Preis von 44.445 Euro zu haben. Wer den EV 6 mit Allrad, 77,4 kWh Batterie, 325 PS und das GT-line Paket wählt (5.042 Euro), u.a. mit adaptiven LED-Scheinwerfern, elektrischer Heckklappe, beheizten Rücksitzen, sowie für 840 Euro die reichweitenverlängernde Wärmepumpe ordert, erhält zum Gesamtpreis von 42.848 Euro fast schon ein Elektroauto der Luxusklasse. Zumal davon noch knapp 8.000 Euro Innovationsprämie abgezogen werden können. Weitere Varianten des EV 6 bietet Kia über Optionspakete mit jeweiligem Paket-Preis an. Das BAFA berücksichtigt für seine Liste förderfähiger E-Autos ausschließlich den Einstiegspreis der Basisvariante, trotzdem werden auch die Varianten mit Optionspaketen berücksichtigt. Fuhrparkmanager dürfen mit Betriebskosten von 51,76 Cent pro Kilometer rechnen.

Test-Reichweite und Test-Verbrauch des Kia EV 6

Auf dem Papier verspricht Kia bis zu 484 Kilometer Reichweite mit einer Akkuladung und der 77,4-kWh-Batterie und Allradantrieb, bei einem kombinierten Stromverbrauch pro 100 km von 18 kWh. Die versprochene Reichweite konnten wir allerdings auch bei diesem Modell nicht annähernd erreichen. Selbst wenn wir den Verlockungen des Kia EV 6 mit seinen 325 PS, 605 Newtonmetern und Allradantrieb nicht ständig nachgaben, sondern vorausschauend fuhren und auch auf der Autobahn weit unter den 185 km/h Höchstgeschwindigkeit blieben, kamen wir bei unserem Test im Winter auf maximal echte 320 Kilometer. Der Durchschnittverbrauch von fast 24 kW/h ist unerwartet hoch. Und das, obwohl im Kia EV 6 eine intelligente Rekuperation werkelt. Diese kann beim Verzögern des Fahrzeugs kinetische Energie zurückgewinnen, um die Reichweite und Effizienz des EV6 zu maximieren. Die Elektronik regelt in Abhängigkeit von Abstand, Tempo, Topografie und Streckenbeschilderung die maximale Effizienz und lässt den Wagen entweder ausrollen oder bremst ihn elektrisch ab. Das serienmäßige System lässt sich bequem über Schaltwippen am Lenkrad bedienen, wobei der Fahrer, je nach gewünschtem Niveau der Energierückgewinnung, zwischen sechs Einstellungen wählen kann (abgeschaltet / Level 1, 2, 3 / „i-PEDAL“ / Auto-Modus). Die maximale Energieausbeute wird im „i-PEDAL“-Modus erzielt, mit dem sich das Fahrzeug sanft zum Stillstand bringen lässt, ohne das Bremspedal zu betätigen (one-Pedal-Drive). Der Kia EV 6 lässt sich ohne zusätzliche Komponenten oder Adapter an 800- und 400-Volt-Ladestationen anschließen. Um den Stromspeicher von zehn auf 80 Prozent aufzuladen, brauchte der Kia in unserem Test rund 25 Minuten. In dieser Zeit lässt sich immerhin eine Reichweite von rund 370 Kilometern nachladen. Das ist auch im Vergleich zu anderen E-Autos nicht schlecht. Kia arbeitet aktuell noch an einem Software-Update, das ein Vorheizen der Batterie bei einer Ladestation als Zielpunkt im Navigationssystem ermöglicht.

So fährt der Kia EV 6

Der Kia EV6 bietet viel Fahrspaß. Je nach Laune lassen sich drei Fahrmodi von Eco bis Sport vorwählen. Die Lenkung ist präzise und bietet eine gute Rückmeldung. Positiv ist auch der gute Geradeauslauf, aufgrund des langen Radstands, aufgefallen. Auf unserer Teststrecke durch das Rhein-Main-Gebiet fühlte sich der EV 6 sowohl im Stadt-, Land und Autobahnverkehr wohl. Allerdings nervte der pienzige Spurhalteassistent, der gerade bei Autobahnfahrten, trotz mittiger Fahrt in der Spur, schon bei wenigen Zentimetern Abweichung aktiv meckerte. Das Fahrwerk ist relativ straff abgestimmt, dennoch kann der Federungskomfort als befriedigend bezeichnet werden.

Fazit:

Der Kia EV6 ist ein sehr gut gemachtes Auto. Ausstattung und Verarbeitung überzeugen und lassen keine Wünsche offen. Kostenbewusste Fuhrparkmanager freuen sich über den EV6 in der Basisversion, mit reinem Heckantrieb, bescheideneren 170 PS und weniger Ausstattung ab 37.806 Euro, hier liegt der Realpreis nach Abzug der Prämie bei 29.806 Euro. Ein gutes Elektroauto hat man dann immer noch.

Kia EV6: Für das Auge haben die Kia Designer einige Hingucker entwickelt. An der Fahrzeugfront wurde das Kia-typische „Tigergesicht“ weiterentwickelt. Eine sogenannte Charakterlinie, die das Profil optisch verlängert, läuft unten an den Türen entlang und schwenkt dann nach oben zu den hinteren Radläufen.
Kia EV6: Am auffälligsten ist das Heck mit seinem flügelartigen Dachspoiler, an dessen beiden Autoseiten bei Dunkelheit eine Lichtquelle die Seiten illuminiert und die einzigartige Rücklichteinheit.
In den Innenraum des coupéhaften Crossover Kia EV 6 gelangen die Passagiere über vier Türen, die sich mit flächenbündigen und gegen Aufpreis (ab P1 - Air-Paket: 2.269 Euro; alle im Text genannten Preise netto zzgl. USt.) automatisch ausfahrbaren Griffen öffnen lassen.
Trotz seiner kompakten äußeren Dimensionen verfügt der EV6 aufgrund seines Radstands von 2,90 Metern über ein ähnliches Raumangebot wie ein Mittelkasse-SUV. Der Innenraum bietet also reichlich Platz, auch für größere Menschen und Gepäck.
Kia EV6: Die gefühlte Luftigkeit wird optisch auch durch die „schwebende“ Mittelkonsole unterstützt.
Kia EV6: Eines der auffälligsten Elemente im Innenraum ist ein gewölbtes Panoramadisplay, das den Touchscreen des Navigationssystems und als zweiten Bildschirm das volldigitale Kombiinstrument beinhaltet (beides serienmäßig).
Kia EV6: Alle Bedienelemente sind ergonomisch angebracht und lassen sich gut steuern. Die Funktionen, die mit den Tasten, Drehstellern und virtuellen Tasten aufgerufen werden können, sind eindeutig.
Kia EV6: Sinnvolle Ergänzungen können in aufpreispflichtigen Ausstattungspaketen geordert werden. Sie beinhalten ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktion, Matrix-LED-Licht oder 360-Grad-Kamera. Empfehlenswert ist die in kalten Jahreszeiten sinnvolle Wärmepumpe (Aufpreis 840 Euro).
Kia EV6: Die Funktionen, die mit den Tasten, Drehstellern und virtuellen Tasten aufgerufen werden können, sind eindeutig. Besonders gut gefiel die klar gezeichnete mittige Bedienkonsole, die per Tastendruck entweder die Steuerung für die Klimaanlage oder das Infotainmentsystem anzeigt.
Kia EV6: Der kompakte Kofferraum mit stabilen Zurr-Ösen fasst gute 490 bis 1.300 Liter
Der Kia EV 6 lässt sich ohne zusätzliche Komponenten oder Adapter an 800- und 400-Volt-Ladestationen anschließen. Um den Stromspeicher von zehn auf 80 Prozent aufzuladen, brauchte der Kia in unserem Test rund 25 Minuten.
Kia EV6: Der Frunk unter der Motorhaube…
… fasst 50 Liter.
Schöne optische Details , wie hier am Heck, machen den Kia EV 6 zu einem Hingucker.
Kia EV6: Am auffälligsten ist das Heck mit seinem flügelartigen Dachspoiler, an dessen beiden Autoseiten bei Dunkelheit eine Lichtquelle die Seiten illuminiert und die einzigartige Rücklichteinheit. Selten.

Betriebskosten Kia EV6 77,4 kWh AWD GT-Line

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