Mit seinen LED-Lichtleisten und dem großen Kühler ist Kias neuestes Kompakt-SUV Sportage ein prägnanter Auftritt.
Foto: Christian Frederik Merten
Mit seinen LED-Lichtleisten und dem großen Kühler ist Kias neuestes Kompakt-SUV Sportage ein prägnanter Auftritt.

bfp-Fahrtest

Kia Sportage: Wild, aber solide

Das Außendesign des neuen Kia Sportage polarisiert auf den ersten Blick. Im Kern aber ist das koreanische Kompakt-SUV ein souveräner Allrounder.

Ob Golf bei VW oder Corolla bei Toyota: Traditionsnamen sind an der Tagesordnung in der automobilen Welt. Auch bei Kia gibt es einen Namen, der jahrzehntelang bekannt ist: Sportage. Seit 1994 hören Kias Kompakt-SUVs auf diesen Namen, die fünfte und aktuelle Generation des Sportage fährt seit Ende 2021 auf europäischen Straßen. Dass sich das Kompakt-SUV seit seiner Premiere stark verändert hat, liegt schon optisch auf der Hand. Was der aktuelle Sportage mit Spitzen-Benziner, Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb in der Top-Ausstattung GT-Line kann, haben wir für Sie getestet.

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Der erste Eindruck: Kompakt-SUV auf individuell

Der Kia Sportage fällt auf. Vorn kommt das Kompakt-SUVs mit Tagfahr-LEDs in Form dreieckiger Linien, die sich aus den Kotflügeln in den großen Grill ziehen. Gefüllt sind die Dreiecke mit Hauptscheinwerfern und Blinkern. Die Seite wirkt mit ansteigender Fensterlinie und breiter C-Säule sehr dynamisch, aber deutlich konventioneller. Am Heck wird´s dann wieder prägnanter: Wellenförmige Rückleuchten mit bogenförmigem Leuchtenband und die flächig-schwarze Blende an Schürze und Heckklappe sorgen für Eigenständigkeit. Aber: In sich wirkt das Design des Kia Sportage harmonisch, satt steht das Kompakt-SUV auf der Straße. Besonders schick: Die optionale Zweifarblackierung (nur in der GT-Line, 252 bis 773 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.).

Innere Werte: Richtig viel Platz im Kia Sportage

4,52 Meter lang ist die Europa-Version des Kia Sportage, und dafür gibt es eine Menge Platz. Vorn wie hinten sitzt es sich kommod, viel Knieraum selbst für 1,80-Meter-Menschen. Auch der Kofferraum des Kompakt-SUVs zeigt sich mit 562 bis 1.751 Litern Ladekapazität im Mildhybrid großzügig (Basis-Benziner: 591 bis 1.780 Liter; Diesel: 526 bis 1.715 Liter; Plug-in-Hybrid: 540 bis 1.725 Liter). Beladen lässt er sich einfach über eine niedrige Ladekante.

Serie ab der zweithöchsten Ausstattung Spirit und damit auch in der GT-Line ist im Kia Sportage ein zum Fahrer gewölbtes Display mit 12,3-Zoll-Digitalinstrumenten und ebenso großem Touchscreen. Der Sportage ist einfach bedienbar, toll ist die schon aus anderen Kia-Modellen bekannten Wechsel-Menüleiste unter dem Touchscreen, über die man wechselweise die ersten Infotainment-Ebenen oder die Klimatisierung ansteuert. Apropos Mittelkonsole: Hier sitzen auch das Drehrad für die Wahl der Fahrstufe sowie die Tasten für Sitzheizung und -lüftung.

Grundsätzlich macht der Sportage-Innenraum einen soliden Eindruck. An der Verarbeitung gibt´s nichts zu meckern, an den Materialien teilweise schon. Mittelkonsole oder Türverkleidungen hinterlassen stellenweise keinen wertigen Eindruck.

Auf der Straße: Allrad zieht auch im Sportage Benzin

Der Kia Sportage ist ein solides Alltags-SUV. Er liegt satt, komfortabel und ausreichend straff auf der Straße. Zusammen mit der guten Lenkabstimmung ergibt sich ein souveränes Fahrgefühl. Mit 180 PS ist man zügig unterwegs, ein Sportler ist der Sportage – seinem Namen zum Trotz – aber nicht. Hier kommt der Allradantrieb ins Spiel, denn mit 1.648 bis 1.797 Kilogramm Leergewicht ist der Benziner mit Allradantrieb Allradantrieb das drittschwerste Modell in der Sportage-Palette. Auch beim Verbrauch macht sich der Allradantrieb bemerkbar, wir sind unseren Test-Sportage trotz regelmäßigen Gleitens im Segelmodus des Mildhybrids mit 9,8 Litern pro 100 Kilometer gefahren. Ja, ein starker Autobahn-Anteil war dabei, aber auch ein gutes Stück Landstraßenfahrt.

Sehr gut gefallen haben uns wieder die Totwinkel-Videos im digitalen Kombiinstrument, die sich jeweils beim Blinken zuschalten und einen tollen Überblick nicht nur auf die Nebenspur der Autobahn, sondern auch auf Radwege in der Stadt geben. Sie gibt es im Sportage im Drive-Wise-Park-Plus-Paket für 1.168 Euro und gleichen auch die nicht ganz optimale Sicht nach schräg hinten durch die breite C-Säule wieder aus. Ansonsten fielen uns das etwas ruckelige Anfahrverhalten im Start-Stopp-Modus und die nicht immer zuverlässige Arbeit des adaptiven LED-Lichts auf. Zwar schnitt es entgegenkommende Fahrzeuge immer sofort aus dem Fernlichtkegel aus. Autos, die in weiterer Entfernung vor uns fuhren, jedoch nicht. Und auch Ortseingangsschilder veranlassten das System nicht dazu, abzublenden.

Unser Kia Sportage: Frontantrieb, Doppelkupplung, Linie Spirit

Der von uns getestete Kia Sportage 1.6 T-GDI 48V AWD 7DCT GT-Line ist der Spitzen-Benziner in der Palette des Kompakt-SUVs und rollt ab 38.227 Euro zum Kunden. Aber natürlich geht’s noch günstiger. Die Benziner starten mit 150 PS, Frontantrieb, Handschaltung und ohne Mildhybrid ab 23.353 Euro, und zwar wie alle Kia mit sieben Jahren Garantie. Der Diesel, immer mit 136 PS und Mildhybrid-Unterstützung, steht ab 25.580 Euro in der Preisliste. Die Mildhybrid-Benziner stehen mit 150 oder 180 PS ab 27.807 beziehungsweise 33.605 Euro in der Preisliste, wobei der stärkere von beiden immer mit Doppelkupplungsgetriebe kommt. Und auch einen Plug-in-Hybrid bietet Kia für den Sportage an, ihn gibt es ab 37.303 Euro, womit er voll förderfähig ist.

Aber welchen Sportage nehmen? Wir sind Automatik-Fans und empfehlen deshalb das Doppelkupplungsgetriebe, das auch im Sportage gute Arbeit leistet. Auf den Allradantrieb verzichten wir. Für die meisten Fahrprofile sollte der Vorderradantrieb völlig ausreichen, was sich auch positiv auf den Spritverbrauch auswirken dürfte. Bedeutet für den Diesel mindestens 31.042 Euro, für den 150-PS-Benziner, dann auch mit Mildhybrid-Support, geht’s ab 29.487 Euro los. Serienmäßig kommen die Mildhybrid-Benziner schon als Vision, also eine Stufe über der Basis. Wer 180 Benziner-PS mit Frontantrieb möchte, startet ab 33.605 Euro, dann allerdings schon in der zweithöchsten Linie Spirit. Und der Plug-in-Hybrid kommt sowieso immer mit Sechsgang-Automatik.

Wer Diesel oder 150-PS-Benziner in der von uns favorisierten Konfiguration bevorzugt, hat die Wahl zwischen den Linien Vision und Spirit, für den Benziner mit 180 PS gibt es optional noch die Topvariante GT-Line. Und im Plug-in-Hybrid lassen sich Spirit und GT-Line als Ausstattungspakete dazubuchen. Welche Linie aber ist empfehlenswert?

Was die Serienausstattung betrifft, wäre man im Diesel und den 150-PS-Benziner mit dem Vision schon bestens bedient. Navi, Zweizonen-Klimaautomatik, Lenkradheizung, Sitzheizung vorn und hinten außen, Parksensoren vorn und hinten – alles schon zusätzlich zur Basis dabei. Allerdings: Das Drive-Wise-Park-Plus-Paket mit vielen nützlichen Assistenten und den Totwinkel-Videos im Cockpit liefert Kia für 1.168 Euro nur für den Spirit (Serien-Linie für den 180 Benziner-PS, sonst plus 3.361 Euro zum Vision bzw. 3.109 Euro im Plug-in-Hybrid). Der ist deshalb unsere Empfehlung für alle, die ihr Auto gern mit vielen Assistenten bestücken. Und hat angenehme Dinge wie das adaptive LED-Fernlicht, die elektrische Heckklappe, Smartphone-Induktionsladen, das große Display oder schlüssellosen Start gleich mit an Bord. Viele Gimmicks der GT-Line dagegen sind zwar nett, so wirklich braucht man sie aber nicht. Nur Freunde farblich abgesetzter Dächer kommen um die Spitzen-Linie nicht herum.

Fazit: Solides Kompakt-SUV

Der Kia Sportage zeigt Charakter. Bei allem Design-Individualismus ist er aber ein modernes, solides und vor allem praxistaugliches Kompakt-SUV. Finger weg vom Allrad, wenn man ihn nicht wirklich braucht – er treibt nur den Verbrauch.

Kia Sportage 1.6 T-GDI 48V AWD 7DCT GT-Line in der Kurzkritik:

Plus:

  • Viel Platz
  • Harmonische von Fahrwerk und Lenkung
  • Langer Garantie-Zeitraum

Minus:

  • Allradantrieb treibt Verbrauch
  • Nicht immer zuverlässiges adaptives LED-Fernlicht
  • Ruckiges Anfahrverhalten mit Start-Stopp-System

Technische Daten Kia Sportage 1.6 T-GDI 48V AWD 7DCT GT-Line:

  • Fünftüriges, fünfsitziges Kompakt-SUV
  • Länge/Breite/Höhe: 4.515/1.865/1.650 mm
  • Antrieb: Allradantrieb mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
  • Motor: Reihenvierzylinder-Turbo-Benzinmotor, 48-Volt-Mildhybrid-System
  • Leistung: 132 kW (180 PS)
  • Max. Drehmoment Verbrennungsmotor: 265 Nm bei 1.500 – 4.500 U/min
  • Höchstgeschwindigkeit: 201 km/h
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 9,0 s
  • Norm-Verbrauch (WLTP): 7,1 l
  • Testverbrauch: 9,8 l
  • CO2-Emission (WLTP): 162 g/km
  • Kofferraumvolumen: 562 – 1.751 l
  • Tankinhalt: 54 l
  • Zuladung: 562 kg
  • Schadstoffklasse: Euro 6d
  • Effizienzklasse: A
  • KH/VK/TK: 18/20/21
  • Grundpreis Testwagen netto: 38.227 Euro
  • Stand: April 2022

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