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Neue Modelle auf dem Markt

Kompakt-SUVs werden immer stärker

SUVs boomen. Gleichzeitig steigt die durchschnittliche Motorleistung. Und jetzt werden 300 PS starke GTI-SUVs massentauglich und salonfähig.

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Von Thomas Wüsten, AutoAmbition

Was ist Marktzwang? Ganz einfach, wenn Hersteller Autos bauen, die der Markt verlangt, von denen allerdings Kostenbewusste und Umweltschützer sagen, dass sie "kein Mensch braucht. Zu hoch, zu schwer, zu durstig". Die Rede ist von SUVs, genauer gesagt von Kompakt- und City-SUVs.

Etwa jeder dritte verkaufte Neuwagen ist nach Zählung des KBA (Kraftfahrt-Bundesamt) ein SUV. Und es sieht nicht so aus, als ob der Anteil bald sinken würde. Im Gegenteil, Jürgen Stackmann, VW-Vertriebsvorstand, geht davon aus, dass 2025 jeder zweite verkaufte VW ein SUV ist. Das ist dann zwar schlecht für das Einhalten der EU-CO2-Grenzwerte, aber gut fürs Geschäft. Wegen der CO2-Werte braucht man dann eben die richtige Anzahl Elektroautos, um die hochbeinigen und verbrauchsintensiveren SUVs zu kompensieren.

Pkw werden immer stärker – der Durchschnitt liegt über 150 PS

Der nächste Markttrend läuft ebenfalls der Schadstoffreduzierung entgegen. Es handelt sich um den Anstieg der durchschnittlichen Motorleistung pro Pkw. 2017 leistete jeder Neuwagen im Schnitt 152 PS. Vor zehn Jahren waren es noch 130 PS und vor 30 Jahren rund 100 PS. "Auto-Professor" Ferdinand Dudenhöffer erklärt, dass der durchschnittliche Neuwagen mittlerweile mehr PS habe, als der stärkste Porsche in den sechziger Jahren. Dudenhöffer sieht besonders die SUVs und Stadtgeländewagen als Grund für das Leistungswachstum an. Der PS-Schnitt bei SUVs läge bereits bei rund 170 PS und diese Fahrzeuggattung ist nun mal ein stark wachsendes Segment (s.o.).

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Sportliche Kompaktklasse-Modelle reichen bis 300 PS

Jetzt leben wir glücklicherweise in einem freien Land und wer sich 300 PS leisten kann, der darf sich auch ein Auto mit 300 PS kaufen, oder eben leasen. So viele Pferdestärken gibt es sogar schon in der Kompaktklasse. Der Volkssportler Golf GTI verfügt über 230 PS und der noch heißere Golf R kommt auf 300 PS (Basispreis 44.405 Euro). Punkt.

Mit dem VW T-Roc R, dem Seat Cupra Ateca und dem Audi SQ2 (alle drei exakt 300 PS stark) rollt nun eine neue Fahrzeug-Spezies auf uns zu: Die der SUV-GTIs. SQ2 und Cupra Ateca sind bereits im Handel, der T-Roc R folgt im Herbst. Ein genauer Blick auf die stark motorisierten Allradler lohnt sich auf jeden Fall. Denn im User-Chooser-Fuhrpark markieren sie so etwas wie die Top-Liga des Kompaktsegments, quasi die sportlichen Traumwagen in der hochgelegten Golf-Klasse.

Jetzt kommen drei Kompakt-SUVs mit 300 PS – wow!

Die drei SUV-GTIs von VW, Seat und Audi sind jedoch nicht die Segment-Begründer. Den Anfang machte Audi schon 2013 mit seinem RS Q3 und 310 PS aus dem charismatischen 2,5-Liter-Fünfzylinder. Im Sommer 2015 startete Mercedes seinen GLA 45 AMG mit 360 PS und etwa zeitgleich hob Audi den RS Q3 auf 340 PS Spitzenleistung an. Insgesamt konnte Audi rund 8.000 Exemplare des RS Q3 verkaufen, über 60 Prozent der Kunden entschieden sich für das Spitzenmodell RS Q3 performance.

BMW vervollständigte sein X1-Programm ebenfalls schon 2013 mit dem xDrive35i, der aus einem 3,0-Liter-Sechszylinder genau 306 PS lässig auf den Asphalt brannte. Zurzeit gibt es für den RS Q3 keinen Nachfolger und der 45 AMG wurde wegen des A-Klasse Modellwechsels aus dem Programm gestrichen. BMW bietet seinen aktuellen X1 nur noch mit maximal 2,0-Liter Hubraum und vier Zylindern an. Die Top-Motorisierung heißt xDrive25i und kommt lediglich auf "bescheidene" 231 PS.

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Einen Audi Q2 als RS-Modell mag man sich gar nicht vorstellen

Bei Audi hat die Baureihen-Krönung mittels S- oder RS-Modell bereits Tradition. Der neue SQ2 nutzt den aufgeladenen 2,0-Liter-Vierzylinder, der bereits in etlichen Konzern-Modellen zum Einsatz kommt (Golf GTI und R, Seat Leon Cupra und Skoda Octavia RS). In der 300-PS-Variante im Q2 fällt das maximale Drehmoment von 400 Newtonmeter bereits ab 2.000/min an. Ein Siebengang-DKG bringt die Leistung via variablem quattro-Antrieb an alle vier Räder.

Für 0-100 km/h nennt Audi 4,8 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h abgeregelt. Der Normverbrauch liegt bei 8,8 l/100 km (199 g CO2/km) und das Leergewicht bei 1.585 kg. Der Gepäckraum schluckt 355 bis maximal 1.000 Liter. Nicht schlecht für ein Kompaktmodell mit einer Länge von 4,21 Meter (Breite 1.802 mm, Höhe 1.495 mm, Radstand 2.594 mm). Der Grundpreis beträgt 44.500 Euro.

Der Cupra Ateca lockt solvente Kunden zu Seat

Der Cupra Ateca ist das erste Modell der neuen, sportlichen Submarke von Seat, deshalb heißt er auch nicht Seat. Mit einer Länge von 4,38 Meter (Breite 1.841 mm, Höhe 1.611 mm, Radstand 2.631 mm) liegt er in allen Abmessungen leicht über dem Audi SQ2, obwohl er die selbe technische Basis nutzt. Auch der Antrieb samt 7-Gang-DSG ist identisch.

Das Leergewicht liegt mit 1.615 Kilo geringfügig über dem des Audi. Mit 0 auf 100 km/h in 5,2 Sekunden und einer Spitze von 247 km/h bleiben die Fahrwerte marginal zurück. Der Norm-Verbrauch nach WLTP beträgt 8,9 l/100 km (201 g CO2/km). Der Gepäckraum fasst 485 bis maximal 1.579 Liter und übertrifft so den knapper geschnittenen Audi deutlich. Damit kann der Ateca auch als Reisemobil für vier Personen und Gepäck dienen, im Audi stößt man dabei an die Kapazitätsgrenze.

Der Cupra Ateca kostet 42.850 Euro und ist damit längst kein Schnäppchen. Er lockt besonders sportliche und solvente Kunden ins Seat Autohaus. Die werden dann schnell erkennen, dass bereits die Basisausstattung mit Klimaautomatik, virtuellem Cockpit, Voll-LED-Scheinwerfern und Top-View- sowie Rückfahrkamera sehr komplett und hochwertig ausfällt. Auch ein Parkassistent sowie Front-Assist mit Notbremsfunktion und 19-Zoll-Leichtmetallräder sind serienmäßig an Bord. Keine Frage, der Cupra Ateca macht Appetit.

Die Vertriebsleute bei Seat Deutschland rechnen in diesem Jahr mit rund 4.500 verkauften Cupra Ateca. Das heißt, dass rund 20 bis 25 Prozent aller Ateca von der sportlichen Submarke Cupra kommen.

Übrigens: Anfang 2020 kommt das nächste Cupra Modell, dann jedoch als SUV-Coupé mit einer eigenständigen Karosserieform, von der es erst mal keine "zivile" Seat-Version geben soll. Die Rede ist vom Cupra Formentor, der bereits als seriennahe Studie präsentiert wurde.

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Der VW T-Roc R soll junge Käufer zu dem Halb-SUV locken

Der VW T-Roc R, der im Herbst in den Handel gehen wird, kommt ebenfalls mit 300 PS und 400 Nm Drehmoment. Motor und Fahrwerk kennen wir bereits von SQ2 und Cupra. Lediglich die Feinabstimmung und Details machen einen Unterschied. Die Fahrleistungen sind beinah identisch mit denen des kleineren Audi SQ2. VW kündigt verschiedene Fahrprogramme an – die haben auch die Konzern-Wettbewerber. Sogar ein "Race Modus" soll eine besonders sportliche Fahrweise möglich machen.

Der "höher gelegte" Golf kommt mit einer Länge von 4,23 Meter (Breite 1.819 mm, Höhe 1.573 mm, Radstand 2.590 mm), er rollt serienmäßig auf 18-Zoll-Alufelgen.

Auch ohne R-Variante ist der T-Roc für VW bereits ein Erfolg. Der "höher gelegte" Golf wurde seit November 2017 bereits über 200.000 Mal verkauft. VW bezeichnet ihn nicht als SUV sondern als Crossover in der Kompaktklasse.

Der Range Rover Evoque mit 300 PS ist deutlich schwerer

Auch der neue 4,37 Meter lange Range Rover Evoque in der zweiten Generation kommt als P300 AWD mit 300 PS (Verkaufsstart Anfang April). Wie die neuen SUV-GTIs aus dem VW Konzern holt er die Spitzenleistung samt 400 Nm Drehmoment aus einem Zweiliter-Benziner.

Doch während die VW-Drillinge knapp unter 1.600 Kilo wiegen, kommt der elegant designte Brite auf 1.925 Kilo, uff. Das bremst das Temperament und treibt den Verbrauch in die Höhe. Mit seinem stattlichen Preis von knapp 60.000 Euro verlässt er zudem unübersehbar die Spielwiese von Audi SQ2 und Cupra.

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Volvo hält sich vornehm zurück

Der Volvo XC40, der mit einer Länge von 4,43 Meter ebenfalls noch zu den Kompakt-SUV gehört, hält sich in Sachen Pferdestärken etwas zurück. Das Topmodell T5 AWD bietet eine Spitzenleistung von 247 PS und ein Drehmoment von 350 Nm. Das reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h. Aber nicht mehr lange, denn Volvo-Chef Hakan Samuelsson hat ja bereits angekündigt, dass ab 2020 alle Volvo auf Tempo 180 begrenzt sein werden – aus Sicherheitsgründen. Der T5 AWD wiegt 1.772 Kilo und kostet samt serienmäßiger Achtgang-Automatik 47.250 Euro.

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