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Wenn Flexibilität gefragt ist

Langzeitmiete: Der Lückenfüller

Die Langzeitmiete kann auf eine lange Liste von Vorteilen bauen. Sie schließt die Lücke zwischen Kurzzeitmiete und Leasing. Doch die Flexibilität hat natürlich ihren Preis.

Inhaltsverzeichnis

Von Alfons Wolf

Flexibilität ist das Stichwort bei der Langzeitmiete. Auf die Spitze treibt dies Sixt mit einer ungewöhnlichen Konstruktion der Langzeitmiete: Die Mietwagen-Flatrate SIXT unlimited ermöglicht Kunden, gegen eine feste monatliche Gebühr jederzeit ein Fahrzeug einer gewünschten Klasse in ganz Europa anzumieten. Muster-Vielreisender Ryan Bingham alias George Clooney aus dem Kino-Erfolg "Up in the Air" wäre sicherlich Kunde geworden.

Die meisten Umsätze an Verkehrsknotenpunkten

Aber weg von Produkt-Kleinod, hin zum Gesamt-Markt: Die deutschen Autovermieter machen mit einem Fuhrpark von 238.000 Fahrzeugen einen stattlichen Umsatz von 17,73 Milliarden Euro. Zu den grundlegenden Arithmetiken gehört, dass die Netzwerke an den Verkehrsknotenpunkten, wie beispielsweise Flughäfen, ausgerichtet sind und bis auf einige wenige spezialisierte Anbieter (zum Beispiel Sonderfahrzeuge, Unfallersatz) alle großen Anbieter einen Gutteil Ihrer Umsätze dort erwirtschaften.

Das Preismodell als Mischung einer Zeitkomponente, einer Kilometerkomponente und verschiedener Zusatzkomponenten wie auch die enge Beziehung zu den Autoherstellern sind für den Markt kennzeichnend. Die Platzhirsche weltweit sind nach Markenwert Enterprise und Hertz gefolgt von Avis, Budget und Europcar. In Deutschland fährt Sixt auf der Pole Position.

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Anteil der Firmenkunden sinkt

Wie in vielen Märkten wandelt sich unter einem zunehmenden Wettbewerbsdruck die deutsche Anbieterlandschaft vom Flickenteppich zum Oligopol. Der deutsche Markt ist besonders vom B2B-Bereich geprägt, Langzeitmiete im Fuhrpark ist also ein geläufiges Thema. Aber trotz boomender Wirtschaft ist eine relative Abnahme der Geschäftsreisenden in der Autovermietung zu verzeichnen.

Bei Sixt sank der Anteil der Firmenkunden zugunsten der Privatkunden kontinuierlich von 50 Prozent im Jahr 2010 bis heute auf 31 Prozent. Auch bei Europcar geben die Geschäftskunden acht Prozentpunkte an die Privatkunden ab.

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Vorteile der Langzeitmiete

Die maximale Flexibilität ist das wichtigste Argument für einen Mietwagen. Dies betrifft nicht nur die zeitliche Dauer der Buchung, sondern auch die zur Verfügung stehende Palette an unterschiedlichen Fahrzeugtypen. Außerdem bedeutet Autovermietung für die Unternehmen auch immer Outsourcing: So sparen sie sich beispielsweise den Aufwand für Wartung und Service.

Besonders vorteilhaft sind die Mietwagen im Vergleich für Unternehmen mit geringem bis mittlerem Mobilitätsbedarf. Dieter Jacobs - Geschäftsleitung Fuhrparkmanagement der LeasePlan Deutschland – grenzt die unterschiedlichen Fuhrparkprodukte zunächst grundlegend voneinander ab: "Der wesentliche Unterschied zwischen Leasing und Miete besteht darin, dass der Leasingnehmer alle Rechte, Pflichten und Risiken hat, die bei der Miete der Autovermieter trägt."

"Abdeckung eines temporären Spitzenbedarfs"

Aber wo kann und sollte der Fuhrparkmanager über die Autovermietung als Alternative nachdenken? "Typische Anwendungsfälle sind die Abdeckung eines temporären Spitzenbedarfs, zum Beispiel wenn der eigene Pool ausgelastet ist, oder der Bestand vorhandener Poolfahrzeuge reduziert werden soll, da er nicht wirtschaftlich ausgelastet ist“, weiß Niels Rathsmann, Director of Sales und Mitglied der Geschäftsleitung von Enterprise in Deutschland.

Einige weitere bedeutende Vorteile kann er hinzufügen: Im Falle eines Unfalls muss sich der Kunde nicht um eine Hochstufung der Versicherungsprozente sorgen. Außerdem gibt es im Gegensatz zur geschäftlichen Nutzung privater Pkw keine Kilometergeldrückerstattung und keinen zusätzlichen Verwaltungsaufwand.

Henning Schick – Director European Sales bei ARI Fleet – verdeutlicht den Nutzen an einigen konkreten Fällen: "Beispielsweise weiß ein Startup nicht unbedingt, ob es in einem Jahr noch existiert. Ein Unternehmen will E-Mobilität erst einmal testen, bevor es sich langfristig dafür entscheidet. Oder aber ein neu aufgebautes Vertriebsteam soll sich erst einmal über drei Monate bewähren."

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Kurze Vorlaufzeiten

Dies sind Situationen, in denen eine Langzeitmiete sinnvoll sein kann. Geeignete Kandidaten für das Modell Langzeitmiete sind etwa auch Mitarbeiter*innen in der Probezeit, mit befristeten Verträgen, in der Projektarbeit oder bei Auslandseinsätzen (Expat). Gerade die kurzen Vorlaufzeiten der Autovermietung sind da hilfreich. Auch für Unternehmen in der Umstrukturierung oder mit saisonal stark schwankender Auftragslage ist Langzeitmiete eine attraktive Option.

"Ob und wann sich Langzeitmiete lohnt, hängt zum einen von der Dauer des Mobilitätsbedarfs und zum anderen von der Anforderung an die Individualität des Fahrzeugs ab", fasst Christian Schüßler, Commercial Director bei Arval Deutschland, zusammen.

Lutz Gäbel, Leiter akf Langzeitmiete, ergänzt: "Wenn der Kunde darauf Wert legt, immer das neueste und komfortabelste Modell zu fahren, kann das Fahrzeug gewechselt werden, sobald der Langzeitmietvertrag erneuert wird. Ob die Alternative im Winter einen SUV zu fahren und anschließend im Sommer einen Sportwagen, bleibt dem jeweiligen Kunden freigestellt." Die Autovermietungen sind aber nicht nur flexibel bei der Fahrzeugauswahl, auch liegt das durchschnittliche Alter der Flotten unter sechs Monaten.

Auf die Individualität des Bedarfs weist Rathsmann von Enterprise hin: "Von den weiter oben angeführten konkreten Beispielen für typische Einsatzsituationen von Langzeitmiete abgesehen, hängt der optimale Einsatz von Langzeitmiete von zahlreichen Faktoren ab, wie zum Beispiel der Fuhrparkgröße, der tatsächliche Auslastung der Flotte etc."

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Anteil von 10 bis 25 Prozent empfohlen

Im modernen Fuhrparkportfolio wird - so Gäbel von akf - je nach Unternehmen und Branche ein Anteil von Langzeitmietwagen zwischen 10 und 25 Prozent empfohlen, um auf kurzfristige Marktschwankungen reagieren zu können.

Henning Schick von ARI Fleet sieht aber nicht nur Positives bei der Langzeitmiete: "Die Vorteile einer Langzeitmiete, etwa mehr Flexibilität und administrative Vereinfachung, erkauft man sich in der Regel durch höhere Kosten. 'All-inclusive' klingt zwar gut, rechnet sich aber schlecht." Daher kann die Langzeitmiete nicht in jeder Situation empfohlen werden.

Unterschiede zwischen Pkw und Transportern

Erfahrungsgemäß stellen Kunden extrem individuelle Anforderungen an die Ausstattung eines Transporters, bei denen oft spezielle Ein- oder Aufbauten erforderlich sind. Es findet sich kaum ein Vermieter, der ein Fahrzeug für ein womöglich nur kurzes Geschäft aufwendig umrüstet.

Stefan Bühner von Buchbinder berichtet von seinen Erfahrungen im Kundenservice: "Langzeitmieten orientieren sich häufig zum Beispiel an Dienstwagenrichtlinien, während bei Transportern häufig zum Beispiel Nutzlasten und Laderaummaße im Vordergrund stehen."

Bei den Nutzfahrzeugen ist die Haltedauer auch meist länger als bei Pkw: Die Fahrzeuge befinden sich typischerweise bis zu drei Jahre in den Flotten der Vermieter.

Integration in den Mobilitätsmix

Das autonome Fahren könnte auch für die Autovermietungen eine disruptive Wirkung entfalten, deren Ergebnisse wenig vorhersagbar sind. In den Strategiezentralen denkt man nun angesichts vieler neuer Entwicklungen und auch Mitbewerbern wie Uber nach, sich als Mobilitäts-Bindeglied zu positionieren.

Besonders weit ist Sixt: Der Münchner Autovermieter hat im Februar die erste integrierte Mobilitätsplattform in einer App gestartet. Die SIXT App vereint die Produkte Autovermietung - darunter auch Langzeitmiete -, Carsharing und Ride Hailing / Taxi. Verfügbar sind rund 270.000 Fahrzeuge, 1.500 angeschlossene Partner und mehr als eine Million Fahrer.

Bei Volkswagen Financial Services (VWFS) wird schon bei der Beratung ein Rundumblick auf die Mobilitätsformen geworfen. Die Key Account Manager der Volkswagen Leasing GmbH verfolgen ein integratives Kundenberatungskonzepts.

Armin Hofer ist Geschäftsführer der Euromobil Autovermietung – einer hundertprozentigen Tochter der VWFS: "Wir bieten vom Leasing über die Finanzierung und Langzeitmiete oder weiteren Services bis hin zu neuen Themen wie intermodaler Mobilität oder der Etablierung von E-Fahrzeugen in den Fuhrpark – inklusive Infrastrukturberatung."

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Modulare Telematik-Lösung für den Fuhrpark

Für Arval – eine hundertprozentige Tochter des französischen Bankenriesen BNP Paribas – ist die Basis einer effizienten betrieblichen Mobilität ein tagesaktueller Überblick über den Ist-Zustand des bestehenden Fuhrparks: Mit einer modularen Telematik-Lösung können die Kunden genau und ausschließlich jene Fahrerdaten sammeln, die sie zur Optimierung des Fuhrparks benötigen.

Neben den konkreten Fahrerdaten – deren Erhebung unter Einhaltung aller Datenschutzvorgaben mit einer dezidierten internen Kommunikation einhergehen sollte –, sind Mobilitätsbedarf, CSR-Ziele sowie die Besonderheiten im regionalen Verkehr relevant.

Avis hat sich zum Ziel gesetzt, seine globale Flotte bis 2020 komplett zu vernetzen. Zum Mobilitäts-Ökosystem der Avis Budget Group gehören dabei auch Fahrräder und Roller.

Fuhrparkentscheider erwarten individuelle Leasingkonzepte

Matthias Heupel - Leiter der Autovermietung MietMe – resümiert: "Die Geschäftswagenwelt hat sich in den letzten Jahren vom klassischen Autovermieter zum modernen Mobilitätsdienstleister entwickelt, der Automobilhandel vom reinen Verkaufsgespräch zur individuellen Mobilitätsberatung."

Aus seiner Praxiserfahrung heraus erwarten Fuhrparkentscheider heute von ihren Großkundenbetreuern mehr als nur eine Leasingrate, sie erwarten Mobilitätskonzepte, die genau auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten sind.

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