News 30.06.2017

Leichtfüßiger Allrounder

Fahrbericht BMW S 1000 XR

Als frecher Allrounder ist die BMW S 1000XR vor zwei Jahren in den Markt gestartet - als Alternative zur ewig erfolgreichen R 1200 GS oder der Ducati Multistrada. Für das Modelljahr 2017 wurde sie leicht überarbeitet.

 - Leicht überarbeitet: BMW S 1000 XR.
Leicht überarbeitet: BMW S 1000 XR.
BMW

Warum ein weitere Allrounder, wo man doch die R 1200 GS im Programm hat, die seit Jahren die Zulassungshitliste dominiert? So mag man bei BMW vor einigen Jahren noch gedacht haben, als Ducati die Multistrada auf den Markt brachte. Doch nicht lange hat es gedauert und man merkte in München, dass da ein echtes Multitalent auf zwei Räder gestellt wurde. Und da man ja mit dem famosen Vierzylinder des Rennboliden S 1000 RR ein passendes Regal im Markt hatte, war der Weg zur XR nicht weit.

Und das klappte auch vom Start weg recht gut, die potenzielle Kundschaft nahm das Bike gut an – und was noch viel wichtiger war: Es kanibalisierte den Primus R 1200 GS nicht.

 - Der Allrounder wurde unter anderem an die Euro-4-Norm adaptiert.
Der Allrounder wurde unter anderem an die Euro-4-Norm adaptiert.

Für das Modelljahr 2017 nahmen sich die Münchner nun der XR an, um sie fein dosiert weiter zu entwickeln. Dazu spendierte man dem Motor fünf PS mehr auf nunmehr 165 Pferdestärken, lagerte den Lenker flexibler, um die Vibrationen zu verringern, und natürlich wurde das Bike an die Anforderungen der Euro-4-Norm angepasst – man erkennt es sofort an den hübschen Reflektoren an den Gabelholmen. Zudem wuchs die Zuladung um zehn auf 444 Kilogramm.

Ausstattung

Für zusätzliche Performance stehen weiterhin zwei Ausstattungspakete parat, von denen man bei Neukauf mindestens eines mitbestellen sollte. Das Dynamik-Paket (1.010 Euro) bringt „Fahrmodi Pro“ (ABS Pro, DTC plus zwei Fahrmodi „Dynamic“ und „Dynamic Pro“) und LED-Blinker mit. Das Touring-Paket (1.265 Euro) beinhaltet das elektronische Fahrwerk ESA, Heizgriffe, Kofferhalter, Vorbereitung für das Navigationsgerät mit Multi-Controller, Hauptständer und Gepäckbrücke. Wer den Schaltassistenten pro möchte, muss 410 Euro auf den Tisch blättern, der Tempomat schlägt mit 330 Euro zu Buche.

 - An den Armaturen hat sich wenig geändert.
An den Armaturen hat sich wenig geändert.

So bestückt vermisst man wahrlich wenig auf dem Alleskönner, der uns beim Wiedersehen nach zwei Jahren erneut mit seiner Leichtfüßigkeit verblüfft hat. Müht man sich beim Rangieren noch mit einem knapp 230 kg schweren und hoch aufbauenden Motorrad ab, so verlieren sich die Pfunde in dem Moment, wenn man darauf sitzt und die ersten Kurven angeht. Die XR lechzt fast danach, in diese hinein zu sinken und sich wieder daraus zu erheben und vermittelt stets ein präzises Gefühl für die Straße und das Motorrad.

Fahrwerk

Das Gefühl von Leichtigkeit wird unterstützt vom exzellent arbeitenden Schaltautomaten (unbedingt kaufen!), mit dessen Hilfe man ohne zu kuppeln nicht nur hoch-, sondern auch runter schalten kann. Und der breite Lenker trägt ein Übriges dazu bei, die große BMW allzeit im Griff zu behalten.

 - Das Navigationssystem ist blickgünstig über den Armaturen angebracht.
Das Navigationssystem ist blickgünstig über den Armaturen angebracht.

Freilich ist das alles kein Hexenwerk, sondern Ergebnis der immer besser arbeitenden Fahrwerke und der Fahrwerksgeometrie – Stichwort ESA. Der Fahrer hat die Wahl zwischen verschiedenen Fahrmodi, die er über einen Schalter am Lenker auch während der Fahrt bedienen kann: „Rain“ für gedrosselte Leistung, „Road“ für volle Leistung und relativ weiches Fahrwerk sowie zwei Dynamik-Regelungen für ein sportliches Fortkommen, wobei die zweite Dynamik-Stufe nur mechanisch über einen Stecker aufgerufen werden kann. Trotz der Modellpflegemaßnahmen finden aber immer noch feine Vibrationen über den Lenker und die Fußrasten den Weg in die Rückspiegel und die Extremitäten des Fahrers, was sich bei langen Tagesetappen durchaus bemerkbar macht.

Motor

Da wir den direkteren Kontakt zur Straße lieben, waren wir meist im ersten Dynamik-Modus unterwegs, der auch für Fahrten zu zweit gut taugt. Der Motor spricht direkter an, ohne seine vorbildliche Dosierbarkeit zu verlieren, und das Fahrwerk versteift sich. Zielgenau lassen sich Kurven durchfahren, wobei die Pirelli Rosso III ebenfalls sehr gute Rückmeldung liefern und kaum Aufstellmoment zeigen.

Über allen Zweifel erhaben bleibt der Motor, dessen Fünf-PS-Zuwachs man indes kaum bemerkt. Er zieht ohne Leistungslöcher bis weit über 200 km/h – und das bei einem Sound, der wenig aufdringlich ist. Der etwas magere Klang mag Euro 4 geschuldet sein, es sei jedoch anzumerken, dass auch die Vorgängerversion akustisch recht zurückhaltend agierte. Enthusiasten bietet man als Zugabe einen Endtopf von Akrapovic (1.155 Euro) an. Der Verbrauch pendelte sich bei zwischenzeitlichem Soziusbetrieb bei 6,2 Liter ein.

Kosten

 - Per Drehrad kann das Navi mit der linken Hand bedient werden.
Per Drehrad kann das Navi mit der linken Hand bedient werden.

Natürlich kann man sich werksseitig mit vielem eindecken, was einem Bike vom Schlage einer XR gut steht: So gibt es in Motorradfarbe lackierte Koffer sowie ein Topcase, die mit einer praktischen Innentasche versehen sind, eine niedrigere Sitzbank (820 mm/296 €) sowie Dinge wie Protektoren und Schutzbügel. Kaum zu erwähnen braucht man, dass es sich dank der aufrechten Haltung des Piloten auf dem Soziusplatz sehr kommod reist. So lässt sich sowohl die Hausstrecke flink durcheilen als auch die große Tour zu zweit mit Gepäck herunterspulen. Wer beides plant, der sollte auch beide Pakete ordern.

Der Preis der S 1000 XR summiert sich dann zwar auf 18.310 Euro, was auf einem Grundpreis von 15.300 Euro basiert. Dafür bekommt man aber viel Motorrad für viele Einsatzbereiche. Und schließlich bewegt sich besagte Multistrada in ähnlichen Preisregionen. Hans-Joachim Mag

Steckbrief BMW S 1000 XR

Motor: Flüssiggekühlter Vierzylinder-Viertaktreihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Hubraum 999 ccm, Leistung 121 kW/165 PS bei 11.000/min, Drehmoment 114 Nm bei 9.250/min, Sechsganggetriebe, Kette.
Fahrwerk: Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-Downgabel Ø 46 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, verstellbare Federbasis, Druck- und Zugstufe elektronisch einstellbar; Doppelscheibenbremse vorn 320 mm, Vierkolben-Festsättel;  hinten 265 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, ABS, vier Fahrmodi.
Maße und Gewichte: Radstand 1.548 mm, Sitzhöhe 790 – 840 mm, Gewicht vollgetankt 228 kg, Tankinhalt 20 Liter.
Messwerte: Höchstgeschwindigkeit 250 km/h, Beschleunigung 0 – 100 km/h: 3,2 sek, Testverbrauch: 6,2 Liter/100 km.
Preis: 15.300 Euro.

Kommentar schreiben

Ihre persönlichen Daten:

Sicherheitsprüfung: (» refresh)

Bitte füllen Sie alle Felder mit * aus! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.