Interview mit Michael Velte

Lieferengpässe werden auch Gebrauchtwagenmärkte treffen

Über Lieferengpässe, Dieselkrise und die Vorteile von jungen Gebrauchten hat bfp fuhrpark & management mit dem Leasing-Experten Michael Velte gesprochen.

Von Alfons Wolf

Michael Velte ist seit vielen Jahren im Deutsche-Leasing-Konzern (DL) und derzeit Geschäftsführer der DL-Remarketing-Tochter autoexpo – Deutsche Automarkt GmbH in Fernwald.

Wer Fuhrparks managed, der braucht regelmäßig neue Fahrzeuge und effiziente Lösungen, die bisherigen Fahrzeuge abzustoßen. Wer einen Leasing-Partner hat, der professionelles Remarketing betreibt, der hat es in der Regel relativ einfach.

bfp fuhrpark: Herr Velte, derzeit gibt es einen Lieferengpass bei Neufahrzeugen – was steckt dahinter, welche Marken sind betroffen und hat das Konsequenzen für Ihr Geschäft?

Michael Velte: Weil die Autoindustrie mit der Umstellung auf das neue Verbrauchstestverfahren WLTP und der Einführung des Partikelfilters für Benziner zu kämpfen hat, stockt zurzeit bei verschiedenen Modellen der Nachschub. Das hat auch mit den anhaltenden Auswirkungen des Diesel-Skandals zu tun.

Von der Prüfstandsknappheit im Zuge der WLTP-Umstellung sind potenziell fast alle Neuwagen und somit im Besonderen auch die für unser Geschäft wesentlichen deutschen Hersteller betroffen.

bfp fuhrpark: Welche Auswirkungen hat die Dieselkrise auf das Remarketing von Leasing-Rückläufern?

Michael Velte: Die Dieselfahrzeuge sind in den letzten Monaten alle spürbar in ihrem Verkaufswert gesunken. Verbraucher sind nach wie vor sehr unsicher, wie es mit dieser Technologie weitergeht, insbesondere auch wegen möglichen Einfahrverboten in Großstädten.

bfp fuhrpark:Was spüren die Kunden der Leasinggesellschaften davon?

Michael Velte: Die Kunden selbst sind ebenso verunsichert, ob sie noch ein neues Dieselfahrzeug bestellen sollen. Insofern dauern interne Entscheidungsprozesse länger. Gleichwohl gibt es auch aktuell kaum wirtschaftlich sinnvolle Alternativen für einen Fuhrpark, die werden dann genutzt, wenn sich ein Benziner rechnet. Elektromobilität hat durch diese Diskussionen bisher nahezu gar nicht profitiert.

bfp fuhrpark:Welche Vorteile haben Käufer von jungen Gebrauchten, wenn sie Leasing-Rückläufer wählen?

Michael Velte: Der größte Vorteil besteht sicher darin, dass sie ein ausgesprochen gutes Preis- Leistungsverhältnis für ein in der Regel sehr gut ausgestattetes Fahrzeug erhalten, dessen Lebenslauf über die Servicehistorie eindeutig nachvollziehbar ist.

bfp fuhrpark:Haben Sie nur gewerbliche Kunden oder verkaufen Sie auch an Privatkunden? Und gibt es hier Unterschiede in Preis oder Prozessen?

Michael Velte: Etwa die Hälfte unser Gebrauchtfahrzeuge geht an Privatkunden beziehungsweise an das Kleingewerbe. Diese Kundengruppe ist bei Dieselfahrzeugen auch zurückhaltender geworden, allerdings deutlich weniger als Wiederverkäufer.

Diese scheuen eher das Risiko, sich mit Fahrzeugen, insbesondere auch mit Euro-5-Modellen zu bevorraten. Insofern profitieren wir in den momentan eher herausfordernden Zeiten in der Verwertung von Leasingrückläufern über unsere Struktur der autoexpo enorm.

Der Prozess und mögliche Risiken aus der Sachmangelhaftung nach dem Verkauf an Privatkunden ist natürlich höher als bei Wiederverkäufern. Die deutlichen höheren Margen hierbei machen das allerdings mehr als wett.

bfp fuhrpark:Worauf sollten Kunden beim Kauf von Gebrauchtfahrzeugen besonders achten?

Michael Velte: Egal ob Endkunde oder Händler. Die Beschreibung der Fahrzeuge muss exakt sein und im Zweifel zeigen wir im Vorfeld lieber einen optischen Mangel mehr auf als etwas klein zu reden. Die meisten Fahrzeuge werden über Gebrauchtwagen-Börsen ausgewählt.

Nicht selten fahren Interessenten dann eine lange Strecke, um zu erfahren, dass es eine deutliche Diskrepanz zwischen der Beschreibung im Netz mit den entsprechenden Bildern zu dem tatsächlichen Zustand vor Ort auftaucht. Das schafft kein Vertrauen.

bfp fuhrpark:Wie wirken Sie dem entgegen?

Michael Velte: Wir verfügen nur über Fahrzeuge, deren Historie inklusive möglicher Unfallschäden eindeutig nachvollziehbar ist. Das ist ein wesentlicher Gesichtspunkt beim Gebrauchtwagenkauf, um vor späteren Überraschungen gefeit zu sein.

Auch das mögliche spätere Kulanzverhalten des Verkäufers ist nicht zu unterschätzen. Wie es darum bestellt ist, lässt sich oft schon durch eine einfache Frage herausfinden: Falls mir das Fahrzeug nach einer Woche doch nicht zusagen sollte, weil ich mir etwas anderes darunter vorgestellt habe, kann ich es zurückgeben? Und wenn ja, wie beziehungsweise unter welchen Bedingungen?

In der Praxis kommt eine tatsächliche Rücknahme sehr selten vor, allerdings lässt die Antwort auf diese Frage schon erahnen, wie ein Händler mit Themen, die de jure nicht von vorne herein klar sind, umgehen wird.

bfp fuhrpark:Kann man sich auf das Online-Urteil anderer Kunden verlassen

Michael Velte: Beurteilungen im Internet sind durchaus auch ein Indikator, allerdings ist dort die wirkliche Aussagekraft nicht immer gegeben. Erst bei einer Anzahl von deutlich über hundert Bewertungen, lässt sich immer mehr ausschließen, dass bei solchen Bewertungen nicht doch ein Stück nachgeholfen wurde.

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