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Foto: Christian Frederik Merten
Auch der neue Citan entstand in Kooperation mit Renault, Mercedes hat ihm aber deutlich mehr eigene Gene mitgegeben.

bfp-Fahrbericht

Mercedes Citan: Kompakt und komfortabel

Mehr Mercedes-Gene sollte er bekommen, der neue Citan. In der Tat muss sich der kleine Transporter nicht hinter Vito und Sprinter verstecken.

Den neuen Citan haben wir Ihnen bereits im August vorgestellt: Mehr Mercedes, mehr Komfort, mehr Sicherheit. Das alles soll die zweite Generation des Kompakt-Transporters verkörpern, so Mercedes-Benz Vans. Anders als im August hatten wir nun jetzt die Gelegenheit, den Citan und zu fahren. Und können sagen: Alle, die einen souveränen Transporter für die Stadt suchen, sollten sich den neuen Citan auf jeden Fall mal anschauen.

Neuer Citan: Mehr Mercedes-Gene

Der Mercedes Citan Nummer zwei fährt vor. Sicherer, komfortabler und erstmals auch elektrisch – so lautet das Credo für den Transporter.
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Citan ab 2022 auch mit langem Radstand

Der Citan ist eines der wenigen Projekte, das Mercedes weiter mit seinem Kooperationspartner Renault auf die Straße bringt. Sprich: Auch der neue Citan basiert auf dem Kangoo. Dieses Mal habe man den Kleintransporter vom ersten Federstrich mitentwickelt, betont man in Stuttgart, habe gar das Lastenheft mitgeschrieben. Das Ergebnis: Optisch reiht sich der Citan mit aktuellem Grill und mandelförmigen Scheinwerfern zumindest an der Front in den Reigen der modernen Mercedes-Transporter ein, auch im Interieur zeigen sich typische Mercedes-Gimmicks – zum Beispiel die Scheibenwischer-Bedienung im Blinkerhebel.

Richtig, in diesem Beitrag stehen die Fahreindrücke im Vordergrund, ganz ohne Maße und Gewichte geht es aber auch hier nicht. Bestellbar ist derzeit die 4,50 Meter lange Standard-Variante, eine Version mit langem Radstand folgt 2022. Bedeutet maximal 2,9 Kubikmeter Laderaum im Kasten, in den zwei Europaletten passen. Die Nutzlast beträgt bis zu 782 Kilogramm, dazu zieht der Citan gebremst bis zu 1,5 Tonnen. Beladen wird der kleinste Mercedes-Transporter über eine Flügeltür am Heck (1/3 zu 2/3), eine Schiebetür rechts ist ebenfalls Serie. Neben einer festen Trennwand liefert Mercedes für den Kasten optional auch eine schwenkbare Lösung für mehr Ladeflexibilität.

Neben dem Kasten ist auch der Citan Tourer bereits bestellbar. Als Personen-Transporter mit zwei Schiebetüren an der Seite bietet er maximal fünf Menschen Platz, in der Langversion werden es sieben sein. Dazu passen im Standardformat noch 520 Liter Gepäck. Übrigens: Der Citan Kasten bietet vorn Platz für zwei oder drei Personen.

Diesel, Benziner und bald ein eCitan

Den neuen Citan Kastenwagen liefert Mercedes mit einem 1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 75, 95 oder 116 PS aus. Alternativ gibt es einen 1,3-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 102 oder 131 PS. Beide Benziner-Leistungsstufen gibt es auch in der Pkw-Variante Tourer, dazu kommt ausschließlich der stärkste Diesel. Ein vollelektrischer eCitan ist ab dem zweiten Halbjahr 2022 verfügbar.

Für unsere erste Ausfahrt wählten wir den Kastenwagen als 112 CDI mit 116 PS und als 110 mit 102 PS. Wie in allen Verbrennern sorgte auch hier ein Sechgang-Schaltgetriebe für optimalen Kraftfluss. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe findet erst im zweiten Quartal 2022 seinen Weg in die Citan-Preisliste. Dieser Fakt ist aber selbst für eingefleischte Automatik-Fans wie den Autor leicht zu verschmerzen. Denn die Handschalter im Citan sind so gut angestimmt und geführt, dass beim Gangwechsel fast schon Spaß aufkommt.

Mercedes Citan: Bei niedrigen Drehzahlen auffallend leise

Das Versprechen, den Citan so komfortabel wie möglich zu machen, hat Mercedes eingelöst. Dass hinten keine Starrachse, sondern die technisch etwas aufwändigere Verbundlenkerachse arbeitet, spürt man auch in der Praxis. Auch kurze Fahrbahnunebenheiten federt der Citan weich ab, Poltern ist ihm dabei völlig fremd. Akustisch hält sich der Citan in der Regel ebenfalls zurück. In der Regel, denn ab 2.500 Touren schob sich der von uns gefahrene Diesel akustisch durchaus in den Vordergrund. Tempo 130 auf der Autobahn lassen sich dann nicht mehr ganz so leise absolvieren.

Dafür bietet der Spitzen-Diesel ausreichend Power, auch bei niedrigen Drehzahlen geht noch was beim Tritt aufs Gaspedal. Kein Wunder, stehen die maximal 270 Nm Drehmoment doch schon bei üblichen 1.750 Touren an. Nicht ganz so agil, aber auch kein Verkehrshindernis ist der 102 PS starke Benziner. Wer hier ein paar Mal öfter zum Schalthebel greift, kommt ebenso flott voran. 5,8 bis 5,3 Liter Diesel je 100 Kilometer gibt Mercedes als WLTP-Verbrauch für den Citan 112 CDI als Kastenwagen an, für den 110 Kasten sind es 7,2 bis 6,5 Liter. Wir waren größtenteils auf der Landstraße unterwegs, einen kleinen Teil auf der Autobahn und verfeuerten laut Bordcomputer 5,4 Liter Diesel und 7,0 Liter Benzin. Was absolut im Rahmen liegt.

MBUX auch für den Citan

Kurz ein Wort zum Interieur. Das Citan-Cockpit ist übersichtlich gestaltet und einfach bedienbar. Die Kunststoffe sind prädestiniert für den Einsatz im Nutzfahrzeug: einfach, aber nicht billig. Das Infotainmentsystem MBUX inklusive 7-Zoll-Touchscreen ist gegen 720 Euro Aufpreis (alle Preise netto zzgl. USt.) an Bord des Citan. Ein Navi mit Live-Traffic-Daten gibt es dazu auch, dann kostet das System 1.370 Euro und verarbeitet auch Car-to-X-Informationen. Außerdem lassen sich Ziele auf Basis des „what3words“-Systems eingeben. Das System teilt den Globus in drei mal drei Meter große Quadrate mit einer jeweils individuellen, aus drei Worten bestehenden Adresse ein. Damit lassen sich auch Bereiche außerhalb regulär kartografierter Gebiete schnell finden.

Zu haben ist der Citan zunächst in den Ausstattungsvarianten Base und Pro. Los geht es beim Kasten mit dem Citan 110 Base ab 19.348 Euro, der schwächste Diesel kostet mindestens 19.495 Euro. Der Citan Tourer startet ab 22.253 Euro als Citan 110. Allerdings: Beim Kasten geht´s noch billiger. Denn Mercedes hat auch das Dauer-Sondermodell Worker Plus aufgelegt. Ein wirkliches Sondermodell ist es nicht, eher ein Spezialpaket für rudimentäre Ansprüche. Den kleinsten Diesel und den kleinsten Benziner gibt es dann schon ab 16.790 Euro – allerdings mit veränderter und teils reduzierter Serienausstattung sowie eingeschränkten Optionsmöglichkeiten.

Klima und DAB-Radio Serie im Citan Pro

Aber zurück zu den regulären Modellen. Wer den Kastenwagen als Base ordert, erhält sechs Airbags serienmäßig, außerdem beheizbare E-Außenspiegel, Licht- und Regensensor, „Mercedes Me Connect“, elektrische Fensterheber, einen höhenverstellbaren Fahrersitz oder den Aufmerksamkeits- und Seitenwind-Assistenten. Im Citan Tourer Base sind außerdem unter anderem immer ein weiterer Airbag (Mittenairbag), Multifunktionslenkrad, Tempomat, Totwinkelassistent und ein aktiver Brems- und Spurhalteassistent mit an Bord.

Wer sich für die höherwertige Variante Citan Pro entscheidet (ab 21.200 Euro) erhält außerdem Radkappen, lackierte Anbauteile, LED-Innen- und Laderaumleuchten, ein geschlossenes Handschuhfach, eine Armlehne mit Staufach und vor allem ein DAB-Radio und die Klimaanlage als Serienausstattung dazu.

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Der Citan kommt zunächst als rund 4,50 Meter lange Standardversion, die Langversion folgt 2022.
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2,9 Kubikmeter Ladung fasst der Standard-Citan, die Ladefläche reicht für zwei Europaletten – übrigens auch nebeneinander.
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Eine seitliche Schiebetür auf der rechten Fahrzeugseite ist im Citan immer Serie.
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Übersichtliches Citan-Cockpit, das Infotainmentsystem MBUX gibt es gegen Aufpreis.
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Am Heck sind die Unterschiede zum Renault Kangoo verständlicherweise nicht allzu groß, vorn zeigt der Citan mehr Eigenständigkeit.

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