Foto: Timo Bürger / bfp

Elektro-SUV im Check

Mercedes EQC: Entschleunigt in O-slow

Der Stecker-Benz funktioniert tadellos und bietet eine höchst akzeptable Reichweite. Gibt es denn gar nichts zu meckern am neuen Mercedes EQC?

Inhaltsverzeichnis

Von Timo Bürger

Das hat Mercedes geschickt eingefädelt: In der "Hauptstadt der Elektromobilität" präsentieren die Schwaben ihren neuen Stromer EQC. Und tatsächlich: Durch Oslo rollen gefühlt mehr Tesla, Renault Zoe & Co. als es in Münster Fahrradfahrer gibt. In fast jedem Parkhaus, oder am Straßenrand gibt es Lademöglichkeiten zuhauf für die Elektroautos.

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Ebenso frappierend, wie leise es in der Einwohner-Stadt zugeht. Selbst im Herzen der 600.000-Einwohner-Stadt läuft das Alltagstreiben so gemächlich, dass das Kreischen einer Möwe einem schon fast den Schrecken in die Glieder fahren lässt. Bedächtig, O-slow sozusagen.

Mercedes EQC kommt gut in Fahrt

Eine perfekte Location also für ein - auch perfektes? – Auto. Ja, so die ersten Fahreindrücke: Wie fast jedes andere Elektroauto setzt sich der EQC beim Tritt aufs Pedal unter einem akustisch leicht vernehmbaren Surren und Sirren flott in Bewegung, im Nu ist das Landstraßentempo von 80 km/h erreicht. Ein Motor an Vorder- und einer an der Hinterachse treiben mit 300 Kilowatt Maximalleistung das Fahrzeug an und fungieren gleichzeitig als Allradantrieb.

Souverän liegt das 4,76 Meter lange SUV auf der Straße. Kein Wunder, bei einem Gesamtgewicht von fast 2,5 Tonnen. Nur das Akku-Package alleine (Lithium-Ionen-Batterien mit 80 kWh Energiegehalt) trägt schon mit über 600 Kilogramm zu dieser Fülle bei.

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Über das Interieur müssen nicht viele Worte verloren werden: Die Materialien sind geschmackvoll ausgewählt, die Verarbeitung gewohnt hochwertig. Die Sitze sind komfortabel gepolstert, so dass sich auch längere Strecken ohne Versteifungen im Rückenbereich zurücklegen lassen.

Der Stromer kommt ziemlich weit

Längere Strecken sind nämlich ohne weiteres möglich. Bis zu 450 Kilometer Reichweite verspricht Mercedes, erst dann muss das E-SUV wieder an die Steckdose. Im Idealfall an einer der Stationen des europäischen Schnellladenetzes von Ionity (ein Jahr kostenfreie Nutzung serienmäßig). Während der Ladezeit (zehn bis 80 Prozent in 40 Minuten) lassen sich gemütlich ein, zwei Tassen Kaffee genießen.

Serienmäßig ist ein On-Board-Wechselstromlader mit einer Leistung von 7,4 kW im Benz dabei, genauso wie ein Gleichstrom-Bordlader mit 110 kW. Ein Ladeskabel für die Wallbox oder öffentliche Stationen bietet Mercedes in Serie an; wer zu Hause an der Steckdose auftanken möchte, muss sehr viel Geduld haben und 286 Euro extra aufbringen.

Mercedes EQC: Der Verbrauch hält sich in Grenzen

Hält man die für deutsche Verhältnisse niedrigen Tempolimits in Norwegen ein, kommt man tatsächlich ganz nahe an den Normverbrauch von etwa 20 kWh heran; hierzulande dürfte ein Stromverbrauch von 25 bis 30 kWh realistisch sein. Zum Heizer wird der Stromer nämlich nicht – bei 180 km/h wird das Fahrzeug abgeregelt. Und das ist auch gut so, denn Fahren im Elektro-Benz macht auch bei deutlich niedrigerem Tempo einfach Spaß.

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Denn das Fahrzeug strahlt Souveränität und Ruhe aus, ist leise und kinderleicht zu bedienen und unterstützt den Fahrer auf Wunsch mit einer Vielzahl von elektronischen Assistenten, so dass die Fahrt durchs Osloer Hinterland fast den Charakter eines meditativen Trips hat.

Rekuperieren bis zum Bremsen

Verlässt man diesem fast tranceähnlichen Zustand, um im wortwörtlichen und tatsächlichen Sinne das Steuer wieder in die Hand zu nehmen, lassen sich mithilfe der Paddles am Volant die verschiedenen Rekuperationsmodi einstellen. Das ist sinnvoll, wenn man längere Gefälle zurücklegt und zum Beispiel von Norwegens Wahrzeichen Holmenkollen in die Innenstadt zurückstromert. In der stärksten Bremsenergiegewinnungseinstellung können geübte Fahrer das Fahrzeug quasi mit einem Pedal fahren, das Bremspedal wird kaum mehr gebraucht.

Ein Stromer wäre heutzutage nicht up-do-date, hätte er nicht die volle Packung Vernetzungs-Intelligenz an Bord: Entscheidet sich der Fahrer für die so genannten "situationsoptimierte Rekuperation", dann werden Navigationsdaten, Verkehrszeichenerkennung und Informationen von Radar und Stereokamera vernetzt und tragen so zur bestmöglichen Fahreffizienz bei.

"Hallo Mercedes - wo ist die nächste Ladestation?"

Unterstützt wird dieses spezielle Fahren noch durch etliche serienmäßige Fahrprogramme: Je nach Einstellung (Von "Comfort" bis "Individual") wählt der Fahrer entweder Effizienz oder Performance. Fast schon selbstverständlich: Auch vom heimischen Sofa aus können EQC-Fahrer ihre Fahrtziele planen, die Abfahrtszeit eingeben, die Route samt Ladestopp planen oder damit den Fahrzeug Innenraum aufheizen.

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Und auch dieser Mercedes versteht die Insassen: Das lernende serienmäßige MBUX-Infotainmentsystem erkennt Fragen wie "Wo ist die nächste Ladestation?" oder "Wo kann ich die Batterie laden?" Zuweilen klinkt es sich aber allerdings ungefragt ins menschliche Gespräch ein. Und: Die hilfreiche Funktion "MBUX Augmented Reality für Navigation" muss allerdings mit 298 Euro extra honoriert werden.

Auch Mercedes ist Mobilitätsdienstleister und bietet diverse Pakete an. Im "Holiday Mobilitätspaket" beispielsweise ist ein Mobilitätsbudget erhalten, mithilfe dessen Kunden Zugang zum Mercedes-Benz Rent Mietservice und damit allen Fahrzeugen der Modellpalette haben. Für netto unter 60.000 Euro (inklusive Umweltbonus-Förderung) ist der Mercedes EQC ab sofort bestellbar.

Dafür gibt es serienmäßig beispielsweise eine elektrische Heckklappe und Laderaumabdeckung (Trennnetz und Teleskopstangen für den Gepäckraum müssen mit 131 beziehungsweise 179 Euro extra bezahlt werden). Auch die Sicherheit kommt nicht zu kurz: Aktive Brems-, Spurhalte-, und Verkehrszeichenassistenten überwachen serienmäßig den Verkehr. Und die LED-Scheinwerfer sind immer an Bord.

"Drahtloses Aufladen wurde gestartet", erscheint beim Halt im Display plötzlich. Nein, soweit ist selbst dieser elektrische Mercedes EQC (noch) nicht. Beim kabellos ladefähigen Smartphone in der Mittelkonsolen-Ablage war bloß der Akkus etwas schlapp.

Mercedes EQC: technische Daten

  • Länge/Breite (mit Spiegel)/Höhe 4.761/1.884 (2.096) /1.623 mm

  • Spurweite (VA/HA) 1.625/1.615 mm

  • Radstand 2.873 mm

  • Gepäckraum (je nach Ausstattung) ca. 500 l

  • Leergewicht (EG)/zul.

  • Gesamtgewicht/Zuladung (EG)

  • 2.495/2.940/445 kg

  • Zulässige Anhängelast bei 12 Prozent Steigung 1.800 kg

  • Höchstgeschwindigkeit 180 km/h (abgeregelt) Seite 10

  • Beschleunigung 0-100 km/h 5,1 s

  • Batterie Lithium-Ionen

  • Energieinhalt Batterie (NEFZ) 80 kWh

  • Batteriegewicht 652 kg

  • CO2-Emission 0 g/km

  • Stromverbrauch (NEFZ) 20,8 - 19,7 kWh/100 km7

  • Reichweite (NEFZ) 445 - 471 km7

  • Ladezeit an Wallbox oder Ladestation (AC-Laden): 11 Std.8

  • Ladezeit an Schnellladestation (DC-Laden): ca. 40 min.

  • Antrieb 2 Asynchron-Maschinen, Allradantrieb

  • Leistung 300 kW (408 PS)

  • Max. Drehmoment 760 Nm

  • Preis brutto: 71.281 Euro

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