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Basiswissen Fuhrparkmanagement

Mit Carsharing auf Dienstreise

Es muss nicht immer der Firmenwagen sein: Vor allem für die letzte Meile der Geschäftsreise stellt Carsharing eine effiziente Alternative dar.

Inhaltsverzeichnis

Von Esra Tatlises

Carsharing hat sich als beliebte Mobilitätslösung in Unternehmen etabliert: Laut des diesjährigen Arval Mobility Observatory (AMO) nutzen 24 Prozent aller befragten Firmen bereits Carsharing-Dienste oder planen dies in den nächsten drei Jahren. Aber unter all den Begrifflichkeiten wie Carpooling, Business-to-Peer-Carsharing (B2P) oder Free-Floating-Carsharing verliert man leicht den Überblick. Welche Carsharing-Form zu welchen Bedürfnissen passt, erklärt bfp fuhrpark & management.

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Corporate Carsharing, B2P und Carpooling

Wie der Name bereits verrät, handelt es sich bei Corporate Carsharing oder auch Business Carsharing um das Teilen von Firmenfahrzeugen unter den Mitarbeitern. Ähnlich wie beim konventionell öffentlichen Carsharing können Nutzer mithilfe einer onlinebasierten Anwendung ein Modell aus dem Fahrzeugpool für ein bestimmtes Zeitfenster buchen. Somit können Firmenwagen besser ausgelastet und überschüssige Autos aus der Flotte genommen werden.

Auf Wunsch lassen sich die Carsharing-Fahrzeuge per Smartphone aktivieren. Außerdem unterstützen externe Dienstleister mit Softwarelösungen bei der Verwaltung. Hieraus können sich Geschäftsmodelle für den Fuhrpark ergeben: Durch das Teilen der Flotte mit der Öffentlichkeit kann das Unternehmen seine Investitionen refinanzieren. Voraussetzung für das Business-to-Peer-Carsharing (B2P) ist eine am Unternehmensstandort errichtete Station, die für jedermann zugänglich ist. Zusätzliche Umsätze generiert, wer Mitarbeiter die Fahrzeuge auch privat nutzen lässt. Das ist auch ein Motivationsfaktor.

In diesem Zusammenhang taucht auch häufig der Begriff Carpooling auf und wird missverständlicherweise mit Carsharing gleichgesetzt. Carpooling bedeutet jedoch Fahrgemeinschaft: Ein Fahrer nimmt eine oder mehrere weitere Personen mit dem eigenen Fahrzeug mit.

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Carsharing für die letzte Meile

Das Carsharing-Prinzip zielt darauf ab, Nutzern ein Fahrzeug für eine kurzzeitige Vermietung – minuten- oder stundenweise – zur Verfügung zu stellen. Das ist vor allem für Dienstreisen über größere Entfernungen vorteilhaft: Wer zum Beispiel für längere Distanzen das schnellere Verkehrsmittel Zug wählt, für den erweist sich Carsharing als praktisches Verkehrsmittel für die "letzte Meile" vom Ankunftsbahnhof zur Zieladresse, da in den meisten größeren Städten an vielen Verkehrsknotenpunkten Carsharing-Stationen vorhanden sind. Egal ob ÖPNV oder Leifahrrad – Carsharing eignet sich als unkomplizierte Ergänzung zu anderen Mobilitätsformen. Denn die Abrechnung erfolgt proportional zur Nutzung: Je mehr Kilometer gefahren werden oder je mehr Zeit das Auto beansprucht wird, desto mehr Kosten entstehen. Für kürzere Strecken im Stadtverkehr ist es eine praktische und kostengünstige Methode, um schnell von A nach B zu gelangen. Denn sämtliche Unterhaltskosten und in den meisten Fällen auch den Kraftstoff übernimmt der Anbieter.

Aber was tun, wenn in unmittelbarer Nähe des Geschäftsziels keine Carsharing-Station verfügbar ist? Oder das Ziel außerhalb des Geschäftsbereichs des Carsharing-Angebots liegt? Heiko Luft, Präsidiumsmitglied im Verband Deutsches Reisemanagement e.V. (VDR), betont Vor-und Nachteile des Carsharings auf der Dienstreise: "Öffentliches Carsharing lässt sich in der Regel bequem über Apps steuern, was ein solches System schnell und einfach nutzbar macht. Zudem können Unternehmen die Fahrten einfach abrechnen. Ein wesentlicher Nachteil des öffentlichen Carsharings vor allem für Geschäftsreisende ist die noch unzureichende flächendeckende Verfügbarkeit."

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Carsharing vs. Autovermietung

Oft bewerben sich Carsharing-Anbieter mit geringen Cent-Beträgen pro gefahrenem Kilometer oder gefahrener Zeiteinheit als günstige Alternative zur Autovermietung. Wer aber tageweise das Auto benötigt oder viele Kilometer zurücklegen muss, sollte die Kosten genau im Auge behalten. Zwar bieten einige Dienstleister spezielle Wochenendangebote, aber dennoch lohnt sich im Vorfeld der Preisvergleich mit einer klassischen Autovermietung. Diese bietet in der Regel auch eine breitere Auswahl an Fahrzeugmodellen. Hier lohnt sich laut Luft der Blick in die Zukunft: "Von den Autovermietern kommen derzeit neue Formen auf den Markt. Hier gilt es abzuwarten, was passiert. Die Tendenz geht aber in Richtung 'Multi-Nutzung-Modelle'."

Bisher stellen Carsharing-Dienstleister meistens nur kleine, für den Stadtverkehr geeignete Autos zur Verfügung. Einige Anbieter wie Flinkster, Hertz On Demand oder Cambio zählen auch Transporter zu ihrer Flotte. Wer also mit Equipment reist oder mehr Gepäck transportieren möchte, sollte die Autovermietung oder die eben genannten Carsharing-Anbieter in Betracht ziehen.

Langzeitmiete

Wer besonders flexible Mobilität bei gleichzeitig über längere Zeit zugeordnetem Fahrzeug sucht oder sein Fahrzeugmodell oft wechseln möchte, für den ist die Langzeitmiete interessant. Diese beginnt ab einer Mietdauer von einem Monat und kann mit verhältnismäßig günstigen Raten auf in der Regel bis zu 24 Monate verlängert werden. Zudem sind die Kosten der Langzeitmiete gut kalkulierbar, da auch hier – bis auf die Kraftstoffkosten – alle Unterhaltskosten in der Rate kalkuliert sind. Im Gegensatz zur üblichen Alternative Leasing, wo die Laufzeit bei vielen Anbietern auf mindestens ein Jahr festgelegt ist, verursacht die vorzeitige Rückgabe des Fahrzeugs keine Zusatzkosten. Was jedoch schnell zu unerwartet hohen Kosten führen kann, ist die Überschreitung der vereinbarten Freikilometergrenze. Je nach Anbieter variieren hier die Aufschläge pro Mehrkilometer.

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Pro & Contra gewerbliche Nutzung von Carsharing-Diensten

Durch Corporate Carsharing können Kapazitätsspitzen abgefedert, die Fahrzeugauslastung optimiert sowie Fixkosten durch die Reduzierung der Flottengröße vermieden werden. "In welcher Höhe Kosten eingespart werden können, ist von mehreren Faktoren abhängig. Dazu zählen unter anderem das Nutzungsverhalten, die Anzahl der genutzten Fahrzeuge und der zu unterhaltenden Parkplätze sowie das Schadensmanagement. In jedem Fall wird der Fuhrpark-Verantwortliche beim Thema Corporate Carsharing auch zu einem Manager verschiedener Schnittstellen", ergänzt Luft. Zudem kann Carsharing auch bei den Mitarbeitern für Unsicherheit sorgen, ob das gewünschte Fahrzeug zum benötigten Zeitraum verfügbar ist. Eine Übersicht zu allen Vor- und Nachteilen der Carsharing-Formen für die dienstliche Nutzung.

Pro:

  • Flexibles Buchen und Reservieren
  • Sehr kurze Anmietungen: minuten- und stundenweise
  • Nach einmaliger Registrierung keine weiteren Formulare für weitere Buchungen mehr notwendig
  • Keine weiteren Kraftstoffkosten, der Kraftstoff ist im Preis inklusive
  • Stationsbasiertes Carsharing an 740 Orten und stationsunabhängiges Carsharing ("free-floating") an insgesamt 38 Standorten in Deutschland verfügbar (Stand: 01.01.2019)
  • Kosten fallen oft nur bei konkreter Nutzung an
  • Die Bereitstellung von Carsharing am Unternehmensstandort dient zur Kundenwerbung und bringt Imagevorteile
  • Business-to-Peer-Carsharing kann umliegende Anwohner animieren, ebenfalls vermehrt Carsharing zu nutzen
  • Fahrzeuge können für bestimmte Zeiträume für Mitarbeiter freigehalten werden
  • Kostenreduzierung im Fuhrpark durch Optimierung von kapazitätsspitzen und Fahrzeugauslastungen sowie Reduzierung von Fixkosten
  • Einheitliche Systeme bundesweit mit free-floating: für alle Fahrzeuge kann die selbe Zugangskarte sowie dasselbe Bungungs- und Abrechnungssystem genutzt werden
  • Optimierung der Parkplatzsituation
  • Nutzung unterschiedlicher Automodelle

Contra:

  • Geringe Verfügbarkeit auf ländlicherm Gebiet
  • Individuelle Unabhängigkeit eingeschränkt: nicht jedes Auto ist jederzeit verfügbar
  • Zusätzliche Kosten können bei Überschreitung der vereinbarten Reservierungszeiten oder Unfällen entstehen. Die Selbstbeteiligung ist bei jedem Anbieter unterschiedlich festgelegt
  • Die Nutzung von Carsharing für die letzte Meile ist nur dann sinnvoll, wenn es sich um Free-Floating handelt oder sich eine Carsharing-Station in der Nähe des Ziels befindet
  • Jeder Fahrer geht mit den Fahrzeugen anders um: Autos können aus der vorheriger Nutzung dreckig oder mit unzureichender Bertankung zurückgebracht werden

Wer ein Glas Milch möchte, kauft nicht gleich die ganze Kuh, heißt es sprichwörtlich. So stellt das Carsharing-Prinzip mit dem Kostenmodell "Pay-per-use" eine günstige und nachhaltige Alternative für Dienstreisen dar. Und laut des diesjährigen AMO sind 13 Prozent aller befragten Firmen in Deutschland bereit, für Carsharing auf Firmenfahrzeuge zu verzichten. Wenn jetzt noch das Carsharing-Angebot in ländlichen Gebieten wächst, wird Carsharing womöglich zum Must-have des Mitarbeiters.

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