Foto: Dennis Gauert

130-PS-Diesel an Bord

Neuer Fiat Ducato im Test

Kleintransporter zum attraktiven Preis bauen, das kann Fiat. Mit 30.340 Euro netto fällt der Startschuss für den Ducato 130 Multijet L2H2 früh.

Von Dennis Gauert

Besonders wenn man bedenkt, dass bereits ein 130PS-Dieselmotor mit im Paket ist. Bei anderen Herstellern geht’s erst später los. Dabei ist der Fiat Ducato ein Nutzfahrzeug durch und durch: 11,5 Kubikmeter Ladevolumen und bis zu 1500 Kilogramm Nutzlast, in der Variante mit 3500 Kilogramm Gesamtgewicht, bestechen.

Fiat Ducato: gelungener optischer Auftritt

Die Modellpflege des Ducato Typ 250 sorgt seit 2014 für einen gelungenen optischen Auftritt. Den ermöglicht der neu gestaltete Kühlergrill, der direkt in die mit LED-Tagfahrlicht bestückten Scheinwerfer mündet. Der ausladende und sportlich skulpturierte Frontstoßfänger unterstützt den modernen und robusten Eindruck.

Ende 2016 zogen die Euro-6-Diesel in den Nutzfahrzeug-Klassiker ein. Mit ihnen einige Neuerungen, die den Alltag auch hinsichtlich moderner Informationstechnik angenehmer gestalten.

Klassische Dieselstärken mit Gefühl

Unser Testfahrzeug, ein Fiat Ducato Hochraumkastenwagen 35 L2H2 ist mit einem Multijet-Turbodiesel bestückt, der 130 PS (96 kW) leistet. Der Motor ist ein rauer Genosse, den man nicht nur fährt, sondern auch fühlt. Das knackige und optimal erreichbare Sechsgang-Schaltgetriebe sowie die klar dosierbare Kupplung vervollständigen die Antriebskette.

Bis auf Tempo 150 Kilometer pro Stunde schafft es der hochgewachsene Ducato damit, an der Ampel kommt er mit seinen 320 Newtonmetern Drehmoment auch gut weg. Schon ab 1800 U/min steht das volle Drehmoment zur Verfügung und fällt erst ab 3500 U/min langsam ab.

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In unserem Testwagen ist ein Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer (300 Euro) an Bord, der außerdem eine entspannte Reisegeschwindigkeit ohne Fußbedienung ermöglicht. Zum Tanken muss erst nach weit über tausend Kilometern rechts ran gefahren werden. Das Tankvolumen von 90 Liter und der moderate Testverbrauch von etwa acht Liter sprechen eben für sich.

Leichte Lenkung, starke Bremsen

Das Fahrwerk selbst ist transportertypisch. Durch den langen Radstand von 3,45 Metern wippt der Ducato seicht über Bodenwellen. Im unbeladenen Zustand ist der Ducato straff – schließlich ist das Fahrwerk auch für ein Gesamtgewicht von bis zu 3,5 Tonnen ausgelegt. Der Frontantrieb packt gut zu und der Wendekreis von 12,80 Meter ermöglicht einen leicht gemachten U-Turn auf der Hauptstraße. Entstehender Schlupf wird auch bei Regen elegant vom ESP gezähmt.

Das macht den Ducato trotz der Größe auch in der Stadt zu einem wendigen und sicheren Fahrzeug. Die Servotronic leistet ihren Beitrag zu dem spielerischen Fahreindruck. Sie fordert kaum Kräfte beim Lenken ein, gibt dafür aber wenig Rückmeldung. Die Bremsen haben einen klaren Druckpunkt und packen auf Kommando bissig zu.

Gewöhnungsbedürftiges Bedienkonzept

Durchaus zu unterscheiden ist hingegen das Bedienkonzept am Steuer. Während die Lenkräder bei anderen Nutzfahrzeug-Herstellern längst auf den Fahrer ausgerichtet sind, lässt sich der seit 2006 gebaute Ducato Typ 250 noch wie ein Bus lenken. Das Volant kann nur in der Höhe verstellt werden.

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Das in der Klasse der leichten Transporter mittlerweile eingezogene Pkw-Gefühl wird im Ducato dadurch zumindest bei der Bedienung nicht erzeugt. Ein weiteres Problem ist hier auch der eng geschnittene Abstand zwischen Fahrersitz und Armaturenbrett. Will der Fahrer das Lenkrad voll umfassen können, muss er nach vorne rücken – bezahlt diesen Kompromiss aber mit dem linken Schienenbein beim Kuppeln. Das nimmt mit der Verkleidung unter dem Lenkrad nämlich unweigerlich Kontakt auf.

Blinken mit dem Tempomat

Hinzu kommt die kompliziert gestaltete Anordnung der Lenkstockschalter. Während der Tempomat einfach aus dem Handgelenk zu erreichen ist, wird vom Steuermann gewöhnungsbedürftige Akrobatik gefordert, um den weiter vorne liegenden Blinker zu aktivieren.

Wer den Ducato also nicht gewohnt ist, blinkt in den ersten Tagen häufiger mal mit dem Tempomat. Ein Probesitzen ist in jedem Fall ratsam. Der Fahrersitz jedenfalls ist bequem einstellbar und auch auf längeren Streckenabschnitten angenehm. Für die Mitfahrer gilt das bedingt. Hier sind keine Verstellmöglichkeiten vorgesehen.

Sinnvolle Extras zum schmalen Preis

In der robust verarbeiteten Fahrgastzelle gibt es unzählige Ablagefächer und Klappen, für 50 Euro Aufpreis zusätzlich noch ein Ablagefach im Dach. Weitere 50 Euro sind für eine USB-Ladebuchse gefordert, die direkt neben dem 12-Volt-Stromanschluss im Armaturenbrett zur Verfügung steht. Für das alltagstaugliche Technikpaket fehlt in unserem Testwagen nur noch die Einparkhilfe hinten.

Immerhin das 5-Zoll-Navigationssystem (850 Euro) mit Bluetooth, Freisprecheinrichtung, Sprachsteuerung, Apple Car Play, Android-Kompatibilität und durchaus ausgewogenem Sound verfügt über eine ebenfalls aufpreispflichtige Rückfahrkamera (350 Euro). Der Aufpreis von dann insgesamt 1200 Euro lohnt sich. Speziell die Bedienung gelingt kinderleicht, die Tom-Tom-Navigation arbeitet sauber.

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Einzig die Freisprecheinrichtung ist in Verbindung mit dem rauen Diesel nicht unbedingt ein Ohrenschmaus für den Gesprächspartner. Ab einer Geschwindigkeit von 120 km/h wird das Gespräch dann auch aufgrund der Windgeräusche langsam nicht mehr tragbar. Toll arbeitet allerdings die praktische Sprachsteuerung, auf die der Fahrer direkt per Lenkradtaste zugreifen kann.

Fiat Ducato: Brauchen Arbeitstiere schönes Fell?

Wer der Meinung ist, dass Ford im Transit und Mercedes-Benz im Sprinter ganze Arbeit geleistet haben, sucht diese an manchen Punkten im Ducato. Bei der Konkurrenz gibt es Lenkräder wie in Mittelklasselimousinen, geschwungene Mittelkonsolen, zahlreiche Assistenzsysteme und lackierte Oberflächen.

Im Ducato gibt es robuste Materialien, sportliche Akzente und richtig Platz. Ob Arbeitstiere überhaupt schönes Fell brauchen, sei mal dahingestellt. Im Ducato sind immerhin eine Berganfahrhilfe, Traktionskontrolle, hydraulischer Bremsassistent und adaptive Lastkontrolle serienmäßig an Bord. Ein Spurhalteassistent mit Verkehrszeichenerkennung und Abblendautomatik ist optional für schmales Geld erhältlich.

Aufpreis für die Klimaautomatik

Ärgerlich hingegen ist der Griff in die Tasche, wenn es um die Klimatisierung geht. Für die Einzonen-Klimaautomatik werden stolze 1600 Euro Aufpreis fällig. Die 1400 Euro teure manuelle Klimaanlage steht bei nur 200 Euro Ersparnis als Alternative nicht wirklich zur Debatte.

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Ansonsten ist die Aufpreisliste von Fiat freundlich gestaltet. Ein hydraulisch gefederter Komfortfahrersitz mit Mittelarmlehne beispielsweise kostet schlanke 400 Euro mehr, eine abnehmbare Laderauminnenbeleuchtung schlägt mit 40 Euro zu Buche. Da sagt der Kunde "grazie".

Fazit Fiat Ducato

Der Ducato bringt solide Technik, einen robusten Innenraum, viel Platz und Nutzlast mit. Als 3,5-Tonner ist er sogar ein Preistipp. Dafür geht es eben etwas spartanischer zu als bei der Konkurrenz, die aktuell einen höheren Entwicklungsstand im Segment hat. Fiat hat am Typ 250 aber viel nachgebessert und präsentiert für gut 30.000 Euro einen gut verarbeiteten Hochdach-Transporter, der rund 1500 Kilogramm Nutzlast mitbringt und in jeder Disziplin einfach funktioniert.

Nutzfahrzeugfreunden wird der raue aber kräftige 2,3-Liter-Turbodiesel Freude bereiten. Denn der Ducato ist ein Nutzfahrzeug durch und durch. Aber eins mit optionalen Türgriffen im Aluminium-Look - für 40 Euro. So geht Sparta in Piemont.

Technische Daten Fiat Ducato Hochraumkastenwagen 35 L2H2 130 Multijet II

  • Hubraum: 2287ccm

  • Leistung: 96 kW / 130 PS bei 3600 U/min

  • Max. Drehmoment: 320 Nm bei 1800 U/min

  • Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h

  • Abgasnorm: Euro 6

  • ECE-Durchschnittsverbrauch: 7,3 – 5,8 Liter / 100 km

  • Maximale Anhängelast: 2000 Kg

  • Abmessungen in mm (L x B x H): 5399 x 1956 x 1971 mm

  • Radstand: 3450 mm

  • Leergewicht: 2040 kg

  • Nutzlast: 1460 kg

  • Ladevolumen: 11,5 Kubikmeter

  • Maximale Ladelänge auf Bodenhöhe 3,15 Meter

  • Laderaumhöhe: 1,93 Meter

  • CO2-Emissionen: 167g

  • Basispreis Testwagen: 30.340 Euro

  • Endpreis Testwagen: 35.030 Euro

Aufpreispflichtige Ausstattungsmerkmale: Cruise Control & Geschwindigkeitsbegrenzer, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Vollwertiges Ersatzrad inklusive Halterung, Elektrisch anklappbare Außenspiegel, 5-Zoll-Bluetooth-Touchscreen-Radio, Regen- und Lichtsensor, Nebelscheinwerfer, Einzonen-Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Allwetterreifen, Ablagefach im Dach, Stahltrennwand ohne Fenster, USB-Ladeanschluss

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