Julia Temath, Manager Corporate Sales bei Nissan in Deutschland.
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Julia Temath, Manager Corporate Sales bei Nissan in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

bfp-Interview

Nissan: „Wir kommen jetzt geballt zurück“

Julia Temath, Gewerbekundenverkaufschefin bei Nissan, über die Zielgruppenstrategie, neue Elektroautos und die Relevanz von Autoabos.

Nissan will wieder durchstarten bei den Groß- und Gewerbekunden. Neue Modelle, der Fokus auf elektrifizierte und elektrische Antriebe oder auch neue Mobilitätsangebote wie das Autoabo „Nissan Flex“ sollen die Marke auch für gewerbliche Zielgruppen wieder attraktiver machen. Details verrät Julia Temath, Manager Corporate Sales bei Nissan in Deutschland, im Gespräch mit bfp FUHRPARK & MANAGEMENT.

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„Nissan Next“: Konsequenzen auch für das Gewerbekundengeschäft

Frau Temath, Nissans Rolle in Europa ist wieder klar. Wie blicken Sie in die Zukunft?

Julia Temath: Richtig ist: In den letzten Jahren durchlebte Nissan global eine intensive Konsolidierungsphase. Trotz aller Spekulationen stand es aber nie ernsthaft zur Debatte, Europa zu verlassen. Was wir aber mit unserer Strategie „Nissan Next“ erreichen wollen, ist ein gesünderes und nachhaltigeres Wachstum, ohne den Fokus zu sehr auf die Volumina zu richten. Dieser Weg hat selbstverständlich auch Konsequenzen für das Geschäft mit Flotten- und Gewerbekunden.

Welche sind das konkret?

Temath: Vor allem modellpolitische Entscheidungen wie der Diesel-Stopp, die Elektrifizierung von Produkten und Produktion in Europa bis 2030, aber auch die Einführung komplett neuer Modelle. Es ist kein Geheimnis, dass die Zahl der Neueinführungen bei Nissan in Europa in den letzten Jahren überschaubar war. Dafür kommen wir jetzt geballt zurück. Der Juke ist nun auch als Hybrid verfügbar und der Qashqai sowie der komplett neue X-Trail auch mit unserem seriellen Hybridantrieb e-Power. Und der neue Ariya ist ein absolut flottentaugliches Elektroauto. Mit ihm glauben wir, auch für Unternehmen attraktiv zu sein, die wir bislang nicht von Nissan begeistern konnten. Vor allem auch mit Blick auf die Zielgruppe der User Chooser. Wir sehen es deshalb als wichtige Aufgabe, bisher eher lockere Kontakte künftig intensiver zu pflegen.

Zwei neue kleine Nissan-Elektroautos

Nissan möchte bis 2030 global 15 neue rein elektrische Modelle auf den Markt bringen. Welche davon sind auch für Europa bestimmt?

Temath: Einen genauen Blick in unsere Modellzukunft kann ich leider nur bedingt geben. Für Europa bereits kommuniziert haben wir zwei elektrische Modelle im B-Segment: Als klassisches Steilheck kommt ein rein elektrischer Kleinwagen, dazu gesellt sich als Ergänzung unserer Palette ein elektrisches B-SUV. Im Jahr 2023 rollen beide Modelle aber nicht mehr zum Händler.

Wie wird sich die Relevanz von Elektroautos bei Unternehmenskunden entwickeln, wenn ab September der Umweltbonus ausschließlich an Privatkunden gezahlt wird?

Temath: Das ist eine sehr gute Frage, für deren finale Beantwortung derzeit nur der Blick in die Glaskugel bleibt. Allerdings: Auch wenn das Auslaufen von Subventionen kurzfristig immer zu einer Nachfragedelle führt, ändert das in diesem Fall ja nichts an den politischen Vorgaben oder den strategischen Ausrichtungen der Automobilkonzerne. Sprich Unternehmen werden ihre Fuhrparks auch nach dem Ende des Umweltbonus elektrifizieren müssen, weshalb die Nachfrage nach Elektroautos auch nach September hoch bleiben wird. Was uns unsere Kunden dazu kommunizieren, ist außerdem: Reine Elektroautos werden Plug-in-Hybriden mit Wegfall von deren Förderung schlagartig den Rang ablaufen. Unabhängig davon bleibt allerdings die Frage, welche Preisstrukturen ab September auch für reine Elektroautos vorherrschen werden.

Mehr zielgruppenrelevante Leasingangebote

Zum Erfolg im Groß- und Gewerbekundengeschäft gehört auch ein umfangreiches Serviceangebot. Wie sind Sie da aufgestellt?

Temath: Auch da erledigen wir parallel zum Ausbau unseres Produktangebots unsere Hausaufgaben, zum Beispiel beim Thema Leasing. Wir sind dabei, zusammen mit unserer Captive und freien Leasinggesellschaften zielgruppenrelevante Leasingangebote und Konditionen entwickeln. Dafür bietet uns unsere neue Struktur die Voraussetzungen.

Wie entwickeln sich Ihre Flotten-Kompetenz-Center?

Temath: Tatsächlich ist es auch eines unserer Themen, die Performance unserer Flotten-Kompetenz-Center zu verbessern. Und wir wollen auch die Flächendeckung erweitern: Grundsätzlich sind wir über unsere größten Vertriebs- und Servicepartner zwar in den wichtigsten Ballungszentren mit Flotten-Kompetenz-Centern vertreten, sehen aber dennoch den einen oder anderen Open Point in diesem Bereich. Für uns sind diese Partner umso wichtiger, weil wir als kleinere Importeur-Organisation auch in Zukunft kein Direktgeschäft leisten können – und das auch gar nicht wollen.

Welche Teilzielgruppen sprechen Sie in erster Linie an?

Temath: Wie die meisten Importeure in Deutschland sind wir traditionell im kleingewerblichen Bereich deutlich stärker als im Großkundensegment. Dort begrenzt unsere Strategie der globalen Produktausrichtung bis zu einem gewissen Punkt sicherlich unser Potenzial. Aber: Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir auch im Großkundensegment Wachstumspotenziale realisieren können. Als besonderes Pfund für diese Zielgruppe werfen wir die guten Restwertprognosen, aber vor allem auch unsere elektrifizieren Produkte in die Waagschale. Hier spielen der Ariya und mittelfristig sicher die Nachfolge-Generation des Leaf eine wichtige Rolle. Außerdem unsere leichten Nutzfahrzeuge, zumal wir mit unserem neuen Kompakt-Transporter Townstar den ersten Schritt zur Elektrifizierung unserer Transporter-Palette unternommen haben. Andere Modelle wie Qashqai e-Power und X-Trail e-Power sind aus meiner Sicht dagegen vor allem für kleine Gewerbetreibende interessant oder auch für Autoabo-Anbieter.

Eigenes Nissan-Autoabo, aber auch mit externen Partnern

Autoabos spielen also auch bei Nissan eine wichtige Rolle?

Temath: Selbstverständlich, dem Trend zur Mobilität als Dienstleistung können und wollen wir uns gar nicht verschließen. Im Segment der Autoabos werden wir künftig auf zweierlei Wegen präsent sein: Indem wir mit externen Anbietern zusammenarbeiten, zum anderen bauen wir derzeit im Rahmen einer Pilotphase aber auch unsere eigene Autoabo-Lösung „Nissan Flex“ auf – zusammen mit unserem Handel und unserem etablierten, langjährigen Kooperationspartner Auto-Rent-Systems. In einigen Regionen sind bereits Händler angeschlossen und können erste Nissan-Abos über flex.nissan.de anbieten. Flächendeckend an den Start geht „Nissan Flex“ dann im ersten Halbjahr 2023.

Noch einmal zurück zu den Großflotten: Wie sind Sie dort im Bereich Rahmenverträge und Ausschreibungen aufgestellt?

Temath: Wir haben bereits diverse europäische oder globale Rahmenverträge mit Großkunden. Unsere Zentrale ist sehr aktiv, diese auszuweiten und wir unterstützen dies natürlich. Unsere Aufgabe ist es dann, auf lokaler Ebene den Kontakt zu pflegen und dafür zu sorgen, dass wir hier auch stärker berücksichtigt werden können. An lokalen Ausschreibungen nehmen wir ebenfalls teil, sowohl bei der öffentlichen Hand als auch bei größeren Firmen. Wir freuen uns sehr, dass wir aktuell vermehrt um Angebotsabgaben gebeten werden, was sicher mit unserer attraktiven elektrifizierten Palette zu tun hat.

Wann planen Sie denn die Elektrifizierung ihrer größeren Transporter Primastar und Interstar? Deren entsprechende Renault-Geschwister sind ja bereits vollelektrisch auf dem Markt.

Temath: Perspektivisch denken wir natürlich über vollelektrische Varianten von Primastar und Interstar nach. Wann sie auf die Straße rollen, kann ich heute aber leider noch nicht sagen.

Lieferzeiten: Gegenläufige Einflüsse

Egal ob Pkw oder Nutzfahrzeug: Was denken Sie, wann wird sich die Lieferzeitensituation entspannen?

Temath: Was wir weiterhin sehen, sind zwei gegenläufige Trends: die anhaltende Verknappung des Angebots auf der einen und – besonders bei Privatkunden – der aus der gesamtökonomischen Lage resultierende Rückgang der Nachfrage. Wann sich beide Trends jedoch treffen und damit eine Entspannung der Lieferzeiten eintritt, kann ich nicht seriös voraussagen. Zumal wir in solch volatilen Zeiten leben, dass sich sowohl Produktion als auch Nachfrage durch äußere Einflüsse jederzeit plötzlich und völlig unerwartet verändern können – und zwar in jede denkbare Richtung.

Wie lange warten Kunden derzeit bei Nissan auf einen Neuwagen?

Temath: Das hängt wie bei allen Herstellern auch bei uns vom Fahrzeug und von der Ausstattung ab. Beim X-Trail beginnen wir ohne allzu individuelle Ausstattung bei drei Monaten, beim Qashqai e-Power sind es rund drei bis sechs Monate. Die Lieferzeiten des Ariya liegen dagegen derzeit bei sechs bis zwölf Monaten. Und auch bei unseren Transportern dauert es derzeit etwas länger.

Haben Sie im Zuge der Angebotsknappheit Ihre Konditionen für Flotten- und Gewerbekunden angepasst?

Temath: Allein die deutlich gestiegenen Produktionskosten haben uns dazu gezwungen, unsere Preismodelle anzupassen. Listenpreiserhöhungen, die ja auch Unternehmenskunden betreffen, sind ein sichtbares Zeichen dafür. Parallel dazu haben wir uns aber auch die zielgruppenspezifischen Konditionen je nach Modell genauer angeschaut. Das tun wir nicht gerne, sind aber durch die gesamtökonomische Situation aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten dazu gezwungen.

Frau Temath, herzlichen Dank für das Gespräch.

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