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BME-Einkäufertag auf dem FORUM

"One size fits all gilt nicht für Fuhrparks"

Auf der Leitmesse für betriebliche Mobilität stehen Einkäufer besonders im Fokus – und die müssen viele Herausforderungen ihrer Fuhrparks managen.

Inhaltsverzeichnis

Von Timo Bürger

Die Verantwortung für Fuhrparkmanagement und die Fuhrparkverwaltung liegen in vielen Betrieben im Geschäftsbereich Einkauf. Und die Aufwendungen für Dienstwagen sind ein bedeutender Kostenfaktor in Unternehmen. Das 18. bfp fuhrpark-FORUM schenkte dieser Zielgruppe besondere Aufmerksamkeit: In Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik BME fand am 21. Mai 2019 der BME-Einkäufertag statt.

BME: "Der Einkauf als Geschäftsbereich ist stärkste Kraft fürs Flottenmanagement"

Der Verband liefert mit seiner jährlich veröffentlichten Befragung "BME-Marktinformationen Pkw-Flottenmanagement" eine umfangreiche und detaillierte Datenbasis zum Thema Strukturen und Organisation von Fuhrparks. Eines der Top-Themen ist der Mobilitätswandel und das "spannende Thema Diesel" (Eva Bergmann, Projektmanagerin Benchmark bei BMEnet GmbH in Eschborn) im Fuhrpark. Tendenzen weg vom Dieselmotor hin zu alternativen Antrieben seien zwar vorhanden, aber noch nicht allzu ausgeprägt: "Es wird eine Veränderung geben", ist sich Bergmann sicher, "aber momentan ist sie noch nicht da."

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Interessierte konnten bereits am Tag vor Messebeginn in einem speziell auf die Einkäufer zugeschnittenen Seminar die Pflichten und Aufgaben eines Flottenmanagers kennenlernen. Im Nürburgring Business Center standen Themen wie Führerscheinkontrolle oder Unfallverhütungsvorschriften auf der Agenda. "Die Veranstaltung verlief aus meiner Sicht sehr gut", befand Referent und Rechtsanwalt Achim H. Feiertag. Der enge zeitliche Rahmen ließ zwar nicht zu, dass jedes noch so kleine Detail geklärt wurde, nichtdestotrotz konnten die Teilnehmer mit einer Fülle von neuem Wissen und Eindrücken den Tagungsraum verlassen. "In der kurzen Zeit kann nur die Möglichkeit gegeben werden, in das Thema hineinzuschnuppern", so Feiertag.

Die Zeit, um mehr in die Tiefe zu gehen, war dann aber in etlichen Vorträgen und Gesprächen auf dem fuhrpark-FORUM gegeben. Auf der Best-Practice-Bühne präsentierten die Referenten hochinteressante Vorträge über betriebliche Mobilität aus der Perspektive der "Einkaufsentscheider im operativen und strategischen Geschäft" (Bergmann). Denn: "Der Einkauf als Geschäftsbereich ist stärkste Kraft fürs Flottenmanagement."

Berliner Stadtreinigung: Einführung von E-Mobilität im Fuhrpark

In seinem sehr anschaulich präsentierten Best-Practice-Vortrag skizzierte Kai Groth, Abteilungsleiter Produktmanagement bei den Berliner Stadtreinigungsbetrieben (BSR), die Herausforderungen eines Fuhrparks, der sich mit Abfallwirtschaft und der Straßenreinigung beschäftigt. Vor welchen Herausforderung der Manger steht? "Mit dem Laub der 439.000 Bäume könnte man das Olympiastadion einmal füllen."

"Nach wie vor wichtige Leitmesse für uns"

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Vor allem aber das Thema "Integration von E-Mobilität" beschäftigt den Abteilungsleiter intensiv. So seien Spezialfahrzeuge wie Sinkkastenreiniger oder Müllsammelfahrzeuge mit alternativen Antrieben auf dem Markt "kaum zu finden". Habe man aber nach einer Marktrecherche ein Fahrzeug wie beispielsweise eine Elektro-Kleinkehrmaschine identifiziert, versuche man sich mithilfe von Pilotprojekten und Alltagserprobung ein Bild zu machen. Enden Gespräche mit dem Hersteller über mögliche Umbauten und die Identifikation von Förderprogrammen positiv, entscheide man sich für die Beschaffung.

"Die Akzeptanz bei E-Mobilität ist noch nicht spürbar"

Auch wenn es im Nutzfahrzeug- und Spezialfahrzeugbereich noch wenig taugliches alternatives Equipment gibt - bis 2021 soll der Bestand der BSR von nun etwa 100 Fahrzeugen auf 330 mehr als verdreifacht werden. Der Personenfuhrpark dagegen soll bis 2021 gar komplett auf Elektroantrieb umgerüstet sein. Dieser Anforderungen stellt sich der Manager mit viel Tatkraft: "Die Akzeptanz bei E-Mobilität ist noch nicht spürbar, es ist sehr viel Aufklärung notwendig", sagt Groth: Er ist dennoch optimistisch, "aufgeklärte Menschen als Motivatoren für E-Mobilität" zu finden.

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Kosmetikhersteller Börlind: "Das Fahrzeug ist ein Arbeitsgerät"

Gänzlich andere Aufgaben muss Kay Kutzer, Leiter Einkauf und Fleetcarmanagement bei der Börlind GmbH in Calw bewältigen: Fast ausschließlich weibliche Mitarbeiter steuern die Fahrzeuge des Naturkosmetikunternehmens – und die haben ganz besondere Anforderungen bei der Dienstwagenüberlassung: Elektrisch anklappbare Spiegel, die beim Aussteigen mehr Raum ermöglichen zum Beispiel.

In seinem ebenfalls sehr unterhaltsamen Vortrag "Disparitäten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer" plädierte der Experte für Sicherheit und Gesundheit: Vor allem das Theme Unfallverhütungsvoprschriften ist ihm eine Herzensangelegenheit: "Die Ladungssicherung wird schlicht unterschätzt", weiß Kutzer. Deshalb ordert er auch nur Fahrzeuge, für die es bei auch umgelegter hinterer Sitzreihe ein dachhohes Trennnetz gibt. Und da ist die Auswahl nicht allzu groß.

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Natürlich achtet Kutzer auch auf Verzurrösen, Spanngurte und Anti-Rutsch-Matten geachtet. "Das Fahrzeug ist ein Arbeitsgerät", so Kutzer mit Nachdruck. Immer stellt er sich die Frage: "Was kann der Einkauf für die Mitarbeiter besser machen bei der Beschaffung“" dieses Arbeitsgerätes?" Um das herauszufinden, schaut er ganz genau hin, hört gut zu und verbringt auch schon mal einen Tag als Beifahrer bei seinen Mitarbeitern und setzt sich mit deren Wünschen und auseinander.

"Schauen, wie wir die Kosten unter Kontrolle halten"

Beim Thema Elektromobilität bemüht sich das Unternehmen, tut sich aber noch ein bisschen schwer: "Im Außendienst sind wir noch nicht mutig genug für Elektroautos, aber im Pool versuchen wir es", gibt der Flottenmanager zu.

Neben den Hürden, Elektromobilität zu integrieren ist also ein weiteres wichtiges Fazit dieses BME-Einkäufertags: Kein Fuhrpark gleicht dem anderen, jeder muss sich auf verschiedene Bedürfnisse und Erfordernisse einstellen. Oder wie es Bergmann ausdrückte: "One size fits all gilt nicht für Fuhrparks." Für jeden Einkäufer und besonders für jeden Flottenmanager gilt aber gleichermaßen die Aussage von Börlind-Mann Kutzer: "Wir müssen schauen, wie wir die Kosten unter Kontrolle halten."

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