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Foto: Christian Frederik Merten
Der Polestar 2 kommt als Fließheck-Limousine mit SUV-Elementen. Damit ist er ein klassischer Crossover.

bfp-Fahrtest

Polestar 2: Elektrischer Hingucker

Der Polestar 2 kombiniert viel Power mit einem mehr als ordentlichen Platzangebot für seine Passagiere. Ein Test des Elektro-Crossovers.

Erst Rennstall, dann Volvo-Haustuner, jetzt sportliche Elektromarke – wenn es einen Beweis für die Wandlungsfähigkeit von Marken braucht, Polestar zählt definitiv dazu. Seit Sommer 2020 ist das schwedisch-chinesische Gemeinschaftsunternehmen – Eigentümer sind Volvo und seine Konzernmutter Geely – in Deutschland mit dem Polestar 2 auf dem Markt. Mit fünf Türen und Platz für fünf Personen plus Gepäck fährt er als reisetaugliches Elektroauto vor. bfp FUHRPARK & MANAGEMENT sagt, was der Polestar 2 im Alltag kann.

Viel Platz für die Polestar-Passagiere

Was will er sein, der Polestar 2? Ganz klar ist das nicht, denn einem klassischen Segment lässt sich der in Schweden entwickelte und in China gebaute Polestar 2 nicht zuordnen. Wie der Volvo XC40 steht er auf der kompakten CMA-Plattform, ist anders als sein Konzern-Bruder aber kein klassisches SUV. Zwar kommt er mindestens mit großen 19-Zöllern und schwarzen Kunststoff-Zierteilen an Radläufen und Flanken. Die Karosserie selbst aber ist traditionellen Mittelklasse-Limousinen sehr nah. Ein klassischer Crossover also, der Polestar 2, der unter anderem auf den Tesla Model 3 zielt und nach dem sich so mancher Passant den Kopf verdreht.

Wie viele Elektroautos buhlt der Polestar 2 mit viel Platz im Innenraum um die Kundengunst. Weil seine Dachlinie erst nach dem Passagierabteil abfällt, gibt es viel Kopffreiheit nicht nur auf den Vordersitzen, sondern auch im Fond. Das gilt dort gleichermaßen für die Knie. Für ein 4,61 Meter langes Auto bietet der Kofferraum mit 405 Litern Fassungsvermögen in der Standardkonfiguration allerdings höchstens Durchschnittsformat. Maximal sind es 1.095 Liter – und in beide Werte ist das 41-Liter-Fach unter dem Laderaumboden bereits eingerechnet. Allerdings: Die Ladekabel rauben keinen Platz im Kofferraum, sie lassen sich bequem im zweiten, 35 Liter großen Fach unter der Fronthaube verstauen.

Polestar 2: Smartes E-Auto

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Google-Infotainment serienmäßig

Das Interieur des Polestar 2 prägt ein 11,15 großer, vertikaler Touchscreen im oberen Teil der Mittelkonsole. Ebenfalls digital ist die Instrumentenanzeige, eine 12,3 Zoll große und individualisierbare Anzeige bietet den Überblick über die wesentlichen Fahrzeuginformationen. Beim Infotainment setzt Polestar auf einschlägige Kompetenz und verbaut Googles Android Automotive inklusiver möglicher Over-the-Air-Updates. Heißt: An Bord ist Google Maps zur Navigation, außerdem gibt es Google Play und Google Assistant. Die Einführung von Apple Carplay plant Polestar allerdings erst für Mitte 2021. Aber, seht praktisch: Bei programmierter Navi-Strecke zeigt das System den voraussichtlichen Akku-Stand am Zielort – und das extrem zuverlässig.

Während die Bedienung des Infotainments problemlos läuft, würde man sich für manch klassische Fahrzeug-Funktion eine gute alte Taste wünschen. Die gibt es aber ausschließlich für die Enteisung der Frontscheibe sowie die Heckscheibenheizung. Klimatisierung oder Sitzheizung lassen sich dagegen nur digital steuern, was vom Fahrgeschehen ablenkt.

78 Prozent aller Polestar 2 werden mit komplett veganem Interieur ausgeliefert, so auch unser Test-Exemplar. Leder sucht man also vergeblich, was dem hochwertigen Qualitätseindruck aber keinen Abbruch tut. Bis auf ein leicht schief eingebautes Lenkrad überzeugte unser Polestar mit ausgezeichneter Material- und Verarbeitungsqualität.

Zweimal 204 PS im Polestar 2

Nun aber zum Antrieb, den sich der Polestar 2 mit dem vollelektrischen Volvo XC40 Recharge Pure Electric teilt: An Vorder- und Hinterachse sitzt je ein synchroner Permanentmagnet-Elektromotor mit 204 PS. Macht laut Polestar zusammen 408 PS und damit mehr als genug Power, die über alle vier Räder auf die Straße gelangen. Spitze 205 km/h fährt der Polestar 2, anders als Volvo limitiert die elektrische Performance-Marke des Geely-Konzerns also nicht bei Tempo 180. In 4,7 Sekunden beschleunigt der Polestar 2 von 0 auf 100 – beim Tritt aufs Gas drückt es Fahrer und Passagiere ordentlich in die Sitze.

Apropos Gaspedal: Wir sind den Polestar 2 ausschließlich in höchster Rekuperationsstufe gefahren, was problemloses One-Pedal-Driving ermöglicht. Weil der Crossover so auch zuverlässig an der Ampel stoppt, mussten wir die Dienste des Bremspedals nur ganz selten in Anspruch nehmen. Wer mag, kann den One-Pedal-Effekt aber um eine Stufe verringern oder ganz ausschalten.

Bretthartes Fahrwerk im Performance Pack

Auf der Autobahn und auf der Landstraße macht der Polestar 2 eine Menge Spaß, ist ein angenehmer Begleiter für längere Strecken. Das Sportfahrwerk als Bestandteil des Performance Packs (5.042 Euro inklusive 20-Zoll-Rädern, Brembo-Bremsen, schwarzem Dach und gelben Sicherheitsgurten; alle Preise netto zzgl. USt.) hätten wir jedoch nicht gebraucht. Es federt deutlich zu hart ab, kleine Fahrbahn-Unebenheiten werden zu einem holprigen Erlebnis. In der Stadt fallen der ziemlich große Wendekreis, die unübersichtliche Karosserie und auch das kleine und stark zum Boden ausgerichtete Bild der Rückfahrkamera negativ ins Gewicht.

Kurz zum Verbrauch: 29,9 kWh Strom haben wir in unseren Polestar 2 je 100 Kilometer Fahrt geladen. Der WLTP-Wert liegt bei 19,3 kWh, bei uns macht sich unter anderem ein etwas höherer  Autobahn-Anteil bemerkbar. Als kombinierte Reichweite gibt Polestar 470 Kilometer an, in der Stadt sollen es 560 Kilometer sein. Selbst bei 100 Prozent vollem Akku zeigte unser Bordcomputer aber nur 440 Kilometer an.

Der Akku fasst brutto 78 kWh Strom, nutzbar sind 75 kWh. Wer mit Wechselstrom (AC) lädt, kann das mit maximal 11 kW tun. DC-Schnellladen funktioniert mit bis zu 150 kW, dann ist der Akku in 40 Minuten von 0 auf 80 Prozent geladen. Wir haben unseren Polestar 2 an der 50-kW-Schnellladesäule geladen, innerhalb einer halben Stunde stieg der Akku-Stand von etwas über 40 auf 80 Prozent.

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Grill, Scheinwerfer und Tagfahrleuchten des Polestar 2 erinnern noch stark an die Schwestermarke Volvo.
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Am Heck geht der Polestar 2 mit seinem durchgehenden Leuchtenband aber eindeutig eigene Wege.
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Rund 11,2 Zoll groß ist der vertikale Touchscreen als zentrale Bedieneinheit des Polestar 2.
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Über ihn lassen sich auch wesentliche Charakteristika wie die Intensität des One-Pedal-Drivings steuern.
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Beim Infotainment setzt Polestar auf Google. Navigiert wird also über Google Maps, das System zeigt auch den Akkustand am Zielort. Und das sehr zuverlässig.
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Für seine Größe kommt der Polestar 2 mit einem vergleichsweise kleinen Kofferraum.
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Die Ladekabel und anderer Krimskrams lassen sich aber gut im Gepäckfach unter der Fronthaube verstauen.
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Gelbe Sicherheitsgurte gibt es im Performance Pack. Braucht man nicht, sagen wir.

Ein Polestar-2-Modell, und das nur online

Wer jetzt schnell zum Händler möchte, muss zwei Dinge wissen: Polestar setzt auf standardisierte Ausstattungen und den Online-Vertrieb. Konkret steht der Polestar 2 derzeit mit einer Motorisierung in Vollausstattung zur Wahl. Von der Lenkradheizung über Pixel-LED-Scheinwerfer und ein Panoramadach bis hin zum Google-Infotainment-System und zahlreichen Assistenzsystemen ist alles an Bord. Als Ladekabel liefert Polestar ein Mode-2- (für die Haushaltssteckdose) sowie ein Mode-3-Kabel (für Wallbox und Ladesäule) mit. Optionen sind

  • alle Farben außer schwarz (840 Euro)
  • 20-Zoll-Felgen (ebenfalls 840 Euro)
  • das aus unserer Sicht nicht notwendige Performance Pack (5.042 Euro) sowie
  • eine Lederausstattung für 3.782 Euro.

Der Basispreis des Polestar 2 mit 408 PS liegt bei 48.655 Euro. Damit qualifiziert sich der Crossover für 7.500 Euro Umweltbonus. Macht 41.155 Euro. Als Option wählen wir ausschließlich eine Wunschfarbe, am Ende wandern damit knapp 42.000 Euro über den virtuellen Tresen.

Denn obwohl Polestar auf die Polestar Spaces genannten Brand-Center in Innenstadtlage – die neuesten eröffneten im März in Hamburg und München – setzt: Sie dienen ausschließlich der Markenrepräsentation und der Beratung. Bestellen lässt sich der Polestar 2 ausschließlich online.

Der Polestar 2 Performance Pack in der Kurzkritik:

Plus:

  • Geräumiger Innenraum
  • Kraftvoller Antrieb
  • Vollausstattung

Minus:

  • Zu harte Fahrwerksabstimmung
  • Kleiner Kofferraum
  • Ausschließlich digitale Bedienung wesentlicher Funktionen

Technische Daten Polestar 2 Performance Pack:

  • Fünftüriger Mittelklasse-Crossover mit fünf Sitzen
  • Länge/Breite/Höhe in mm: 4.606/1.800/1.473 mm
  • Motoren: 2 permanentmagneterregte Synchronmaschinen
  • Antrieb: Allradantrieb mit Eingang-Automatikgetriebe
  • Leistung: 2x 150 kW (204 PS) = 408 PS
  • Max. Drehmoment: 2x 330 Nm = 660 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
  • Beschleunigung: 4,7 s
  • Verbrauch WLTP: 19,3 kWh
  • Testverbrauch: 29,9 kWh
  • CO2-Emission: 0 g/km
  • Reichweite kombiniert (WLTP): 470 km
  • Akkukapazität brutto: 78 kWh
  • Akkukapazität netto: 75 kWh
  • Ladeleistung AC: 11 kW
  • Ladedauer AC: k.A.
  • Ladeleistung DC: 150 kW
  • Ladedauer DC: 00:40 h (0 – 80 Prozent)
  • Kofferraumvolumen: 405 – 1.095 l
  • Zuladung: k.A.
  • Effizienzklasse: k.A.
  • KH/VK/TK: 18/25/25
  • Grundpreis Testwagen: 48.665 Euro netto abzgl. Umweltbonus

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