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Mit dem Verkauf der THG-Zertifikate ihrer E-Fahrzeuge an die Mineralölunternehmen, können Fuhrparkmanager zusätzliche Einnahmen generieren und sich entspannt zurücklehnen.
Foto:  Preechar Bowonkitwanchai – stock.adobe.com
Mit dem Verkauf der THG-Zertifikate ihrer E-Fahrzeuge an die Mineralölunternehmen, können Fuhrparkmanager zusätzliche Einnahmen generieren und sich entspannt zurücklehnen.

E-Fuhrpark

Prämie für den E-Fuhrpark: Die THG-Quote

Rein batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) und öffentliche Ladepunkte können vom THG-Quotenhandel profitieren. Es gibt ihn für BEV, Biokraftstoffe und Wasserstoff. Unternehmen können mit ihren E-Fahrzeugen und ihrer Ladeinfrastruktur Geld verdienen.

Bares Geld für ihre Firmenfahrzeuge steht Unternehmen zu, egal ob sie BEV bereits in ihrem Bestand haben oder neu zulassen. Der Treibhausgas-Emissions-Quotenhandel (THG) macht’s möglich. Er greift seit 1. Januar 2022 bundesweit und ist eine zusätzliche Einnahmequelle für BEV-Halter, also auch für Firmen mit E-Autos im Fuhrpark.

THG-Quoten-Verkauf bis Ende des Jahrzehnts beschlossen

Bis zum Jahr 2030 wird der Anteil an BEVs am Fahrzeugbestand in Deutschland bei 56 Prozent liegen, prognostiziert Dataforce. Bis zu diesem Zeitpunkt kann die vereinbarte THG-Quote einmal im Jahr pro BEV abgerufen werden, so der aktuelle Stand.

Der Hintergrund: Seit letztem Jahr werden CO2-Steuern auf Heiz- und Kraftstoffe erhoben – 25 Euro pro Tonne, jährlich um 5 Euro steigend bis auf 50 Euro pro Tonne CO2. Seit diesem Jahr haben die Besitzer rein elektrischer Fahrzeuge die Möglichkeit, vom Emissionshandel zu profitieren. Sie erhalten die Strafzahlungen der Industrie, die sonst dem Bundeshaushalt zuflössen. Das BEV wurde per Gesetz als umweltfreundlich eingestuft und kann deshalb vom Emissionshandel profitieren.

Weites Spektrum an Zwischenhändlern

Laut Umwelt Bundesamt (UBA) sind aktuell knapp unter 50 Prozent der im deutschen Markt zugelassenen Elektrofahrzeuge zertifiziert und haben damit Anspruch auf die jährliche Rate. Es gibt noch viel Luft nach oben, sicher auch in Fuhrparks, die ihre BEV noch nicht für die Quote angemeldet haben.

Wer die THG-Quote an einen Mineralölkonzern weiterverkaufen will, kann das bei einem gewissen Volumen auch selbst tun. Am einfachsten ist es jedoch, er wendet sich an einen von mittlerweile schon ungefähr 50 Vermittlern in Deutschland. Auf dem neuen Markt tummeln sich reine Service-, Energieanbieter, Autohäuser oder klassische Beratungsunternehmen rund um die E-Mobilität.

Wir sprachen mit den THG-Quoten-Händlern Elektrovorteil, M3E und The Mobility House, die sich alle drei neben der Elektrifizierung von Fuhrparks auch mit dem Quotenhandel beschäftigen. Als schnelle Agenten für ihre Klientel haben sie viele Fuhrparks in ihrem Portfolio. „Wir machen regelmäßig Marktanalysen. Gefühlt werden es täglich mehr Vermittler der THG-Quote“, berichtet Dennis Schneider, Senior Analyst Elektromobilität bei M3E, einer Fullservice-Agentur samt Beratung für Elektromobilität.

Wie funktioniert der Quotenhandel?

Die THG-Quote für Elektromobilität ist ein Schätzwert, der vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) jährlich neu berechnet wird. Zugrunde liegt der geschätzte durchschnittliche Stromverbrauch eines E-Fahrzeugs. Die relative Höhe der Quote, ihr Wert in Euro, ist abhängig vom Fahrzeugtyp, gilt für Roller, Pkw, Nutzfahrzeug bis hin zum rein elektrischen Bus. Zwischenhändler als Drehscheibe, so Elektrovorteil, M3E oder The Mobility House, kaufen den Haltern von E-Fahrzeugen ihre Quoten ab. Die Quoten verkaufen sie gebündelt an Mineralölunternehmen. Je mehr eingesparte Emissionen die Quotenhändler gewissermaßen geerntet haben, desto attraktivere THG-Quoten können sie mit der Industrie aushandeln und an ihre Kunden, den jeweiligen Fuhrpark, Privatpersonen und Fahrzeughändler, weiterreichen.

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Dennis Schneider, Senior Analyst Elektromobilität bei M3E
Foto: MARKO BUSSMANN
Dennis Schneider, Senior Analyst Elektromobilität bei M3E

Was muss der Fuhrparkmanager tun?

Der Fuhrparkmanager registriert sich auf der Plattform seiner Wahl. Dort wird nur ein Scan/Foto der Zulassungsbescheinigung Teil I (ehemals Fahrzeugschein) und die Halterdaten hochgeladen. Der gewählte Plattformbetreiber übernimmt alles Weitere. Die THG-Quoten-Berechtigung prüft durch Antrag dann das Umweltbundesamt. Diese Prüfung dauert aktuell sechs bis acht Wochen. Diese Serviceleistung berechnen die Dienstleister, indem sie ihren Aufwand indirekt an die Fahrzeughalter weitergeben. Generell gilt: Ein großer E-Fuhrpark kann bessere Konditionen bei den Dienstleistern herausschlagen als zum Beispiel eine Privatperson mit nur einem E-Fahrzeug.

Bonus pro Fahrzeug

Je größer das E-Fahrzeug, desto erklecklicher die Quote. An der Spitze der Empfänger steht ein reiner Elektrobus. Der Halter eines solchen Busses, der mindestens neun Sitzplätze und auch Stehplätze vorweisen muss, erhält derzeit 13.000 Euro pro Jahr laut M3E. Am andern Ende ist ein Elektroroller (mit Fahrzeugschein), der es auf 350 Euro pro Jahr bringen kann. Übliche Fuhrparks werden vorrangig Elektro-Pkw (M1) und -Nutzfahrzeuge (N1) vorhalten. Dafür können sie zwischen 350 Euro und 525 Euro pro Fahrzeug im Schnitt abrufen. Pro öffentlichem oder halb-öffentlichem Ladepunkt (24/7), gibt es im Schnitt rund 180 Euro.

Freie Marktwirtschaft beim Handel der Quoten

Es gelten bei diesem Quotenmarkt die Regeln der freien Marktwirtschaft. Der Wert und damit der Preis der Quote im Sinne von Angebot und Nachfrage ändert sich, ist dynamisch und volatil. Er wird von Einflussfaktoren wie dem Ukrainekrieg und anderen weltweiten Entwicklungen beeinträchtigt, die den Quotenpreis drücken oder treiben. Der letztendliche Wert resultiert sodann aus individuellen privatwirtschaftlichen Vereinbarungen zwischen einzelnen Unternehmen, also den Vermittlern und den Mineralölunternehmen. Bisweilen sind noch Broker dazwischengeschaltet. Es gibt somit keinen einheitlichen Preis. Vereinbarungen, die etwa M3E mit einem Mineralölunternehmen getroffen hat, resultiert in anderen Preisen als die, die Elektrovorteil oder The Mobility House ausgehandelt haben.

AGB genau lesen

Unterschiede unter den Quotenhändlern gibt es auch bei Vertragslaufzeiten oder Auszahlungsmodalitäten. Ein Fuhrparkmanager muss sich überlegen, ob er sich seine vereinbarten Quoten Jahr für Jahr auszahlen oder diese zum Beispiel auf drei Jahre festschreiben lässt. Bindet er sich aber für drei Jahre an festgelegte Quoten und die Preise für die Quoten steigen in den kommenden zwei Jahren, kann er von dieser Entwicklung nicht profitieren. Vorsicht ist geboten, wenn sich die Laufzeitdauer eines Vertrags zwischen Händler und Fuhrparkmanager irgendwo im Kleingedruckten verbirgt. In jedem Fall empfiehlt sich die genaue Lektüre der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB).

Keine 100 Prozent Auszahlung der Maximalquote

Wieviel Prozent der ausgehandelten Quotenwerte weitergegeben werden, dazu schweigen die Anbieter und Zwischenhändler – schließlich befinde man sich im Wettbewerb. Bei Elektrovortei.de erhält man ähnlich einer Versicherung einen festgelegten Mindestbetrag und partizipiert bei positiven Ausschlägen, also zunehmenden Preisen pro Tonne CO2, am Gewinn. „Aber, Achtung – die Prämie via Quotenhandel ist ein zusätzliches Taschengeld und sollte besser nicht als Basis in einen Business-Case mit eingerechnet werden“, gibt Marc Schubert von Elektrovorteil seinen Kunden generell mit auf den Weg. Das heißt: Dieser Obolus pro Fahrzeug kann die Zahlen optimieren, nicht aber eine tragende Säule im Fuhrparkbetrieb sein.

Handling des Quotenhandels

„Für die Abwicklung bieten wir zusätzlich zur vereinbarten Mindestquote spezielle, auf Flottenkunden spezifizierte Software an – alles in Richtung Massendatenhandling – ich kann bei uns mehrere hundert Fahrzeugscheine gleichzeitig hochladen“, sagt Schubert. Man wolle den Quotenhandel so komfortabel wie möglich gestalten. Dazu bietet das Startup ein Flottenportal an, auf dem die Fuhrparkmanager stets den Überblick über ihren Bestand und den jeweiligen Bearbeitungsstatus haben. „Über eine automatisierte Schnittstelle kann der Fuhrparkverantwortliche seine Flottenmanagementsoftware an uns anbinden“, so Schubert weiter. Gerade für Großflottenkunden könne dies interessant sein.

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Marc Schubert von Elektrovorteil.de
Foto: Elektrovorteil
Marc Schubert, Geschäftsführer von Elektrovorteil sowie Gründer und CEO von Ecoturn

Beim Quotenhandel betreue M3E neben vielen Privatkunden und einigen Fahrzeugherstellern und deren Kunden auch mehrere Fuhrparks von Unternehmen. Mit einigen von ihnen bestehe allerdings eine Geheimhaltungsvereinbarung. Ein Fuhrpark-Großkunde, für den M3E die THG-Quoten abwickelt, ist die Stellantis Gruppe. Im Rahmen ihrer Fördermittelberatung und Antragsstellung hat das Beratungsunternehmen laut Dennis Schneider nicht nur die THG-Quote auf dem Schirm.

Und auch M3E berichtet, die Kunden schätzten transparente IT-Plattformen, auf die sie die Dokumente hochladen und jederzeit sehen können, ob eine Auszahlung eingeleitet. Ein solches Tool bieten nicht alle Quotenhändler an.

Wichtig: Wenn ein Fuhrparkmanager externer Dienstleister für ein Unternehmen ist, muss rechtlich geklärt sein, dass er für das Unternehmen mit den Quoten handeln darf. Das heißt auch, dass das Unternehmen der Halter der Firmenfahrzeuge ist – egal ob gekauft oder geleast.

Ladesäulen im Quotenhandel

Das B2B Handelsunternehmen Berner Group, deren Elektrifizierung The Mobility House vornahm, hat in Deutschland aktuell 48 Ladestationen. Diese sind aber (bislang) ausschließlich der Firmenflotte und den Mitarbeitern zum Laden vorbehalten, fallen somit nicht unter die Quotenregelung. Die belohnt nur rund um die Uhr zugängliche Ladesäulen auf öffentlichem oder halböffentlichem Gelände.

Volatiler Markt

Wie sich der Markt weiterentwickeln werde, bewertet Schneider angesichts der globalen Krisen wie Ukrainekrieg, Ölkrise und weiteren internationalen Anspannungen als sehr schwer vorhersehbar. „Die Quote sinkt derzeit“, beobachtet der Elektromobilitätsanalyst. „Eine geringere Nachfrage nach Benzin und Diesel führt dazu, dass weniger THG-Quoten zum Ausgleich der Emissionen benötigt werden und folglich der Preis fällt. Generell ist momentan recht viel Unsicherheit auf dem Markt.“

Eine weitere Unbekannte, die Schneider zu bedenken gibt: „Jedes Jahr werden vom UBA im Austausch mit dem Bundesministerium für Umwelt und Sicherheit (BSI) bestimmte Faktoren festgelegt, aus denen sich die Quote berechnet.“ Also wieviel Quote pro Fahrzeug entsteht. „Derzeit beträgt der Schlüssel bei den Personenkraftwagen (M1) ungefähr 0,86, bei den Nutzfahrzeugen (N1) ungefähr 1,2 Quote pro Fahrzeug.“ Der Anteil des grünen Stroms im Netz wird in die Quote eingerechnet.

Dieser Schlüssel könne sich plötzlich oder in den nächsten Jahren immer wieder ändern. Das sei einer von vielen Unsicherheitsfaktoren, weshalb der Markt momentan sehr schwer vorhersehbar sei. Die aktuelle Gesetzgebung der EU basiert auf der RED 2 (Renewable Energy Directive oder auch Renewable Fuel Directive), RED 3 ist in Planung.

Fazit

Noch herrscht Goldgräberstimmung unter den THG-Quotenhändlern. Vermutlich werden einige wenige, die nicht alleine diesen Fördermittelservice anbieten, mit einem guten Geschäftsmodell überleben. Fuhrparkmanager sollten daher genau hinsehen, mit wem sie ihren THG-Quotenhandel betreiben.

Tipp:

Aktuell schießen THG-Quotenhändler wie Pilze aus dem Boden und versprechen auf ihren Webseiten hohe Verkaufserlöse. Doch ist bei der Auswahl des Vertragspartners Vorsicht geboten. Denn einige revidieren ihr Werbeversprechen von der Mindestauszahlung direkt wieder in den AGB. Achten Sie deshalb auf seriöse Anbieter auf dem Markt, z. B. bekannte Firmen aus der Fuhrparkbranche.

Achten Sie im Vorfeld darauf, dass …

  • … der Händler auch gewerbliche Flotten und Ladepunkte berücksichtigt und eine Umsatz Steuer ID und AGB vorweisen kann.
  • … die Vertragslaufzeit mit dem Händler nicht länger als das Kalenderjahr dauert. Da der Markt noch jung ist und sich die Konditionen der THQ-Quoten-Vermarkter laufend ändern, lohnt sich eine jährliche Überprüfung der aktuellen Angebote.
  • … in den AGB des Händlers der Verkauf der THG-Zertifikate garantiert wird.
  • … in den AGB ein garantierter Mindestpreis für das THG-Zertifikat genannt wird.
  • … Sie kein Risiko eingehen und einen Flextarif mit dem THG-Quoten-Händler buchen.
  • … der vereinbarte Preis für das THG-Zertifikat auch tatsächlich bar ausgezahlt wird und nicht gespendet oder anderweitig verrechnet wird - es sei denn Ihr Unternehmen wünscht das so.
  • … der Händler angibt, wann er den vereinbarten Preis für das THG-Zertifikat auszahlt.

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