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Foto: Christian Frederik Merten
Prägnante Chromlinie und schwarze D-Säule am Renault Megane Grandtour.

bfp-Fahrtest

Renault Megane Grandtour: Mit der Kraft der drei Herzen

Erstmals bietet Renault seinen Kompakten Megane als Plug-in-Hybrid an – zunächst exklusiv als Kombi Grandtour. Wir sagen, was der Franzose kann.

Von Christian Frederik Merten

Zum Facelift im Sommer 2020 spendierte Renault seinem Kompaktmodell Megane nicht nur leicht gestraffte Linien. Zunächst exklusiv im Kombi Grandtour gibt es für den Franzosen erstmals auch einen Plug-in-Hybrid. Er fährt laut Werk 65 Kilometer rein elektrisch, was – interessant für Fuhrparks und Dienstwagenfahrer – zu Umweltbonus und Steuervergünstigungen führt. Was also kann der Megane Grandtour E-Tech Plug-in 160 in der Praxis?

Kleiner Kofferraum im Megane Grandtour Plug-in-Hybrid

Rein äußerlich ist er klassisch Megane: Großes Renault-Logo, C-förmige LED-Tagfahrleuchten, am Heck das nur durch den Rhombus unterbrochene Leuchtenband. In der Seitenansicht präsentiert sich der 4,63 Meter lange und 1,45 Meter hohe Megane Grandtour mit ansteigender Fensterlinie und  markanter Chromleiste sportlich-elegant, hier sticht die schwarz verkleidete D-Säule hervor.

Für seine Passagiere bietet er viel Platz, der kompakte Kombi von Renault. Beim Gepäck sieht das etwas anders aus, zumindest im Plug-in-Hybrid: Stecken die konventionellen Benziner 507 bis 1.504 Liter weg, sind es bei Plug-in-Hybrid nur 389 bis 1.372 Liter. Für einen Kombi dieser Größe ist das  keine Spitzenleistung.

Und das Cockpit? Macht insgesamt einen aufgeräumten Eindruck, kommt als Eigenheit mit einem zusätzlichen Audio-Bediensatelliten an der Lenksäule und nur im unteren Bereich des Armaturenträgers dürften die Kunststoffe hochwertiger wirken. Unser Megane fuhr als R.S. Line und  optionalem Bose-Paket für 1.336 Euro (alle Preise netto zzgl. USt.) vor. Das bedeutet auch 10,2-Zoll-Digitalinstrumente und 9,3-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole. Beide Monitore sind gut ablesbar,  bei der Bedienergonomie seines Infotainment-Systems Easy Link könnte Renault aber noch eine Schippe zulegen.

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Getriebe mit zwei plus vier Fahrstufen

Jetzt aber zum Antrieb. Ein Vierzylinder-Benziner mit 92 PS sowie zwei E-Motoren mit 34 und 67 PS –der schwächere als Starter-Generator – sorgen für insgesamt 158 PS Systemleistung. Die Kraftübertragung übernimmt ein sogenanntes Multimode-Getriebe. Es arbeitet kupplungslos und mit zwei Fahrstufen für den Elektroantrieb und vier für den Benzinmotor – ergibt in Summe 15 Fahrstufen- und Antriebskombinationen. Der E-Motor speist seine Kraft aus einer 9,8 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie. Der Hybridantrieb arbeitet teilweise auch seriell und treibt die Vorderräder dann nicht direkt, sondern über Generator und Elektromotor an.

Drei Fahrmodi stehen zur Wahl: Pure, My Sense und Sport. Im Pure-Modus fährt der Megane E-Tech Plug-in bis Tempo 135 rein elektrisch, und das laut Werk bis zu 65 Kilometer weit. Wir haben auf unserer Runde trotz vollen Akkus knapp 30 Kilometer rein elektrisch geschafft. Dann sprang bei elf Kilometer elektrischer Restreichweite der Verbrenner dem E-Motor bei – bei rund Tempo 70 auf der Autobahnauffahrt.

Verbrauch hängt vom Fahrprofil ab

Als Verbrauch für den Plug-in-Megane gibt Renault 1,3 bis 1,4 Liter Super und 15,0 bis 13,0 kWh je 100 Kilometer. Wer das Auto immer fleißig lädt und nur kurze Strecken fährt, mag mit so wenig Benzin sicher auskommen. Wir haben verschiedene Runden gedreht. Eine knapp 220 Kilometer lange Verbrauchsrunde startete mit vollem Akku und führte uns zu je rund einem Viertel durch die Stadt und über Land sowie etwa zur Hälfte über die Autobahn. Das Resultat: 6,0 Liter Super und 8,1 kWh Strom. Je nach Fahrprofil kommt man hier sicherlich auf verschiedene Ergebnisse. Über den gesamten Test hinweg mit einem deutlich höheren Autobahnanteil waren es bei uns 6,8 Liter und 4,2 kWh. Gefahren sind wir übrigens im My-Sense-Modus, der das Zusammenspiel von Verbrenner und E-Motor automatisch steuert und in der Stadt auch rein elektrisch fährt. Zeitweise haben wir außerdem die E-Save-Funktion genutzt, für eine elektrische Reserve am Zielort. Dann greift das System die Leistung des Elektromotors nur begrenzt ab.

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Ein bisschen Saft während der Fahrt bekommt der Megane-Akku auch bei Wahl der Fahrstufe B. Die Rekuperation macht den Tritt aufs Bremspedal dann meistens zunächst überflüssig. Komplett stoppt der Megane so allerdings nicht, vor der roten Ampel bedarf es weiter des Bremspedals. Ist der Akku leer, lässt er sich mit maximal 3,6 kW Ladeleistung füllen. Die erreicht er in der Praxis mal mehr und mal weniger.

Wer ein sportives Auto sucht, für den ist der Megane Plug-in-Hybrid sicherlich nicht die erste Wahl. Da nützen auch die perfekt sitzenden Sportsitze der R.S. Line mit ihren integrierten Kopfstützen nichts. Eine lahme Ente ist der Renault zwar nicht, die drei Motoren liefern ausreichend Power für alle regulären Verkehrssituationen. Insgesamt besitzt der kompakte Kombi aber eben ein ausgeglichenes-komfortables Gemüt, das seine effizienzorientierte Ausrichtung weder verbergen will noch kann.

Typische Renault-LED-Tagfahrleuchten auch für den Megane Grandtour E-Tech Plug-in 160.
Am Heck des Megane Grandtour zieht das nur vom Renault-Logo unterbrochene Leuchtenband die Aufmerksamkeit auf sich.
Cockpit mit größtem verfügbaren Touchscreen. Der 9,3-Zoll-Monitor ist gut ablesbar, die Menüstruktur erschließt sich aber nicht sofort.
Als Plug-in-Hybrid fasst der Grandtour-Kofferraum lediglich 389 bis 1.372 Liter.
Das optionale Mode-3-Ladekabel für Wallbox und AC-Ladesäule (Aufpreis 252 Euro) findet in einer speziellen Tasche Unterschlupf.
Serienmäßig gibt es lediglich ein Mode-2-Kabel für die Haushaltssteckdose. Extra Kabel-Staufach unterhalb des Ladebodens.
Der Einfüllstutzen für das Benzin sitzt auf der linken Fahrzeugseite.
Rechts befindet sich dagegen der Ladeanschluss für den 9,8-kWh-Akku.
Sportsitze mit Top-Seitenhalt in der R.S. Line.

Megane Intens als erste Wahl

Neben dem Plug-in-Hybrid bietet Renault für den Megane Grandtour reine Benziner mit 114, 140 und 158 PS sowie einen Diesel mit 115 PS an. Vielfahrer können sich den Selbstzünder mal genauer anschauen – wobei der Megane heute auch mit 140 oder 150 PS nicht übermotorisiert wäre. Bei den konventionellen Benzinern lohnt sich der Blick auf die goldene Mitte.

Und die Ausstattung? Aus Life, Zen, Intens und R.S. Line empfehlen wir den Megane Grandtour Intens. Dann sind Zweizonen-Klimaautomatik, Digitaltacho, Easy Link mit Android Auto und Apple Carplay sowie mit Sieben-Zoll-Touchscreen, Einparkhilfe vorn und hinten, Lederlenkrad, Navi und auch Fernlicht-, Spurhalte- und Verkehrszeichenassistent an Bord. Los geht es ab 23.697 Euro für den handgeschalteten 140-PS-Benziner. Der Plug-in-Hybrid kostet in dieser Ausstattung mindestens 31.252 Euro, dann aber schon mit 10,2-Zoll-Digitalinstrumenten. Vom Listenpreis abzuziehen ist für ihn der Umweltbonus in Höhe von 6.750 Euro.

Optional wählen wir

  • das Winter-Paket mit Sitz- und Lenkradheizung (378 Euro)
  • das Infotainment-Paket mit 9,3-Zoll-Touchscreen, 10,2-Zoll-Digitalinstrumenten, Head-up-Display und Rückfahrkamera (ab 664 Euro)
  • das Driving-Paket mit zahlreichen Assistenz-Systemen (1.252 Euro)
  • das Mode-3-Ladekabel für die Wallbox und AC-Ladesäule für den Plug-in-Hybrid (252 Euro)
  • das Sicherheitstrennnetz (244 Euro) sowie den
  • Metallic-Lack (ab 546 Euro).

Übrigens: Exklusiv für gewerbliche Kunden bietet Renault den Megane und den Megane Grandtour auch in einer Business Edition an. Los geht es auf Zen-Basis ab 22.017 Euro inklusive Navi, Einparkhilfe vorn und Nebelscheinwerfern. Weil wichtige Extras für die Business Edition aber nicht bestellbar sind, greifen wir trotzdem zum Intens.

Der Renault Megane Grandtour E-Tech Plug-in 160 R.S. Line in der Kurzkritik:

Plus

  • Komfortables Fahrwerk
  • Tolle Sportsitze mit viel Seitenhalt
  • Viel Platz für die Passagiere

Minus

  • Magere Serienausstattung
  • Kleiner Kofferraum im Plug-in-Hybrid
  • Bedienergonomie des Infotainment-Systems

Technische Daten Renault Megane Grandtour E-Tech Plug-in 160 R.S. Line:

  • Fünfsitziger, fünftüriger Kompaktklasse-Kombi
  • Länge/Breite/Höhe in mm: 4.626/1.814/1.449 mm
  • Frontantrieb mit Multimode-Getriebe (zwei Fahrstufen für den Elektromotor und vier Fahrstufen für den Benziner)
  • Reihenvierzylinder-Turbo-Benzinmotor plus zwei Elektromotoren
  • Leistung Verbrennungsmotor: 67 kW (91 PS)
  • Leistung Elektromotor 1: 25 kW (34 PS)
  • Leistung Elektromotor 2: 49 kW (67 PS)
  • Systemleistung: 116 kW (158 PS)
  • Max. Drehmoment Verbrennungsmotor: 144 Nm bei 3.200 U/min
  • Max. Drehmoment im EV-Modus: 205 Nm bei 2.283 U/min
  • Rein elektrische Reichweite: 65 km
  • Kapazität Lithium-Ionen-Batterie: 9,8 kWh
  • Ladedauer 0 – 100 %: 3:00 h (16A)
  • Höchstgeschwindigkeit: 183 (EV-Modus: 135)
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 9,8 s
  • Norm-Verbrauch: 1,4 – 1,3 l; 15,0 – 13,0 kWh
  • Testverbrauch: 6,0 l; 8,1 kWh
  • CO2-Emission (WLTP): 37 – 28 g/km
  • Kofferraumvolumen: 389 – 1.372 l
  • Tankinhalt: 39 l
  • Zuladung: 453 kg
  • Schadstoffklasse: Euro 6d-ISC-FCM
  • Effizienzklasse: A+
  • KH/VK/TK: 20/22/23
  • Preis Testwagen netto: 32.933 Euro

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