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Carsten Schopf leitet als Direktor Flotten das Groß- und Gewerbekundengeschäft bei Renault und Dacia in Deutschland.
Foto: Renault
Carsten Schopf leitet als Direktor Flotten das Groß- und Gewerbekundengeschäft bei Renault und Dacia in Deutschland.

bfp-Interview

Renault: Produktionsprio für E-Autos und PHEVs

2013 startete der Zoe, nun markiert der Megane E-Tech den Beginn Renaults zweiter Elektro-Offensive. Flottendirektor Carsten Schopf im Gespräch.

Carsten Schopf, Direktor Flotten bei Renault in Deutschland, im Gespräch mit bfp FUHRPARK & MANAGEMENT über die aktuelle Lieferfähigkeit der Franzosen, die Elektrifizierung der Marke Renault sowie die Relevanz der Marke Dacia für Flotten- und Gewerbekunden.

Chipmangel: „Sämtliche Optionen bestellbar“

Herr Schopf, wie lange warten Groß- und Gewerbekunden in Deutschland derzeit auf einen neuen Renault?

Carsten Schopf: Das lässt sich pauschal nicht sagen. Zoe oder Twingo Electric sind in drei bis vier Monaten lieferbar, es gibt aber auch Modellreihen mit derzeit sechs bis sieben Monaten Lieferzeit.

Wie hängen die Lieferzeiten von der gewählten Ausstattung ab?

C. Schopf: Der Halbleitermangel betrifft bestimmte Ausstattungen und Optionen mehr als andere. Deshalb: Die Wahl bestimmter Optionen kann momentan leider zu verzögerten Auslieferungen führen. Das Problem betrifft die gesamte Branche.

Bei welchen Optionen ist die Lage aktuell besonders kritisch?

C. Schopf: Da sehen wir bei Renault und Dacia keine besonderen Schwerpunkte. Bei uns sind grundsätzlich derzeit sämtliche Optionen bestellbar, wir haben keine Ausstattungen für die Bestellung gesperrt.

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„Seit Anfang 2022 mit neuem Preismodell aktiv“

Als Beispiele für die kürzesten Lieferzeiten haben Sie zwei Elektrofahrzeuge genannt. Steuern Sie Halbleiter derzeit gezielt in die Produktion von Elektroautos?

C. Schopf: Wir sehen derzeit eine hohe Nachfrage nach Elektroautos und Plug-in-Hybriden. Das hat natürlich zur Folge, dass unsere Produktionskapazitäten hier zuerst belegt werden. Insgesamt versuchen wir immer, möglichst flexible und pragmatische Lösungen im Sinne unserer Kunden zu finden.

Welche Auswirkungen hat die Halbleiterkrise auf Ihre Preisstrukturen für Groß- und Gewerbekunden?

C. Schopf: Der Halbleitermangel führt zu weniger Produktion und Angebot. Deshalb überdenken viele Autohersteller ihr Vertriebssystem. Das gilt auch für uns, und im Einklang mit der Renaulution-Strategie, die unser CEO Luca de Meo ausgerufen hat, fokussieren wir uns auf margen- und renditestarke Vertriebskanäle. Im Flottensegment bedeutet das den vornehmlichen Blick auf kleine und mittelgroße Fuhrparks. Natürlich verlieren wir unsere Großkunden dabei nicht aus den Augen. Aber wir haben unsere Preisstruktur in dieser Teilzielgruppe angepasst und sind seit Jahresbeginn 2022 mit einem neuen Preismodell am Markt aktiv.

Erster vollelektrischer Renault-Kompakter ab März

Im März starten Sie den Verkauf des Megane E-Tech, mit dem Sie Ihre Elektroauto-Palette nach oben abrunden. Wie ist das Auto positioniert?

C. Schopf: Der neue Megane E-Tech ist ein Game Changer für uns. Mit rein elektrischen Fahrzeugen waren wir bislang vor allem in den kleineren Segmenten aktiv. Mit dem neuen vollelektrischen Megane E-Tech startet Renault in eine neue Ära – der neue Mégane Electric ist das erste Modell der Strategie Renaulution und unsere erste rein elektrische Alternative im Kompaktsegment. Das Fahrzeug bietet bis zu 470 Kilometer WLTP-Reichweite sowie neue Infotainment- und Fahrerassistenzsysteme. Wir glauben, dass es deshalb nicht nur für den Einsatz in Funktionsflotten, sondern vor allem auch als Dienstwagen hervorragend geeignet ist.

Anders als zunächst geplant bieten Sie den Megane E-Tech in der Version mit kleinem 40-kWh-Akku optional mit einer Schnellladefunktion an. Was hat Sie zu dem Schritt bewogen?

C. Schopf: Es gibt zwei Gründe für diesen Schritt. Erstens denken wir, dass eine Schnellladefunktion das Thema Elektromobilität noch einfacher erlebbar macht. Zweitens beeinflusst ein Schnelllader an Bord auch das Restwertverhalten der Fahrzeuge positiv.

In der Basis Equilibre verfügt der Megane E-Tech aber weiter nur über eine AC-Lademöglichkeit. Und die sogar nur mit 7 statt 22 kW. Was ist der Grund?

C. Schopf: Wir wollen den Kunden, die zuhause laden können und die das Fahrzeug mehr im städtischen Gebrauch nutzen, eine auch preislich attraktive Option bieten. Damit bieten wir ein breites Spektrum an Lademöglichkeiten an: von AC mit 7 kW über AC mit 22 kW bis hin zum 130-kW-DC-Charger, mit dem bis zu 300 km Reichweite in 30 Minuten geladen werden können.

Welche neuen Elektroautos planen Sie darüber hinaus?

C. Schopf: Der nächste vollelektrische Renault wird der Kangoo Rapid E-Tech sein. Insgesamt werden wir unsere Palette an Elektroautos deutlich ausbauen. Bis 2024 werden wir in jedem unserer Pkw-Kernsegmente ein reines Elektroauto anbieten. Bis 2025 wird die Marke Renault sieben vollelektrische Fahrzeuge auf den Markt bringen.

Null NCAP-Sterne für den Renault Zoe: „Ist ein sicheres Fahrzeug“

Den letzten NCAP-Crashtest hat der Zoe mit null Sternen absolviert. Wie steuern Sie gegen?

C. Schopf: Zunächst möchte ich ganz klar unterstreichen: Der Zoe ist ein sicheres Fahrzeug und erfüllt alle gesetzlichen Vorschriften. Die Euro-NCAP-Bewertung stellt in keiner Weise die Homologation des Zoe in Frage. Das Modell ist seit 2013 auf dem Markt und absolvierte den NCAP-Crashtest zum Marktstart mit fünf Sternen. Unsere Herausforderung ist die ständige Weiterentwicklung der NCAP-Bewertungskriterien. Das Euro-NCAP-Protokoll hat sich seit 2013 fünfmal geändert. Bei gleicher Ausstattung kann ein Modell bei jeder Protokolländerung 1 bis 2 Sterne verlieren. Wir investieren weiter in das Fahrzeug. Der Zoe bleibt auch in den nächsten Jahren modern und attraktiv.

Welche Neuheiten stehen bei Renault 2022 außer dem Megane E-Tech auf dem Plan?

C. Schopf: 2022 ist das erste volle Verkaufsjahr des Renault Kangoo, den wir letztes Jahr eingeführt haben. Als weitere Neuheit präsentieren wir gegen Jahresende den Nachfolger unseres Kompakt-SUVs Kadjar, der auf einer komplett neuen Plattform stehen und den Namen Austral tragen wird.

Wenn wir unterstellen, dass der Austral technisch sehr eng mit dem Nissan Qashqai verwandt sein wird: Wird der serielle Hybrid ein Thema sein?

C. Schopf: Bitte haben Sie Verständnis, dass wir derzeit noch keine Angaben zu den Antriebsvarianten machen möchten.

Wie geht es mit Talisman, Koleos, Scenic und Espace weiter? Verlautbarungen zufolge haben diese Modelle ja eher geringe Überlebenschancen.

C. Schopf: Wir möchten uns nicht an Spekulationen beteiligen. Wenn es Veränderungen in unserer Modellpalette gibt, werden wir diese natürlich zum gegebenen Zeitpunkt kommunizieren.

Gewerbekunden-Konditionen für den Dacia Jogger

Wenn wir auf Dacia blicken: Ist der neue Jogger als Mix aus Kombi, Van und SUV und bis zu sieben Sitzen ein Thema für Flotten- und Gewerbekunden?

C. Schopf: Auf jeden Fall. Der Dacia Jogger ist seit Dezember bestellbar und für Flotten- und Gewerbekunden haben wir ein Paket mit speziellen Leasingkonditionen geschnürt. Was Dacia in unserer Zielgruppe besonders interessant macht, ist übrigens nicht nur das optimale Preis-Leistungs-Verhältnis, sondern auch die hohe Restwertstabilität.

Das heißt, anders als in der Vergangenheit spielt die Marke Dacia heute eine größere Rolle in Ihrer Flotten- und Gewerbekundenstrategie?

C. Schopf: Ja. Auch wenn wir sagen müssen, dass sich die Nachfrage nach Dacia-Modellen weiter auf bestimmte Teilzielgruppen eingrenzen lässt, vor allem Kleingewerbetreibende oder Kommunen.

Mit Blick auf den Sandero: Gilt das auch für Pflegedienste?

C. Schopf: Bedingt. Weil der Sandero für den Einsatz im urbanen Raum schon fast zu groß ist. Für Pflegedienste sind oftmals noch kleinere Fahrzeuge interessanter. Pflegedienste würden wir bevorzugt mit dem Dacia Spring ansprechen, der deutlich kleiner ist und mit seinem Elektroantrieb mit 230 Kilometern Reichweite ideal ist für einen solchen Einsatzzweck.

Werden Sie auch Dacia – über den Spring hinaus – weiter elektrifizieren?

C. Schopf: Was vollelektrische Modelle angeht, geben wir uns noch Zeit. Der Kern der Marke ist, das Essenzielle anzubieten, das tun wir mit dem Spring. Zudem setzen wir stark auf Flüssiggas. Der Jogger wird ab 2023 auch als Hybrid angeboten werden.

Sie bieten den Kangoo mit zwei Radständen an, darunter rangiert auf selber Basis als Einstiegsmodell der noch kürzere Renault Express als Nachfolger des Dacia Dokker. Welche unterschiedlichen Zielgruppen sprechen Sie mit den Modellen an?

C. Schopf: Neben der Größe unterscheiden wir bei Express und Kangoo Rapid auch in der Ausstattung. Der Renault Express ist einfacher ausgestattet als der Kangoo Rapid und spricht deshalb vor allem junge Unternehmen an oder Serviceflotten, die reine Basis-Mobilität im Transportersegment suchen. Der Kangoo Rapid zielt dagegen auf Unternehmen, die auch bei ihren Kompakttransportern Wert auf bessere und umfangreiche Ausstattung legen. Zum Beispiel ist ein wesentlicher USP des Kangoo Rapid, der optionale Wegfall der B-Säule rechts für bessere Beladbarkeit, im Express nicht bestellbar.

Mobilize: Marke für alle Renault-Services rund um die Mobilität

Zu Mobilize, der globalen Mobilitätsmarke der Renault Group: Welche Aktivitäten planen Sie in Deutschland?

C. Schopf: Mobilize befindet sich in Deutschland in der Startphase. Unter Mobilize fassen wir alle Services rund um die Mobilität zusammen, auch die Elektromobilität, die sich dem Fahrzeug selbst nicht zuordnen lässt. Ein Beispiel ist die Unterstützung bei der Fuhrpark-Elektrifizierung, beim Aufbau einer Ladeinfrastruktur. Mobilize betrifft aber auch das Thema Nutzungskonzepte über den Besitz hinaus, also die Themen Abo, Miete oder Sharing. Das Renault Abo bieten wir heute schon in Deutschland an, über andere Ideen denken wir nach. Im ersten Schritt beginnen wir zusammen mit GP Joule Connect unter der Marke Mobilize Power Solutions mit der Optimierung der Ladeinfrastruktur in Unternehmensflotten. Als nächstes werden wir die Ladekarte Mobilize Charge Pass einführen, die multifunktional ausgelegt ist und Kunden auch Lade- und Verbrauchsstatistiken liefert.

Wenn Sie an die Elektromobilität denken: Was sind derzeit die praktischen Probleme und welche Lösungen wären dafür denkbar?

C. Schopf: In den vergangenen Jahren hat die Elektromobilität große Fortschritte erfahren, viele Herausforderungen sind bereits gelöst. Nehmen Sie zum Beispiel die mittlerweile gute Ladeinfrastruktur entlang der Autobahnen. Als Fahrer eines E-Autos fallen mir jedoch zwei Punkte ein, für die ich noch Optimierungsbedarf sehe. Erstens: die heterogene Ladekarten-Landschaft. Weil nicht jede Karte an jeder Säule akzeptiert wird, besitzen viele Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos heute immer noch vier oder fünf Ladekarten oder -Apps , um flexibel laden zu können. Um diese Problem zu lösen, müssen wir auf integrierte Ladesysteme setzen. Zweitens: Lademöglichkeiten für Laternenparker. Für sie ist die öffentliche Ladeinfrastruktur noch nicht ausreichend ausgebaut. Die Lösung dieses Problems ist allerdings eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Und auch für Tiefgaragenbesitzer und -eigentümer muss es noch einfacher werden, eine eigene Ladeinfrastruktur aufzubauen.

Herr Schopf, herzlichen Dank für das Gespräch.

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