Foto: Jörn Wolter - Renault Deutschland

bfp-Interview

Renault: "Wir haben eine schnelle Lösung gefunden"

Renault-Flottenkundenchef Carsten Schopf über die Elektromobilität, neue Modelle und die Relevanz einzelner Segmente für die Franzosen.

Inhaltsverzeichnis

Von Christian Frederik Merten

Renault zählt zu den globalen Elektroauto-Pionieren. Was die Franzosen in diesem Jahr vorhaben, erklärt Carsten Schopf, Direktor Flotten bei Renault in Deutschland, im Gespräch mit bfp fuhrpark & management.

Renault-Elektroauto-Zuschuss mit deutlichem Vorsprung

bfp: Herr Schopf, mit der Erhöhung des eigenen Umweltbonus für Elektroautos ist Renault quasi in Vorleistung für die staatliche Förderung gegangen. Welche Resonanz löste dieser Schritt im Flotten- und Gewerbekundenmarkt aus?

Carsten Schopf: Wie Sie richtig sagen, haben wir eine schnelle Lösung zur Förderung der Elektromobilität gefunden und bieten unseren Kunden damit einen Vorsprung gegenüber den staatlichen Zuschüssen. Unser Bonus wird auch vom Flotten- und Gewerbekundenmarkt sehr gut angenommen. Auch und besonders diese Zielgruppe wünscht sich Sicherheit und Planbarkeit und die bieten wir ihr mit unserem Elektrobonus. Unsere Initiative kommt insgesamt extrem gut an. Im Januar haben wir mit 1.800 Zulassungen allein für den Zoe einen neuen Verkaufsrekord erzielt.

bfp: Sie spüren also eine höhere Nachfrage nach Elektroautos in der Zielgruppe?

C. Schopf: Auf jeden Fall. Mit über 50 Prozent ist der Anteil der relevanten Flotten an unseren Elektroautokunden per se schon doppelt so hoch wie im Gesamtschnitt. Viele Kunden haben ihre Kaufentscheidung schon im letzten Jahr getroffen, die Bestellung wegen der Ankündigung neuer Förderprogramme durch die Bundesregierung aber noch hinausgezögert. Diese Kunden bestellen ihr Fahrzeug jetzt nach der Einführung unseres Umweltbonus, was sich natürlich positiv in unseren Orderbüchern niederschlägt.

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Kleinere Fuhrparks entscheiden sich schneller für Elektroautos

bfp: In welche Flotten und Fuhrparks verkaufen Sie besonders viele Elektroautos?

C. Schopf: Grundsätzlich verspüren wir über alle Unternehmens- und Fuhrparkgrößen hinweg ein größeres Interesse an Elektrofahrzeugen. Kleineren Unternehmen fällt allerdings oftmals die Kaufentscheidung leichter. Einfach weil sie aus ihrer Struktur heraus weniger Bedenken haben, wie sie zum Beispiel an mehreren Standorten eine Ladeinfrastruktur aufbauen oder mehrere hundert Mitarbeiter in den Prozess einbinden.

bfp: In welcher Form beraten Sie Kunden, die sich für ein Elektroauto interessieren?

C. Schopf: Wir müssen Elektroauto-Käufer anders ansprechen als Käufer eines Diesels oder Benziners. Die meisten dieser Kunden hatten in der Regel noch keine Berührungspunkte mit Elektroautos. Es geht also im ersten Schritt darum, diesen neuen Antrieb zu erfahren. Dann geht es natürlich auch im die Themen Laden und Ladeinfrastruktur. Bereiche, die viele Kunden im Vorfeld oft noch gar nicht bedacht haben.

bfp: Wie beraten und unterstützen Sie Ihre Kunden denn beim Aufbau einer Ladeinfrastruktur?

C. Schopf: Wir bieten in diesem Bereich eine intensive, auf den Kunden abgestimmte Beratung an. An erster Stelle steht dabei die Analyse des Kundenfuhrparks. Das machen wir gemeinsam mit dem Kunden, um festzustellen, ob Elektroautos überhaupt zum individuellen Bedarf und Fahrprofil dieses Kunden passen. Erst dann gehen wir die weiteren Schritte und stehen dem Kunden bei der Fahrzeugwahl und dem Aufbau der Ladeinfrastruktur zur Seite.

Kleinere Fuhrparks weiterhin im Fokus

bfp: Unabhängig von den Motorisierungen: Legen Sie Ihren strategischen Schwerpunkt weiterhin auf kleinere Fuhrparks?

C. Schopf: Grundsätzlich ja. Schwerpunkt unserer Arbeit im letzten Jahr waren kleinere Fuhrparks und damit auch die Zusammenarbeit mit unseren Händlern. Dazu gehörten zum Beispiel spezielle Vertriebsprogramme für Kleinflotten. Das bauen wir 2020 aus auch auf mittelgroße Flotten. Natürlich sprechen wir auch in Zukunft Großflotten an, aber wenn Sie sich die Marktpyramide genau anschauen, sehen Sie natürlich, dass deutlich mehr Kunden und Volumen bei kleineren und mittelgroßen Fuhrparks existieren.

bfp: Zielgruppen, die Sie vor allem mit Ihren "Pro+"-Centern ansprechen?

C. Schopf: Genau. Das sind unsere 90 Händler-Standorte, die zum Beispiel mit speziell geschulten Verkäufern besonders qualifiziert für die Betreuung unserer Flotten- und Gewerbekunden sind.

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Mehr Elektroautos, Verbrenner aber weiter relevant

bfp: Wann wird es neue rein elektrische Renault-Modelle geben?

C. Schopf: Renault ist Pionier im Bereich der Elektromobilität. Und wir werden unser Angebot an batterieelektrischen Fahrzeugen in Zukunft deutlich ausbauen. Bis 2022 werden wir die Palette auf dann acht Modelle erweitern. Eines davon ist der neue Twingo Z.E., der in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen wird. Parallel dazu werden wir auch das Angebot an Plug-in-Hybriden und Hybriden ausbauen. Wir sind uns sicher: Das neue Jahrzehnt gehört den Elektrofahrzeugen.

bfp: Verbrenner sind also Auslaufmodelle bei Renault?

C. Schopf: Nein, keineswegs. Aber der Trend zu Elektroautos ist natürlich eindeutig. Es gibt zwei Leitlinien, an denen wir uns an diesem Punkt ausrichten: zum einen die Kundennachfrage, zum anderen gesetzliche Emissionsvorgaben. Insgesamt wird vor diesem Hintergrund der Anteil der Elektrofahrzeuge zunehmen. Für bestimmte Einsatzzwecke werden Verbrenner aber auch in Zukunft ihre Berechtigung haben. Ich denke alleine an Vielfahrer wie Vertriebsmitarbeiter, für die der Diesel auf absehbare Zeit alternativlos sein wird.

Renault Clio erstmals mit Vollhybrid

bfp: In welchen Zielgruppen stoßen die neuen Clio und Captur auf eine besonders große Resonanz?

C. Schopf: Für den Captur verspüren wir derzeit eine sehr hohe Nachfrage vor allem von User-Choosern. Der Clio spricht als klassisches Funktionsfahrzeug vor allem Kunden an, die Kurz- bis Mittelstrecken zurücklegen. Im Sommer werden wir die Clio-Modellpalette übrigens um einen Vollhybrid erweitern. Und im Captur wird es einen Plug-in-Hybrid geben, der bis zu 60 Kilometer und bis zu 135 km/h rein elektrisch fährt.

bfp: Und Sie überarbeiten Sie den Megane. Was wird sich ändern?

C. Schopf: Mit der Modellpflege werden wir für den Megane erstmals eine Plug-in-Hybrid-Variante anbieten. Neben optischen Retuschen an der Karosserie haben wir das Hauptaugenmerk auf die Neugestaltung des Interieurs und die Ausweitung des Connectivity-Angebots gelegt. Das Auto bekommt auch ein komplett neues Infotainmentsystem, das sogenannte Easy-Link-System.

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Mittelklasse ist gesetzt

bfp: Viele Importmarken haben sich in Deutschland aus der Mittelklasse zurückgezogen. Welche Zukunft hat der Talisman bei Renault?

C. Schopf: Ich kann Ihnen definitiv sagen, dass wir uns nicht aus der Mittelklasse zurückziehen werden. Der Talisman ist ein sehr gutes Auto, das sich in einem zwar leicht rückläufigen, aber immer noch sehr starken Segment bewegt. Es ist hart umkämpft, aber unsere Kunden fragen den Talisman weiterhin nach. Auch bei diesem Modell werden wir im Jahr 2020 einige Neuerungen bringen.

bfp: Planen Sie einen Plug-in-Hybrid auch für den Talisman?

C. Schopf: In dieser Generation werden wir den Talisman ausschließlich mit Dieseln und Benzinern anbieten.

bfp: Welche Zukunft haben Ihre Van-Modelle Scenic und Espace?

C. Schopf: Vans sind klassische geräumige und bequeme Familienautos, die für viele User-Chooser auch heute eine wichtige Rolle spielen. Sie haben auch weiterhin einen festen Platz im Renault-Modellprogramm.

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Dacia werden größtenteils gekauft

bfp: Wann können wir mit einem neuen Dacia Sandero und Logan MCV rechnen?

C. Schopf: Generell verspüren wir eine immer stärkere gewerbliche Nachfrage nach Dacia-Modellen als Funktions- oder Poolfahrzeuge. Die Fahrzeuge bieten auch durch unser spezielles Vertriebsmodell eine gute und verlässliche Restwertprognose. Weil die Kaufquote im gewerblichen Bereich bei Dacia knapp zwei Drittel beträgt, spielt das für unsere Kunden eine wichtige Rolle. Und konkret zu ihrer Frage: Sandero und Logan MCV befinden sich jetzt am Ende ihres Lebenszyklus und werden in absehbarer Zeit einen Nachfolger erhalten. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich Ihnen einen konkreten Zeitpunkt noch nicht nennen möchte.

bfp: Seit Kurzem bieten Sie den Master auch als Elektroauto an. Was sind die Zielgruppen?

C. Schopf: Elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge werden natürlich anders eingesetzt als thermisch betriebene Varianten. Daraus ergeben sich natürlich auch andere Zielgruppen. Beim Master Z.E. mit seinen 120 Kilometern Reichweite sprechen wir vor allem von Unternehmen, die im innerstädtischen Bereich und auf Kurzstrecken aktiv sind.

bfp: Sie haben den Master aber auch generell aufgefrischt. Was ist neu?

C. Schopf: Der Master kommt mit komplett neuem Frontdesign, mit einem komplett neuen Armaturenbrett und mit überarbeiteten Motoren. Er ist ein völlig neues Auto geworden.

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Neuer Renault Kangoo noch 2020

bfp: Wann können wir mit dem neuen Kangoo rechnen?

C. Schopf: Die Einführung des neuen Kangoo ist noch für dieses Jahr geplant.

bfp: Der Alaskan ist Renaults erster Pick-Up in Deutschland. Wie schlägt sich das Modell?

C. Schopf: Wir sind mit der Entwicklung des Alaskan sehr zufrieden. Natürlich ist der Alaskan kein Mainstream-Fahrzeug, ist aber bei Individualisten unter den User-Choosern und natürlich vor allem bei Kleingewerbetreibenden wie Handwerkern sehr beliebt.

Hardware-Lieferant für Mobilitätsprovider

bfp: Welche Pfeile hat Renault in Sachen vernetzter und neuer Mobilität im Köcher?

C. Schopf: Bei Angeboten zur neuen Mobilität setzen wir auf die Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern, zum Beispiel dem Bundesverband Carsharing. Wir sehen uns hier in erster Linie in der Rolle als Hardware-Lieferant für Anbieter der entsprechenden Services. Wir haben schon heute in acht europäischen Großstädten, darunter Madrid, Paris und Kopenhagen, Carsharing- und Ridesharing-Konzepte umgesetzt. Derzeit prüfen wir, welche dieser Lösungen auch für den deutschen Markt umgesetzt werden können.

bfp: Herr Schopf, herzlichen Dank für das Gespräch.

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