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Trends im Riskmanagement

Riskmanagement: Deutliche Effekte spürbar

Wer professionelles Riskmanagement betreibt, profitiert. Von mehr Sicherheit, aber auch von spürbaren Kosteneinsparungen.

Inhaltsverzeichnis

von Alfons Wolf

Am Ende ist nur der erfolgreich, der sein Unternehmen möglichst störungs- und schadenfrei steuert. Es ist ja eine Binsenweisheit: Riskmanagement hat klare Kostenrelevanz. Eine wichtige Grundlage für jedes Riskmanagement ist dabei die sowieso vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung. Bei Fuhrparkleitern nicht geliebt, aber wichtig. „Insbesondere im Bereich der Ladungssicherheit konnte PSA in den letzten Jahren feststellen, wie strikt große Fuhrparks die aktuellen Gesetze umgesetzt haben und sich ständig fortbilden“, sagt Wilfried Völsgen, Direktor Businesskunden und Gebrauchtwagen bei PSA in Deutschland.

Vernetzung ist das A und O

Wie in anderen Bereichen ist professionelles Riskmanagement heute aber nicht mehr nur eine fundierte Umsetzung wichtiger Maßnahmen, sondern vor allem Vernetzung. „Im Riskmanagement ist immer auch die erfolgreiche Nutzung von Schnittstellen zu anderen internen und externen Bereichen entscheidend“, unterstreicht Karsten Rösel, Geschäftsführer ALD Automotive. Dazu zählen Versicherer und Servicepartner ebenso wie interne Bereiche wie die Personalabteilung und der enge Informationsaustausch mit Fahrzeugnutzern. Der Geschäftsführer der Deutschen Leasing Fleet, Frank Hägele, gibt ein Beispiel für sinnvolle Kooperationen: „Wenn Fuhrparkbetreiber im Austausch mit Kfz-Versicherern sind, können sie anhand von Schadensdaten abgleichen, wo sie im Vergleich mit anderen Fuhrparks stehen und Justierungen vornehmen.“

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Schnittstellen bestehen aber noch in ganz anderen Bereichen: So beschäftigt sich das Compliance Management mit relevanten rechtlichen Herausforderungen. Christian Schüßler, Commercial Director bei Arval Deutschland: „Das Compliance Management eines Unternehmens erweitert sozusagen den Blick des Riskmanagements.“

Datenkompetenz als Unterscheidungsfaktor

Daten sind die Rohstoffe von morgen, und auch sie spielen eine wichtige Rolle beim Riskmanagement. Akteure wie Versicherungen verfügen über eine große Expertise darin, Fuhrparkdaten auszuwerten und zu interpretieren. Ihre Analysen umfassen oft die Fuhrparkzusammensetzung und den Schadenverlauf oder Schadenquoten. Auch relevante und präventiv interessante Unfallparameter, insbesondere die Schadenfrequenzen und besondere Schadenschwerpunkte, tragen zu einer individuellen Bewertung des Fuhrparkrisikos bei.

Aber was hat der Fuhrparkmanager davon? Die Datenstrukturierung verspricht ein großes Verbesserungspotenzial im Riskmanagement, meint Andreas Brenner von Avrios. Dabei bestehen auch Wechseleffekte: Optimiert man beispielsweise die Datenlage zur Verbesserung der Fahrzeugverfügbarkeit, so führt dieser Prozess auch zu einer Entspannung der Risikosituation. Zur Datennutzung für Risiko- und Schadenanalyse sagt Coralix-Geschäftsführer Thomas Mitsch: „Die verschärften Datenschutzregeln werden dies erschweren, aber nicht verhindern.“

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Allerdings lauert in den Datenschätzen der Versicherer und Dienstleister eine große Unbekannte: Für Elektro- und Hybridautos gibt es derzeit noch keine fundierten Erfahrungswerte im Schadenmanagement und damit keine belastbare Grundlage für ein zuverlässiges Riskmanagement für diese Fahrzeuge. Mit der steigenden Verbreitung neuer Antriebstechnologien wird sich das nach Einschätzung von Philipp Berg, Commercial Director bei Athlon Germany, im Laufe der kommenden Jahre aber ändern.

Assistenzsysteme – mehr als kleine Helfer

Wo wir schon bei neuen Technologien sind: Auch Assistenzsysteme sind integraler Bestandteil des Riskmanagements. „Zweifelsohne zahlen Assistenzsysteme positiv auf Schadenhäufigkeiten ein, allerdings verteuert sich der durchschnittliche Schaden durch kostenintensivere Reparaturen“, erläutert Sebastian Kittner, Abteilungsleiter Flottengeschäft bei der Ergo, den Zielkonflikt, den viele unserer Gesprächspartner sehen. Das kann auch Dieter Jacobs, Geschäftsleitung Fuhrparkmanagement bei Leaseplan, bestätigen: „Die steigende Zahl von Assistenzsystemen führt, wenn es zu einem Schadenfall kommt, zu höheren Reparaturkosten. Was früher ein kleiner Rempler an der Stoßstange war, beschädigt heute Rückfahrkamera oder Abstandswarner.“

Die praktischen Helfer fördern die Nachlässigkeit

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Eines ist für die Wirksamkeit der technischen Helferlein aber Voraussetzung, unterstreicht Carsten Panzer, Underwriter Kfz bei der R+V Versicherung: „Für einen positiven Effekt muss der Fahrer mit den Assistenzsystemen vertraut sein und diese auch einsetzen und darf zum Beispiel den automatischen Bremsassistent nicht ausschalten.“ Wie sich das (teil-) autonome Fahren künftig auf das Riskmanagement auswirkt, bleibt dabei abzuwarten. Achim Welter, Direktionsbevollmächtigter Kraftfahrt Gewerbe bei der Alten Leipziger, erwartet, dass die immer mächtigere Technik das Fahrer-Rollenbild vom Fahrzeuglenker in Richtung Systemüberwacher verändern wird.

Bei den vielen technischen Neuerungen wird aber allzu häufig der Mensch vergessen. Guido Grewe, Senior Specialist Sales Fleet bei Imperial, mahnt: „Grundsätzlich muss das Riskmanagement von den Nutzern akzeptiert werden, denn den größten Einfluss auf Schäden haben immer noch die Fahrer selbst.“ Tönnjes Eller, Leiter Kraftfahrt Gewerbe bei der VHV, geht noch einen Schritt weiter: „Das Riskmanagement muss für eine optimale Wirksamkeit in der Unternehmenskultur verankert sein.“

Neue Technik einschätzen lernen

Aber trotz aller moderner Technik: Schäden, die durch Ablenkung entstehen, zum Beispiel durch die Bedienung von Smartphones während der Fahrt, nehmen seit Jahren zu. Carmobility-Geschäftsführer Matteo Carlesso begrüßt daher die im Oktober 2017 verschärften Bußgelder für die Handynutzung am Steuer. „Durch die zunehmende Sensibilisierung für dieses Thema können die Unfallhäufigkeit und damit die Schadenkosten perspektivisch reduziert werden.“

Matthias Rotzek, Managing Director der Traxall Germany, nennt weitere Gefahrenpotenziale moderner Technik, bei denen er aber auch die Politik gefordert sieht: „Der E-Scooter beispielsweise birgt mit der neuen Gesetzgebung aus unserer Sicht erhebliche Risiken für Mitarbeiter.“ Unternehmen, die ihren Mitarbeitern diese neue Mobilitätsform anbieten, müssen auf jeden Fall eine Risikoabwägung treffen.

Fahrer digital betreuen

Aber nicht nur die Schadensursachen wandeln sich, sondern auch die Fahrer. Fahrer seien in Zukunft ganz anders zu betreuen und zu lenken, meint Horst Hirte, Business Development Manager Fuhrparkmanagement bei F+SC: „So ist zum Beispiel die Steuerung der Fahrzeugnutzer durch definierte Prozesse und Abläufe mittels einer App heute deutlich erfolgreicher, als die bisher gewählte Methode, dem Fahrzeugnutzer schriftliche Dokumentationen und Anweisungen zu übergeben.“ Diese Unterlagen waren bei Bedarf häufig nicht vor Ort und sehr umständlich in der Handhabung. Das Smartphone gehört mittlerweile aber zur Standardausrüstung der meisten Mitarbeiter. Ähnlich sieht es CPM-Geschäftsführer Mattes Decker: „Auch die Bearbeitung von Schäden mit digitalen Tools, wie Fahrer-Apps wird in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein.“

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Das sollten die Fahrer allerdings nicht während der Fahrt tun. Denn es stimmt, was Ralph Feldbauer, Chef-Riskmanager bei der Allianz, so zusammenfasst: „Kfz-bedingte Schadensereignisse ‚passieren‘ nie einfach so, sondern sie werden immer ‚verursacht‘.“ Wer daran arbeitet, wird übrigens ganz messbar belohnt. Bei Alphabet Deutschland geht man davon aus, dass professionelles Riskmanagement zu 20 Prozent geringeren Kosten führen kann. „Das Einsparpotenzial eines strukturierten Schadenmanagements liegt durchaus noch um einiges darüber“, so Thomas Schweiger, Leiter Versicherungen und Schadenmanagement bei Alphabet. Wenn das mal keine Aussichten sind.

Übrigens: Weitere Informationen rund um das Thema Riskmanagement bietet auch das bfp Fuhrpark-FORUM 2020!

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