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Risikomanagement im Fuhrpark

Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht

So dichtete Joachim Ringelnatz. Auch Fuhrparkmanager sollten trotz Risiken und neuer Techniken nicht verzweifeln, sondern einige wichtige Tipps beherzigen.

Inhaltsverzeichnis

Von Alfons Wolf

Effizientes Risikomanagement fußt zunächst auf einer umfassenden Analyse. Die Daten dafür stammen idealerweise aus einem funktionierenden Reporting. Analyseschwerpunkt ist der menschliche Faktor im Fuhrpark.

Im zweiten Schritt sollten die Wegstrecken und die Flotte selber auf mögliche Verbesserungspotenziale untersucht werden. Branche, Flottengröße und -struktur sowie Einsatzart der Fahrzeuge sind dabei die wichtigsten Parameter.

Risikomanagement heißt, immer am Ball bleiben

Die extrem schnelle Entwicklung bei Analysewerkzeugen und -methoden unterstützt zum einen den Analyseprozess, doch auf der anderen Seite müssen Fuhrparkmanager am Ball bleiben, um von der Entwicklung nicht abgehängt zu werden.

"Während Machine Learning und Künstliche Intelligenz vor wenigen Jahren noch absolutes Expertenwissen waren, werden heute ununterbrochen neue Einsatzgebiete erforscht. Und das nicht nur von IT-Experten", sagt Dirk Albrecht, Leiter Underwriting Kraftfahrt Gewerbe bei der VHV Allgemeine Versicherung AG.

"Wir sind der Überzeugung, dass hier ein großes Potenzial liegt, viele vorhandene Daten wurden in der Vergangenheit nicht berücksichtigt, da sie nur unstrukturiert vorliegen". Die Prüfung der Unfallursachen und Schadenorte komplettiert die Analyse. Sie soll mögliche Auffälligkeiten bei den Schadenverläufen aufdecken.

Vorteile des systematischen Risikomanagements

Was hat der Fuhrparkmanager für sich und seinen Arbeitgeber durch ein systematisches Risikomanagement zu gewinnen? Im Vordergrund steht vor allem die Reduzierung der Schadenhäufigkeit und der damit verbundenen Aufwendungen. In der Folge senkt dies auch die Kosten für die Schadenbearbeitung.

Das Schadenmanagement ist Kernbestandteil des Risikomanagements, aber nicht der einzige Bereich, der Ansatzpunkte bietet Einsparpotentiale zu heben. Eine langfristige Gesamtkostenstabilität freut die Controller und Finanzer im Unternehmen ebenso.

Der Einkauf profitiert von einer verbesserten Verhandlungsbasis im Gespräch mit Versicherern. Und die Transparenz über Schadenursachen durch eine standardisierte Dokumentation bringt allen Ebenen und Bereichen mehr Entscheidungsklarheit.

Fahrer und Mitarbeiter sind wesentliche Faktoren

"Den größten Einfluss auf Schäden haben nach wie vor die Fahrer", konstatiert Carsten Wagner, Leiter Technischer Service Deutsche Bahn Connect. Zur absoluten Grundausstattung bei der Betreuung der Fahrer sollten daher Schulungen, Nutzerkreiseinschränkungen und Anreizsysteme gehören.

Wichtig ist laut Ralph Feldbauer von Allianz Deutschland daher die proaktive Sensibilisierung, den Mitarbeitern bewusst zu machen, dass defensives und gelassenes Verhalten im Straßenverkehr zur Erhöhung der persönlichen Sicherheit und Reduzierung von Betriebskosten beiträgt.

"Fahrtechniken für den Ernstfall erlernen"

Flankierend können Fahrer-, Fahrsicherheits- als auch Anti-Stress-Trainings eingesetzt werden. "Diese sollen mit den jeweils unterschiedlichen Ansätzen vor allem dazu dienen, das Verhalten und die Grenzen des Fahrzeugs unter professioneller Anleitung kennenzulernen und Fahrtechniken für den Ernstfall zu erlernen", unterstreicht Jan Dommermuth, Geschäftsführer des Dienstleisters Car Professional Management.

Wenn es dann doch passiert, sollte mit einer sinnvollen Verankerung wichtiger Hinweise zum Vorgehen im Schadenfall den Fahrern eine klare Anleitung gegeben sein. Insgesamt ist die Car Policy für das Risikomanagement ein wichtiger Erfolgsfaktor, wie mehrere unser Experten betonten.

Mangelnde Aufmerksamkeit am Steuer ist ein Problem

Für dieses rechtliche Innenverhältnis mit den Mitarbeitern ergibt sich durch die steigende Handynutzung im Wagen Handlungsbedarf. LeasePlan Deutschland beobachtet, dass Schäden zunehmen, die durch mangelnde Fahrzeugkontrolle beziehungsweise durch mangelnde Aufmerksamkeit am Steuer entstehen – beispielsweise durch die Bedienung von Smartphones oder Tablets während der Fahrt.

Fuhrparkmanagement-Gesellschaften müssen gegensteuern und helfen, wo das Gefühl für die Gefahr vielleicht fehlt: So stattet CarMobility seine Kunden neuerdings mit dem SaveDrivePod der gleichnamigen niederländischen Firma aus:

Das System besteht aus einem kleinen, knopfgroßen Sender, einer App und einem Online-Portal für Fuhrparkmanager. Der Sender blockt die Benutzeroberfläche des Mobiltelefons, sodass lediglich die sichere Freisprechfunktion aktiv bleibt.

Intelligente IT-Lösungen gesucht

"Wir sind der Überzeugung, dass intelligente IT-Lösungen präventiv auf mögliche Schadenereignisse wirken können und gleichzeitig das Risikomanagement entlasten", so Matteo Carlesso, Geschäftsführer von CarMobility. Allerdings kann auch jeder Smartphone-Besitzer in seinen Einstellungen zumindest Mitteilungen während der Fahrt unterdrücken lassen.

Blechschäden sind unangenehm, Kosten Geld und Zeit. Doch noch größere Folgen hat es, wenn Menschen durch Unfälle verletzt oder gar getötet werden. "Hier ist es wichtig, präventive Maßnahmen zu ergreifen, die so weit als möglich dazu dienen, Unfälle mit Verletzungen von Personen zu vermeiden", ergänzt Karsten Rösel, Geschäftsführer bei ALD AutoLeasing Deutschland.

Mehr Kompetenzen für Fuhrparkverantwortliche

Die meisten Unfälle haben keine technische Ursachen, sondern werden vom Fahrzeuglenker verursacht. Die amtliche Unfallstatistik spricht eine deutliche Sprache. Die Fahrer sind insofern aus diesem Blickwinkel ein operationelles Risiko. Aber auch der Fuhrparkverantwortliche selbst ist nicht frei von Fehlern und muss viele verschiedene Dinge steuern.

Daher muss sie oder er sich permanent fortbilden – allgemein zu den Führungs- und Steuerungsaufgaben, zu den Kontrollpflichten (Führerschein, UVV), aber auch zu den Vorgaben die sich beispielsweise aus der Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung ergeben. Denn eine Verletzung dieser Regularien kann erhebliche Haftungsrisiken beinhalten.

Teure Assistenzsysteme verursachen hohe Reparaturkosten

Assistenzsysteme, beispielsweise für ein sicheres Einparken, sind inzwischen Branchenstandard. Die smarten Systeme versprechen aber nicht nur Vorteile, wie Dieter Jacobs, Geschäftsleitung Fuhrparkmanagement bei LeasePlan, weiß: "Die steigende Zahl von Assistenzsystemen führt, wenn es zu einem Schadenfall kommt, zu höheren Reparaturkosten. Was früher ein kleiner Rempler an der Stoßstange war, beschädigt heute Rückfahrkamera oder Abstandswarner."

Auf ein noch prinzipielles Problem bei den Systemen macht Harald J. Frings, Geschäftsführer der Deutschen Leasing Fleet aufmerksam: "Auf der einen Seite werden dem Fahrer zahlreiche Dinge abgenommen, was ein Plus an Sicherheit bedeutet."

"Hier ist der Fuhrparkmanager gefordert“

Und weiter: "Auf der anderen Seite sinkt unter Umständen die Aufmerksamkeit der Fahrer und in entscheidenden Momenten kann dies ein Risiko darstellen. Hier ist der Fuhrparkmanager gefordert für die richtige Balance zwischen Nutzen und Risiko zu sorgen."

Ralph Feldbauer, Chef-Riskmanager der Allianz Deutschland, sieht einen weiteren wesentlichen Faktor, der maßgeblich über Erfolg oder Nichterfolg der neuen technologischen Systeme entscheidet: "Die Herausforderung besteht darin, den Dienstwagenfahrern den konkreten Nutzen von Neuerungen nahe zu bringen und diese beispielsweise im Fahrzeug detailliert und praxisnah zu erläutern, im besten Fall praktisch zu demonstrieren."

Maßnahmen durchführen, Vorschriften beachten

Selbstverständlich sollte es laut Jan Dommermuth von Car Professional Management sein, zu erfassen, ob die regelmäßigen, zum Teil vom Hersteller vorgeschriebenen Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden. "Ein Stichpunkt ist hier auch die jährliche UVV-Prüfung (Unfallverhütungsvorschrift), die von der Berufsgenossenschaft für gewerblich genutzte Fahrzeuge gefordert wird", so Dommermuth.

Auf der rechtlichen Seite gibt es weitere gesetzliche Vorschriften wie neue Pflichtausstattungen von Sicherheitssystemen sowie aktuelle, oberste Gerichtsentscheidungen wie zum Beispiel das aktuelle Urteil des BGH zur Nutzung von Dashcams.

"Dies muss laufend und unseres Erachtens immer eng an allen Risikomanagement-Themen entlang beobachtet werden", ergänzt Feldbauer von der Allianz. Nicht vorgeschrieben, aber für den Fuhrparkbetreiber unabdingbar und versicherungstechnisch natürlich relevant ist die Diebstahlsicherung.

Bei Telematik den Datenschutz nicht außer Acht lassen

Telematik-Anwendungen ermöglichen ein umfassendes Reporting und eine Kontrolle der Fahrer. Hierbei gilt es die jeweiligen firmenspezifischen Betriebsvereinbarungen zu beachten sowie den allgemeinen Datenschutzrichtlinien Rechnung zu tragen, bemerkt Harald Frings von der Deutschen Leasing.

CarMobility hat Unterstützung und Kontrolle fest in seine Systeme integriert: Mit dem Safety Pack werden Fahrer regelmäßig via App geschult und ihre Fahrzeuge geprüft. Mit FleetCONNECTED kann das Fahrverhalten analysiert und optimiert werden. Auch Verstöße wie z.B. Geschwindigkeitsüberschreitungen, aggressive Beschleunigungs- und Bremsmanöver werden registriert.

"Klares Bild über Beschädigungen am Fahrzeug"

Christian Schüßler, Commercial Director bei Arval, sagt dazu: "Eine über mehrere Jahre zurückreichende Analyse schafft ein klares Bild über Beschädigungen am Fahrzeug und deren Häufigkeit. Oftmals lassen sich daraus klare Profile erkennen und so beispielhaft auch inhaltliche Lücken in Car Policies finden."

Auch Soforthilfemaßnahmen können die Systeme im Schadenfall einleiten. Das damit eng verbundene Thema Datenschutz lenkt den Blick in die Zukunft.

Wie sieht der Fuhrpark der Zukunft aus?

Dirk Albrecht von der VHV Allgemeine Versicherung hält auf diese Frage einen bunten Strauß von Stichworten bereit: E-Mobilität, Cyber-Risiken, hoher Wertverlust durch Antriebstechnologie (Diesel vs. Alternativen) oder sogar Leistungsausfall (betriebliche Leistungserbringung) durch Fahrverbote. Das seien Themen, die uns beschäftigen werden.

An die Schnittstellen denkt Jörg Rissel von der Württembergischen Versicherung AG: "Wir gehen davon aus, dass der durchgehend digitale Austausch von Daten zwischen Fuhrparkbetreibern, Fuhrparkdienstleistern, Vermittlern und Versicherern verstärkt erwartet werden wird."

Dommermuth von Car Professional Management glaubt, dass automatisierte Informationen an Dienstwagennutzer oder Fuhrparkleiter über den jeweiligen Stand der Schadenbearbeitung wünschenswert wären. Auch sieht er Potential für neutralisierte Risikomanagementauswertungen mit Benchmarkvergleichen und kundenbezogenen Optimierungshinweisen.

Skeptisch ist da Michael Gruner - Spezialist Schadenprävention Kraftfahrt-Flotte im AXA Konzern: "Der verschärfte Datenschutz wird den Einsatz von Daten für tiefgehende Schadenursachenanalyse in einer Flotte unserer Einschätzung nach etwas erschweren".

Großes Potenzial sieht Christian Gelhard, Leiter Vertrieb Athlon Germany, bei neuen Technologien wie z.B. Konnektivitätsdiensten, sprich der Überspielung der Fahrzeugdaten in ein Fuhrparkverwaltungsprogramm.

Selbstfahrende Autos "neues Risikopotenzial"

Micha Heinze, Director Sales bei Sixt Leasing wagt den Blick in eine weite Zukunft des Fuhrparks und des Risikomanagements: "Ein neues Risikopotenzial aufgrund der fehlenden Erfahrung in diesem Bereich werden selbstfahrende Autos darstellen. Wir sind überzeugt, dass sich dieser Bereich weiterentwickeln wird und sind gespannt auf dessen Auswirkungen auf die Fuhrparkbranche."

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