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Foto: Sixt
Vinzenz Pflanz ist President Corporate Sales der Sixt-Gruppe und Geschäftsführer der Sixt Autovermietung.

bfp-Interview

Sixt: „Für uns zählt der Mobilitätsmix“

Im Interview erklärt Vinzenz Pflanz von Sixt, wie sich der Mobilitätsanbieter auf die Bedürfnisse von Geschäftskunden ausrichtet.

Von Christian Frederik Merten

Nach dem Verkauf seiner Leasing-Sparte an Hyundai Capital konzentriert sich Sixt voll auf die Entwicklung und das Angebot moderner Mobilitätslösungen. Was genau die Pullacher planen, erläutert Vinzenz Pflanz, President Corporate Sales der Sixt-Gruppe und Geschäftsführer der Sixt Autovermietung, im Gespräch mit bfp FUHRPARK & MANAGEMENT.

Verschiedene Mobilitätsservices über eine Sixt-Plattform

bfp: Herr Pflanz, wie wirkt sich der Verkauf von Sixt Leasing an Hyundai Capital Mitte 2020 auf Ihre künftige Flottenkunden-Strategie aus?

Vinzenz Pflanz: Das Vermietgeschäft in all seinen Ausprägungen und unsere Mobilitätsplattform stehen klar im Fokus unserer Strategie. Das ist der Grund, weshalb wir uns letztes Jahr von der Sixt  Leasing getrennt haben. Wie wollen wir unser Vermietgeschäft in Zukunft gestalten? Noch globaler und noch digitaler! Auf Unternehmenskunden entfällt hier derzeit über 50 Prozent unseres Geschäfts, sie spielen für uns also eine sehr wichtige Rolle. Das schließt selbstverständlich Fuhrparks mit ein. Spannend finden wir in diesem Zusammenhang, dass wir für die Bereiche Dienstreise, Langzeitmiete, Fahrzeugpool und Dienstwagen in den Unternehmen immer öfter einen einzigen Ansprechpartner haben. Was aufgrund der großen Schnittmengen nicht verwundert, uns aber ermöglicht, den Kunden ganzheitliche Dienstleistungen anzubieten, die noch individueller auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind als in der Vergangenheit.

bfp: Wie lassen sich Ihre Services von der Kurzzeit- über die Langzeitmiete bis hin zum Autoabo zu einem Komplettangebot betrieblicher Mobilität verknüpfen?

V. Pflanz: Ein Ansatz dafür ist die unsere „Sixt One“-Mobilitätsplattform, auf die Kunden mit unserer Sixt-App zugreifen können. Aus zwei Profilen, nämlich dem geschäftlichen und dem privaten, lässt sich in dieser Sixt App aus verschiedenen Bausteinen eine individuelle bedarfsgerechte Mobilitätslösung erstellen. Denn sie bietet nicht nur Zugriff auf Sixt-Services, sondern auch auf die Angebote unserer externen Kooperationspartner. Vom Scooter über das Carsharing oder den Limousinen-Service bis hin zur klassischen Fahrzeugmiete und zum Autoabo ist alles dabei. Damit führen wir alle vorhandenen Kurz- und Langfristangebote in einer digitalen Lösung zusammen, und das mit Schnittstellen zu gängigen Abrechnungssystemen zur volldigitalen Weiterverarbeitung in den Unternehmen.

Ride-Hailing-Kooperation zwischen Sixt und Google

bfp: Denken Sie darüber nach, über Ihre App auch ÖPNV-Angebote zugänglich zu machen?

V. Pflanz: Technisch ist es kein Problem, weitere Kooperationspartner in die App einzubinden. Auch ÖPNV-Anbieter sind dabei vorstellbar, zunächst sicherlich in urbanen Ballungszentren. Aber auch andere Services wie zum Beispiel das Bikesharing könnten aus unserer Sicht eine sinnvolle externe Ergänzung unserer Mobilitätsplattform sein, wie auch die E-Scooter von Tier, die ja bereits integriert sind.

bfp: Seit Kurzem arbeiten Sie auch mit Google zusammen …

V. Pflanz: Richtig, mit Google kooperieren wir seit letztem Herbst im Bereich des Ride Hailings. Entscheiden sich Nutzerinnen und Nutzer in Google Maps für einen Transfer via Sixt Ride, so werden sie in die Mobilitäts-App von Sixt in den Bereich von Sixt Ride weitergeleitet. Darüber freuen wir uns sehr, auch weil Google für uns natürlich ein wichtiger Multiplikator ist.

Mit „Sixt+“ im Autoabo-Markt aktiv

bfp: Welche Rolle spielen Autoabos derzeit im Sixt-Portfolio?

V. Pflanz: Abo-Modelle besitzen eine lange Tradition bei Sixt. Nehmen Sie als Beispiel „Sixt Unlimited“, die Flatrate für den Mietwagen vor allem für Geschäftsreisende, als reinste Form des Abonnements. Für alle, die den großen Umfang dieses Services nicht benötigen, bieten wir als nun unser neues Autoabo „Sixt+“. „Sixt+“ ist eine optimale Alternative für alle, die mobil und flexibel sein wollen – ganz ohne lange Wartezeiten oder viel Papierkram ist unser Autoabo „Sixt+“ kurzfristig verfügbar und monatlich kündbar. Neben unseren B2C-Kunden sind die Zielgruppe im B2B-Bereich hier vor allem Fuhrparks mit Pool- oder Servicefahrzeugen oder aber auch Dienstwagen. Anders als beim Leasing sind in der Abo-Rate alle Kosten mit Ausnahme des Kraftstoffs enthalten, und so liegt das Abo preislich effektiv im Schnitt acht bis zwölf Prozent unter dem Leasing. Hinzu kommt, dass alle Zusatzkosten, wie Zulassung, Steuerabgaben, Haftpflicht, Vollkaskoschutz und Wartung, von Sixt übernommen werden.

bfp: Welche Individualisierungsmöglichkeiten bietet „Sixt+“ bei der Vertragsgestaltung?

V. Pflanz: Unsere Abo-Kunden haben die Möglichkeit, ihre Automobilität ganz konkret auf ihre Bedürfnisse hin anzupassen und wenn gewünscht die Konfiguration monatlich zu ändern. Zum Beispiel sind unterschiedliche Kilometerpakete bis 5.000 Kilometer wählbar. Und natürlich sind verschiedene Schutzoptionen und Fahrzeugklassen verfügbar. Dazu die große Flexibilität bei digitaler Buchung und die schnelle Verfügbarkeit innerhalb von 48 Stunden.

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Eckdaten im Autoabo anpassbar

bfp: Inwiefern muss sich Ihr Kunde bei der Buchung auf Fahrzeugsegment und Abo-Dauer festlegen?

V. Pflanz: Auch da sind die Kunden flexibel. Sie müssen die Abo-Dauer bei der Buchung nicht festlegen. Nach einer kurzen Kündigungsfrist von nur 30 Tagen können sie das Auto ohne Mindestlaufzeit jederzeit und ohne Zusatzkosten wieder abgeben. Und natürlich ist ein Fahrzeugtausch während der Laufzeit möglich – alle Eckdaten können jeden Monat flexibel und ohne Bearbeitungskosten angepasst und konfiguriert werden. In der Regel erfolgt der nach sechs Monaten sowieso, weil wir im Autoabo vorwiegend Neufahrzeuge zur Verfügung stellen.

bfp: Können Ihre Abo-Kunden spezifische Fahrzeugmodelle wählen oder beschränkt sich die Auswahl auf die Segmente?

V. Pflanz: Grundsätzlich besteht die Wahl zwischen verschiedenen Buchungskategorien, also Segmenten, wie man es auch bei der klassischen Automiete kennt. Eine Ausnahme gilt für die Marken Audi und BMW: Dort können Sie nicht nur die Marke, sondern auch bestimmte Modellreihen und Karosserieversionen buchen. Markenunabhängig stellen wir auch bestimmte Antriebe, wie zum Beispiel Hybrid-Fahrzeuge oder einen Diesel, zur Verfügung. Anhängerkupplung oder Automatik sind auf Wunsch ebenfalls möglich.

bfp: Inwiefern lassen sich Ihre Abo-Fahrzeuge optisch individualisieren, zum Beispiel durch Beklebungen?

V. Pflanz: Wir selbst bieten keinen Individualisierungsservice an. Aber natürlich können Kunden die Individualisierung selbst übernehmen, solange die Rückgabe in dem Zustand erfolgt wie die Übergabe.

bfp: Wie sind die Abo-Fahrzeuge versichert?

V. Pflanz: Die Fahrzeuge sind generell vollkaskoversichert. Die Höhe der Selbstbeteiligung ist aber individuell anpassbar.

bfp: Wie differenzieren Sie bei Sixt Autoabos von der Langzeitmiete?

V. Pflanz: Gemeinsam ist beiden Konzepten, dass sie Langzeitmobilität sichern. Im Detail gibt es jedoch kleine, aber wesentliche Unterschiede. So ist es zum Beispiel nur beim Autoabo möglich, während der Vertragslaufzeit die Fahrleistung anzupassen oder die Höhe der Selbstbeteiligung zu wechseln. Die Langzeitmiete hingegen wird taggenau abgerechnet. „Sixt+“ ist ein individuell auf die Bedürfnisse unserer Kunden angepasstes Angebot für flexible Mobilität für einen monatlichen Fixpreis.

„Sixt Share“: Rahmenverträge für Unternehmen

bfp: Welche B2B-Resonanz verspüren Sie auf Ihre Sharing-Angebote, die Sie ja im Rahmen eines Free-Floating-Konzepts anbieten?

V. Pflanz: Während der Corona-Krise haben bislang viele Menschen die Nutzung des ÖPNV für den Arbeitsweg vermieden. Das äußert sich auch in einer deutlich gestiegenen Nachfrage nach unseren flexiblen Angeboten wie Autoabos und auch unseren „Sixt Share“-Produkten. Wir beobachten dieses Nachfrage-Plus übrigens nicht nur bei Endkunden, sondern auch bei den Rahmenverträgen der Unternehmen. Die Daten zeigen außerdem eine erhöhte Nachfrage nach elektrisch betriebenen Carsharing-Autos. Ein Drittel unserer Carsharing-Flotte in Deutschland ist bereits elektrisch.

bfp: Glauben Sie an das Potenzial des Ride Hailings auch für die dienstliche Mobilität?

V. Pflanz: Auf jeden Fall! Es gibt Branchen, in denen das Thema Ride Hailing ganz besondere Bedeutung hat. Nehmen Sie zum Beispiel Unternehmensberatungen: Dort übersteigen die monatlichen Taxiausgaben einzelner Berater nicht selten die Dienstwagenkosten. Mit Ride-Hailing-Services lassen sich diese Kosten deutlich senken. Und nicht nur das: Die Abrechnung erfolgt über verschiedenste Abrechnungssysteme hinweg volldigital, das schafft vollständige Transparenz und es gibt Länder, in denen unser Ride-Hailing-Service im Vergleich zu konventionellen Taxifahrten sicherlich auch für einen deutlichen Sicherheitsgewinn sowie eine klare Kostenreduzierung steht. Für uns zählt aber vor allem der Mobilitätsmix, egal ob für B2C oder für B2B: Sixt hat ein in der Mobilitätsbranche einzigartiges Produktportfolio auf einer Plattform: von Urlaubsmieten für einige Tage oder Wochen, über Fahrdienste für wenige Minuten oder Stunden bis hin zum Autoabo von mehreren Monaten, für  Selbstfahrer oder auch Chauffeure. Und das gänzlich ohne eigenes Auto.

bfp: Abgesehen von Ihrer Mobilitäts-Plattform „Sixt One“: Welche Rolle spielen bei Sixt künftig Kooperationen mit anderen Unternehmen wie zuletzt mit Arval?

V. Pflanz: Kooperationen wie mit Arval werden bei uns in Zukunft mit Sicherheit relevanter werden. Aus zwei Gründen: Zum einen bieten wir unserem Partner die Möglichkeit, sein Portfolio an Mobilitätsleistungen deutlich zu erweitern. Zum anderen können wir unsere Kundengruppen nahtlos erweitern. Im konkreten Fall geht es vor allem um das Angebot von Ersatzmobilität. Perspektivisch wären mit verschiedensten Partnern aus unterschiedlichen Mobilitätssegmenten natürlich noch ganz andere Angebote vorstellbar. Denken Sie rein hypothetisch an einen geringfügigen Aufschlag auf den Bahncard-Preis, der im Gegenzug Rabatte auf die Mietwagen-Rate bietet.

bfp: Herr Pflanz, herzlichen Dank für das Gespräch.

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