bfp-Interview

Škoda: "Entscheidend ist das Thema Ladeinfrastruktur"

Stefan N. Quary und Steffen Zöhke von Škoda Auto Deutschland über Produktneuheiten sowie die Elektromobilität und Konnektivitätslösungen in Fuhrparks und Flotten.

Inhaltsverzeichnis

Von Clemens Noll-Velten und Christian Frederik Merten

Škoda ist mehr als etabliert im deutschen Flottenmarkt. bfp fuhrpark & management sprach mit Stefan N. Quary, Leiter Vertrieb, und Steffen Zöhke, Leiter Flotten, Direktkunden und Remarketing, über die Modellstrategie der tschechischen Volkswagen-Tochter, die Herausforderungen der Elektromobilität sowie das Connectivity-Angebot "Škoda Connect".

bfp: Herr Quary, Herr Zöhke, wie entwickelt sich das Škoda-Flotten- und Gewerbekundengeschäft aktuell?

Steffen Zöhke: Wir sind mit dem Verlauf des Flottenjahres 2019 bislang sehr zufrieden. Wir konnten uns besser entwickeln als der relevante Flottenmarkt insgesamt. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass wir unsere Produkte passgenau zu den Marktbedürfnissen platziert haben.

Stefan N. Quary: Die Gewerbe- und insbesondere die Flottenzulassungen bleiben weiterhin die Treiber des Gesamtmarkts. Das ist die positive Grundlage dafür, dass wir mit unseren Produkten immer mehr Flotten- und Gewerbekunden überzeugen können. Konkret liegen unsere Auslieferungen in diesem Segment rund 18 Prozent über Vorjahr und damit deutlich über den zehn Prozent, um die wir unsere Auslieferungen insgesamt steigern konnten. Und wir gehen davon aus, dass wir trotz aller konjunkturellen Risiken auch 2020 in der Flotte weiter wachsen werden.

Kamiq für den kleinen und mittelgroßen Fuhrpark

bfp: Welche Rolle spielen dabei neue Produkte wie das A0-Segment-SUV Kamiq?

S. Quary: Vom Kamiq erwarten wir uns durchaus einen positiven Beitrag für unser Flottengeschäft. Vielleicht nicht in den ganz großen Flotten, auf jeden Fall aber im Gewerbe und in den mittelgroßen Fuhrparks.

S. Zöhke: Der Flottenmarkt hat sich in den letzten Jahren spürbar für SUVs geöffnet. Das war nicht immer so. Bei uns ist es mittlerweile so, dass wir das wichtige Geschäft mit unseren Kombis sehr erfolgreich mit unseren mittlerweile drei SUVs ergänzen. Denn auch Karoq und Kodiaq haben sich im relevanten Flottenmarkt hervorragend etabliert.

bfp: Mit Ihren SUVs sprechen Sie aber hauptsächlich User-Chooser an?

S. Quary: Richtig. Zumal wir unser Angebot an sportiven Fahrzeugen punktuell auch im SUV-Segment erweitern. Als Beispiel möchte ich nur den Kodiaq RS nennen.

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bfp: Gewinnen die User-Chooser mit der Einführung emotionalerer Fahrzeuge wie eben dem Kodiaq RS bei Škoda an Bedeutung?

S. Zöhke: Ganz klar ja. Die User-Chooser sind ganz entscheidend für unsere Volumenentwicklung in der Flotte.

"Wichtig ist die Loyalisierung unserer Kunden"

bfp: In welchen Segmenten des Flottenmarkts sind Sie derzeit am stärksten vertreten?

S. Zöhke: Traditionell waren wir schon immer im Segment der Small Commercials, also der kleinen Flotten und Gewerbetreibenden, sehr stark vertreten. Das gilt auch heute noch. Unser aktuelles Wachstum generieren wir allerdings in den größeren Flotten.

S. Quary: Wichtig sind für uns aber nicht nur möglichst hohe Stückzahlen, sondern die Loyalisierung unserer Kunden. Die ist, glaube ich, auch unter Flotten- und Gewerbekunden möglich, zum Beispiel über hohe Restwerte, eine gute Produktqualität oder andere Faktoren, die unsere Kunden im Alltag davon überzeugen, dass die Marke Škoda die beste Wahl ist.

bfp: Welche Rolle spielt der Scala für Ihr Flotten- und Gewerbekundengeschäft?

S. Zöhke: Der Scala hat enormes Potenzial in diesem Segment. Er ist im A-Segment als besonders ökonomische Alternative platziert. Damit ist er nicht nur, aber vor allem für Funktionsflotten interessant.

Großer Schritt beim Škoda Octavia

bfp: Ein paar Worte zum neuen Octavia, den Sie der Öffentlichkeit am 11. November vorgestellt haben ...

S. Quary: Mit dem neuen Octavia machen wir nicht nur mit dem Design, sondern auch technisch einen großen Schritt. Wir freuen uns sehr auf den neuen Octavia und sind uns sicher, dass er auch unsere Kunden begeistern wird. Die Markteinführung des Kombi ist für Ende März geplant, die Limousine kommt etwas später. Bestellbar wird das Auto spätestens Ende Januar sein.

bfp: Wie geht es bei Škoda mit der E-Mobilität weiter?

S. Quary: Auch hier gehen wir mit großen Schritten voran. Nach dem Citigo E iV und dem Superb iV mit Plug-in-Hybridantrieb werden wir auch den Octavia elektrifizieren. Hier werden wir - ähnlich wie beim Plattformbruder Golf - mit Mild- und Plug-in-Hybriden an den Start gehen. Als nächstes vollelektrisches Fahrzeug planen wir in ungefähr einem Jahr die Einführung der Serienversion unserer Konzeptstudie Vision iV.

bfp: Welche Zielgruppen sprechen Sie heute mit dem Citigo E iV und dem Superb iV an?

S. Zöhke: Wichtig ist zunächst, dass wir mit dem Citigo E iV einen wesentlichen Beitrag für bezahlbare Elektromobilität leisten. Im Flotten- und Gewerbekundenmarkt ist er für alle interessant, die oft, aber vor allem auf kurzen Strecken fahren. Pflegedienste sind dafür ein gutes Beispiel. Der Superb iV ist aus unserer Sicht über alle Zielgruppen hinweg ein interessantes Angebot. Im Flotten- und Gewerbekundenmarkt gehen wir davon aus, dass der Superb iV vor allem bei User-Choosern auf große Resonanz stoßen wird, auch wegen der Vorteile durch die Halbierung der Dienstwagenversteuerung für bestimmte Plug-in-Hybride.

Komplettberatung beim Thema E-Mobilität

bfp: Beraten Sie die Fuhrparks auch bei der Einführung von Elektromobilität?

S. Zöhke: Natürlich haben wir alle unsere Großkundenleistungszentren auf die Elektromobilität vorbereitet oder sind aktuell dabei. Das ist gemeinsam mit unseren Kollegen der anderen Konzernmarken geschehen. So sind wir in der Lage, unsere Kunden ganzheitlich in Sachen Elektromobilität inklusive der existierenden Förderprogramme zu beraten.

S. Quary: Entscheidend ist aus unserer Sicht das Thema Ladeinfrastruktur. Hier bewegen sich die Unternehmen auf völlig verschiedenen Niveaus. Handlungsbedarf besteht vor allem immer noch dann, wenn es um die Ladeinfrastruktur für vollelektrische Fahrzeuge geht. Wir als Škoda werden an diesem Punkt zum Beispiel mit der Einführung einer E-Charge-Card ansetzen. Sie wird an 80 bis 90 Prozent aller öffentlichen Ladepunkte anwendbar sein. Denn natürlich können wir nicht einfach nur Elektroautos verkaufen, wir müssen vielmehr ein Gesamtsystem ins Leben rufen, um der Elektromobilität zu mehr Attraktivität zu verhelfen. Aber ich sage auch, dass wir vor Kunde realistisch auftreten müssen. Wir können heute mit den existenten Ladelösungen niemandem, der täglich mehrere 100 Kilometer Auto fährt, ernsthaft zu einem vollelektrischen Auto raten. Das wird sich erst dann ändern, wenn die Ladezeiten deutlich gesunken sind und das Ladenetz weiter ausgebaut ist.

bfp: Wird das Thema CNG bei Ihnen in Zukunft trotz Elektromobilität noch eine Rolle spielen?

S. Quary: Auf jeden Fall. Wir werden unser CNG-Angebot sogar erweitern. Neben dem Octavia G-Tec werden wir ab Anfang 2020 auch den Scala und Kamiq G-Tec in unser Programm aufnehmen. CNG trägt wesentlich zu einer Verbesserung der Umweltbilanz bei. Wir haben die Kompetenz im Konzern und in der Marke Škoda, da wäre es unklug, diese Potenziale ungenutzt zu lassen.

Serienmäßig vernetzte Škoda-Modelle

bfp: Wie ist die Entwicklung bei Škoda Connect?

S. Quary: Wir haben uns 2017 entschieden, alle Fahrzeuge, bei denen es technisch möglich ist, serienmäßig mit Škoda Connect auszustatten. Und wir freuen uns sehr, dass aktuell von einer Registrierungsquote von 85 Prozent berichten können. Das System ist für uns eine wichtige Kommunikationsplattform zu unseren Kunden und wird uns in Zukunft auch die Möglichkeit geben, den Kunden individuelle Services zur Verfügung zu stellen. Schon heute vereinfacht das System unseren Kunden ihren Mobilitätsalltag spürbar: es meldet Fahrzeugstörungen an ein im Vorfeld ausgewählte Werkstatt, ermöglicht Remote-Services wie das ferngesteuerte Öffnen und Schließen des Fahrzeugs, die Aktivierung der Standheizung oder die Übertragung von Online-Routen ins Navigationssystem oder alarmiert, wenn Airbags auslösen, automatisch die Rettungskräfte.

bfp: Herr Quary, Herr Zöhke, herzlichen Dank für das Gespräch.

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