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Zukunft

So fahren wir in 20 Jahren – Teil 1

Vier Auto-Fakten die im Jahr 2040 unsere Mobilität verändern – Zukunftsforschung, neue Techniktrends und etwas Phantasie zeichnen ein interessantes Bild der betrieblichen Mobilität in 20 Jahren.

Thomas Wüsten / AutoAmbition

Zukunftsstudien gibt es viele. Und kommerzielle Interessen ebenso viele. Wenn die Mineralölindustrie in die Zukunft schauen lässt, dann bleibt Erdöl noch mindestens 20 bis 30 Jahre unser wichtigster Energielieferant für die Mobilität. Studien der Energieversorgungskonzerne und Stromlieferanten dagegen prognostizieren dem Elektroauto eine schnelle Markt-Durchdringung und das baldige Ende der Verbrennungsmotoren. Ins gleiche Horn stoßen auch politisch motivierte Zukunftsausblicke, die zudem oft viele positive Nebeneffekte der Elektromobilität versprechen. Frei nach dem Motto: "Elektrisch wird alles besser."

Mobilitätswende bringt Unsicherheit mit sich

Doch neben der Elektromobilität werden es vor allem die mit großen Schritten fortschreitende Digitalisierung und die damit einhergehende Realisierung autonomer Fahrzeugkonzepte sein, die die betriebliche Mobilität verändern. Die Mobilitätswende wird – egal welcher Treibstoff sich wie schnell durchsetzt – die kommenden Jahre bestimmen. Doch die Veränderung des gesellschaftlichen Mobilitätsverhaltens verursacht im privaten Bereich zum Teil Unsicherheit. Im geschäftlichen Bereich darf das nicht passieren, betriebliche Mobilität muss weiter planbar sein. Einkäufer und Fuhrparkmanager wollen Kosten und Strategie im Griff behalten. Doch dazu müssen sie wissen wie die Entwicklung weitergeht.

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Bereits heute lässt sich sehr deutlich am Zeithorizont erkennen, wie unsere Mobilität, wie Autofahren etwa im Jahre 2040 aussieht. Hier die ersten vier wichtigen Fakten zum "Fahren 2040":

1 – Nutzen statt Besitzen – wir werden viel mehr leasen, leihen und sharen

Schon heute streamen wir Fernsehen und Musik nach Bedarf ("on demand"). Die Zahl der Carsharing-Anbieter und -Nutzer wächst kontinuierlich. Das Auto im Abo wie ein Handy-Vertrag wird 2040 weit verbreitet und so normal wie heute Leasing oder Finanzierung. Vorreiter in Deutschland ist schon jetzt Care by Volvo mit einem teuren, aber bequemen Alles-Inklusiv-Mobilitätspaket. Porsche, Mercedes und BMW probieren das gleiche, allerdings zuerst in den USA.

Die Vor- und Nachteile liegen auf der Hand: Wie schon jetzt beim Leasing können die Hersteller höhere Preise durchsetzen (fünf oder zehn Euro mehr Monatspauschale akzeptieren manche Kunden einfacher als einen um 500 Euro höheren Kaufpreis). Die Nutzer 2040 gewöhnen sich an immer mehr Komfort: Alle sechs bis zwölf Monate ein neues, sauberes Auto, keine Inspektionstermine, keine Reifenwechsel und selbst das Tanken wird gegen Gebühr übernommen.

Dienstleister wird Kurzzeit-Miete- oder Komplett-Leasing-Fuhrparks verwalten

Die zuverlässige Lebensdauer eines Fahrzeugs wird für den Kurzzeit-Nutzer uninteressant. Das ist besonders wichtig bei Elektroautos, denn dann spielt die Lebensdauer der Batterie für den Abo-Kunden keine Rolle mehr. Wer die betriebliche Mobilität so in Paketen mietet, statt einen Fuhrpark zu führen und zu verwalten, der reduziert seinen Handling-Aufwand erheblich.

Zwar werden die Mobilitätskosten pro Kilometer ansteigen, doch Einspareffekte bei der Verwaltung können das künftig mehr als kompensieren. Vor dem Hintergrund verliert auch die Aussage einiger VW-Manager Autos, besonders Kleinwagen, würden in kürze wegen der strengen CO2-Limits um rund 3.000 Euro teurer, ihren Schrecken.

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2 – Der Fahrer wird zum Fahrgast – im Robo-Taxi oder im autonomen PKW

Ob vollautonomes Fahren 2025 oder 2030 Realität wird, ist gleichgültig. 2040 wird es die normale und gängige Form der Beförderung sein. Den Anfang im Mobilitätsmarkt werden kleine langsame Robo-Cabs und zehn bis 20 Personen fassende Robo-Shuttle (Kleinbusse als Ruftaxis) machen. Sie reduzieren den PKW- und den Großbus-Verkehr der Innenstädte, sie fahren auf Handyruf vor und befördern dank intelligenter Routenplanung in einem Rutsch die Fahrgäste mit ähnlichen Zieladressen.

In einigen Megacities werden Google und Amazon kostenlose Flotten von Robo-Taxis einsetzen. Während der Fahrt sehen die Passagiere permanent Werbespots und die Betreiber verwerten alle gewonnenen Daten. Sprich, sie registrieren wer wohin fährt, um etwas zu kaufen.

Dienstfahrten in autonomen Autos sparen Zeit

Personelles Autofahren hinterm Lenkrad sitzend und mit Führerschein in der Tasche wird es 2040 nur noch in Ausnahmefällen oder in besonders gekennzeichneten Gebieten geben. Feuerwehren und Rettungsdienste werden weiterhin von Menschen gesteuert, damit sie ihre Ziele im Notfall auch dann schnell erreichen, wenn Zentralcomputer und autonome Steuerungen ausfallen. Besondere Baumaschinen werden ebenfalls solche Sonderrechte besitzen, die Müllabfuhr dagegen wird vollautomatisch und autonom arbeiten.

Außendienstler, Service-Techniker und selbst die "guten Seelen" von häuslichen Pflegediensten werden bereits deutlich früher als im Jahr 2040 auf ihren fest definierten Strecken autonom unterwegs sein. Sie alle werden die gewonnene Zeit nutzen um per Spracheingabe die Dokumentation der soeben erledigten Aufgaben festzuhalten. Auch Angebotskalkulationen und Akquise-Vorbereitungen müssen nicht mehr am Rechner im Büro abgearbeitet werden.

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3 – Kaum Unfälle und nie mehr Punkte in Flensburg

Menschen sind unkonzentriert, vom Handy abgelenkt und werden müde – einem Computer oder einer elektronischen Autosteuerung passiert das nicht. Ab dem Zeitpunkt, wenn autonome Fahrsysteme weniger Störungen oder Unfälle verursachen als menschliche Fahrer, werden Regierungen und Behörden das persönliche Fahren mit Vehemenz einschränken, kurze Zeit danach wird es verboten.

Das autonome Fahren bei dem nahezu keine Unfälle mehr passieren, entspricht exakt der europäischen Verkehrs-Strategie "Vision Zero" (im Sinne von null Verkehrsopfer). Die mit Sensoren, Radar und Lidar-Laser sowie per Künstlicher Intelligenz rollenden Autos oder besser Personen-Beförderungs-Mobile (People Mover) bringen noch eine "unmenschliche" Eigenart mit sich, sie fahren nie zu schnell.

Vielfahrer im Außendienst schlafen nachts im autonomen Mobil

Die Verkehrssünder-Kartei in Flensburg ist dann ebenso überflüssig wie Schilder am Straßenrand mit der maximal zulässigen Geschwindigkeit. Abhängig von den Verkehrsbedingungen und dem Fahrbahnzustand (nass rutschig oder trocken gut haftend) ermittelt ein Zentralrechner die sichere und optimale Geschwindigkeit, die wird dann automatisch eingehalten. So bewegt sich ein sicher fließender Verkehr mit einem sehr homogenen Geschwindigkeitsniveau quasi wie von Schwarm-Intelligenz gesteuert, maximale Auslastung des Verkehrsraums eingeschlossen.

In vielen Unternehmen werden die Mobilitätskosten sinken, weil sich der heute übliche Dienstreiseablauf (Anreise, Meeting, Hotelübernachtung, Rückreise) stark verändern wird. In autonomen Mobilen kann man beispielsweise nachts schlafend anreisen, am Tag zwei Meetings oder Kunden bewältigen und nachts wieder schlafend zurückreisen.

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4 – Die Kfz-Steuer gibt es nicht mehr – die Mobilitätssteuer gilt für alle

Im Jahr 2040 ist Deutschland nicht mehr das Land von 2019. Die Digitalisierung wird unsere Gesellschaft nachhaltig umgekrempelt haben, besonders den Arbeitsmarkt. Arbeitslose werden nicht mehr so genannt und das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) mit einem rund 1,5-fachen Satz der heute möglichen Grundsicherung sorgt für sozialen Frieden. Viele Menschen werden immobil zuhause nichts tun und andere wieder zuhause arbeiten.

Fahrtenbücher können nie mehr manipuliert werden

Diejenigen, die noch Büros, Kollegen oder Kunden persönlich aufsuchen müssen, fahren autonom und entrichten statt einer Kfz-Steuer die Mobilitätssteuer. Diese wird automatisch über Mobilfunk-Ortungsdaten errechnet und dient gleichzeitig als variable Verkehrssteuerung. Wer zu Spitzenzeiten mobil sein will, zahlt mehr, wer Belastungslücken nutzt, zahlt weniger.

Auch ein Mobilitäts-Monitoring mittels implantierter Chips ist denkbar, aber möglicherweise nur schwer gesetzlich durchsetzbar. Einzelne Firmen haben hier auf freiwilliger Basis ihrer Mitarbeiter natürlich andere Möglichkeiten als der Staat.

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