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Marktübersicht Ladeinfrastruktur im Fuhrpark

So geht Ladeinfrastruktur im Unternehmen

Der Aufbau einer Ladeinfrastruktur am Unternehmen ist aufwendig, aber vorteilhaft. Diese Faktoren gilt es dabei laut Branchenexperten zu berücksichtigen.

Inhaltsverzeichnis

Von Esra Tatlises

"Elektro-Autos erobern das Land" – das schreien gefühlt alle Nachrichtenkanäle bundesweit. Absolut gesehen rollen E-Autos den deutschen Pkw-Markt zwar noch nicht von hinten auf. Im Februar, dem letzten normalen Verkaufsmonat vor der Corona-Krise, kamen Elektro-Autos laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) auf 8.154 Neuzulassungen und Plug-in-Hybride auf 8.354 Einheiten – bei insgesamt fast 240.000 neuen Pkw. Aber: Batterieelektrische Autos und Plug-in-Hybride werden immer beliebter. Im Februar stieg ihr Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 75,8 beziehungsweise sogar 279,4 Prozent. Die Erhöhung der staatlichen Fördermittel ist demnach mehr als nur wirksam.

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Am praktischsten ist es für Dienstwagenfahrer, mit Steckdosenautos direkt am Unternehmensstandort und auch zuhause zu laden. Für Unternehmen, die auf die E-Mobilität setzen, kann es also sinnvoll sein, eine eigene Ladeinfrastruktur aufzubauen. Das funktioniert zwar nicht ohne einen gewissen Aufwand, wer aber die letzte Meile emissionsfrei zurücklegen, Kunden und Mitarbeitern eine Lademöglichkeit bieten und das Firmenimage grüner gestalten möchte, dem helfen bei diesem Projekt fachkundige Dienstleister und Hersteller auf diesem Gebiet. bfp FUHRPARK & MANAGEMENT weiß, wie die Elektromobilitätsbranche beim Aufbau Ihres Elektrofuhrparks unterstützen kann.

Bedarfsanalyse: Welche Faktoren sind entscheidend?

Wie bei jeder Aufgabe, die an externe Dienstleister ausgelagert wird, steht die Bedarfsanalyse an erster Stelle. Wie viele E-Fahrzeuge zählt der Fuhrparkmanager zu seiner Flotte und wie viele Ladepunkte werden demnach benötigt? Viele Experten sind sich einig, dass eine quantifizierbare Ladelösung entscheidend ist. So sollte bereits in der Planung die Möglichkeit einer späteren Erweiterung der Ladeinfrastruktur berücksichtigt werden. "Wichtig für den Aufbau von Ladeinfrastruktur ist vor allem, dass die Ladelösung zukunftsfähig und skalierbar bleibt", erklärt Sebastian Karrer, Head of Key Account Management bei The Mobility House. "Eine Abhängigkeit zwischen der Flottengröße und der geeigneten Ladelösung sehen wir deshalb nicht." Wichtiger als die Anzahl der Ladepunkte sei laut Karrer der verfügbare Netzanschluss sowie auch, für welche Anwendungsfälle und an welchen Standorten geladen werden soll.

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Faktor: Standzeiten

Oft ist die Frage nach dem "Wie?" auschlaggebender als nach dem "Was?". Empfehlenswert ist es nämlich, hierbei die Standzeiten der Fahrzeuge zu bedenken. Für kleinere Firmenflotten oder bei ausreichend langen Standzeiten in der Firma bietet sich das Laden mit Wechselstrom (AC) an, wo Autos innerhalb von zwei bis vier Stunden geladen werden können. Für größere Flotten hingegen eignet sich die Schnellladestation (DC), bestenfalls mit einem Lastmanagementsystem vor Ort. Damit immer ausreichend Strom für die Fahrzeuge vorhanden ist.

Stefan von Dobschütz, Geschäftsführer und CCO bei Innogy und E-Mobility Solutions, rät Logistikflotten, Ladehubs an den Depotstandorten zu errichten: "So können die Fahrzeuge wieder rechtzeitig auf die Straße kommen. Durch die längeren Standzeiten – etwa nachts – ist hier die günstigere Wechselstromtechnik die richtige Wahl", empfiehlt er einerseits. "Es kann aber auch sinnvoll sein, DC-Stationen (Gleichstrom) aufzubauen, sofern Fahrzeuge immer wieder untertägig für längere Strecken nachgeladen werden oder kurze Standzeiten haben."

Faktor: Kommunikation

So sehr die Stromer auch an Beliebtheit gewinnen – die Nutzung und Unterhaltung des E-Dienstfahrzeugs ist für viele Mitarbeiter noch Neuland. Damit die Implementierung einer Ladeinfrastruktur im Unternehmen auch die gewünschte Effizienz liefert, sollten grundlegende Fragen geklärt werden. Wer lädt wann und wie lange an welcher Ladesäule? Welche Kabel werden für das Tanken von Strom an den jeweiligen Stationsarten benötigt?

Digitale Backend-Systeme helfen hierbei, das Laden so einfach wie möglich zu gestalten. "Schon bei der Auswahl der Ladestationen sollten Fuhrparkmanager darauf achten, dass die Stationen einfach und intuitiv zu bedienen sind", erläutert Karl Kolmsee, Director Product Portfolio Management Charging bei Webasto. "Smarte Services und komplexe Funktionen, die im Hintergrund laufen, führen zu einer nahtlosen Integration in den Alltag und machen den Ladevorgang so einfach wie den Einkauf an der Supermarktkasse." Einige Ladesäulendienstleister bieten dafür auch spezielle Schulungen für die Mitarbeiter an. Die Kommunikation zu den Angestellten ist an dieser Stelle essenziell.

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Faktor: Mitarbeiterbedürfnisse

Mitarbeiter, die ihren Dienstwagen auch privat nutzen, sollten bestenfalls auch zuhause laden können. Fachleute der Branche raten Arbeitgebern, den Angestellten dafür Wallboxen zur Verfügung zu stellen. Somit können Vorbehalte wegen ungenügender Reichweiten beseitigt werden. Aber wie gelingt dann die akkurate Abrechnung? Verwirrung herrscht vor allem auch, wenn die Ladestationen am Firmenstandort auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind. "Die einfachste Lösung ist natürlich eine klare Trennung von öffentlich zur Verfügung gestellten und privat und geschäftlich genutzten Ladestationen. Ist dies nicht gewünscht oder nicht möglich, sollte man eine Ladelösung konzipieren, die automatisiert Ladeberichte erstellt und eine gute Kommunikation und Weiterverarbeitung der erzeugten Daten ermöglicht", meint Karl Kolmsee.

Faktor: Abrechnung

Hängt die Wallbox zu Hause beim Mitarbeiter an der Wand, stellt sich beim Laden von Firmenfahrzeugen schnell die Frage der Abrechnung. Wie viele andere Anbieter auch bietet zum Beispiel New Motion eine unkomplizierte Abrechnungslösung für beide Szenarien. "Mitarbeiter, die ihren Firmenwagen zu Hause aufladen, bekommen die dadurch entstandenen Stromkosten automatisch zurückgezahlt. Die Angestellten müssen sich hierbei um nichts kümmern.", erklärt Klaus Schmidt-Dannert, Country Manager Germany bei New Motion. "Flottenmanager sollten ihren Mitarbeitern solche unbürokratischen und alltagstauglichen Lösungen bereitstellen."

Gesonderte Abrechnungsprozesse definieren muss auch, wer das Laden von Privatfahrzeugen am Firmenstandort erlaubt. Die einfachste Lösung ist in diesem Fall sicherlich eine Abrechnung über Pauschalen, jedoch nicht gerade die optimalste. Wenn zum Jahresende dann die Verrechnung von Nachzahlungen oder Rückerstattungen ansteht, wird die vermeintlich einfachste Lösung schnell zur aufwendigsten.

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Faktor: Standortwahl

Das Stichwort Rechnung führt schnell zur nächsten Frage: Wie hoch sind die Gesamtkosten für den Aufbau einer professionellen Ladeinfrastruktur? Von der Planung, bis zum Aufbau, der Installation und der Software-Integration. Hier sind sich die Experten einig: Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Sebastian Karrer von The Mobility House bringt es folgendermaßen auf den Punkt: "Es kommt auf eine individuelle Lösung an. Die Höhe der Installationskosten hängt zunächst von der Wahl des Standorts ab – denn ob die Ladeinfrastruktur in einem Wohngebäude, in einer Tiefgarage oder auf dem Firmenparkplatz realisiert werden soll, beeinflusst grundlegend den Aufwand für die Installation." Der Standortcheck ist somit eines der wichtigsten Schritte schon bei der Planung. Denn auch Faktoren wie die Positionierung, die Höhe der Ladeleistung, die Anzahl der Ladepunkte und gegebenenfalls die Notwendigkeit von Tiefbauarbeiten sind entscheidend in der Kostenkalkulation. "Als Richtwert geben wir hier 1.200 bis 3.500 Euro pro Ladepunkt für die Beschaffung und den Aufbau von Ladeinfrastruktur am Firmenstandort an", fasst Karrer zusammen. Innogy-Geschäftsführer Stefan von Dobschütz nennt ein weiteres Beispiel: "Stattet man zum Beispiel ein Firmenparkhaus mit zehn Boxen aus, dann kostet das in etwa 12.000 bis 15.000 Euro für die Hardware und 25.000 bis 30.000 Euro für die Installation."

Wir fassen zusammen: Eine Bedarfsanalyse ist in der Planung unerlässlich. Wichtig hierbei sind die Bedürfnisse der Mitarbeiter und die gegebenen Stromnetzkapazitäten vor Ort. Für transparente Abrechnungsprozesse sind Ladekarten und smarte Backendsysteme empfehlenswert. Die Kosten für das gesamte Vorhaben sind primär davon abhängig, wo die Ladeinfrastruktur konkret errichtet werden soll. Übrigens: Die meisten Bundesländer vergeben hierfür auch Fördermittel.

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